A chilly trip, eh?!

Edmontone Studios in Edmonton, Kanada

Trevor Rockwell

Es ist kalt in Edmonton! Die Stadt ist auch gewissermaßen Namensgeber des Studios, das ich als Nächstes besuche: das Edmontone Studio! Dort öffnet mir Miteigentümer Trevor Rockwell die Tür. Er führt das Studio zusammen mit seinem Freund Adam Stark und der Unterstützung seiner Frau Jennifer Jenkins, die aus dem Musikbusiness kommt und Administration übernimmt.

Trevor erzählt: »In dem Gebäude war früher eine Milchversorgung untergebracht, und in den Räumen, wo jetzt das Studio ist, wurde das Geld aufbewahrt.« Das Studio haben die drei 2018 übernommen und es zum großen Teil so gelassen, wie es war. Nur ein paar Kleinigkeiten haben sie erneuert. Trevor: »Wir produzieren hier alles Mögliche von HipHop und Weltmusik über Americana bis Country. Davon haben wir hier in Alberta natürlich ziemlich viel. Zu den Kunden zählen viele lokale Musiker. Aber auch eigene Produktionen setzen wir hier um.

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Im Prinzip haben wir ein 22-Channel-Studio, das im Digital-Modus arbeitet. Es gibt hier drei Räume: einen großen Aufnahme-Raum für beispielsweise Drum- und Live-Recordings, eine Vocal-Booth und einen von uns sogenannten Piano-Room, wo zwar aktuell kein Piano, aber ein Fender Rhodes steht.

Studioreport Kanada – Auf den Spuren der Stones und der Country Music

(Podcast-Kapitelmarke: 00:56:20) 

Die Regie ist klein, bietet aber alles, was man braucht. Als wir uns dazu entschieden haben, in-the-box zu gehen und nicht mehr mit einem Mischpult zu arbeiten, haben wir uns einen Faderport 16 und eine Softube Console zugelegt, um mehr die Ohren und weniger die Maus-Hand zu nutzen und um etwas zu haben, das man auch anfassen kann.

Den kompletten Studioreport Kanada findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 02/2020. Hier versandkostenfrei bestellen.

(Bild: Dirk Heilmann)

Das Zentrum des Studios sind zwei neue Apollo X16-Interfaces, die die In- und Outputs bieten, die wir hier brauchen, der Manley Massive Passive Stereo-Equalizer, der UA6176 und alle anderen Kompressoren. Die Apollos waren sogar die ersten beiden in Kanada. Ich war 25 Jahre Homerecording-Enthusiast und ich bin schon sehr glücklich, dass ich nur hier im Studio ein Setup an Mikrofonen, Soft- und Hardware habe, mit dem man direkt einen sehr guten Sound bekommt! Ich habe hier meine verschiedenen Setups und Kombinationen, die ich gerne für verschiedene Sounds, Styles und Genre nutze. Den WA76 von Warm Audio nutze ich zum Beispiel für meine Stimme und den Bass gerne. Damit gehe ich dann auch in den API-3124-Preamp, der unglaublich transparent klingt und den Queen-Sound bringt. Beim Universal Audio 610 Röhren-Preamp bekommt nach natürlich ein bisschen mehr Tube-Drive. Ich jage auch mal die Vocals durch den Distressor, ich probiere da auch gerne viel aus. Das nehmen wir auch alles schon direkt mit auf. Unsere Kunden sind meistens lokale Bands mit wenig Budget, die natürlich dann auch nicht so viel Zeit im Studio verbringen wollen.

