DSP-Technologie und Linearphase

20 Jahre KSdigital – Studiomonitore mit innovativer Technologie

(Bild: Dr. Andreas Hau)

>>In der aktuellen Ausgabe testen wir die neuen C5-Reference−2-Wege-Coax-Nahfeldmonitore von KSdigital<<

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Welche Vorteile bringt DSP-Technologie im Lautsprecherbau? Welche zusätzliche Klanginformation lässt sich zutage fördern, wenn ein Studiomonitor nicht nur einen ebenen Frequenzgang hat, sondern auch linearphasig, also »zeitrichtig« arbeitet? Diese Fragen stellte Johannes Siegler, als er die Firma KSdigital gründete, die in diesen Tagen ihr 20-jähriges Jubiläum feiert.

Als ich vor Jahren meinem Chefredakteur die Reihe »German Audio« verschlug, um in loser Folge Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum vorzustellen, hatte ich in erster Linie die großen Mikrofonhersteller im Blick, deren Produkte weltweit für guten Ton sorgen. Dabei gibt es hierzulande auch etliche namhafte Hersteller, die sich um die Schallwandler am hinteren Ende der Signalkette kümmern.

Höchst innovativ tut dies seit nunmehr 20 Jahren die Saarbrücker Firma KSdigital, deren Studiomonitore nicht nur einen ebenen Frequenzgang aufweisen, sondern auch linearphasig d. h. »zeitrichtig« arbeiten. Was dahinter steckt und welche Vorteile Digitaltechnik im Lautsprecherbau bietet, wollte ich vor Ort erfahren und verabredete mich mit Johannes Siegler, Gründer, Entwickler und Geschäftsführer von KSdigital in Personalunion.

Großes im Kleinen

Entwicklung und Fertigung von KSdigital befinden sich auf dem Innovations-Campus Saar im Saarbrücker Stadtteil Burbach. Wie viele universitätsnahe Technologiezentren sieht es in etwa so aus, wie man sich eine Siedlung auf dem Mars vorstellt. Nur eben komplett zugeparkt. Begrüßt werde ich vom Produktspezialisten Oliver Altwasser, der mich durch die Räumlichkeiten führt, bevor der Chef eintrifft.

Bereits im großen Vorführraum wird klar, dass hier nicht im luftleeren Raum entwickelt wird, sondern ganz konkret für die tägliche Arbeit im Tonstudio. Denn neben zahlreichen Lautsprecherboxen aus dem umfangreichen Lieferprogramm befindet sich an zentraler Stelle ein Produktionstisch, an dem selbige unter Realbedingungen ausprobiert werden. Der Vorführraum dient Johannes Siegler nämlich auch als Tonstudio.

Als Nächstes machen wir einen Abstecher nebenan in den Vorführraum von Backes & Müller. Unterm selben Dach befindet sich nämlich noch eine zweite Lautsprecherfirma, die sich dem Bau von Hi-Fi-Boxen im Hochund Höchstpreissegment widmet − die Preise liegen zwischen Kleinwagen und Eigenheim. Denn, als ob er nicht schon genug zu tun hätte, ist Johannes Siegler gleichzeitig auch Entwickler und Geschäftsführer von Backes & Müller. Nichtsdestotrotz handelt es sich um getrennte Firmen, wie auch der Blick in die Fertigung zeigt: In derselben Halle arbeiten zwei Teams unabhängig voneinander und mit jeweils eigenem Teilelager. Dennoch geht es familiär zu − wir sind schließlich im Saarland! »Großes entsteht immer im Kleinen.« Das mag nicht immer zutreffen, aber hier ganz sicher.

Zurück im Vorführraum ist Johannes Siegler inzwischen zum Interview eingetroffen.

Johannes, KSdigital wird nun 20 Jahre alt. Erzähl doch mal, wie alles begann.

Johannes Siegler: Meine eigene Beschäftigung mit dem Thema Studiomonitore kam daher, dass ich 13 Jahre ein Tonstudio hatte, das ich während meines Studiums und auch noch danach betrieben habe. Ich habe hier in Saarbrücken Elektrotechnik bzw. Nachrichtentechnik studiert, war gleichzeitig aber auch Musiker. Meine Diplomarbeit habe ich dann über »Zeitinvariante Systeme und deren Entzerrung« geschrieben.

