45 Jahre & 5000 Aufnahmestunden

Bernie Krause über seine Field-Recordings über 50 Jahre in der Wildnis

Das Yukon Delta in Alaska, der Amazonas, die Strände von Maui, Kanada, Neuseeland, der Karibik und Kalifornien, der Alonguin Provincial Park in Ontario Kanada, der Dzangha-Nationalpark in der zentralafrikanischen Republik, der Gonarezhu National Park in Zimbabwe, der Sequoia- und der Kings-Canyon-Nationalpark in Kalifornien – sieben verschiedene Territorien, deren Klanglandschaft sich über das letzte halbe Jahrhundert stark veränderte. Daran sind wir Menschen nicht ganz unschuldig. Bernie Krause, Sounddesigner, Fieldrecordist und Bioakustiker hat über die letzten 45 Jahre hinweg die Akustik dieser unterschiedlichen Lebensräume festgehalten und analysiert. Das Ergebnis wird aktuell in der Fondation Cartier pour l’art contemporain in Paris in einer Ausstellung mit dem Namen „The Great Animal Orchestra“ vorgestellt.

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1782604 (Bild: (c) Minden Pictures / Michio Hoshino / Biosphoto)

Bernie Krause gilt als Pionier der elektronischen Musik und des Field-Recording. 1964 kaufte er sich zusammen mit seinem Partner Paul Beaver seinen ersten Moog-Synthesizer bei Robert Moog persönlich; damit waren die beiden mit die ersten Nutzer überhaupt. Später arbeitete er mit musikalischen Größen wie den Byrds, den Monkees, The Doors und George Harrison zusammen, wo er als Sound-Designer für die Synth-Klänge auf ihren Platten verantwortlich war. Außerdem gestaltete er auch den Sound für Filme und war u. a. am Soundtrack von Apocalypse Now beteiligt. Doch irgendwann zog es ihn für eine Produktion aus dem Studio in die Welt nach draußen und in die Natur. Dort hatte er eine Offenbarung, wie er selbst sagt. Er erkannte, dass es dort eine akustische Welt gibt, die damals noch niemand kannte.

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Nachdem er 1968 seine ersten Field-Recordings gemacht hatte, kehrte er Ende der 70er der Musikwelt den Rücken zu und widmete sich seiner neuen großen Leidenschaft: den Aufnahmen in der Wildnis, in deren Klanglandschaft für ihn die Quelle der Musik liegt.

Hier gibt es die insgesamt 7 Stücke zum Anhören: 

Abenteuer Wildnis

In insgesamt 45 Jahren kam er durch seine Reisen auf eine Aufnahmezeit von über 5.000 Stunden. Ausgewählte Aufnahmen stellt er jetzt in Paris in der Fondation Cartier unter dem Namen „The Great Animal Orchestra“ aus.

Die Ausstellung besteht aus einer Kombination aus Bild und Ton. Die Field-Recordings werden in einem Raum wiedergegeben, und an einer Leinwand, die sich über drei Wände erstreckt, wird die dazugehörige Spektralanalyse dargestellt. Bei jedem Laut von Tieren wird dort auch angezeigt, um welches Tier es sich dabei handelt. Was direkt auffällt: Unterschiedliche Tierarten haben ihr eigenes Frequenz-Spektrum, in dem sie miteinander kommunizieren. Im Dzangha-Nationalpark beispielsweise liegt das Brüllen eines Gorialls in den tieferen Frequenzbereichen um die 1 kHz, die Grillen und Insekten zirpen in den Höhen um die 6 kHz herum, und Papageien-Laute bewegen sich in den Mitten zwischen 3 und 4 kHz.

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Die Akustik von sieben unterschied – lichen Lebensräume in einer Spektral-Analyse dargestellt: Yukon Delta in Alaska, der Amazonas, die Strände von Maui, Kanada, Neuseeland, der Karibik und Kalifornien, der Alonguin Provincial Park in Ontario Kanada, der Dzangha-Nationalpark in der zentralafrikanischen Republik, der Gonarezhu National Park in Zimbabwe, der Sequoia- und der Kings-Canyon-Nationalpark in Kalifornien. (Bild: Markus Thiel)

Das schafft die Basis der Kommunikation für die jeweilige Spezies. Was allerdings traurig ist: „Über die Jahre konnte ich mitverfolgen, dass in gewissen Frequenzspektren weniger zu hören war. Das liegt leider am Aussterben von verschiedenen Tierarten“, so Bernie Krause.

