Silbermond, Heisskalt, The Intersphere

Eindrücke zur Schlagzeug-Lautstärke von Moritz Enders

Moritz Enders (Foto-Credit Wolfgang Manns)
Produzent Moritz Enders, hier im Toolhouse-Studio (Bild: Wolfgang Manns)

„Wenn der Schlagzeuger sehr leise spielt und auch eher tiefe Stimmung benutzt, funktioniert der Einsatz von relativ viel Dämpfung besser, als ‚offener‘ Klang. Mitunter lohnt es sich auch, mit zusätzlicher Dämpfung wie Geschirrtüchern über Snare und Toms zu experimentiert, manchmal nur zur Hälfte über das Fell gezogen: Stilistisch passt das, weil man bei der ‚leisen‘ Art oft den ‚Old-School-Charme‘ wie bei alten Al-Green-Songs [z.B. „Let’s Stay Together“, d. Autor] sucht. Auch Ringo Starr hat gelegentlich mit Tüchern experimentiert. Gibt der Schlagzeuger hingegen richtig Gas, funktioniert ein recht ‚offen‘ klingendes Set meist besser, ohne zu starke Dämpfung. Ansonsten hat man nur noch einen kurzen ‚Knack‘ auf den Close-Signalen, gar keinen Ton mehr.“

Ob es eine Grenze gibt, bei der ein Drummer zu laut spielt, um das Ergebnis noch differenziert aufzunehmen? „Ja. Es verhält sich so: Umso härter die Snare gespielt wird, umso krasser wird der Attack, zum Beispiel bei Rim-Shots. Die Close-Mikes transportieren dann nur noch eine kurze Attack-Pegelspitze, aber mit den entsprechenden Raum-Signalen, die den „Body“ mitliefern und das Klangbild ausfüllen, kann das für die Energie des Songs auch genau das richtige sein. Moritz Müller, der Drummer von ‚The Intersphere‘ haut so wahnsinnig auf die Drums, dass die Felle maximal drei, vier Takes halten. Der ist danach körperlich fertig, weil er alles gibt, aber er ist so ein fantastischer Drummer, dass schon die beiden ersten perfekt sind. Was bei dem ‚harten‘ Trommeln wichtig ist: Der schafft es auch, bei dem extremen ‚Knack‘, den er auf Snare und Toms bringt, die Becken trotzdem in der perfekten Balance zu spielen. So können auch sehr geile Drum-Sounds zustande kommen – sehr hart getrommelt, mit einem gewissen Energielevel, das auch passen muss.“ Das sei nur eine von vielen Möglichkeiten, das Spiel zu gestalten.

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„Genauso stehe ich total auf Drum-Sounds, die sehr soft und easy gespielt sind.“ Bei letzterem, „intimen“ Spiel, ergäben entfernte Raum-Mikrofone  keinen Sinn, erzählt Enders. „Durch die geringe Spielintensität wird der Raum kaum angeregt. Bei Songs, wo ‚großer‘ Raum-Sound gewünscht ist, muss man auch etwas mehr Gas am Schlagzeug geben, um die Reflexionen anzuregen.“


Sound&Recording – Drum Recording Special

sr_0716_1Die Sommer-Ausgabe 07-08/16 von Sound&Recording steht ganz im Zeichen der Königsdisziplin im Studio – den Schlagzeug-Aufnahmen. In unserem Drum Special haben wir über 100 Mikrofone an den Drums miteinander verglichen. Udo Masshoff gibt euch Tipps, zum Stimmen des Schlagzeugs für eure Recordings. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Themen Drum Editing in Studio One 3, mobilen Drum Recordings und damit, wie ihr mit NI Massive einen Layer für die Kick Drum basteln könnt.

 

Weitere Themen:

  • UAD Fender `55 Tweed – Software-AMP
  • iZotope VocalSynth – Vocal Effekte aus dem Rechner
  • Zu Besuch bei Boutique-Hersteller Royer Labs
  • Mixpraxis: Rik Simpson mischt Coldplay – Hymn For The Weekend uvm.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Herzlichen Dank für euren umfangreichen Vergleich! Es hat mir viel gebracht die extrem unterschiedlichen Signale zu hören. Eine grosse Frage stellte sich mir jedoch nach der Lektüre und Probehören eurer Arbeit. Bei mir klingt das BD mik in jeweils so topfig nach Giesskanne und bei euren Beispielen war das bei keinem Kandidaten der Fall. Ich bin immer davon ausgegangen mein Mik sei nicht geeignet für diese Anwendung. (Audix Grenzfläche) Woher kann das kommen? Habt ihr die BD in irgend einer Form bedämpft?

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    1. Sehr viel liegt auch am Fell, an der Stimmung, am Kesselmaterial und dann auch an der genauen Positionierung des Mikrofons.

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    2. Das Audix M60 ist für Kickdrums übrigens tatsächlich nicht das wahre.

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  1. Schlagzeug Stimmen mit Udo Masshoff › SOUND & RECORDING

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