Kolumne mit Peter Walsh

Bienvenue en France … aber bitte bleib nicht zu lange!

(Bild: Dirk Heilmann)

Letzten Monat habe ich einen Brief der französischen Botschaft mit der überraschenden Nachricht bekommen, dass mein Visum für Frankreich abgelehnt wurde. Es sah zuerst ganz danach aus, dass es schlicht weg fehlerhaft und unvollständig war oder ein ähnlich blöder Grund vorlag. Vielleicht hatte ich einfach nicht klar genug meine Situation bei dem Antrag erklärt?

Wir wurden für zwei, drei Monate nach Südfrankreich auf das idyllische Landhaus (mit zwei Schäferhunden) eines Freundes eingeladen. Nicht unbedingt einfach, das auf einem Regierungs-Wisch zu erklären. Für mich war das ein Angebot, um meine Kreativ-Batterien wieder aufzuladen – mal eine Pause zu nehmen von dem chaotischen Leben in London und sich stattdessen in ein Lavendelfeld zu setzen, klingt nach einem No-Brainer. Es war die Chance zum Abschalten, für guten Wein, um wieder eine neue Perspektive zu erlangen. Aber leider beeindruckt Lavendel schnüffeln und leicht einen sitzen haben die französische Regierung nicht besonders. Willkommen im Brexit!

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Aber warum brauche ich überhaupt ein Visum? Um es nochmal klar zu formulieren: Ich habe nicht nach einer Arbeitserlaubnis gefragt, es war lediglich ein längerer touristischer Aufenthalt beantragt. All meine Reisen der vergangenen Monate ähnelten einer Mini-Europa-Tour. Erst drei Tage in Spanien im Juni, dann sieben Tage in Deutschland im Juli, zehn Tage Italien im August, gefolgt von einem weiteren kurzen Vier-Tages-Trip nach Deutschland, ebenfalls im August.

Mir wurde bestätigt, dass mein Aufenthalt in Frankreich die »90 Tage im Schengenraum innerhalb von 180 Tagen« wohl überschreiten würde, also spielte ich das Spiel mit. Nach den Regeln werden nun also alle Tage protokolliert, die ich im Ausland bin und sogar in welchem Land.

Der Visa-Antrag war ein ziemlicher Akt – wie sie es nun mal so sind. Warum eigentlich? Wir brauchen einen Brief des Gastgebers, Verweise, Kontoauszüge, Passfoto, und außerdem verbrachten wir einen ganzen Nachmittag bei der Visa-Behörde, um diesen biometrischen Authentifizierungsprozess abzuschließen. Das Ganze war nicht nur langwierig, sondern auch kostspielig: 300 Pfund für zwei Leute. Das macht mich nachdenklich: Wie machen das britische Musiker und ihre Crew, die auf Europa-Tournee gehen wollen? Uns wurde doch versprochen, das Leben solle leichter werden mit dem Brexit, und immerhin geht es hier um unsere Lebensgrundlage. Laut dem Think-Tank »Best of Britan«, zeigt eine Studie, dass die Zahl der britischen Künstler, die auf europäischen Festivals spielen, verglichen zu den beiden letzten Pre-Brexit-Jahren, um 45 % zurückging. Es scheint, dass viele Veranstalter kalte Füße bekommen und das Risiko von Verzögerungen oder gar Stornierungen von Künstlern aus dem vereinigten Königreich nicht eingehen wollen. Jüngere, aufstrebende britische Künstler leiden darunter mehr als etablierte. Ihnen fehlt es an Ressourcen, all den Papierkram für die Visa zu bewältigen. Natürlich haben etablierte Künstler den gleichen Berg zu erklimmen, aber sie haben mehr Geld und vermutlich Agenten, die dies für sie erledigen. Ich hatte nicht die nötige Zeit oder Managementunterstützung, um gegen diese Entscheidung Einspruch einzulegen und es erneut zu beantragen. Ich verkürzte einfach meinen Frankreichaufenthalt.

Leider war es mir nicht erlaubt, hier zu arbeiten, was wirklich eine Schande ist, denn die eine Straße runter war ein fabelhaftes Studio namens »La Fabrique«. Es ist wie mit dem Rauchen aufhören zu wollen, während man noch Zigaretten im Haus hat – es ist einfach unglaublich verlockend, wenn sie so nah sind.

Wie dem auch sei, einen solch geplanten Trip in einem so kleinen Zeitfenster zu verkürzen ist gar nicht so einfach – oder auch nicht immer eine Option. Man denke nur an all die professionellen Musiker, die mit Touren einen Großteil ihres Einkommens bestreiten. Laut einigen Quellen sind 70 % davon abhängig. Und da sind noch nicht einmal die entgangenen Lizenzeinnahmen eingerechnet, die dadurch entstehen, dass man keine Promotion-Tour für neue Produkte machen darf.

Laut einer Webseite des britischen Parlaments, bieten nahezu alle EU-Mitgliedsstaaten ein Visum und eine Arbeitserlaubnis für Musiker und andere Künstler an, um in ihrem Land performen zu können. Aber die Dauer des Besuchs, der im Rahmen dieser Programme erlaubt ist, variiert zwischen den Ländern. Es gibt da noch einiges zu bewältigen, bis es sich wieder wie vor dem Brexit anfühlt. Die britische Regierung hat versprochen, sich der britischen Kreativwirtschaft anzunehmen und ihre »Klärung von Vereinbarungen« mit den EU-Staaten bald zu regeln. Hoffen wir, dass dies besser früher als später der Fall sein wird.

Währenddessen bin ich gerade im Lademodus, und ich werde meine neu getankte Energie in London wieder gut nutzen können. Im Musikbusiness kann es sich bezahlt machen, einen Schritt zurückzugehen, um danach fortzuschreiten. Haltet die Augen offen im nächsten Jahr!

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