Mit den Aufnahmen in der Wildnis begann er Ende der 60er. Bis dahin wurden nur einzelne Spezies separat aufgenommen und beobachtet. Sein Ansatz war es, die gesamte Klanglandschaft aufzunehmen, um das Ökosystem als Ganzes zu untersuchen und zu verstehen, wie sie sich untereinander verständigen, interagieren, sie sich das Territorium teilen und wo sich die einzelnen Tiere in der akustischen Klanglandschaft einordnen. Seine Aufnahmen brachten damals die Wende in der Bio-Akustik, die er mit seiner Arbeit maßgeblich beeinflusst hat.

Anhand seiner Aufnahmen hat er herausgefunden, dass es an bestimmten Orten, an denen sich mehrere Tiere gleichzeitig untereinander verständigen, eine Art Autoorganisation in der Klanglandschaft gibt, in der jede Spezies ihre akustische Nische findet und sich dort verständigt. Dadurch wird verhindert, dass sie sich gegenseitig übertönen. Oft liegen diese Frequenzen in für andere Tiere unhörbaren Bereichen. Das bietet ihnen beispielsweise Schutz vor Raubtieren. Bestimmte Arten werden laut Bernie wirklich akustisch diskriminiert. Das zeigt nicht nur, wie die Tierarten miteinander leben, sondern auch, welche Rolle der Mensch spielt.

Laut Bernie Krause sind die Hälfte der Tierarten, die er innerhalb der 5.000 Stunden aufgenommen hat, bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht, verursacht durch das Eingreifen des Menschens. Bernie Krause will mit seiner Ausstellung auf diese Ereignisse aufmerksam machen.

Das große Konzert der Tiere

In der Ausstellung sind insgesamt sieben unterschiedliche Titel zu hören, die an den oben genannten Gebieten aufgenommen wurden. Ein Durchgang dauert ca. 90 Minuten. Die Aufnahmen sind ein Zusammenschnitt aus einer Zeitspanne von mehreren Jahren, die chronologisch durchlaufen. Es hat also etwas von einem Vorher-Nachher-Vergleich. An manchen Orten war Bernie Krause sogar bis zu vier Mal innerhalb von 20 Jahren, um Aufnahmen zu machen. Er war immer zur gleichen Jahreszeit dort und verwendete immer das gleiche Equipment, um eben auch ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen. In der Ausstellung sind tatsächlich die Evolution und der Rückgang der akustischen Vielfalt in unserem Ökosystem zu erkennen. Das wird durch die Spektral-Analyse verdeutlicht. Dafür gibt es an den verschiedenen Orten unterschiedliche Gründe. Einer davon ist natürlich die ansteigende Erderwärmung.

Seitdem er vor fast 50 Jahren mit seinen Field-Recordings begonnen hat, wollte er die Klanglandschaft archivieren, die langsam, aber stetig leiser und kleiner wird. Er versucht immer noch, bestimmte Tierarten aufzunehmen, bevor sie aussterben. Die mittlerweile über 5.000 aufgenommenen Stunden sind natürlich heute, im Zeitalter der digitalen Aufnahmen, kein Problem mehr. Ende der 60er war es hingegen etwas umständlich, mit analogen Bandmaschinen durch den Dschungel zu ziehen.

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Bernie Krause im Oktober 1987 zusammen mit Gorillas im Karioske Research Center in Ruanda, welches zum dortigen Volcaneos National Park gehört. (Bild: Quentin Groussin, Michael Nichols)

