Produkt: Sound & Recording 07-08/2019
Sound & Recording 07-08/2019
STUDIOSZENE: Bauer Studios, Ludwigsburg +++ MIXPRAXIS: Manon Grandjean / Santan Dave +++ TONI LOITSCH – Studiobau und Verkabelung des Nautilus Studios +++ EVENTIDE H9000 – Next Generation Harmonizer +++ HITS NACHGEBAUT: Henning Wehland de/constructed
Senkrechtstarter

Mixpraxis – Konstantin Kersting mischt Tones and I´s Dance Monkey

(Bild: Dieter Stork)

So dürfte der Traum eines jeden Straßenmusikers aussehen: Ein zufällig im Publikum anwesender Star-Produzent oder Musik-Manager zieht einen Plattenvertrag aus der Tasche und befördert den überraschten Künstler im Nullkommanichts von der Straße direkt in die Charts. Zu schön, um wahr zu sein?

Tatsächlich übersteigt die Erfolgsgeschichte der australischen Künstlerin Tones and I auch die wildesten Träume des hoffnungsvollsten Straßenmusikers: Die 24-jährige Toni Watson, damals wohnhaft in ihrem Van, bespielt 2017 die Straßen von Byron Bay, einem Städtchen an der australischen Ostküste. Ziemlich genau zwei Jahre später zählt sie als »Tones and I« zu den erfolgreichsten internationalen Newcomern 2019 – mit den häufigsten Streams und der Single Dance Monkey, die sich in über 30 Ländern auf Platz 1 wiederfindet.

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Mitte November 2019 – zum Zeitpunkt dieses Interviews – befindet sich der Song seit fünf Wochen auf Platz 1 der UK-Charts und führt seit vier Monaten die australischen Hitlisten an. Damit übertrifft er sogar Ed Sheerans Shape of You. Das zugehörige YouTube-Video zählt stattliche 164 Millionen Views. Auf Spotify ist Dance Monkey der erfolgreichste australische Song aller Zeiten.

Der Produzent

Der überraschende Erfolg von Dance Monkey hat nicht nur Toni Watsons Leben gründlich verändert. Auch für den Produzenten Konstantin Kersting, mit dem Toni seit Anfang 2019 arbeitet, hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Konstantin hat in seinem Studio in Brisbane Johnny Run Away und Dance Monkey engineert, produziert und gemixt, ebenso zwei weitere Songs der insgesamt sechs Titel starken Debut-EP von Tones and I. Dance Monkey ist für Konstantin und das gesamte Team der erste internationale Erfolg. Interessanterweise lebt Konstantin erst seit 2007 in Australien. Aufgewachsen in Berlin, hat er das Land »down under« zunächst als Austauschstudent kennengelernt und dort seine Musikerkarriere vorangetrieben.

»Im Alter von fünf Jahren begann ich, Violine zu lernen«, erinnert sich Konstantin. »Mit 16 habe ich jedoch die Finger davon gelassen, weil mir ein Bass viel cooler erschien. Ich spielte dann in Jazz-Bands und lernte Musiktheorie. Ein paar Jahre später ging ich nach Australien und machte dort an der Queensland University of Technology in Brisbane meinen Bachelor of Music. Noch während des Studiums arbeitete ich als Assistent für meinen damaligen Dozenten und Mentor Yanto Browning. In den Airlock-Studios, betrieben von der australischen Band Powderfinger, arbeitete ich mich schließlich vom Assistenten zum Second-In-House-Engineer hoch, um dann ein paar Jahre später meine Freelancer-Tätigkeit zu starten.«

Seit etwa vier Jahren beschäftigt er sich intensiv mit »eher elektronisch produzierter Musik« und arbeitet seitdem zunehmend im Rechner – eine Arbeitsweise, die ihm bei der Produktion von Tones and I sehr entgegenkommt. »Ich spiele Gitarre, Keyboards und ein wenig Drums«, erklärt Konstantin. »Klassisches Songwriting und Musikproduktion hatten für mich immer einen sehr hohen Stellenwert. Mittlerweile ist es für mich jedoch ebenso interessant geworden, Musik vollständig im Rechner zu programmieren. Letztlich zählt das Ergebnis, nicht die Art und Weise, wie es gemacht wurde. Was auch immer einem Song gut tut, passt für mich.«

Als ein Schlüsselerlebnis sieht Konstantin seine Teilnahme an einem Mix-With-The-Masters-Seminar von Michael Brauer (u. a. Coldplay, John Mayer) im Jahre 2016: »Natürlich habe ich dort auch eine Menge interessanter Dinge über das Mixing gelernt«, erinnert sich Konstantin. »Das wirklich Entscheidende war aber die Erkenntnis, dass man auch als Producer immer offen für Neues bleiben muss und Dinge ausprobieren sollte.«

Die komplette Mixpraxis findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 01/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Konstantin Kersting arbeitet zwar hauptsächlich Plug-ins, aber einige Geräte lassen sich eben nicht ersetzen – wie der abgebildete Moog Voyager, den er gerne mit anderer Hardware (z. B. dem Behringer Model D) oder auch Software-Instrumenten mischt.
Auch ein Korg Minilogue gehört zu den Outboard-Instrumenten in Konstantins Hardware-Arsenal.
Oben im Bild ein UA 1176-Limiter
Universal Audio LA-3A
Konstantin Kersting in seinem Studio
Produkt: Sound & Recording 12/2019
Sound & Recording 12/2019
UNIVERSAL AUDIO APOLLO X4 - Desktop-Interface +++ AMPHION ONE18 - Passiver 2-Wege-Monitor +++ DJ SHADOW - Neues vom Sample-Guy +++ SONIBLE SMART:COMP – Einparkhilfe +++ HITS NACHGEBAUT: Ed Sheeran – Remember (feat. 50 Cent & Eminem) de/constructed

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