Kolumne mit dem Tonbuff

Meine Rockbraut – Von Tonleben und Liebe

(Bild: s Yana Heinstein, Wolfram Buff, Matthias Reinsdorf, Holger Vogt, Mark Craig)

Liebe Leser! Ich finde, wir sprechen viel zu selten miteinander, und deshalb möchte ich mich heute einmal herzlich bedanken. Danke!

Danke für eure Geduld mit all dem Unfug, der mir erzählenswert scheint. Manchmal bin ich mir des Erzählenswerten nicht sicher, und dann frage ich die netten Leuten von Sound & Recording (allzeit hart am Puls der Leserschaft), ob denen irgendetwas besonders erzählenswert erscheint. Vor Spannung bibbernd trage ich mein Anliegen vor, denn obschon mir die Erfüllung jedes Leserwunsches eine Herzensfreude ist, ist die Aufgabe nicht immer leicht:

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»Schreib doch mal, wie das mit dem Tonleben und der Liebe funktioniert«, wurde mir freundlich geheißen, worauf ich tapfer »gerne!« röchelte, jedoch völlig anderes dachte − zum Beispiel »Oh Gott!« und »Woher soll ich denn das wissen?!« − und schnurstracks zur Expertin lief, nämlich zu Frau Buff, meiner Rockbraut.

»Wie es ist, mit dem Tonbuff verheiratet zu sein? Harrrrt!«, sagte diese, rollte das R und die Augen und küsste mich. »Ich komme nämlich mit Eifersucht nicht gut klar.«

So was sagt sie, weil ich mich dieser Tage ziemlich oft mit beruflicher Ausrede in exotischer Umgebung herumlümmle, wo sie auch gerne mal lümmeln würde, nicht, weil ich zu anderen Rockbräuten neige. Da hätte sie auch nicht viel Grund zu. Wohl bin ich weder blind noch ungesellig, und auch würde ich bei Glatteis bestimmt mal mit einer Netten hinfallen, aber aufstehen möchte ich nur mit Frau Buff, und deswegen lasse ich das Fallen auch gleich sein.

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Frau Buff und ich stehen schon ganz schön lange zusammen auf, und trotzdem kann ich die müde Weisheit nicht bestätigen, dass das Geheimnis einer langen Beziehung vor allem die verpasste Trennung sei. Wenn ich mich so in meiner Tonwelt umschaue und meine gestandenen Kumpels sehe, die gerade von ihren jungen Gespielinnen per WhatsApp gefeuert werden, weiß ich, wie viel Glück ich hatte, dass ich mit Frau Buff schon aufstehen durfte, bevor sie sich aus meinem Lebenslauf einen Lebensstil zusammenreimen konnte.

Ich hatte nämlich damals nichts zum Angeben, und deshalb konnte sie erst gar nicht meinen, da gäb’s Ruhm oder Reichtümer im Abrieb zu holen. Ruhm und Reichtum haben eh nichts miteinander zu tun, und ganz viele Tonbeziehungen beißen deswegen ins Gras, weil die tonfremden Partner mit dem Verhältnis zwischen Einsatz und Ertrag nicht klar kommen.

Der Einsatz ist bekannt üppig, 60-Stunden-Wochen als Mindestpensum und so selbständig Grundsätzliches wie Handygespräche auch am Sonntag und selbst in den Ferien manchmal tägliche anderthalb Stunden Mix-Check, während der Ertrag nicht zwingend besser aussieht als bei den Nachbarn mit Feierabend und geregeltem Urlaub.

Viele an Tonleuten Interessierte finden es toll, mit jemand aus dem »Business« zusammen zu sein, so mit Backstage und Bekanntschaft mit den Stars, aber wenn der Star aus dem Backstage zum dritten Mal den Hochzeitstag versaut, ist bei ähnlich vielen Schluss mit lustig.

Frau Buff kommt mit all dem erstaunlich gut klar, doch selbst das ist nicht die Hauptsache:

»Hauptsache, man ist gesund und die Frau hat Arbeit«, krähte mein Opa selig früher fröhlich. Das kann ich so nicht bestätigen, eher: Hauptsache, der liebste Mensch nimmt’s nicht persönlich, dass er bestimmt der liebste Mensch, aber nicht immer das Liebste ist. Denn nicht nur verschwinde ich recht oft für längere Zeit, nein, ich freue mich darauf.

Frau Buff nimmt dies nicht persönlich, weil sie’s nicht persönlich nehmen muss. Wohl hat sie in der Musik einen Nebenbuhler (den auch sie liebt), aber sonst keinen, und meine Kumpels (per WhatsApp wieder solo) kommen gar nicht klar damit, dass ich lieber mit der Frau als mit ihnen abhänge. Es gibt neben Frau Buff und der Tonerei keinen Dritten im Raum, und vielleicht erträgt sie mich ja deshalb jetzt schon ein halbes Leben lang.

Dass ich wusste, was ich wollte, das mochte sie, hat sie mir mal gesagt, und gleich nachdem wir zusammen kamen, war ich genau wegen dem, was ich wollte, zwei Monate weg, und sie hat’s mir nie missgönnt. Weil’s zu mir gehört. Und als es dann lief und ihr eigenes volles Leben von der Außenwelt auf ihr Verhältnis zu mir kleingekocht wurde (Zitat beim Job: »Das ist Frau Buff. Ihr Mann arbeitet für Prince.«), hat sie’s mir nie übelgenommen. Weil sie zu mir gehört.

Vielleicht ist das das Geheimnis einer langen Beziehung, dass man dem anderen nie das übelnimmt, in das man sich mal verliebt hat. Mit allem, was dazu gehört.

Erzählenswert? Vielen Dank


ÜBER DEN AUTOR

Wer bereits mit musikalischen Größen wie Prince, Zucchero, No Doubt und Mousse T. gearbeitet hat, darf sich ungestraft »Tonbuff« nennen. Hans-Martin Buff ist ein erfahrener Recording-Engineer und Producer und arbeitete viele Jahre in den Prince’ Paisley Park Studios in Minneapolis. Oder sollte man ihn Parkwächter nennen? Denn zurück in Deutschland arbeitete er in Mousse T.s Peppermint Park Studios. Sei’s drum: Unzählige berühmte Produktionen erfreuen sich heute unverfälschter Bufftonqualität. Als Kolumnist in SOUND&RECORDING macht er reinen Tisch mit Recording-Mythen und Audio-Lügen …

www.buffwerk.com

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