Britische Würze

Mixpraxis: Mark Ralph über die Arbeit an Clean Bandits What Is Love

Die Hitparaden in den angelsächsischen Ländern scheinen mal wieder besonders gleichförmig zu sein — stilistisch ebenso wie bezogen auf die Künstler, die sie bevölkern. Die US-Charts gleichen einer Parade von Atlanta-Trap- und Rap-beeinflussten Künstlern, von Post Malone über Travis Scott bis Cardi B. Wie so oft scheint es an den Briten zu sein, etwas Würze und Abwechslung einzubringen. Mit Stars wie Adele, Ed Sheeran, Florence + The Machine und Sam Smith läuft es dort recht gut. Zusätzlich gibt es eine echte neue Welle von UK-Künstlern, die Einflüsse von amerikanischem R’n’B, Trap und Hip-Hop mit traditionelleren Musikstilen und britischem Pop-Gefühl kombinieren. Beispiele sind einschlägige Acts wie Jax Jones, Hot Chip, Years & Years, Rudimental, Jess Glynne und Clean Bandit.

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Clean Bandit verschmelzen Electronica, urbane Grooves und EDM-Vocal-Chops mit Streichern und anderen »echten« Instrumenten. Diese Acts arbeiten tendenziell mit einer Kombination von elektronischen/programmierten und »handgespielten« Instrumenten, im Gegensatz zum immer weitgehender programmierten, in-the-box-mäßigen amerikanischen Ansatz. Eine weitere Gemeinsamkeit der zuletzt erwähnten Acts ist die Zusammenarbeit mit dem britischen Producer und Mixer Mark Ralph, der es offensichtlich zu seinem Karriere-Motto gemacht hat, Dinge neu zu kombinieren − stilistisch, musikalisch und, wie wir sehen werden, auch technisch.

Ralph gewann 2016 bei den Londoner UK A&R Awards in der Kategorie »Producer des Jahres« und könnte überhaupt der momentan am heißesten gehandelte Producer aus dem UK sein. Seine Musikerkarriere begann 1993, als er Gitarre für Sister Sledges Remake ihres klassischen 1979er Hits We Are Family spielte − und damit für keinen Geringeren als Nile Rodgers einsprang. Ralph konzentrierte sich weiter auf sein Ding und wurde gefragter Session-Gitarrist, arbeitete als solcher mit allen von Natalie Imbruglia bis Tom Jones und brachte es ebenso zu einem eigenen Plattenvertrag als Künstler. Nachdem ihn sein Label 1998 fallen ließ, arbeitete er eine Zeit lang beim Londoner Equipment-Verleih Tickle Music Hire, bevor er sich im neuen Jahrtausend immer mehr in Songwriting und Produktion vertiefte. Irgendwann bekam er wieder einen Plattenvertrag; seinen letzten Versuch als Recording-Artist hatte er 2009 als Drittel der Synthpop-Band Filthy Dukes.

»Nach dieser Erfahrung«, erinnert sich Ralph, »entschied ich mich, kein Künstler mehr sein zu wollen, sondern mich lieber darauf zu konzentrieren, andere Leute zu produzieren, und mixen zu lernen. Es dauert, bis man etwas gut kann, und ich glaube, alles, was ich je getan habe, hat mir als Erfahrung genützt. Als ich beim Equipment-Verleih arbeitete, dachte ich, es wäre das Ende meiner Musikkarriere. Tatsächlich habe ich da aber gelernt, wie jedes Gerät funktioniert und wie man es anschließt, d. h., ich habe eine Menge Studio-Skills mitgenommen. Einen Plattenvertrag zu bekommen ist das erhabenste Gefühl, das man haben kann, und wieder fallen gelassen zu werden, ist entsprechend das schrecklichste Gefühl. Aber durch die Erfahrung habe ich gelernt, Härten locker zu nehmen und die Achterbahnfahrt zu managen, die eine Karriere im Musikbusiness nun mal ist. Ich habe bisher 26 Jahre voller Aufregung und Enttäuschung erlebt, und wenn ich auch momentan wieder oben auf einer Welle reite, weiß ich, dass es in fünf Jahren wieder ganz anders aussehen kann. Ich mache mir nicht mehr allzu viel sowohl aus den Hochs als auch aus den Tiefs.«

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