Arbeiten statt Hype

MM Sound Mastering-Studio

»Vintage«-High-End-Zuspielgeräte im MM Sound Mastering-Studio: links ein EMT 938-Rundfunk-Plattenspieler, daneben eine Telefunken M15A-Viertelzoll-Bandmaschine und ein M21-Modell (Bild: MM Sound)

Matthias Bell und Arne Thiemann führen seit 2018 ein Mastering-Studio, das sich primär auf gelungene Ergebnisse konzentrieren will, ohne ausgiebige Web- und Social-Media-Präsenz. Dabei konzentrieren sie sich auf die Überprüfung des Materials auf handwerkliche wie technische Fehler und bearbeiten die Klangästhetik behutsam. Eine gute Gelegenheit, über Detailfehler vieler Produktionen zu sprechen, Tonprobleme bei Video-Clips, unterschiedliche Lautheit bei Streaming-Anbietern – und den (überraschenden) Effekt der Corona-Einschränkungen auf das Mastering-Studio.

Das MM Sound Mastering-Studio in Steinhagen bei Gütersloh wurde 1991 vom namensgebenden Toningenieur Manfred Melchior gegründet. Neben freien Kunden arbeitet die Firma mit dem Label Sony Music zusammen. Gemastert wurden beispielsweise Alben von Udo Jürgens, Roland Kaiser, Andrea Berg, Wolfgang Petry, Enigma, Scorpions, Vanessa Mai, Claudia Jung oder Die Prinzen. Auch viele Remastering-Aufträge kamen rein, darunter für Sweet, Karat, Smokie, Joe Cocker, Roger Whittaker oder Jennifer Rush.

Anzeige

Kürzlich fand ein »Generationswechsel« statt: Melchior ging in Rente, und seine beiden Angestellten übernahmen das Studio: Matthias Bell arbeitet bereits seit 1994 als Toningenieur dort. Zuvor hatte er Tonund Bildtechnik in Düsseldorf studiert und zunächst beim Rundfunk gearbeitet. Sein Kollege Arne Thiemann stieß 2011 zu MM Sound. Er hatte den Bachelor-Studiengang »Audiovisuelle Medien« in Stuttgart absolviert, übernahm anschließend Sounddesign für Film- und Fernsehproduktionen, arbeitete bei Sportveranstaltungen im Ü-Wagen sowie als FoH in kleineren Clubs.

Blick in einen der beiden Abhörräume samt B&W 800/1 mit zwei B&W M800 Mono Power Endstufen und Genelec 8050A als 5.1-Surround-Setup mit 7071A als LFE
Arbeitet seit 1994 im Studio: Geschäftsführer Matthias Bell
Sein Kollege Arne Thiemann, ebenfalls Geschäftsführer, stieß 2011 hinzu.
»Wall Of Fame« im Flurbereich
Blick ins Archiv: Das CD-Regal mit bisherigen Produktionen enthält laut MM Sound schätzungsweise zwischen 10.000 und 15.000 CDs.
Ein ADT V700-Rack mit Equalizern und Kompressor sowie einem ADT »Toolmod«-Bandsättigungs-Einschub (oben im Rack) gehören zur analogen Bearbeitungskette.

»Manfred Melchior war bei der Gründung des Studios bereits ein bekannter Name in der Szene und hatte viel Erfahrung im Mastering-Bereich«, rekapituliert sich Matthias Bell. »Seit meinem Einstieg 1994 habe ich den digitalen Fortschritt und die Loudness-Entwicklung durchgemacht. Wir haben beide lange und viel von Manfred gelernt.« Arne Thiemann ergänzt: »Ich hatte auch das Privileg, dass er viel von seinem Wissen an mich weitergegeben hat – er arbeitete daraufhin, dass es nicht verloren geht.«

Eine Webseite existiert erst seit der Geschäftsübernahme 2018. Sie ist eher nüchtern und übersichtlich gestaltet, mit einer groben Übersicht und einzelnen Blog-Einträgen zu Fachthemen. »Das ist bislang den Umständen geschuldet, aber auch bewusst gemacht: Wir möchten nicht möglichst viel ›Lärm‹ machen. Stattdessen ist uns wichtig, den Eindruck zu erwecken, dass unsere Arbeit Hand und Fuß hat. Wir wollen die Sache in den Vordergrund stellen, ohne zu blenden.« Lediglich Workshops bieten sie gelegentlich im Studio an, um Wissen zu vermitteln. Davon abgesehen gelte: »Der Kunde braucht ein gutes Mastering, nicht noch einen großartigen Entertainer. Dazu drehen wir ihm keine zusätzlichen Master an, wenn er sie nicht braucht – das ist leider ›in Mode‹, weil Kunden auch verunsichert sind. Wir sagen unseren Kunden ehrlich, was sie brauchen – so bekommen sie auch ein ehrliches Produkt.«

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 03/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren