Produkt: Sound & Recording 09-10/2019
Sound & Recording 09-10/2019
HD-VINYL von REBEAT – höher, weiter, mehr? +++ MIXPRAXIS: Rob Kinelski mischt Billie Eilish +++ INTERVIEW: Elektro-Trio MONOKOMPATIBEL +++ AUSTRIAN AUDIO OC818 – Großmembran-Kondensatormikrofon +++ HITS NACHGEBAUT: Billie Eilish de/constructed
Über Straßen und Häuser, Loops und Tornados, Wurmlöcher und Zement

Mixpraxis: Louis Bell – Magie und Musikproduktion

»Folgende Analogie stelle ich gerne her: Die Künstler fahren die Straßen herunter, die ich für sie aufgebaut habe. Mein Ziel ist es, sie dahin zu führen, wo sie hinwollen. Wenn sie dann angekommen sind, kann man sich um die Details kümmern. Die Straße muss erst mal nicht die schönste sein, sondern nur den Künstler von A nach B bringen. Du kannst jederzeit zurückgehen, um die Schlaglöcher zu füllen oder die Linien nachzuziehen oder was auch immer erforderlich ist. Aber während du die Straße baust, muss der Künstler sehen können, wohin er oder sie fährt, d. h. die eigene Vision sehen können. Künstler, die ihre Musik nicht selbst produzieren, verlassen sich sehr auf die Vision des Producers. Im Gegensatz zu jemandem wie Post Malone, der selbst auch produziert, die Fachterminologie kennt und Dinge sagen kann wie ›Lass uns mal einen anderen 808-Sound ausprobieren‹. Wenn wir zusammenarbeiten, kommen wir sehr schnell zu Ergebnissen.«

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Diese Worte stammen von Louis Bell, dem wohl erfolgreichsten Produzenten dieser Tage. Diesen Status hat er erst seit rund drei Jahren; zu seinen Errungenschaften in dieser Zeit zählen acht Stücke auf Post Malones Debütalbum Stoney (2016) inklusive des Hits Congratulations sowie alle Stücke auf Malones Megaseller Beerbongs & Bentleys (2019), darunter die Superhits Rockstar, Psycho und Better Now. Zusätzlich zu seinen durchaus epochalen Arbeiten mit Malone glänzt Bells Erfolgsbilanz auch mit Hits von Camila Cabello, Selena Gomez, Lorde, Halsey, Cardi B, 5 Seconds of Summer, Khalid, Jess Glynne, Rita Ora und vielen anderen.

Bell spricht via Skype aus dem Electric Feel Studio in Los Angeles, wo er die meiste Zeit arbeitet, und es wird schnell klar, dass er eine ziemlich spezielle Art hat, mit Wörtern umzugehen. Zum Thema Songwriting beispielsweise sagt er: »Songs sind wie Tornados. Sie kommen aus dem Nichts und verursachen manchmal Schaden, und man weiß nicht genau, wann sie auftauchen. Songs nehmen alles auf, was in ihrem Umfeld liegt, wirbeln es hoch, und das macht etwas mit Menschen. Aber wenn man sich im Auge des Sturms befindet, merkt man nicht einmal, dass etwas passiert. Du kreierst also diesen Song, und wenn der Staub sich wieder gelegt hat, siehst du dir an, was du geschaffen hast, und fragst dich: ›Was habe ich gerade getan? War es etwas Besonderes, oder habe ich nur etwas zerstört?‹ «

Die Vielzahl an Tornados, die Bell in den letzten drei Jahren auf die Welt losgelassen hat, ist umso bemerkenswerter, weil er bis Ende 2016, obwohl schon fast zwei Dekaden im Geschäft, weitestgehend unbekannt war. Eine lange Zeit, um auf den großen Erfolg zu warten, aber so hatte er reichlich Zeit, seine Sporen zu verdienen. Bell wurde 1982 geboren, und als der große Erfolg endlich kam, war er 34 Jahre alt und nach eigenem Bekunden »… überqualifiziert. Ich hatte meine verschiedenen Skills mehr als zehn Jahre lang ausgebaut, so dass ich sehr gut vorbereitet war und bereit, einen Haufen unterschiedliche Hüte zu tragen. Es braucht dann nur einen Song, um dich sichtbar zu machen. Bis dahin weiß niemand von deiner Existenz, und plötzlich sagen alle: ›Hey, wer ist dieser Typ? Lass uns ihn an Bord holen!‹ «

