Denoising

Editing von Field Recordings

Oft finden Aufnahmen nicht unter optimalen Bedingungen statt, wodurch sich spontan viele Störungen einschleichen können. Glücklicherweise gibt es heutzutage eine große Auswahl an leistungsfähigen Tools, die in der Lage sind, solche Störungen abzusenken oder sogar zu beseitigen.

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Ein Standard-Denoiser-Tool ist iZotope RX5, das eine Vielzahl von Denoising-Strategien bietet.

Die ersten und einfachsten Arbeitsschritte erledigt man mit Filtern. Damit diese aber entspannter arbeiten, sollte man ihnen ein wenig unter die Arme greifen. Das lässt sich unter anderem dadurch erreichen, indem man Frequenzbereiche, die keinerlei sinn – volles Audiomaterial enthalten, entweder komplett herausfiltert oder zumindest deutlich abschwächt.

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Gerade bei Außenaufnahmen kann es trotz Windschutz zu tieffrequentem Rumpeln kommen. Das Werkzeug der Wahl ist hier ein steilflankiges LowCut-Filter, welches das Rumpeln sauber vom Nutzsignal trennt. Ein linearphasiges Filter ist dabei besonders nützlich, weil es im Bereich der Grenz – frequenz zu keinerlei Phasenverschiebungen führt und den Klang also auch nicht beeinflusst − wir wollen hier eine rein technische Filterung haben, keine klangliche.

In den Höhen muss man bei der Wahl der Flankensteilheit behutsamer vorgehen, weil die Aufnahmen sonst schnell dumpf klingen können. Zudem ist in diesem Frequenzbereich das Grundrauschen von Mikrofon, Preamp etc. am deutlichsten wahrzunehmen. Dieses Störgeräusch lässt sich mit einem spezialisierten Denoiser in der Regel deutlich besser bearbeiten als mit einem Filter. Dennoch kann es bei höhenarmen Signalen sinnvoll sein, mit einem sanften HiCut schon ein wenig vorzufiltern.

Optional: Spektralediting

Da beim Field Recording vieles spontan passiert, kann man die Aufnahme oft nicht wiederholen, falls sich ein ungewünschtes Geräusch eingeschlichen hat. Deshalb ist es sehr schön, dass es mittlerweile viele spektrale Editing-Tools gibt. Für diese Aufgabe wird als Standard oft iZotopes RX genommen, aber auch Adobe Audition und Steinberg WaveLab bieten sich an.

Bevor man sich an die Gesamtbearbeitung des Signals macht, befreit man die Aufnahmen von ungewollten Klangereignissen, wie beispielsweise das Handyklingeln eines vorbeigehenden Fußgängers bei einer Straßen-Atmo. Wunder darf man von einem spektralen Restaurations-Tool allerdings nicht erwarten, denn wenn das ungewünschte Signal etwa zu lang oder zu breitbandig ist, stößt es an seine Grenzen.

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Als Nächstes sollten alle Arten von Rauschen vom Nutzsignal getrennt und abgeschwächt werden. Dabei sind Denoiser mit einem Learn-Modus in der Regel im Vorteil. Auch hier ist iZotopes RX ganz vorne, denn die Qualität des Denoisings ist wirklich sehr gut. Leistungsfähigere Tools sind nur noch in deutlich höheren Preisregionen zu haben. Ebenfalls gut funktionieren die Denoiser von Sonnox und Waves, wenn sie auch nicht ganz an die Qualität von RX heranreichen.

Viele Audio-Editoren haben ebenfalls Denoising-Funktionen eingebaut, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Die Qualität des Endergebnisses ist vor allem auch davon abhängig, wie viel Rauschen vorhanden ist, wie stark es vermindert werden soll und wie sehr Rauschen und Nutzsignal sich frequenzmäßig überlagern und maskieren.

Diverse Tools bieten unterschiedliche Qualitätsstufen an, um die CPU-Belastung in Grenzen zu halten. Hier sollte man definitiv immer mit dem leistungsfähigsten Algorithmus beginnen, weil das Denoising einen Eingriff in das komplette Signal darstellt und somit das Nutzsignal bestmöglich behandelt werden sollte.

Auch wenn man dadurch eventuell auf Offline-Processing ausweichen muss, ist ein klanglich gutes Resultat diesen kleinen Einschnitt im Workflow definitiv wert. Generell ist jedoch leider nicht gesagt, dass der leistungsfähigste Algorithmus immer das beste Ergebnis liefert. Daher kann es bei Klangproblemen Sinn machen, auch mal die anderen Qualitätsstufen auszuprobieren.

