Podcasting für jedermann!

ZOOM PodTrak P8 – Podcast-Recorder und Mixer im Test

Mit dem PodTrak P8 bringt der japanische Audio-Hersteller ZOOM einen weiteren Recorder und Mixer auf den Markt, der auf Podcaster zugeschnitten ist. Im Gegensatz zum kleineren Bruder P4 hat der P8 nicht nur zwei Mikrofoneingänge mehr und außerdem einen farbigen 4,3″-LCD-Touchscreen, sondern er bringt neben vielen weiteren Features auch interne Möglichkeiten zur Klangbearbeitung mit. Also eine All-In-One-Lösung für alle Podcaster?

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Der PodTrak P8 ist mit seinem Gewicht von 1,43 kg beim Auspacken deutlich schwerer als gedacht. Mit den Maßen von 295 mm x 248 mm x 61 mm ist er fast größer und wuchtiger als der Zoom LiveTrak L8, den ich für unseren Podcast und Live-Streams verwende.

Aufgenommen wird im Format 44,1 kHz und 16 Bit auf einer SD-Karte, deren Slot auf der Rückseite des Geräts sitzt, wo sich auch Netzteil-Anschluss, der Power-Schalter und die USB-C-Schnittstelle befinden. Über diese kann der P8 auch mit Strom versorgt werden, oder er wird mit dem Rechner verbunden und als Audio-Interface mit 13 Ein- und Ausgängen genutzt. Man kann übrigens auch über das iPad mit dem P8 seine Podcasts aufnehmen und streamen. Hierzu ist allerdings ein USB-Kamera-Adapter auf Lightning notwendig, der genausowenig wie ein USB-C-Kabel im Lieferumfang enthalten ist. Der P8 kann mit vier AA-Batterien betrieben werden, die beim kleinen Bruder P4 im Lieferumfang enthalten sind, aber im P8-Paket fehlen! Ein 5V-Netzteil ist allerdings dabei!

Ausgepackt!

Obwohl sich die Oberfläche, die in einem silbernen Finish gehalten ist und nach Metall aussieht, als Plastik erweist, fühlen sich Verarbeitung und Haptik qualitativ hochwertig an.

Am oberen Rand sind sechs XLR-Eingänge nebeneinander aufgereiht, deren Preamps laut Hersteller bis zu 70 dB Verstärkung erlauben und einen rauscharmen Klang liefern. Darunter sitzt ein Kippschalter, mit dem die Phantomspeisung aktiviert werden kann. Dargestellt wird hier links ein dynamisches Mikrofon, für das man keine Phantomspeisung braucht, und eben rechts ein Kondensatormikrofon mit einem Blitz, was signalisiert, dass die Phantomspeisung in dieser Stellung aktiviert ist.

Über den Kanal 6 kann wahlweise per Kippschalter, der an dieser Stelle drei Positionen besitzt, ein dynamisches Mikrofon, ein Kondensatormikrofon oder auch das Audiosignal eines Rechners, der per USB-C mit dem P8 verbunden ist, eingespeist werden. Über eine kabelgebundene TRRS-Verbindung lässt sich ein Gast auch per Smartphone dazuschalten. An der entsprechenden Buchse kann auch ein Bluetooth-Adapter BTA-2 an den P8 angeschlossen werden, das es ermöglicht, das Smartphone auch per Bluetooth mit dem P8 zu verbinden, allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist. (Straßenpreis: ca. 45 Euro)

Auf dem P8 sind insgesamt neun Pads in einer 3×3 Matrix angeordnet, die in unterschiedlichen Farben leuchten können und mit den Buchstaben A bis I gekennzeichnet sind. Diese Pads können mit den unterschiedlichsten Sounds, Intros, Jingles etc. belegt und per Druck abgerufen werden. Und das im Loop, als One Shot oder auch nur beim Gedrückthalten des jeweiligen Pads. Hier stehen unzählige integrierte Sounds bereit, es können aber auch eigene Sounds hinzugefügt und auf vier Bänken für unterschiedliche Situation vordefiniert werden.

Auf der Rückseite befinden sich ein Power-Schalter, der Netzteil-Anschluss, eine USB-C-Schnittstelle,  der Slot für die SD-Karte sowie eine Buchse für eine Kensington-Diebstahlsicherung.

Am unteren Rand sitzen insgesamt acht Fader, mit denen man die Lautstärke der sechs Mikrofoneingänge, des Smartphones und der Pads regelt. Darüber sitzen der Mute- und der On-Air-Taster, mit dem man den jeweiligen Kanal vor der Aufnahme auf »Record Ready« stellt.

Rechts bei den Outputs stehen neben einem Stereo-Ausgang (6,3-mm-Klinke, links und rechts) für Lautsprecher auch sechs Kopfhörerausgänge (6,3-mm-Miniklinke) zur Verfügung, die farblich sowohl an die Fader als auch an die sechs Lautstärkeregler der Kopfhörerausgänge angepasst sind. Somit ist schnell klar, welcher Fader und welcher Lautstärkeregler zu welchem Teilnehmer gehören.

Ich hätte mir an dieser Stelle allerdings Ausgänge mit großer Klinke für die Kopfhörer gewünscht. Es gibt auch keine separaten Monitor-Mischungen; jeder Teilnehmer erhält das gleiche Signal, kann es aber in seiner eigenen Lautstärke anpassen.

In der On-Air-Sektion befinden sich Record-, Stopp-, der Pause/Play-Button sowie eine Taste, um Marker zu setzen. Hier sitzen auch die Lautstärkeregler für den Stereo-Ausgang und den USB-Out.

