Produkt: Sound & Recording 05/2020
Sound & Recording 05/2020
IM TEST: Synth-Werk SW-3P-2020 - Modularsystem, Zoom H8 – Mehrspur-Mobilrekorder & Super 6 – Polyfoner Hybridsynthesizer +++ STORY: Henry and the Waiter – Produziert und vermarktet in Eigenregie +++ PRAXIS: Mixing-Tutorial – Master-Bus-EQ +++
Step by step

Zoom V6 – Vocal Processor im Test

Singen muss man trotzdem noch können. Allerdings hilft der Vocal Processor V6 von Zoom dabei, die Gesangs-Performance zu veredeln, auf den richtigen Ton zu bringen und mit Effekten wie Robot, Vocoder und Co. kreativ zu bearbeiten. Schauen wir uns mal an, was im schicken Bodentreter steckt.

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Laut Beschreibung des Herstellers bietet der Zoom V6 alles, was man von einem Vocal Processor so erwartet. Die grundlegenden Features sind integriert, es gibt eine Tonhöhenkorrektur in Echtzeit, Dopplungsmöglichkeiten mit verschiedenen Oktaven und sogar einen Looper.

Im Karton des V6 findet man neben dem Vocal Processor selbst das SGV-6 Shotgun-Mic, ein Kondensatormikrofon mit Supernieren-Charakteristik, das speziell für Sänger entwickelt wurde und die Stimme von Umgebungsgeräuschen isolieren soll, sowie ein Netzteil.

Toll, dass ein Mikrofon im Lieferumfang enthalten ist, ein Kabel fehlt allerdings. Es sollte aber für einen Sänger oder Producer kein Problem sein, ein funktionierendes XLR-Kabel aufzutreiben.

In den Händen macht der V6 durch seine Maße von 181 x 320 x 77 mm und einem Gewicht von 1,56 kg einen wirklich soliden Eindruck. Die Beschaffenheit der Regler, Taster, des Expression-Pedals und der Kunststoff-Treter ist hochwertig, und die Elemente sollten einige Sessions ohne Defekt überstehen. Für den regelmäßigen Live-Einsatz empfiehlt es sich auf Dauer, wie bei jedem anderen Effektboard auch, in ein Case oder eine Tasche zu investieren.

Die Bedienoberfläche ist übersichtlich. Am oberen Rand befinden sich von rechts nach links ein Volume-Regler, der den Eingangspegel regelt. Daneben zeigt eine LED an, ob das Signal übersteuert. Weiter findet man hier einen »One-Knob-Kompressor« mit festem Threshold, um die Lautstärke von leisen Passagen an die der lauten anzupassen, und einen Enhance-Button, der Zischlaute reduziert, der Stimme mehr Durchsetzungsvermögen verleiht und gefühlt auch ein Noise Gate einschleift. Aber dazu später mehr.

Mit dem Store-Button wird eine Veränderung in den Einstellungen in den Sektionen Harmony, Voice oder Effect angezeigt, die beim Drücken abgespeichert werden kann. So kennt man das auch bei anderen Bodentretern. Im danebenliegenden Display werden die bis zu 100 Patch-Speicherplätze und der entsprechende Status des Loopers angezeigt.

Mit dem Formant-Pedal kann beim Bewegen nach vorne oder nach hinten den Charakter der Stimme in Echtzeit verändern, ohne dabei die Tonhöhe zu verändern. Hier lassen sich verrückte Sounds erzeugen, die von ganz piepsig bis »ultra dark« und nach Horrorfilm klingen.

Auf der Rückseite ganz links sitzt der Mic-Input in Form eines XLR-Eingangs. Mit einem dazugehörigen Taster lässt sich die Phantomspeisung, die man für das beiliegende Mikrofon definitiv benötigt, ein- und ausschalten. Auch ein Effect-Controller kann per 6,3-mm-Klinke am V6 angeschlossen werden. Über den USB-2.0-Anschluss lässt sich der Vocal Processor mit dem Rechner verbinden, um ihn entweder als Audio- Interface zu nutzen oder ihn über USB mit Strom zu versorgen. Kopfhörer können per 3,5-mm-Klinke angeschlossen werden, ein zugehöriger Lautstärkeregler sitzt ebenfalls auf der Rückseite. Auf dieser findet man ergänzend noch einen Ground- Taster, den XLR-Output, den Power-Schalter und den Eingang für das Netzteil. Alles da, was man braucht!

