Mastering Deluxe

Studioszene D − Skyline Tonfabrik, Düsseldorf

Digitale Audio-Bearbeitung im Studio

Über die Skyline Tonfabrik berichteten wir bereits in Zusammenhang des Remastering der Udo-Lindenberg-Alben, wobei das damals ganz neue Format „Mastered for iTunes“ im Zentrum stand. Diesmal werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Studios, das hierzulande zu den TopAdressen zählt — zahlreiche erfolgreiche und namhafte Produktionen bekamen hier den berühmten letzten Schliff.

Mastering und Post-Production sind die Schwerpunkte des Studios, das sozusagen als Familienbetrieb geführt wird. Kai Blankeberg ist hier der Mastering-Experte, während sein Bruder Tom mit seiner Firma DokTon auf den Ton von Film- und Fernsehproduktionen spezialisiert ist. Bei unserem Besuch war er gerade mit einer Doku über die amerikanische Metal-Legenden Twisted Sisters beschäftigt. Von den vielseitigen Aktivitäten kann man sich auf der Website überzeugen; die Liste der in der Skyline Tonfabrik durchgeführten Produktionen ist lang und enthält neben dem genannten Udo-Lindenberg-Remastering einige berühmte Veröffentlichungen aus den unterschiedlichsten Genres, darunter Apparat, Andreas Bourani, BAP, Beatsteaks, Sportfreunde Stiller, Dominik Miller, Kim Wilde, Boy, Die Happy, MC Fitti, Die Toten Hosen, Guano Apes, H-Blockx, Silbermond, Juli, Aura Dione u.v.a.m. Der Name Skyline-Studio hat in Düsseldorf Geschichte. Es war zunächst ein großes Aufnahmestudio, wo Kai Blankenberg als Praktikant anfing „und später dann als Angestellter dort fest arbeitete.

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Als Studio mit großem Aufnahmeraum, riesiger Neve-Konsole und viel Equipment usw. erging es dem Skyline Studio wie vielen anderen großen Studios in den 2000er-Jahren“, erinnert sich Kai Blankenberg. „Schon damals habe ich mich bei Skyline auf das Mastering konzentriert, und tatsächlich stieg hier die Nachfrage, da mit der rasanten Entwicklung der Recording-Technik immer mehr Alben produziert wurden, die gemastert werden wollten. Ich wurde dann irgendwann Teilhaber des Skyline, wollte mich aber nach einiger Zeit nur noch auf das Mastering konzentrieren und mein eigenes Ding durchziehen. Nach 15 Jahren Tätigkeit in einem anderen Studio hatte zu diesem Zeitpunkt auch mein Bruder die Idee, sich selbständig zu machen. Also haben wir uns nach neuen Räumlichkeiten umgeschaut und sind dann hier in diesem wunderschönen Hinterhof gelandet.“ Für Kai Blankenberg keine Verschlechterung, „im Gegenteil, es ist die schönste Location, die wir je hatten. Wir sind jetzt seit ca. 5 Jahren hier und fühlen uns sehr wohl.“ Die angenehme Atmosphäre des Studios spürt man, sobald man den lichtdurchfluteten, 60 m² großen Aufenthaltsbereich betritt.

Die Skyline Tonfabrik teilt sich auf in zwei Studios: Studio A ist die Mastering Suite und Studio B als Regie für Post-Pro ausgestattet und besitzt noch einen kleinen Aufnahmeraum. Gleich daneben im vorderen Bereich entsteht gerade ein weiterer Regieplatz, der Bands und Produzenten die Möglichkeit geben soll, vor dem Mastering ihre Mischungen in einer optimierten Umgebung abzuhören, zu überprüfen, analog zu summieren oder sogar auf 1/2″-Bandmaschine zu überspielen. Damit trägt Kai Blankenberg der aktuellen Entwicklung Rechnung, das immer mehr Produktionen in nicht optimalen Umgebungen entstehen. So lassen sich Mixfehler frühzeitig ausmachen und beheben, um optimale Voraussetzungen für das Mastering zu schaffen.