Nach dem Studium habe ich eine Zeitlang als freier Entwickler und Journalist gearbeitet. Für DSP-Firmen in Amerika habe ich Code geschrieben, und in der Funkschau habe ich eine Artikelserie über DSP veröffentlicht, weil digitale Signalverarbeitung damals ein neues Thema war.

Aufgrund dieser Artikel kam KS Beschallungstechnik auf mich zu, die diese Technik in ihren Beschallungsboxen haben wollten [als KS Audio existiert diese separate Firma bis heute in Hettenleidelheim; Anm. d. Aut.]. Um zu überprüfen, ob das funktioniert, haben wir dann ein bestehendes [analoges] System vom Typ T3 digital nachgebildet, d. h., mit derselben Bestückung nochmal mit digitaler Entzerrung gebaut; daraus wurde dann die T4. Damit sind wir dann durch die Theater gezogen. Dabei habe ich viel Akustik-Erfahrung gesammelt, weil ich 15 Jahre lang Hörvergleiche gemacht habe und, wenn Anlagen verkauft wurden, die Theater anschließend eingemessen habe.

Schon bei KS Beschallungstechnik habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit digitaler FIR-Filtertechnik Dinge machen kann, die eine analog entzerrte Box nicht kann, wo man es einfach nicht hinkommt, egal wie man’s macht. Und das war der Punkt, wo ich mir sagte: »Das will ich jetzt auch in meinem Studio haben; mit diesem Vorteil möchte ich gern arbeiten.« Daraufhin habe ich mir fürs eigene Studio die ADM2 gebaut, wie sie da steht. Die kam auch bei allen Kunden super an, insbesondere im Bereich akustische Musik und Jazz. Also habe ich immer wieder ein Paar gebaut und verkauft. 1996 gingen wir mit dieser Technik auf die Tonmeistertagung, wo wir auch gut ankamen, und dann haben wir 1997 KSdigital gegründet. Das war die Initialzündung.

Ich habe mich ganz allmählich ohne Marketingkenntnisse vorgearbeitet. Anfangs waren 80 bis 90 % meiner Kunden international richtig bekannt; Stevie Wonder war ganz früh dabei. Aber ich hatte sonst keine Kunden. Es war also genau umgekehrt wie sonst, wo man sich ein paar Key-Account-Kunden herauspickt, mit denen man Werbung macht, während die eigentlichen Kunden eher im Homerecording-Sektor zu finden sind. Bei mir war’s so, dass ich ganz geringe Stückzahlen hatte, die aber immer an professionelle Tonmeister und erfolgreiche Künstler gingen: Klaus Schulze, Edo Zanki, Xavier Naidoo, Rammstein. Ein Problem war aber die geringe Verbreitung, und deshalb mussten wir uns breiter aufstellen.

Die Produktpalette von KSdigital ist inzwischen ungewöhnlich groß, zumal für eine recht kleine Firma.

Das meiste, was ich mache, ist Management, aber eigentlich bin ich halt Ingenieur. Und was ich am liebsten tue, ist, Produkte zu entwickeln, die Qualitätsstandards hoch zu halten und Lösungen zu finden. So gab es zuerst die ADM-Serie, dann gab’s die C-Line. Mit der C-Line haben wir festgestellt, dass es schöner wäre, wenn wir Chassis entwickeln, die keine Doppler-Effekte zulassen, und so kam es zur D-Line, bei der der Kern durchbohrt ist und der Hochtöner wie bei Tannoy auf ein Horn strahlt. Zuerst hatten wir dieses weiße Langhorn, und nun haben wir dafür ein neues Kurzhorn entwickelt, das weniger Horn-Effekte, wie Schallbündelung und Verstärkung, macht. Ursprünglich beabsichtigt war ein schmaler Sweet-Spot, um möglichst viel Raum auszublenden. Das ist für den Endanwender in einem kleinen Studio wirklich hervorragend. Die Profis haben das auch durchschaut; viele Schnittplätze wurden mit der D-Line mit Langhorn ausgestattet.

Aber wir haben uns selber ein Bein gestellt bei den Lautsprecherwänden der großen Händler, denn wenn du nicht genau im schmalen Sweet-Spot der D-Line sitzt, scheint es, als hätten alle anderen Boxen brillantere Höhen. Deshalb wollen wir die jetzt nur noch dort anbieten, wo wir selbst vor Ort beraten können.