Die technische Herausforderung

Bis Ende der 60er-Jahre gab es keine Field-Recorder, mit denen es möglich war, die umfangreichen klanglichen Aspekte der Wildnis wiederzugeben. »Die ersten portablen Stereo-Tape-Recorder, mit denen das gelang, kamen in den späten 60ern auf den Markt. Das machte das Einfangen der Klanglandschaft aus der ganzheitlichen Perspektive überhaupt erst möglich«, so Bernie Krause. »Zusammen mit zwei gematchten Mikrofonen konnte man nun mit den gesammelten Aufnahmen später bei der Wiedergabe die Illusion von Raum und Tiefe entstehen lassen.« Trotz dieser erheblichen Klangverbesserung war das Equipment aber immer noch extrem unhandlich. Sogar die besten Field-Recorder zwischen Ende der 60er und Mitte der 80er, wie beispielsweise die Nagra IV-S, wogen fast 14 Kilo und wurden von insgesamt zwölf D-Zellen-Batterien betrieben, mit denen man nur 5 Stunden aufnehmen konnte. Die 7-Zoll-Bänder, die man für die Nagra benötigte, wogen ein halbes Kilogramm und konnten bei einer Geschwindigkeit von 15 IPS, welche zu der Zeit die Standardgeschwindigkeit war, nur etwas mehr als 20 Minuten Audiomaterial aufnehmen. Und dann kamen noch Mikrofone und Halterungen dazu sowie Kopfhörer, Stative, Kabel, Ersatzbatterien und -bänder.

»Fieldrecordisten mussten zu Beginn jung und agil, fit, aber vor allem erfinderisch und mutig sein. Außerdem gab es keine Lektüre, die beschrieb, wie man Sounds in der Natur aufnimmt. Man musste alles selbst erkunden und erlernen. Ich hab ein Jahrzehnt gebraucht, um überhaupt herauszufinden, wie man eine Meereswelle aufnimmt, damit sie bei der Wiedergabe auch echt klingt«, gesteht Bernie. »Es gibt kein Mikrofon, das darauf ausgelegt ist, Meereswellen aufzunehmen. Also musste ich sie aus verschiedenen Perspektiven aufnehmen – aus der Nähe, dem Nahfeld und dem Fernfeld – und später die Signale so zusammenmischen, dass sie in unserem geistigen Ohr eine Illusion von Tiefe, Breite und dem Strand mit eben dieser Welle entstehen lassen.«

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Bernie Krause und Paul Beaver im Jahre 1967 mit ihrem ersten Moog-III-Synthesizer, während der Albumproduktion zu The Nonesuch Guide to Electronic Music in ihrem Studio in Los Angeles. (Bild: Quentin Groussin, Michael Nichols)

In den 80ern machte die Entwicklung der Technik aufgrund des Wandels von Analog zu Digital einen enormen Sprung. Die erste Aufnahmetechnik dieser Gattung war der Sony PCM F-1, ein digitaler Audioprozessor, mit dem man mit zugehörigem Betamax-Recorder auf einer normalen Betakassette in 14 und 16 Bit aufnehmen konnte. Gewicht: 4 Kilogramm! »Er erwies sich dennoch als ungeeignet für meine Recordings in der Wildnis«, so Bernie. 1987 kamen dann die DAT-Recorder, die viel leichter und kleiner als ihre Vorgänger waren. Ihre Größe lag in etwa bei der eines Buches. Trotzdem war man immer noch von kleinen Bandkassetten abhängig. Vorteil: Die Schallwellen, die von den Mikrofonen eingefangen wurden, konnten jetzt direkt von analog in digital konvertiert und auf Band gespeichert werden, und man brauchte keinen zusätzlichen Audioprozessor mehr. Die Recorder liefen immerhin mit nur vier D-Zellen-Batterien. In den 80ern und den frühen 90ern schrumpften auch die DAT-Recorder bis zu einem Punkt, an dem sie nicht viel größer als ein Kartenspiel waren und von nur zwei bis vier kleinen AA-Batterien betrieben wurden. Das reduzierte das Gewicht des Field-Recording-Equipments um mehr als 80 % im Vergleich zu den früheren Technologien. Außerdem waren die Recorder nun viel energieeffizienter. Auch die mögliche Aufnahmezeit von DAT-Bändern verdreifachte sich. Das lästige Wechseln der Bänder wurde also weniger.

In den späten 90ern und frühen 2000ern wurden Mini-Disk-Recorder als mobile Aufnahmegeräte verwendet, ehe 2004 die ersten Field-Recorder mit integriertem Flash-Speicher auf den Markt kamen, mit denen es möglich war, in hoher Qualität und höheren Samplingund Bit-Raten aufzunehmen. »Das Beste da – ran: Man konnte dutzende Stunden Audiomaterial am Stück aufnehmen«, schwärmt Bernie.