„Mastering ist ja eigentlich nicht dafür gedacht, Mixfehler zu beseitigen. Damit trägt Kai Blankenberg der aktuellen Entwicklung Rechnung, dass immer mehr Produktionen in nicht optimalen Umgebungen entstehen. So lassen sich Mixfehler ausmachen und beheben, um optimale Voraussetzungen für das Mastering zu schaffen. „Mastering ist ja eigentlich nicht dafür gedacht, Mixfehler zu beseitigen. Die Rolle des Mastering würde ich auch gar nicht so groß darstellen, denn die musikalisch inhaltlichen Dinge einer Produktion geschehen ja bei Aufnahme und Mischung. Und doch kann ein gutes Mastering diese musikalischen Ideen noch einmal optminal herausarbeiten.“ Und doch hat der Mastering-Prozess für viele etwas Magisches, denn „auch wenn Leute bereits mit ihren Mischungen recht glücklich sind, so erfahren sie nach dem Mastering im A/B-Vergleich, dass sich hinsichtlich Transparenz und Plastizität noch mal etwas getan hat, das der Musik sehr gut tut. Letztendlich ist es die Kunst, ein Mastering zu finden, das zu der Musik passt.“

Studio von Innen

Mastering-Regie

Die Mastering Suite des Studio A wird von einem weißen Studiotisch dominiert, der mit seinem futuristisch anmutenden Design schon ein gewisses RaumschiffFeeling aufkommen lässt. Der akustisch optimierte Raum hat einen angenehm luftigen Klang, und zwei große Fenster schaffen eine freundliches Arbeitsklima mit Tageslicht. Auffällig ist die in den Studiotisch eingearbeitete Analog-Technik − wobei hier feinste Audiogeräte verbaut sind: Elysia Alpha Compressor, Manley Massive Passive sowie Kompressor und EQ von Fairman. Zentraler Bestandteil des Workflows für Kai Blankenberg ist die Multichannel Mastering Console MMC1 von SPL. Hauptsächlich werden digitale Werkzeuge eingesetzt. Basis für alle Mastering-Prozesse ist Pro Tools, das über den Eclipse ADDA-Wandler von Antelope Audio die analoge Welt integriert. „Bei den meisten Produktionen setze ich die analoge Technik auch ein“, erklärt Kai. „Aber rein analog zu arbeiten ginge gar nicht, denn auf der digitalen Ebene hast du eine viel größere Präzision, die man für das Mastering unbedingt benötigt − hier arbeite ich z. B. mit dem iZotope Ozone, aber auch den Fab Filter finde ich sehr gut. So eine Art Geheimwaffe fürs Mastering ist der dynamische EQ von Brainworx. Mit den analogen Geräten hingegen kann man besser den Sound formen und abrunden. Wenn man etwas hineindreht, klingt es mit den analogen Geräten grundsätzlich besser − ich bin ein Freund von beidem, analog und digital.“

Mischpult

Mastering damals und heute

Kai Blankenberg hat in den 90ern mit dem Mastering angefangen − sein Erfolg ist sicher auf seine Erfahrung zurück – zuführen, aber ebenso auf die Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und seinen Workflow stets den neusten Anforderungen anzupassen, was bis hin zum Vergleichen verschiedener Master per Internet-Streaming langt. „Das Mastering kommt ja aus einer Zeit“, erklärt Kai Blankenberg, „wo die einzelnen Stücke einer Produktion auf verschiedenen Maschinen und auch in unterschiedlichen Studios aufgenommen wurden. Damit diese einen möglichst einheitlichen Klang auf einem Album haben, müssen die Stücke in Dynamik und EQing angepasst werden.“ Den Gesamtklang einer Produktion machen heute aber noch viel mehr Kriterien aus. Es sind viele ästhetische Entscheidungen, die die Arbeit beim Mastering bestimmen. „Da hast du z. B. eine Gitarren-Produktion: Du drehst ein wenig an den Mittenfrequenzen, und schon gehen bei einigen die Alarmglocken an, da die Gitarren plötzlich zu sehr nach Metal klingen. Es ist erstaunlich, wie plötzlich eine bestimmte musikalische Aussage oder ein ungewolltes Genre im Raum stehen kann, wobei du eigentlich nur eine Frequenz oder z. B. die Stereobreite geändert hast. Heute werden deutlich größere Ansprüche an das Mastering gestellt, denn man hört ständig im Vergleich − jede Band bringt natürlich bekannte Produktionen mit, die man stets gegenhört, um sich selber zu lokalisieren. Man möchte wissen: ›Wo stehe ich eigentlich in der Wahrnehmung der Außenwelt?‹ Es kommt immer mal vor, dass Kunden mit einer vorgefertigten Vorstellung kommen: ›Das soll so klingen wie …‹, ich rate aber immer, zu einem eigenständigen Sound zu tendieren. Es hat ja einen Grund, warum eine Musik so klingt, wie sie klingt. Und letztendlich kann man schlecht etwas hineindrehen, das nicht in der Musik ist. Ich muss die Referenz in sich selber definieren.“ Es gäbe noch viel mehr von unserem Besuch in der Skyline Tonfabrik zu berichten, denn auf Services wie Stem-Mastering, kostenloses Testmaster, Surround und Restauration konnten wir gar nicht eingehen. Mehr darüber und über Kai Blankenbergs Workflow in einer der nächsten Ausgaben.

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