Beispielsweise hat das ZDF alle neu gebauten Schnittplätze damit ausgestattet. Denn die haben genau das Problem: viele Schnittplätze nah beieinander, die sich möglichst wenig gegenseitig stören sollen. Auch für 3D-Audio-Anlagen ist die D-Line interessant; die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg bekommt demnächst ein 3D-Audio-Labor mit 38 D80 von uns.

Aber fürs Homestudio sind wir dabei, die C-Line zu überarbeiten und neu an den Markt zu bringen. Sie wird definitiv technisch besser werden. Wir haben aus Fehlern gelernt und neue Chassis [Treiber] entwickelt. Das 6-Zoll-Chassis haben wir mit einer anderen Firma zusammen entwickelt, und das 8-Zoll-Chassis ist eine komplette Eigenentwicklung. Dadurch haben wir Qualität und Verfügbarkeit besser im Griff. Lautsprecher gelten als der schwierigste und am stärksten kompromissbehaftete Teil der Signalkette.

Was ist eure Design-Philosophie?

Oliver Altwasser: Ich möchte es mal psychoakustisch erklären: Wenn es darum geht, einen Lautsprecher tonal oder zeitlich korrekt zu machen, dann entscheidet sich Johannes dafür, ihn zeitlich perfekt zu machen. Denn tonal sind wir psychoakustisch in der Lage, Ungereimtheiten auszugleichen − siehe Auratones aus den 70ern oder NS10; damit kann man ja arbeiten, wenn man sich darauf eingehört hat. Ein zeitlich unsauberes Signal können wir aber nicht ausgleichen.

Johannes Siegler: Das kann man gar nicht analysieren: Was durch Verdeckungseffekte verschwindet, bleibt verdeckt, daher kann man ja auch aus MP3 kein unkomprimiertes Signal zurückgewinnen. Generell sind unsere Studiomonitore aber auch tonal sehr, sehr linear.

Eine Besonderheit von KSdigital ist der Einsatz von FIR-Filtertechnologie, die neben einem linearen Amplituden-Frequenzgang auch einen ebenen Phasengang, d. h. ein zeitrichtiges Signal, ermöglicht. Kannst du das mal genauer erklären?

Das FIR-Filter mit Zeitkorrektheit greift nicht auf Phase oder Amplitude zu, sondern es macht den Impuls richtig. Und wenn der Impuls ideal ist, hast du automatisch auch einen idealen Phasen- und Amplituden-Frequenzgang. Wenn man diese Übersetzung ins Bildhafte, nämlich Amplitude, d. h. die Lautstärke der einzelnen Töne, einfach mal vergisst und schaut, dass ein Rechteck-Impuls als Rechteck-Impuls und ein Dirac-Impuls als Dirac-Impuls sauber wiedergegeben werden, ohne größere Nachschwingungen, dann ist man sowieso richtig.

Der Vorteil einer zeitlich korrekten Lautsprecherbox liegt nicht zuletzt in der genaueren räumlichen Darstellung, denn Raumreflexionen sind ja eine Zeitinformation. Gerade zu Anfang hatten wir daher viele Kunden aus dem Bereich Klassik, wo die Räumlichkeit extrem wichtig ist.

Johannes Siegler in Peter Gabriels Real World Studio bei der Vorführung der KSdigital Linemaster. (Bild: KSdigital)

Ihr arbeitet nicht nur mit digitaler Technik, sondern führt das Wort »Digital« sogar im Namen. Macht man sich damit nicht zur Zielscheibe von Analog-Hardlinern?

Grade zu Anfang gab es schon gewisse Vorbehalte. Auf der Musikmesse meinte mal ein Kunde, nachdem er sich die C5 angehört hatte: »Euer Digitalkram − man hört’s sofort!« Dabei gehört die C5 zu unseren wenigen voll analogen Produkten! (lacht)

Oliver Altwasser: Auf einer anderen Messe kam mal einer, hörte sich die Lautsprecher an, und als er feststellte, dass wir mit Digitaltechnik arbeiten, schnaubte er: »Ist doch alles tot gemonstert hier, oder?!« (kollektives Lachen)

Trotzdem hast du dich nicht beirren lassen.

Johannes Siegler: Es gibt immer wieder eine Abhörsituation, die man möglichst sinnvoll und clever lösen muss, und das spiegelt sich vielleicht dann auch in der Produktvielfalt. Denn wenn man glaubt, mit einem anderen Abstrahlverhalten die jeweilige Situation besser lösen zu können, und die Möglichkeit hat, das zu bauen, dann macht man’s halt. Auch wenn es, betriebswirtschaftlich gesehen, vielleicht bescheuert ist, so viele Produkte anzubieten.

