Helmut Haas und sein Hörversuch

Der Haas Effekt

Der Haas Effekt ist ein Akustik-Phänomen, das in der Beschallungstechnik und in der Raum- und Bauakustik eine wichtige Rolle spielt. Es geht hier um die Ortung von Schall. Helmut Haas fand heraus, dass der zuerst eintreffende Schall die Lokalisation des Schallsenders bestimmt – unabhängig davon, aus welcher Richtung der zweite, später eintreffende Schall kommt.

haas-effekt

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Das Gesetz der ersten Wellenfront
Bei Laufzeitdifferenzen beider Schalle von mehr als 40 ms wird allerdings die Reflexion – also das zweite Signal – getrennt von dem ersten Signal wahrgenommen. Die Lokalisation der Schallquelle geht aber wieder auf den zuerst einfallenden Schall zurück, wenn beide Schalle den gleichen Pegel haben. Da also das erste Schallsignal maßgeblich für die Ortung der Schallquelle ist, wird oft auch die Bezeichnung “Gesetz der ersten Wellenfront” synonym zum Haas Effekt verwendet.

In seinen Versuchen benutzte Helmut Haas zwei Lautsprecher, die beide das gleiche Signal abstrahlten. Links und Rechts aufgestellt, machte Haas die Beobachtung, dass er die Signale in der Mitte hörte. Dann gab der rechte Lautsprecher das Signal um einige Millisekunden verzögert wieder und Haas stellte fest, dass nun die gehörte Quelle nach links wanderte. Um zu überprüfen, ob dieses Verhalten mit dem Verändern der Pegel ausgeglichen werden kann, verstärkte er den Pegel des rechten Signals (oder dämpfte den linken) und tatsächlich nahm er wieder eine Mittenlokalisation wahr, diesmal etwas breiter. Dieses Phänomen nennt sich “Trading”, bei dem ein frühes, leises Signal und ein spätes, lautes Signal eine kompensierende Wirkung aufeinander haben.

In dem folgenden Video wird der Haas Effekt demonstriert. Um links und rechts besser orten zu können, werden hier Kopfhörer empfohlen:

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nach diesen Ausführungen, welche sicherlich ihre Richtigkeit haben, ist es erstaundlich, dass noch niemand ein Panning entwickelt hat, welches nicht die Pegel-, sondern die Zeitebene beeinflusst. Darüber muss ich nachdenken.

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    1. Es gibt schon sowas, das Gerät “KLANG:fabrik” arbeitet meine ich nach diesem Prinzip.

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      1. find die idee gur- aber dann hat man vielleicht mit phasenproblemen zu rechnen

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    2. Ein (sehr) alter Hut! Nennt sich Delta-Stereophonie.

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