Leichte Mikrofone

»Auch Mikrofonsysteme entwickelten sich weiter«, sagt Bernie. »In der Zeit, als ich mit den Aufnahmen in den von uns Menschen unberührten Lebensräumen begann, wurden Mikrofone nur in klimatisierten Räumen verwendet, wo man Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrollieren konnte, wie beispielsweise in Konzerthallen und Studios. Als ich sie zum ersten Mal im Wald ausprobierte, sind sogar die temperierten Kondensator-Systeme gescheitert. Schon der geringste Anstieg der Luftfeuchtigkeit führte dazu, dass ihre empfindliche Kapsel nicht mehr richtig arbeitete. Aufgrund der Nierencharakteristik und ihrer damit zusammenhängenden Empfindlichkeit gegenüber Windgeräuschen war es nahezu unmöglich, in anderen als geschützten Umgebungen aufzunehmen.

Auch die dynamischen Mikrofone waren alles andere als rauscharm, da sie eine hohe Verstärkung benötigten. Zusätzlich konnten sie die Tiefe und Breite nicht wiedergeben, die man beispielsweise mit Kondensatormikrofonen erzielte. In den 60ern nutzte ich ein gematchtes Paar KM84 von Neumann. Sie klangen sehr gut, aber es war schrecklich, mit ihnen in der Natur aufzunehmen. Jeder Windstoß und nur ein bisschen Feuchtigkeit beeinflusste ihre Aufnahmequalität.

In den 70ern wechselte ich dann zu den Schoeps 41 mit einer C5-Kapsel. Auch diese Lösung war nicht wirklich ideal, ich fand, die Mikrofone rauschten zu sehr.«

Im Laufe der 80er-Jahre wurden FieldRecordings immer beliebter, und so kam es, dass Sennheiser damit begann, ein Kondensatormikrofon zu entwickeln, das hoher Luftfeuchtigkeit für längere Zeit standhalten konnte: das MKH 30. »1988 wechselte ich nach einer Empfehlung eines Kollegen bei LucasFilm zum MKH 30 mit einer Acht- und dem MKH 40 mit Nierencharakteristik. Seitdem ich mich auf die Aufnahme des gesamten Lebensraums konzentriere, nutze ich fast ausschließlich diese Mikrofonsysteme für meine Field-Recordings. Gelegentlich setze ich auch die Elektret-Mikrofone Sony ECM 55b, die ich seit über 25 Jahren besitze, und ein Paar DPA 4060 ein, die ich sowieso immer als Backup dabei habe. Sie waren gegenüber der Luftfeuchtigkeit weniger Anfällig als dynamische oder Kondensatormikrofone«, erzählt Bernie.

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Die Spektralanalyse zeigt die Aufnahmen des Ozeans in Kalifornien.

Im Jahr 2010 waren mobile Aufnahmegeräte so weit entwickelt, das in kleinen Field-Recordern mit Flash-Speicher bereits omnidirektionale Mikrofone integriert waren und man auch in Umgebungen mit hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und Wind ohne Probleme über Stunden hinweg aufnehmen konnte.

»Manche dieser Geräte«, sagt Bernie, »können Signale mit unterschiedlicher Stärke aus allen Punkten, die innerhalb ihrer Richtcharakteristik liegen, mit nur vier feinjustierten Mikrofonen aufnehmen. Es gibt sogar Modelle, die man bei Tauchgängen verwenden kann, um die Unterwasserwelt aufzunehmen. Andere wiederum können Ultraschallwellen einfangen und Fledermäuse und Insekten hörbar machen. Sie sind zusätzlich auch noch preiswert und super einfach zu bedienen.« Solche Techniken hätte Bernie wohl schon gerne früher verwendet. Aber Pionier auf diesem Gebiet zu sein, hat auch einen gewissen Stellenwert!

Die digitale Entwicklung hat uns auch die Möglichkeit verschaffen, Daten zu speichern, zu archivieren und immer größere werdende Datenmengen zu analysieren. »Als ich vor fast einem halben Jahrhundert damit begann, Klanglandschaften zu studieren, konnte ich nur 15 Stunden aufnehmen und davon höchstens eine Stunde an brauchbarem Material festhalten. Das war genug für ein Album, eine Sound-Installation oder Klanglandschaften für ein Museum. Aufgrund der zunehmenden Naturgewalten, zu denen auch die globale Erwärmung gehört, des Ressourcenabbaus, der Veränderung der Natur durch den Menschen sowie der Wasser- und Luftverschmutzung muss man bis zu 200 Stunden aufnehmen, um eine Stunde in der gleichen Qualität zu extrahieren.«

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15. April der Jahre 2004, 2009, 2014 und 2015. Der Vergleich der Spektral-Analyse zeigt, dass eine Vogelart, die bisher noch nicht definiert werden konnte, im Jahr 2015 nicht mehr zu hören ist.