Es ist also weniger der wirtschaftliche Erfolg als die Leidenschaft für Audiotechnik und guten Sound, die dich antreibt?

Ich mache hier immer noch Aufnahmen und Masterings. Ich entwickele nie eine Box, die ich hier nicht selbst betreibe. Von jedem Studiomonitor muss ich sagen können, dass er gewisse Vorteile bietet und dass man damit gut arbeiten kann. Denn es kann auch vorkommen, dass eine Box zwar schön klingt, aber nicht die Information liefert, die ich brauche, keine Fehler aufdeckt. Ich behaupte mal, unsere Lautsprecher machen Spaß, weil sie Druck machen, weil sie schnell sind, aber sie sind immer ehrlich. Wir haben nie einen Schönzeichner drin.

Das ist nicht immer gut. Gerade in den Anfangszeiten war’s richtig schwer, auf der Tonmeistertagung zu stehen mit einer ADM2, die einen extrem geringen Toleranzschlauch von 0,1 bis 0,2 dB hat. Und dann kommt irgendein Tonmeister mit eigenen Aufnahmen und hört Fehler, die er vorher nie gehört hat. Für eine bekannte Firma ist das kein Problem, aber bei einer unbekannten Firma schiebt man die gehörten Fehler auf den Lautsprecher.

Eines der imposantesten Produkte hier im Vorführraum ist ohne Frage die Linemaster, ein mannshoher Standlautsprecher mit Zylinderwellenfeld. Für welche Anwendungen hast du die entwickelt?

Ich war mal an einer der ersten Entwicklungen von Line-Arrays maßgeblich beteiligt. Dabei haben wir gemessen, wie die Addition der einzelnen Treiber funktioniert, und Theorien entwickelt. Heute kannst du das in jedem Buch zum Thema nachlesen, aber damals gab es eben noch keins; das musste man sich alles erarbeiten. Über diesem Projekt machte ich die Erfahrung, was ein Zylinderwellenfeld ist.

Irgendwann später habe ich ein Foto von der Tonregie in Peter Gabriels Real World Studio gesehen, und man hat mir immer berichtet, die Abhörqualität dort wäre fürchterlich. Da begann ich zu überlegen, was man tun könnte, damit es dort besser klingt. Das war die Initialzündung für die Linemaster, die es jetzt seit knapp 10 Jahren gibt. Mit ihrer kontrollierten Abstrahlung, dem Zylinderwellenfeld, erweitert sie den Nahfeldbereich.

Johannes Siegler und Oliver Altwasser im Vorführraum, der gleichzeitig als Tonstudio genutzt wird (Bild: Dr. Andreas Hau)

Jahre später war ich tatsächlich mit der Linemaster bei Peter Gabriel im Real World. Das hat fantastisch geklungen, die Tonleute waren völlig begeistert. Aber die hatten nun mal einen Deal mit einem anderen Hersteller, und ich musste auch feststellen, dass die Gerüchte falsch waren: Das Tonstudio klingt hervorragend. Die Tonregie ist riesig mit einer Grundfläche von etwa 90 m2 und einer enorm hohen Decke − alles ausgezeichnet eingerichtet und aufgebaut. Trotzdem war es in diesem großen Raum verblüffend, wie viel besser und präziser die Linemaster durch ihr Zylinderwellenfeld klang, verglichen mit dem, was sie da hatten.

Du bist gleichzeitig auch Geschäftsführer und Chefentwickler von Backes & Müller, die hier im Haus noble Hi-Fi-Boxen herstellen. Wie kam es dazu?

Um uns breiter aufzustellen haben, wir im Auftrag eines Vertriebes auch mal einen Hi-Fi-Lautsprecher gebaut. Mit dem sind wir nach Frankfurt zur High End Hi-Fi-Messe, aber danach war mir klar, dass es unmöglich ist, im Hi-Fi-Markt was zu erreichen. Denn dazu hätte man noch einmal eine neue Marke aufbauen müssen. Die Zeit der Neugründungen von Hi-Fi-Marken war aber in den 70er, 80ern, nicht 1998. Das Projekt, Hi-Fi-Boxen mit KSdigital zu bauen, war somit für mich erst mal beendet.

