Produkt: Sound & Recording 07/2019
Sound & Recording 07/2019
STUDIOSZENE: Bauer Studios, Ludwigsburg +++ MIXPRAXIS: Manon Grandjean / Santan Dave +++ TONI LOITSCH – Studiobau und Verkabelung des Nautilus Studios +++ EVENTIDE H9000 – Next Generation Harmonizer +++ HITS NACHGEBAUT: Henning Wehland de/constructed
Alles aus einem Guss

Musik und Sounddesign zum Animationsfilm »Manou − flieg’ flink!«

Musik und Sounddesign zum Animationsfilm »Manou − flieg’ flink!«

Animationsfilme haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Es kann jede Idee umgesetzt werden, die dem Regisseur in den Sinn kommt und beim realen Filmdreh einfach unbezahlbar oder schlicht unmöglich zu realisieren wäre. Von abgefahrenen Kamerafahrten, über schräge Fabelwesen bis hin zu fantastischen Welten ist hier einfach alles möglich. Doch die bunten und dynamischen Bilder brauchen auch ihre Entsprechung auf der Audioebene — und hier herrscht am Anfang der Filmproduktion naturgemäß erst mal sehr viel Stille, die gefüllt werden will. Ich durfte mich der Aufgabe unlängst sowohl als Komponist wie auch als Sounddesigner beim Animationsfilm »Manou − flieg’ flink!« annehmen, der seit 28.02. bundesweit in den Kinos läuft. Der Film wurde in feinstem Dolby Atmos gemischt, es gab Orchesteraufnahmen, eine durchgängige 5.1-Produktion, mit den Stimmen von Kate Winslet und Willem Dafoe sogar einen Hauch von Hollywood und vieles mehr, das die Arbeit an dem Projekt versüßt hat.

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Bei einem Animationsfilm gleichzeitig für Filmmusik und Sounddesign verantwortlich zu sein, hat natürlich seinen ganz besonderen Reiz. Am Anfang der Filmproduktion sind nur die Bilder und höchstens noch aufgenommene Dialoge vorhanden, auf die die Lippen- und Mundbewegungen animiert werden. That’s it. Dadurch, dass es im Gegensatz zum Realfilm also keine aufgenommenen Töne vom Set gibt und deshalb alles, was man später hören möchte, in der Postproduktion nachträglich erstellt werden muss, ist es nötig, die Audioebene von Grund auf neu zu erstellen und aufzubauen.

Dieser Umstand ist für den Film aber auch eine große Chance, denn so ist es möglich, dem Film den passenden Sound quasi auf den Leib zu schneidern, indem man die Audioebene von Anfang an entsprechend gestaltet. Wenn dann noch beide Gewerke in einer Hand liegen, ist es möglich, schon während der Konzeptionsphase sowohl für Musik als auch Sounddesign ästhetische Überlegungen anzustellen, wie sich diese Departments im Zusammenspiel perfekt aufeinander abstimmen lassen. So ist es z. B. denkbar, einem Protagonisten nicht nur ein bestimmtes musikalisches Thema zuzuordnen, sondern ihm auch immer eine passende, emotional wirksame Atmosphäre im Sounddesign zu verpassen. Oder man kann schon früh überlegen, wo man in welchem Department Schwerpunkte setzen möchte, d. h., ob an bestimmten Szenen die Musik die Oberhand gewinnen darf oder wo man doch stärker auf Sounddesign setzt.

Musik und Sounddesign zum Animationsfilm »Manou − flieg’ flink!«
Die Orchesteraufnahmen der Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Joris Bartsch Buhle fanden in der orchestereigenen Philharmonie in Ludwigshafen statt. (Bild: LUXX-Film)

Auch ist es wichtig, gleich zu Beginn zu wissen, ob später irgendwo bestimmte Frequenzen gefeatured werden sollen, wenn ich etwa in einer Szene bei einem Department viel mit Bässen arbeiten möchte und diese dann im anderen Gewerk eben eher vermieden werden sollen, um sich nicht gegenseitig ins Gehege zu kommen. So kann dann also z. B. die Musik in höheren Registern stattfinden, wenn im Sounddesign ordentlich Tieffrequentes angesagt ist oder umgekehrt. So kann man die Audioebene des Films wunderbar und mit einer klaren Vision gestalten. Und nebenbei spart dieser Two-in-one-Umstand auch noch viel Zeit. Denn weil man Komponist und Sounddesigner in Personalunion ist, müssen sich diese beiden Gewerke logischerweise nicht mehr müßig über die Krücke der Kommunikation in ihrer Vorstellung annähern, wodurch die Wege verdammt kurz werden − es sei denn, man ist schizophren …

www.facebook.com/ManouTheSwift

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 03 2019. Hier versandkostenfrei bestellen. 

Die Recordings im Umkreis von Nizza, dem Spielort des Films, bringen Authentizität durch das eingefangene Lokalkolorid und durch die Sounds der typischen, mediterranen Flora und Fauna vor Ort.
Das Sounddesign wurde, vorgemischt als 5.1-Session, für den Export zum Studio thematisch in Stems zusammengefasst, sodass man in der Filmmischung noch recht detailliert Zugriff auf einzelne Elemente der jeweiligen Soundkategorien hatte und nicht das komplette Pult mit hunderten SD-Spuren belegt waren. Hier als Beispiel die Atmos von Akt 5, bei dem es sich hauptsächlich um einen riesigen Sturm auf hoher See dreht.
Produkt: Sound & Recording 07/2019
Sound & Recording 07/2019
STUDIOSZENE: Bauer Studios, Ludwigsburg +++ MIXPRAXIS: Manon Grandjean / Santan Dave +++ TONI LOITSCH – Studiobau und Verkabelung des Nautilus Studios +++ EVENTIDE H9000 – Next Generation Harmonizer +++ HITS NACHGEBAUT: Henning Wehland de/constructed

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