Mit Volldampf zum Mega-Hit

Interview mit Kanye-West-Produzent Mike Dean

(Bild: Dirk Heilmann)

Der Grammy-verwöhnte Haus- und Hof-Produzent von Kanye West lädt zum Gespräch über effizientes Mixing und analoge Synthie-Schätze – immer begleitet vom Blubbern mseiner niemals erlöschenden Bong.

»Jeden Tag immer nur mixen, mixen, mixen? Das könnte ich mir nicht vorstellen – ich würde irre werden! Um das zu verhindern, mixe ich ein bisschen, produziere ein bisschen, engineere ein bisschen, mastere ein bisschen usw. So bleiben die Dinge ständig interessant. Zudem stelle ich sicher, dass ich mein Gehirn benutze – schließlich will ich ja nicht Alzheimer bekommen …«

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Auch wenn Mike Deans Aufzählung seiner Aktivitäten zweifellos eindrucksvoll klingt, zeigt ein Blick auf seine Credits, dass es sich dabei um pures Understatement handelt – aber das passt zu ihm: Wikipedia listet ihn schlicht als »Record Producer«. Tatsächlich ist unser Gesprächspartner Künstler, Songschreiber, Keyboarder, Komponist, Remixer, Plug-in-Mastermind (der Acustica Gainstation) und noch einiges mehr in einer Person …

Mikes Allmusic-Einträge summieren sich derzeit auf 1750! Sie entstammen den unterschiedlichsten Genres, darunter Hip-Hop, Trap, Pop, Computermusik, Metal, Prog-Rock, Symphonic-Rock oder Filmmusik, um nur eine Auswahl zu nennen. So ist es sicher kein Understatement zu behaupten, Mike wäre derzeit der am breitesten aufgestellte und am besten beschäftigte Mann in der US-Musikindustrie. Tatsächlich gesteht der Mittfünfziger, zumindest ein Stück weit Workaholic zu sein. Auf der anderen Seite betont Mike, er arbeite eben sehr schnell und effizient. »Deshalb nutze ich beim Mix keine Templates. Ich will den Song nicht neu schreiben – ich arbeite mit ihm so, wie er mir angeliefert wird.«

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat Mike »sehr schnell und effizient« an unzähligen Hit-Alben und Singles Hand angelegt – und dabei immer seine Bong in Reichweite gehabt. Nicht ohne Grund gilt Mike als »des Hip-Hops größter Kiffer«. Zumindest wurde dieses Gespräch, stattgefunden via Zoom in seinem Anwesen in Los Angeles um 11 Uhr morgens Ortszeit, regelmäßig von einem wohlklingenden Blubbern begleitet.

Manch einer mag zu bedenken geben, dass der permanente Genuss von Rauschmitteln möglicherweise Leistungsfähigkeit und Urteilsvermögen einschränken könne. Offenbar scheint für Mike Dean jedoch das genaue Gegenteil zuzutreffen. Auf die Highlights seiner langen und vielgestaltigen Karriere angesprochen, stellt Mike interessanterweise nur zwei Dinge in den Vordergrund: »Ganz besonders mag ich, was wir bei Scarface’ Album The Untouchable (1992) und auf Kanye Wests My Beautiful Dark Twisted Fantasy (2010) gemacht haben. Für Letzteres waren wir für ein paar Monate rund um die Uhr in den Electric Lady Studios. Diese Sessions zählen zu den tollsten Sachen, an die ich mich erinnern kann.«

Die komplette Mixpraxis findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 4/2022. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

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