Aufnahmeraum des Edomontone-Studios

Bei den Drums hatten wir bis zum letzten Jahr ein Setup aus elf Mikrofonen, das haben wir jetzt allerdings auf sechs Mikros minimiert. Bei den Overheads nutzen wir die Coles 4038 Bändchenmikrofone, über die auch die Toms sehr gut rüberkommen; die Mikros an den Toms haben wir deshalb auch weggelassen. Die Coles funktionieren auch unglaublich gut bei Chören. An der Bassdrum hatten wir lange einen Subwoofer als Mikro, haben jetzt aber ein Standard-Setup mit einem Mikro innen und einem außen im Schallloch. Wir haben auch immer ein SM57 in der Mitte über der Bassdrum, die auf die Snare gerichtet ist. Das gibt eine mittenreiche Alternative, die wir gerne überkomprimieren und verzerren. Wir nennen das ›Saus-Mic‹ (›The Wurst‹ von Moses Schneider in Kanada; Anm.d.Aut.). Als Raummikrofon verwenden wir ein AKG 414. Das gehört auch zusammen mit dem SM7 zu meinen Favoriten bei Gesangsaufnahmen.

Die Regie

Bei Gitarren funktioniert der Standard aus SM57 und Royer-Bändchen am besten, Letzteres nutze ich tatsächlich auch gerne bei meinem Gesang. Aber das alles ist zweitrangig. Wichtig ist, wie die Sachen vom Musiker eingespielt werden. Da kann ich noch so gutes Equipment haben.«

Die Sessions werden in Logic aufgenommen »Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Software, die von Apple selbst entwickelt wurde, auch auf ihrer Hardware besser läuft. Ich nutze auch viele integrierte Softwareinstrumente. Die bieten mir einfach wenig Einstellungsmöglichkeiten, und ich komme schnell dahin, wo ich auch hinmöchte, ohne mich durch Presets zu klicken!

Auf Plug-in-Seite versuche ich, alles minimal zu halten. Ich arbeite viel in der UA-Console! Ich mag die Bandmaschinen-Simulationen, ich stehe total auf Kompressoren und mag das Konzept, Submixes zu komprimieren und weniger die Einzelspuren.

Fender Rhodes

Zum Songwriting haben wir uns gerade ein Komplete Kontrol S88 mit gewichteten Tasten zugelegt. Ich muss allerdings gestehen, ich bin noch nicht ganz so vertraut damit, die Tasten fühlen sich allerdings unglaublich gut an!

Wir betreiben das Studio zu dritt. Meine Frau Jen übernimmt mehr das Administrative, Adam ist mehr der Engineer, der tolle Recordings macht und sicherstellt, dass das Equipment auch funktioniert. Aus meiner Erfahrung heraus bin ich eher der Mixing-Engineer. Wir haben aber alle auch andere Jobs. Ich unterrichte beispielsweise Geschichte an einer Uni.

Die eigene Hallplatte

Bei Produktionen bin ich oft Produzent, Recording-, Mixing-und Mastering-Engineer. Ich bin es seit meiner Jugend gewohnt, als ich mit einem 4-Spur-Kassettenrecorder angefangen habe, Aufnahmen von den Songs zu machen, die ich auch geschrieben habe. Ich habe da alle Stufen von Lo-Fi über Mid-Fi und Hi-Fi durchgemacht. Auf vielen Band-Aufnahmen habe ich auch alle Instrumente selbst eingespielt.«

Später gesteht mir Trevor, dass er an der Uni einen Zeitvertrag hat, der immer nur für eine Saison gilt. Das heißt, er muss immer hoffen, dass der Vertrag verlängert wird. »Nur vom Studio könnten meine Familie und ich nicht leben.« Auf meine Frage, wie es in Kanada mit Altersvorsorge und Rente aussieht, reagiert er etwas angeschlagen. »Weißt du, das ist hier ein großes Thema. Eigentlich müsste man was machen, meine Frau möchte auch, dass wir das angehen. Aber eigentlich weiß ich auch nicht, wie wir das finanziell schaffen sollen. Wenn ich da jetzt länger drüber nachdenke, macht mich das schon fast depressiv.« Irgendwie fühle ich mich gerade schuldig und überlege, wie die Situation zu retten kann. Da fällt es mir ein: »Bist du Eishockey-Fan?« Und schon war das Thema Altersvorsorge vergessen 🙂

www.edmontone.com

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