Unsere Lautsprecher sind aber einigen Leuten aufgefallen. Knapp ein Jahr später wurde ich von Backes & Müller angesprochen, die damals keinen technischen Kopf hatten. Letztlich habe ich dann Anteile gekauft, damit ich mitbestimmen kann, und so bin ich seit 2000 außer bei KSdigital auch Geschäftsführer und Entwickler bei Backes & Müller. Das sind aber zwei getrennte Firmen mit unterschiedlichen Mitarbeitern, die beide hier produzieren. Natürlich gibt es eine ganze Menge Synergieeffekte, sowohl in Sachen Erfahrung als auch beim Umgang mit Schreinern und Zulieferern.

Das bringt uns zu einer Frage, die immer wieder kontrovers diskutiert wird und die vielleicht niemand besser beantworten könnte als du: Was unterscheidet denn eine gute Hi-Fi-Box von einem Studiomonitor?

In der Spitze, dort wo’s richtig gut und teuer wird, ist es austauschbar, würde ich mal behaupten. Natürlich wird ein Hi-Fi-Lautsprecher nie so im Nahfeld betrieben wie ein kleiner Monitor. Wenn du dagegen einen kleinen Studiomonitor wie die C5 auf einen Ständer stellst und in einer Wohnzimmeratmosphäre aus vier Metern Entfernung abhörst, dann kann’s vielleicht dünn klingen. Je nach Größe des Raums muss man schon einiges an Energie aufbringen, um auf eine solche Entfernung eine angemessene Klangfülle zu erzeugen.

Ansonsten liegt ein großer Unterschied zwischen beiden Märkten in der Bauform. HiFi-Hörer bevorzugen schmale Boxen. Im Studio sind dagegen große Standboxen wenig beliebt. Zu Unrecht, denn die Standfläche, die für die − oft wackligen − Ständer ungenutzt verschenkt wird, könnte man nutzen, um über das Gehäusevolumen Bass zu produzieren. So wie wir es mit der ADM25 machen; das ist ein Standlautsprecher mit D’Appolito-Anordnung [d. h., der Hochtöner liegt zwischen zwei Tiefmitteltönern] in 5-Grad-Neigung, die hinter den Produktionstisch gestellt wird.

Der Unterschied liegt also eher in der Aufstellung und in der Gehäuseausführung, aber in der Klangästhetik sehe ich keinen Unterschied. Die Hi-Fi-Lautsprecher, die ich entwickele, sind genauso auf Linearität gebürstet wie die Studiomonitore; da gibt’s keine Schönfärberei oder Badewannen-Frequenzgänge.

Natürlich gibt’s bei Hi-Fi-Boxen und wohl auch bei Studiomonitoren gewisse Moden. Bei Hi-Fi ist momentan der Trend, dass es obenrum eher etwas zu wenig hat, mit einem leichten Roll-off ab 8 kHz. Aber da kümmern wir uns nicht drum. Zumal wir mit der digitalen Filtertechnik ja ohnehin alle Möglichkeiten der individuellen Anpassung haben, sowohl an den Raum als auch an geschmackliche Vorlieben. Das können wir bei der Installation vornehmen; bei den kleineren Modellen hat der Kunde die Möglichkeit, das selbst zu machen, etwa indem er sich eine RC-100 von uns ausleiht.

Abschließende Frage: Was bedeutet für euch »Made in Germany«?

Hier in Deutschland zu produzieren hat betriebswirtschaftlich gesehen fast nur Nachteile. Viele Mitbewerber lassen inzwischen in Fernost fertigen, und wenn ich durch die Kataloge blättere, kommt mir immer wieder die unangenehme Erkenntnis, dass deren Boxen mitunter im Endkunden-Verkaufspreis so viel kosten wie ich im Einkauf fürs Gehäuse zahle. Andererseits haben wir die Qualität auf eine Art und Weise im Griff wie sonst niemand, weil wir im engen Kontakt mit allen Lieferanten stehen und auch mit denen zusammen entwickeln können.

Oliver Altwasser: Und zwar vor Ort. Zum Beispiel entwickeln wir für die neuen Modelle der C-Serie ein Stahlgehäuse. Der Metaller bringt dann den Prototypen vorbei, und wir gucken alle drüber. Es ist also nicht so, dass wir eine CAD-Datei nach China schicken und irgendwann einen Container voller Gehäuse bekommen, mit denen wir dann leben müssen. Bei uns ist die Entwicklung oft ein iterativer Prozess. Wenn wir feststellen, dass irgendwas doch nicht so ist, wie wir’s möchten, fahre ich mal eben rüber zum Stahl- Menschen und lasse das ändern. Diese kurzen Wege helfen beim Feinschliff der Designs.

