"Der Glaube, dass sich laute Aufnahmen besser verkaufen"

Der Loudness War – Trend der modernen Musik

“Der Glaube, dass sich laute Aufnahmen besser verkaufen, hat den Trend einer ständig steigenden Dynamik-Kompression angetrieben.” Das ist der Hintergrund und der eiserne Start eines Kriegs um die maximale Lautstärke bei gleichem Pegel – der sogenannte Loudness War.

Dieser Kampf bringt einige Opfer mit sich – und zwar größtenteils in der Dynamik der eigenen Musik. Mastering-Ingenieure schießen sich quasi ins Bein, bevor sie ins Schlachtfeld laufen …okay genug davon. Aber Unterschiede sind nun mal hörbar und in Waveform-Analysen auch ersichtlich.

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Was hat das für folgen?
Musik hat sich vor allem während des digitalen Zeitalters stark verändert. Oft wird von einem Verlust der Natürlichkeit gesprochen, die durch typische Peak-Normalisierung, steigendem RMS-Wert und Hyperkompression verursacht wird. Das betrifft nicht nur die Lautstärke-Dynamik, sondern auch einen Großteil der Klangfarbe.

Forscher nehmen an, derartig stark auf Lautstärke komprimierte Musik wirke sich sogar physisch ermüdend auf den Hörer aus, der somit das Interesse an Musik verliert, ohne überhaupt zu wissen warum. Man spricht hier von der sogenannten Hörermüdung.

In dem folgenden Video geht der Mastering-Engineer Friedemann Tischmeyer einigen Effekten des Loudness Wars auf den Grund und erläutert anschließend Probleme der Lautstärke- und Pegeltheorie:

In einem zweiten Video fasst er zusammen, was berühmte Producer wie Alan Parsons, John Fields (Jonas Brothers, Miley Cyrus, Rooney), Niko Bolas (Neil Young, Melissa Etheridge), Richard Dodd (Dixie Chicks) über den Loudness War denken, mit dem Ziel, das Bewusstsein der Datenkompression zu stärken und nicht den Fokus auf Dynamik zu verlieren:

http://www.dynamicrange.de

Mehr zum Thema Loudness War findest du in der Sound&Recording-Ausgabe 06/16. Dort haben wir Lautheitsforscher Rudi Ordner dazu befragt:


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>> Recording-Kult und Prince Special <<

Für das Thema Recording-Kult haben wir Studio-Legende Al Schmitt getroffen und waren in denAbbey Road Studios, um uns ein paar edle Teile des dortigen Mikrofonparks anzuschauen. Engineers aus deutschen Studios zeigen, wie man heute mit echtem Vintage-Gear aufnimmt! In unserem Prince-Special widmen wir unsdem Sound, der Musik und der Person Prince,der die Musikwelt weit über Minneapolis hinaus geprägt hat!

Weitere Themen:

  • Loudness War − Interview mit Lautheitsforscher Rudi Ortner
  • Focusrite Clarett 8Pre − Thunderbolt-Audio-Interface im Test
  • Tube-Tech HLT 2AM − Mastering-EQ mit Röhrentechnik im Test

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. “der eiserne Start eines Kriegs um die maximale Lautstärke bei gleichem Pegel – der sogenannte Loudness War”
    Allein die Wortwahl sagt schon alles! Für mich ist das eine geistige Krankheit, welche die wunderbare Wirkung auf Herz und Seele der Musik zu Nichte macht. Diese Art die wohltuende Lebensfreude der Klangwelt missbräuchlich zu verändern und ins Zerstörerische zu umkehren ist genauso wenig ein “Zufall”, wie viele andere Aktivitäten im Alltag, die von den selbsternannten Eliten dieses Planeten erwünscht sind und angewandt werden. Zum Unwohlsein der Menschen!

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  2. Leider wollen das die Hörer so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Musik, wenn sie zu leise ist, auf Smartphonelautsprechern kaum anhörbar ist. Dementsprechend (weil viele meiner Hörer so Musik hören), muss ich den Loudnesswar leider mitmachen, auch wenn mir das Ergebnis auf den Monitoren nicht gefällt. Neben der Loudness habe ich noch andere Anpassungen an die Hörart gemacht, etwa bei der Tonhöhe den Bass aufgefettet oder ähnliches. Dazu habe ich auch einen Artikel verfasst, damit die Hörer selber verstehen können, was mit der Musik passiert: http://www.planetcat.de/blog_affect_music

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  1. Eine Petition gegen den Loudness War › SOUND & RECORDING

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