An dieser Stelle sollen auch alle Arten von Dehummern und Debuzzern erwähnt werden. Sind verschiedene Formen von Brummen in der Aufnahme vorhanden, die sich nicht per Notchfilter entfernen lassen, sollte man diese Tools ausprobieren, bevor man mit dem nächsten Schritt fortfährt.

Phasenbearbeitung

Ein oft unterschätztes Thema gerade beim Field Recording ist die Phasenkorrelation der aufgenommenen Signale. Gerade wenn man mit den eingebauten Mikrofonen des Recorders arbeitet, erhält man in der Regel ein Stereosignal. Selbst wenn viele Recorder eine Monoaufnahme anbieten, kann es sein, dass es sich dabei tatsächlich um einen Mono-Downmix einer Stereoaufnahme handelt. In diesem Falle lässt sich an der Phasenproblematik nichts mehr ändern, daher macht eine explizite Monoaufnahme bei solchen Geräten nur dann Sinn, wenn man sicher gehen kann, dass es keine allzu großen Phasenunterschiede zwischen dem linken und dem rechten Eingangssignal gibt. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn man ein Monomikrofon verwendet und somit auch nur ein Eingangssignal vorhanden ist.

Sollte es nun innerhalb einer Aufnahme zu starken Phasenverschiebungen und damit zu Auslöschungen oder Kammfiltereffekten kommen, bieten sich alle Möglichkeiten an, die man auch in einem Mix zur Behebung von Phasenproblemen zur Verfügung hat. Das Einfachste ist, die Phase eines Kanals um 180° zu drehen. Sollte das nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann man versuchen, die Phasen mittels eines PhaseAlignment-Tools wie beispielsweise Waves InPhase aneinander anzugleichen. Dies lässt sich auch händisch in einer DAW oder einem Audio-Editor machen, indem man die Spuren auf zwei unabhängige Monotracks verteilt und sie solange in feinsten Abständen gegeneinander verschiebt, bis sich die Phasenlage eventuell bessert.

Und natürlich gibt es auch bei einer Stereoaufnahme immer noch die Möglichkeit, komplett auf eine Seite zu verzichten und damit wieder eine Monoaufnahme zu erhalten; nur kann dabei die Mikrofonpositionierung ein Problem werden, vor allem wenn man mit einer XY-Ausrichtung gearbeitet hat.

Feinschnitt & Fading

Die finalen Schritte sind dann der Feinschnitt sowie ein eventuelles Faden des Signals. Absolute Priorität hat hierbei, dass Anfang und Ende des Samples nach der Bearbeitung auf einem Nulldurchgang der Wellenlinie liegen. Viele Editoren bieten hierfür Einstellungen, die automatisch dafür sorgen, dass der Cursor nur noch auf Nulldurchgängen einrastet. Dennoch ist auch hier Vorsicht geboten, denn bei Stereoaufnahmen kann der Cursor auch dann schon einrasten, wenn nur eine Seite des Stereosignals einen Nulldurchgang an der entsprechenden Stelle hat.

Sollte man keine zufriedenstellende Stelle für einen exakten Schnitt finden, kann man sich mit einem kurzen Fade behelfen. Bewährt haben sich bei mir Fade-Ins mit exponentiellem Verlauf, kombiniert mit einer sehr kurzen Fade-Zeit. Wichtig ist dabei, keine Transienten mit dem Fade-in zu erwischen.

Beim Fade-Out sieht die Sache ein wenig anders aus, denn hier müssen Dinge wie der natürliche Hall der Aufnahme sowie ein eventuell noch vorhandener Noisefloor berücksichtigt werden. Zusätzlich zum harten (und möglichst unhörbaren) Fade-Out nach dem Verklingen des Sounds, kann man einen möglichst langen und sanften Fade-Out wählen, der die Hallfahne sozusagen »begleitet«.

Gerade Aufnahmen, die trotz starkem Denoising am Ende der Sustain-Phase in einen Rauschteppich münden, lassen sich so korrigieren und verkürzen. Als Startpunkt ist für solche Fades eine S-förmige Kurve empfehlenswert.

Beim Optimieren von Aufnahmen führen verschiedene Strategien zum Ziel. Es kommt dabei immer auf die Art der »Verschmutzung« an.

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