Der Zoom V6 kann nicht nur per Netzteil, sondern auch mit vier Typ-AA-Batterien betrieben oder per USB mit Strom versorgt werden. Per USB 2.0 kann er auch als Audio-Interface in 44,1 kHz mit 16, 24 oder 32 Bit eingesetzt werden, wobei je zwei Ein- und Ausgänge bereitstehen.

Voice

Der V6 bietet die Effekte Vocoder, Bass Vocoder, Talkbox, Whistle, Robot, Unison, Deep, Child, Octave Down und Octave Up. Der Vocoder erinnert zwangsläufig an den Sound der 70er/80er und Daft Punk, die mit dem Album Random Access Memories auch Giorgio Moroder, dem »Godfather of Dance Music«, ein Denkmal setzten. Mit dem Bass Vocoder gibt es den speziellen Klangcharakter auch in einer Oktave tiefer. Mit Unison wie auch mit Octave Up und Down lassen sich Dopplungen simulieren.

Und mit dem Rest lassen sich fast selbsterklärend Stimmen von Robotern, piepsige runtergepitchte Kinderstimmen, tiefe Gruselstimmen und vieles mehr erzeugen. Mit dem Drehregler Adjust lässt sich der Anteil zwischen Effekt und reiner Stimme anpassen. Viele Spielereien, um bei der Vocal-Produktion kreativ zu sein.

Für mich das Main-Feature in diesem Bereich ist die Tonhöhenkorrektur, die entweder chromatisch oder anhand einer festen Grundtonart erfolgt, die per Drehregler ausgewählt wird. Hier stehen alle Dur- und Moll-Tonarten bereit.

Harmony

Zu den Vocals lassen sich bis zu zwei Harmonie-Stimmen hinzufügen. Mit den Tastern High, Higher, Low, und Lower können Harmonien von 3 bis 4 oder 5 bis 6 Halbtonschritten höher oder tiefer über das Signal gelegt werden. Die Lautstärke der einzelnen Harmonien lassen sich durch Drücken der Taster zwischen hoch, mittel und niedrig anpassen. Die Buttons leuchten dazu in drei verschiedenen Intensitäten auf. Mit dem Drehregler »Mix« lässt sich das Verhältnis zwischen der Stimme und der Harmoniestimme regulieren. Beim Aktivieren des Buttons »Fixed« orientiert sich die Harmonie an der fest eingestellten Grundtonart.

Effects

Natürlich dürfen auch Delay, Echo, Reverb, Chorus und Distortion nicht fehlen, die unter »Effect« bearbeitet werden können. Zusätzlich findet man hier noch Beat Box und Telephone. Beim Delay kann die Delay-Zeit mit dem Fußtaster eingetappt werden. Das klappt gut. Adjust regelt auch hier den Anteil zwischen Effekt und Stimme.

Ein Looper ist ebenfalls integriert. Und die Bedienung ist so unglaublich einfach. Am unteren Rand stehen dafür drei Fußtreter bereit, mit denen der Looper aktiviert, ein Loop von bis zu 3:30 Minuten aufgenommen, abgespielt und gestoppt werden kann. Cool ist auch, dass Aufnahmen auch rückgängig gemacht und neu eingespielt werden können, um Fehler zu korrigieren. Ein ganz anderes Gefühl als bei meinem Boss RC-30, bei dem eine Gitarren-Performance eher einem Steptanz ähnelt. Mit dem linken Treter kann der komplette V6 auch auf Bypass gestellt werden, mit den beiden rechten lässt sich durch die Speicher nach oben und unten steppen.

Der V3 ist der kleine Bruder von Zooms V6. Er bietet ebenfalls eine breite Palette an kreativen Effekten wie Tonhöhenkorrektur, Doppler und andere synthetische Effekte, und mit dem leistungsstarken Harmonizer können Sänger*innen auch hier in Echtzeit dreistimmige Harmonien in Dur und Moll erzeugen. Seine Reverbs, Delays und Kompression verfügen über unabhängige Regler für noch mehr Anpassung und Kontrolle.

