Mixpraxis

Mark Needham mixt Lindsey Buckingham/Christine McVie

Mark Needham ist ein Veteran der Musikindustrie, der seit den frühen 70ern im Geschäft ist und mit allen von Elton John über Fleetwood Mac bis zu Pink gearbeitet hat. In seiner fünften Dekade als Top-Engineer, -Mischer und -Produzent mit einer so beeindruckenden Erfolgsbilanz wäre es durchaus verzeihlich, wenn Needham zum Traditionalisten geworden wäre, der weiterhin das Hohelied des analogen Equipments und der Arbeit am Pult singt. Ganz im Gegenteil steht er aber seit jeher an vorderster Front neuer Entwicklungen und hat die kühnen Möglichkeiten, die die digitale Welt zu bieten hat, begierig aufgesogen. So war er nicht nur unter den Ersten, die Slate Digitals Touchscreen-DAW-Controller Raven MTX bekommen haben, sondern hat noch einen draufgesetzt, indem er die Firma sofort bat, ihm eine Custom-Version mit dualem Screen zu bauen.

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Sich den Raven Dual MTX anzuschaffen, war der Kulminationspunkt von Needhams schrittweisem Weg von der analogen hin zur vollständigen In-the-box-Arbeitsweise, der 2004 begann. Beim Skypen aus dem Red Oak Studio, seinem Heimstudio in Los Angeles, erinnert er sich: »Als der digitale Klang und die Plug-ins besser und besser wurden, hat sich mir irgendwann die Frage aufgedrängt: Dieses UAD EQP1A-Plug-in klingt genauso gut wie die zwei EQO1As, die ich in meinem Rack habe. Also warum sollte ich weiter für deren Wartung zahlen und versuchen, ihren Status wiederherzustellen? Eine großformatige Konsole und das ganze Outboard in Schuss zu halten, ist ziemlich kostspielig. Am Anfang bekam ich Gegenwind von manchen Labels, weil ich zum Mixen in-the-box übergegangen bin, trotzdem hat es sich für mich so dargestellt, dass alles in diese Richtung wies. Um 20110 war ich komplett in-the-box, denn als Bands und Labels sechs oder sieben Recalls [Wiederherstellungen von Sessions bzw. von Versionen eines Mixes; Anm.d.Aut.] erwarteten, wurde die Kapazität an Sofort-Recalls überragend wichtig. Jahrzehntelang habe ich eine SSL G-Konsole benutzt, und ich kann die paar Male an den Fingern abzählen, in denen ein Recall genau gleich klang. Stattdessen musste ich normalerweise eineinhalb Stunden repatchen und dann noch eine Stunde tweaken, bis alles genauso klang wie vorher.«

Heute mischt Needham um die 400 Songs pro Jahr, und oft arbeitet er an zehn Projekten am selben Tag. Mit Freude nutzt er die Möglichkeiten zum Exzess, die der Workflow einer DAW im 21. Jahrhundert bereitstellt: Sessions mit mehr als 200 Spuren und gerne mal 10 Plug-ins pro Spur, dazu parallele Spuren und Aux-Spuren – DAW-Sessions von atemberaubender Komplexität. Dass Needham nicht der Typ für halbe Sachen ist, zeigt sich auch darin, dass das Interview für diesen Artikel um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit begann, als in bei ihm in Los Angeles gerade 5 Uhr morgens war. Offensichtlich beginnt Needhams Tagesrhythmus damit, um 4 Uhr morgens aufzustehen und um 5 Uhr mit der Arbeit anzufangen. Wenn diese Aufstehzeiten Rock’n’Roll sind, dann wohl nicht in dem Sinne wie wir ihn bisher kannten! In Anbetracht von Needhams hohem Output scheint aber offensichtlich, dass der frühe Start effektiv ist.

Den kompletten Artikel findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 07+08/2018. Hier versandkostenfrei bestellen. 

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