Zukunftsmusik

»Solange wir immer weitere Technologien für den bio- und geoakustischen Bereich entwickeln, um sie noch gründlicher zu untersuchen und noch besser zu verstehen, befinden wir uns weiter in einem Bereich, in dem sich alles darum dreht, wie wir den Sound aufnehmen und wiedergeben können. Die aktuellen Methoden und Technologien, die uns für eine Analyse zur Verfügung stehen, arbeiten allerdings nicht präzise genug, um unsere Fragen zu beantworten. Ich vermute, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir von einem »perfekten Aufnahmesystem« sprechen können − ein System, das so klein ist, dass es in jede Tasche passt, wasserdicht ist und präzise ausgerichtet werden kann. Es verfügt über auswechselbare und komplett rauschfreie Mikrofonkapseln mit einer Reihe an selektierbaren Richtcharakteristiken und Funktionen, die einen Gebrauch unter extremen Wetterbedingungen ermöglichen. Über GPS könnte es auch von jedem Ort der Welt aus ferngesteuert werden.

Obwohl der heutige eingefangene Ton faszinierend ist und viele Anthropologen beeindruckt, repräsentieren die Aufnahmen aus der Wildnis nicht das, was wir zu hören glauben. Unsere akustische Wahrnehmung wird eben auch von unseren anderen Sinnen beeinflusst. Wenn wir beispielsweise am Strand stehen und den Wellen zuhören, und unsere Augen sind auf den Wellenbrecher weit von der Küste entfernt fokussiert, neigen wir dazu, diese entfernten Wellen zu hören. Wenn wir direkt am Wasser stehen und beobachten, wie die erste Welle langsam über unsere Füße hinwegschwappt, hören wir das Blubbern und Knistern in der Brandung. Selbst mit der besten Technologie könnten wir diese Signale und Räume nur teilweise erfassen und wiedergeben, während zugleich ein vages Gefühl der akustischen Treue bliebe.

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Die Ausstellung von Bernie Krauses The Great Animal Orchestra läuft noch bis zum 8. Januar 2017 in der Fondation Cartier pour l’art contemporain in Paris. Die Ausstellung vereint die Arbeit von Künstlern aus aller Welt und lädt den Besucher dazu ein, aural und visuell in das Reich der Tiere einzutauchen, welches stark von der modernen Welt beeinflusst wird. Weitere Infos zur Ausstellung findet ihr unter: www.legrandorchestredesanimaux.com/en (Bild: Quentin Groussin, Michael Nichols)

Durch die unendlichen Möglichkeiten zur Bearbeitung und der Reproduktion, die uns heute zur Verfügung stehen, erreichen wir einen Sound, der lediglich daran erinnert, wie die Klanglandschaft zum Zeitpunkt der Aufnahme zu hören war. In Zukunft werden wir auch danach streben, um eine realistischere Aufnahme und Wiedergabe zu erzielen. Da es bisher keine absoluten Standards gibt, nach denen man die Ergebnisse beurteilt, werden die Aufnahme weitgehend subjektiv bewertet«, so Bernie über die Aussagekraft der heutigen Aufnahmen.

Statement 

Seit unserem Field-Recording-Special in der Ausgabe 12.2015 bin ich zu einem echten Fan von Outdoor-Aufnahmen geworden. Deshalb hab ich mich auch über die Einladung der Fondation Cartier zur Ausstellung von The Great Animal Orchestra so gefreut. Ich habe ständig meinen Zoom H6 dabei, um einfach die akustische Umgebung eines Moments als Erinnerung fast schon wie ein Bild festzuhalten. Diesen Ansatz hat auch Bernie Krause verfolgt, jedoch auf einer ganz großen Ebene. Zu hören, dass bereits über die Hälfte der Tierarten, ausgestorben oder davon bedroht sind, macht nachdenklich. Es liegt in unserer Hand, ob wir in Zukunft Aufnahmen oder Bilder von Tieren brauchen, um sie in Erinnerung zu behalten.

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