Zu den Hüten, die Louis Bell schon getragen hat, gehören die eines Songwriters, Vocal-Producers, Engineers, Mixers und Producers, und der Song, der ihn sichtbar machte, war DJ Snakes Let Me Love You mit Vocals von Justin Bieber. Er wurde im August 2016 veröffentlicht und war ein weltweiter Hit, Nummer 1 in mehr als einem Dutzend Ländern. »Der Song war ein großer Erfolg, und darüber war ich ziemlich glücklich«, erinnert sich Bell. »Sofort im Anschluss begann ich, mit Post Malone zu arbeiten, und für dessen Song Deja Vu habe ich Justin direkt wieder eingebunden.«

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 11/2019. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Louis beim intensiven Arbeiten mit Post Malone
Da scheint was abzugehen: Louis hört genau zu, was Post Malone ihm vorsingt.
Louis und Produzent Frank Dukes zusammen mit Camila Cabello am Flügel

PC vs. MAC

Der Mac bleibt der dominierende Computer zur Musikproduktion, aber PCs werden immer häufiger eingesetzt, und Bell ist vor langer Zeit konvertiert. »Ich bin seit 2006 PC-User«, sagt er. »Ich habe vorher einen Mac benutzt. Aber mit einem PC habe ich angefangen, noch früher. Als ich jung war, interessierte meine Mutter sich sehr für Computer, sie war Computerlehrerin und benutzte immer PCs, sie waren im ganzen Haus. Ich bin also mit PCs aufgewachsen. Als Macs herauskamen, wurden sie in der Schule benutzt, und so bin ich auch dort ein wenig hereingewachsen − der Mac galt damals als der kreative Computer, während der PC vor allem gut für Tabellenkalkulationen schien, und man konnte darauf Solitaire spielen. Man hatte das Gefühl, der PC wäre eher eine ernste Sache, während der Mac sagte ›Let’s have fun! Ich bin der Kreativ-Computer!‹

Aber eines Tages dachte ich zufällig: ›Ich habe noch nie jemanden gesehen, der Pro Tools auf einem PC benutzt − ich frage mich, warum. Muss ich mal ausprobieren!‹ Das tat ich und dachte: ›oh mein Gott, Pro Tools läuft reibungslos auf einem PC!‹ Es schien mir sogar smoother [als auf dem Mac], und das Interface des PCs ziehe ich auch vor, weil es dort einfacher und schneller geht, meine Fenster und Dateien zu organisieren. Es gibt irgendetwas an der Funktionsweise des PCs, das für mich viel besser funktioniert. natürlich lief auch Fruity Loops ausschließlich auf dem PC, bis letztes Jahr Fruity Loops 20 für Mac herauskam. Bis dahin gab es keine FL-Version, die auf dem Mac gut lief.

Was aber den PC betrifft: Auch die Verwendung von Plug-in-Wrappern und die RTAS-Sache [Real Time Audio Suite] ließen mich mit Plug-ins in Pro Tools Dinge tun und Sounds bekommen, die ich auf dem Mac nicht hätte bekommen können. So bekam ich ein wenig meinen eigenen kleinen Blickwinkel und Sound. Ich kenne sonst niemanden in L.A., der bis heute Pro Tools auf einem PC verwendet. Das zu tun, gibt mir so ein Gefühl von Einzigartigkeit. und manchmal führt die Verwendung eines ungewöhnlichen Werkzeugs auch zu anderen kreativen Ergebnissen.«

Produkt: Sound & Recording 12/2019
Sound & Recording 12/2019
UNIVERSAL AUDIO APOLLO X4 - Desktop-Interface +++ AMPHION ONE18 - Passiver 2-Wege-Monitor +++ DJ SHADOW - Neues vom Sample-Guy +++ SONIBLE SMART:COMP – Einparkhilfe +++ HITS NACHGEBAUT: Ed Sheeran – Remember (feat. 50 Cent & Eminem) de/constructed

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