Johannes Siegler: Wir müssen also aus dem betriebswirtschaftlichen Nachteil, in Deutschland zu produzieren, einen Vorteil machen, indem wir besser und individueller auf die Kunden eingehen. Wenn beispielsweise jemand was in Pink haben möchte − was schon vorgekommen ist! −, dann können wir auch in Pink liefern.

Oliver Altwasser: Oder wenn die Hochschule eine spezielle Aufhängung benötigt, dann fahre ich rüber zum Metaller und lasse die anfertigen.

Johannes Siegler: Solche Dinge kann ein Massenfabrikant nicht leisten. Und das ist es, was »Made in Germany« für uns ausmacht: hohe Qualitätsstandards und Flexibilität für individuelle Lösungen.

Wie aufs Stichwort steht ein Mitarbeiter in der Tür: »Chef, hasche mol fünf Minute?«, fragt er im tiefsten Saarbrücker Platt und wedelt mit einem Gehäuseteil − eine Sonderanfertigung, die auf Abnahme wartet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Herzlichen Dank Herr Hau für diesen tollen Bericht! Jetzt mag ich meine D-80 noch mehr als zuvor:-) Ich finde es ganz große Klasse – auch wenn es teurer ist -, dass Qualität hier in diesem Land entwickelt und hergestellt wird. Weiter so!

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  2. Auch bei mir erklingen KS-digital-Lautsprecher und ich kann die Vorteile von “Made in Germany” nur unterstreichen: ein Support der reagiert, eine Firma, die für Anregungen offen ist und wo man bei Problemen auch “mal eben rumfahren” kann. Topp, so zaubert nicht nur der Klang ein Grinsen ins Gesicht 🙂

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Hallo,
    betreibe seit kurzer Zeit die “Line Master” in meinem Hörraum,die ich gebraucht erwerben konnte.
    Bin einfach nur begeistert,denn sie ist mit Abstand der beste LS,den ich jemals während meiner, inzwischen 30 jährigen “Hifi-Karriere” zu hören bekam.
    Mein erster Höreindruck nach “Plug&Play Anschluss”war schon beeindruckend.
    Nach erstem “Fein-Tuning”, so wie das bei uns sogn.”Highend´ern”ja so ist (Pucks zur Entkoppelung der LS,penibles Ausrichten und Einwinkeln auf den”Sweetpoint”),etc.tat sich
    danach, die von mir so geschätzte “imaginäre Bühne”auf und das “Livegefühl”stellte sich ein.
    Inzwischen habe ich auch akustisch erfahren,das die Abbildung des Raumes,nicht nur aus der Länge und der Breite besteht,sondern,dank der Line Master,auch die Höhe, einen entscheidenden Faktor darstellt,was mir vorher gar nicht so bewusst war.
    Alles in Allem,es klingt einfach querbeet, alles sehr gut und selbst meine “geliebten
    Chesky” LP´s klangen noch nie so gut.
    “Herz,was willst du mehr”!

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  4. Hallo,
    betreibe seit kurzer Zeit die “Line Master” in meinem Hörraum,die ich gebraucht erwerben konnte.
    Bin einfach nur begeistert,denn sie ist mit Abstand der beste LS,den ich jemals während meiner, inzwischen 30 jährigen “Hifi-Karriere” zu hören bekam.
    Mein erster Höreindruck nach “Plug&Play Anschluss”war schon beeindruckend.
    Nach erstem “Fein-Tuning”, so wie das bei uns sogn.”Highend´ern”ja so ist (Pucks zur Entkoppelung der LS,penibles Ausrichten und Einwinkeln auf den”Sweetpoint”),etc.tat sich
    danach, die von mir so geschätzte “imaginäre Bühne”auf und das “Livegefühl”stellte sich ein.
    Inzwischen habe ich auch akustisch erfahren,das die Abbildung des Raumes,nicht nur aus der Länge und der Breite besteht,sondern,dank der Line Master,auch die Höhe, einen entscheidenden Faktor darstellt,was mir vorher gar nicht so bewusst war.
    Alles in Allem,es klingt einfach querbeet, alles sehr gut und selbst meine “geliebten
    Chesky” LP´s klangen noch nie so gut.
    “Herz,was willst du mehr”!

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