Carlo Montagnese über seine Karriere

Mixpraxis – Illangelo

Montagnese wurde vor 28 Jahren in Calgary, Kanada, geboren. Mit Musik kam er praktisch von Geburt an in Berührung.

Illangelo photo credit Keith Richardson from Mr.Completely
(Bild: Keith Richardson)

„Meine älteren Brüder und Schwestern haben in den frühen 90ern ein Studio im Keller eingerichtet. Ich habe alles angehört und beobachtet, was sie dort trieben. Mein ältester Bruder hat mir das Klavierspielen beigebracht. Als ich etwas älter war, bat ich ihn, mir zu zeigen, wie man den Sequenzer eines alten Roland-Synths bedient. Er meinte, dass ich alle Infos dazu im Internet finde. Also habe ich eine Menge Zeit damit verbracht, die Online-Informationsquellen zu nutzen – u.a. auch diese Artikelserie. Allmählich habe ich mir ein Homestudio aufgebaut, und als ich 16 war, sagte mir jemand, dass Cubase die Software ist, die Profis benutzen. Also habe ich mir das Programm besorgt und gelernt, damit umzugehen. Schon damals habe ich alles gemacht, was ich heute noch tue: schreiben, spielen, aufnehmen, mixen, produzieren, mastern.

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Dann 2010, als ich 22 wurde, zog ich nach Toronto. Ich hatte einen Raum in den Dream House Studios; dort machte hinter jeder Wand ein anderer Produzent Musik in einem anderen Genre. Doch ich fühlte mich unwohl, weil ich mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen hatte. Während dieser Zeit ging ich zu Meetings in LA, aber niemand zeigte Interesse. Egal, woran ich gerade arbeitete, nichts lief. Was ich in dieser Zeit, und auch danach, hauptsächlich machte, war, mich technisch weiterzuentwickeln. Es gab eine Phase, in der ich die Oktavbereiche von Songs in verschiedenen Tonarten kartographiert habe. Mit diesen Frequenzbereichen im Hinterkopf konnte ich den Mix visuell angehen. Es war wie Mathematik. Ich habe doch tatsächlich den Gesang ab einer bestimmten Frequenz abgeschnitten, um für einen anderen Sound Platz zu schaffen. Ich habe mich selbst in den Wahnsinn getrieben! Heute mach ich so etwas nicht mehr, aber ich musste durch diese Phase gehen. Es war ein Schritt auf dem Weg hierher.“


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Sound&Recording Ausgabe 05/16

Songwriting Special

Diese Ausgabe widmet sich dem Thema Songwriting per App! Wir stellen euch iOS-Tools vor, die eure Kreativität beim Songwriting unterstützen und zeigen euch iOS-Hardware die umfangreiche, mobile Recording-Lösungen anbieten, wie Motive von Shure, die Lurssen Mastering Console und Lightning-Interfaces und –Mikrofone sowie Software. Eine Band die weiß wie man Songs schreibt sind AnnenMayKantereit. Mit ihrem Debüt-Album „Alles nix Konkretes“, das von Moses Schneider produziert wurde, schafften die Kölner-Jungs auf Anhieb den Sprung auf die #1 der deutschen Single Charts. Den Studio-Report findet ihr im Heft. Außerdem waren wir in Chino, USA in der Edel-Maufaktur bei Manley Labs zu Gast. Den dort hergestellten Channelstrip Manley Core haben wir für euch im Test. Für die Mixpraxis spricht Illangelo Montagnese über die Produktion mit The Weeknd und in De/Constructed zerlegt Henning Verlage King Kunta von Kendrick Lamar.

Getestet haben wir das Roli Seaboard Rise 25, das „Volksbändchen“ sE Electronics X1R und in Love The Machines gibt´s den Klassiker Roland JP-8000.

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Im Dezember 2010 traf Montagnese Abel Tesfaye in den Dream House Studios in Toronto. Er erinnert sich: „Wir trafen uns zufällig, aber vom ersten Augenblick an wusste ich, dass es Schicksal war. Wir gingen ins Studio und hatten sofort diese Verbindung. Das erste Stück, das wir zusammen schrieben und aufnahmen, war ‚Crew Love’.“ 2012 wurde der Song vom ebenfalls aus Toronto stammenden Rapper Drake als Single veröffentlicht, mit The Weeknd als Gastsänger. Die Single wurde ein kleiner Hit und war auf Drakes zweitem Album Take Care enthalten. 2011 verbrachten Montagnese und Tesfaye viel Zeit zusammen mit Martin „Doc“ McKinney im Studio, wo sie neues Material schrieben und aufnahmen. Das Resultat waren drei Mixtapes von The Weeknd, House of Ballons, Thursday und Echoes of Silence. Es folgten ein Plattenvertrag und die erste Veröffentlichung auf einem Major Label, Trilogy (2012), eine neu gemasterte Compilation der drei Mixtapes, neu abgemischt von Montagnese und mit drei neuen Songs. Das Album erreichte Platin-Status in den USA und Doppelplatin in Kanada.

Ein Jahr später folgte das erste „richtige“ Major-Label-Album Kiss Land, doch von Kritikern und Fans wurde es eher verhalten aufgenommen. Es entstand ohne Montagnese, und auch wenn man vermuten könnte, dass dies auf Druck der Plattenfirma geschah, betont Montagnese selbst, dass Tasfaye und er schlicht ein wenig Pause voneinander brauchten. „Wir hatten zwei Jahre lang fast jeden Tag miteinander verbracht. Für sein neues Album sind wir dann wieder zusammengekommen, und hatten wieder Spaß.“

 

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