Praxis

Beim Testen probiere ich direkt die Pitch Correction aus. Das ist für mich als Sänger gerade deshalb spannend, weil eine funktionierende Tonhöhenkorrektur in Echtzeit bei der Live-Performance natürlich eine gewisse Sicherheit bietet. Ich bin beeindruckt, wie sowohl die chromatische als auch die Anpassung nach angegebener Grundtonart funktionieren. Wenngleich ich ein geringes Delay beim Singen feststelle, was nach außen aber kaum wahrnehmbar ist, läuft die Korrektur zuverlässig. Allerdings sollte man nicht komplett vom Ton abweichen, da bei einem zu großen tonalen Abstand zum angepeilten Ton auf den nächst höheren oder tieferen korrigiert wird.

Auch der Vocoder bereitet Freude. Allerdings geraten die Voice-Effekte in dieser Sektion ins Stottern, sobald der Enhance-Button aktiviert ist, da hier gefühlt auch ein Noise Gate eingeschleift wird.

Am meisten Spaß bereitet mir das Ergänzen von Harmonien. Das ist ein tolles Kreativ-Tool und total inspirierend, und es funktioniert auch solo und a capella. Mit dem V6 wird man so zu einem Trio.

Reverb, Delay, Echo und alle weiteren Effekte sind grundsolide und ok, aber auch keine klanglichen Highlights. Die benötigt es auch im echten Leben nicht unbedingt, da viele Live-Techniker sowieso ihre eigenen Effekte verwenden.

Fazit

Der Zoom V6 ist zwar kein Effektgerät, das ich für Recordings einsetzen würde, er ist allerdings mit seinem nicht ausufernden, aber ausreichendem Effekt-Repertoire ein starkes kreatives Vocal-Producing-Tool, was sowohl das Arrangement als auch schon beim Songwriting inspiriert. Natürlich ist der Vocal Processor für den Live-Bereich gedacht. Die Anwendung auf einer Bühne konnte ich zwar nicht testen, aber als gezwungener Bedroom-Performer konnte ich mit angeschlossener Gitarre und V6 nach nur wenigen Minuten des Rumprobierens über meine Studiomonitore eine solide Performance mit Looper und allem, was dazugehört, hinlegen. Das Steppen auf den Tasten, um die einzelnen Bereiche zu aktivieren, ist wirklich unproblematisch. Und das, obwohl die Treter nicht gerade tief sind und die beiden Reihen auch recht dicht übereinanderliegen. Aber als gelernter Gitarrist bin ich auch mit dem Umgang von Effektboards vertraut, und man schafft es selbst in dunklen Locations auf der Bühne, den richtigen Treter zu finden.

Beim beiliegenden Mikrofon, dem SGV-6, muss man allerdings Abstriche machen. Die Klangqualität ist weniger überzeugend. Da gibt es bessere Gesangsmikrofone für den Live-Bereich, die durch die integrierte Phantomspeisung auch alle kompatibel sind.

Schade ist auch, dass man beispielsweise Tonhöhenkorrektur und einen weiteren Effekt aus dem gleichen Segment, wie beispielsweise Unison, der die Stimme einfach nur doppelt, nicht gleichzeitig aktivieren kann.

Für mich ist die Beschränkung des Zoom V6 auf die wesentlichen Vocal-Effekte ohne ein ausuferndes Angebot an Features, bei dem man schnell den Überblick verliert, sowie die Tonhöhenkorrektur und die wirklich sehr einfache und intuitive Bedienung ausschlaggebend für eine positive Bewertung. Das Gesamtpaket gibt es für einen guten Preis und macht wirklich Spaß.

Hersteller: Zoom
Straßenpreis: 360,– Euro
Internet: www.zoom.co.jp; www.sound-service.eu

Unsere Meinung:
+++ einfache und intuitive Bedienung
+ Effektumfang
– Enhancer aktiviert Noise Gate

Produkt: Sound & Recording 05/2020
Sound & Recording 05/2020
IM TEST: Synth-Werk SW-3P-2020 - Modularsystem, Zoom H8 – Mehrspur-Mobilrekorder & Super 6 – Polyfoner Hybridsynthesizer +++ STORY: Henry and the Waiter – Produziert und vermarktet in Eigenregie +++ PRAXIS: Mixing-Tutorial – Master-Bus-EQ +++

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