Pre-Settings

Jeder Kanal hat ein eigenes Untermenü, das man über das Touch-Display erreicht. Dort findet man neben dem Gain-Regler für den Preamp auch eine Pegelanzeige, die in die Bereiche »Leise«, »Gut« und »Clip« eingeteilt ist, was auch dem User, der weniger mit Tontechnik zu tun hat, unmissverständlich darstellt, wohin er mit der Lautstärke muss. Außerdem können sowohl ein Limiter als auch ein Low-Cut aktiviert werden.

Ein Schieberegler im Bereich »Klang« macht die Stimme heller oder dunkler. Nach links bedeutet: Bass rein, Höhen raus, und rechts eben umgekehrt. Rechts klingt die Stimme total überkomprimiert und dumpf, links klingt sie schon etwas natürlicher. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Ein Schieberegler im Bereich Komp./DeEss komprimiert das Signal und fügt einen DeEsser hinzu. Hier lässt sich die Intensität von Min. bis Max. einstellen. Alle Effekte lassen sich mit einem Klick an- oder ausschalten. Was mir in diesem Bereich allerdings fehlt, ist ein Gate, mit dem man als Laie allerdings auch viel falsch machen kann! Deshalb lässt sich im On-Air-Menü die Rauschunterdrückung aktivieren, die Hintergrundgeräusche von stillen Mikrofonen automatisch absenkt. Hier kann man auch einstellen, ob man alle einzelnen Spurdaten im Original, bearbeitet oder überhaupt nicht speichern möchte. Ich würde immer auf Nummer sicher gehen und die unbearbeiteten Spuren speichern.

Im Display wird die noch vorhandene Aufnahmezeit auf der SD-Karte angezeigt. Auch Uhrzeit Datum, Uhrzeit und Sprache lassen sich einstellen.

Let’s Podcast!

Mit dem Record-Button starte ich sofort die Aufnahme aller scharfgeschalteten Spuren. Mit dem Pause-Knopf wird die Aufnahme unterbrochen und kann durch erneutes Drücken an der gleichen Stelle fortgesetzt werden. Der Stopp-Button beendet die Aufnahme und speichert die Stereo-Spur sowie die Multitracks auf der SD-Karte. Das ist ziemlich einfach!

Die Stereo-Spur kann ich im Nachgang mit den Editier-Möglichkeiten im P8 bearbeiten. Wenn ich einzelne Tracks in meiner DAW bearbeiten möchte, kann ich mir diese allerdings nur über die Datenübertragung im P8 oder direkt über die SD-Karte auf den Rechner ziehen. Eine Bearbeitung der Einzelspuren auf dem P8 ist leider nicht möglich.

Zur Bearbeitung der Stereo-Spur stehen hingegen die Funktionen Trimmen, Schneiden, das Setzen von Fade-In & -Out, das Unterlegen von Musik sowie ein Tool zum Normalisieren bereit. Beim Trimmen können zwei Lokatoren für Anfang und Ende gesetzt werden. Der markierte Bereich dazwischen kann allerdings nicht abgehört werden. Durch die Wellendarstellung auf dem Touch-Display und die Möglichkeit zum Zoomen, findet man aber dennoch den richtigen Schneidepunkt. Mit dem Scherenwerkzeug kann das Ende abgeschnitten werden. Alles, was hinter dem Schnitt liegt, wird dann gelöscht. Ein ziemlich cooles Feature ist, dass Bereiche markiert werden können, die mit Musik oder Sounds unterlegt werden sollen. Die Musik wird über die SD-Karte geladen. Der Pegel von Musik oder Sounds kann hier auch einfach angepasst werden.

Zum Schluss gibt es noch eine Loudness-Normalisierung, die für Podcasts optimiert ist und die Lautstärke der Stereo-Spur entsprechend anhebt.

Geschnittene Sounds können von hier aus auch direkt auf eines der Pads geladen und mit einer Farbe definiert werden, in der das Pad zur optischen Orientierung leuchtet. Auch ein Export als MP3 ist an dieser Stelle möglich. Da der Zoom P8 destruktiv arbeitet, empfehle ich, in den unterschiedlichen Bearbeitungsschritten immer eine neue Datei zu erzeugen und die Original-Spur zu behalten und nicht zu überschreiben. So hat man immer noch die Möglichkeit, im Nachgang den Podcast neu zu editieren, und steht nicht vor einem Scherbenhaufen wegen falscher Bearbeitung.

Die Bedienoberfläche

Fazit

Der Zoom P8 ist ein Tool, das speziell für Podcaster entwickelt wurde. Das merkt man etwa daran, dass keine Klinken-Eingänge eingebaut sind, um beispielweise Instrumente anzuschließen. Instrumente braucht man aber in der Regel auch nicht, und Zuspieler lassen sich via Smartphone und der TRRS-Verbindung einbinden.

Mit den insgesamt sechs Mikrofoneingängen, den Effekten, den neun Pads, den sechs Kopfhörer-Ausgängen, den internen Editier-Funktionen und der Möglichkeit, den Podcast schon im Gerät zu finalisieren, liefert der P8 alles, was man zum Podcasting benötigt. Und das mit einer sehr einfachen, verständlichen und intuitiven Bedienung über das farbliche Touch-Display, mit der auch Podcaster umgehen können, für die Audiotechnik Neuland ist!

Was mir fehlt, ist ein Gate, was allerdings mit der Geräuschunterdrückung der stillen Mikrofone kompensiert wird. Die Bearbeitungs-Effekte wie Low-Cut, Limiter, die Möglichkeit, die Stimme heller bzw. dunkler zu machen, und ein Kompressor/DeEsser sind aber definitiv ausreichend für eine Podcast-Produktion!

Die umfangreiche Ausstattung hat zwar ihren Preis. Aber für einen Straßenpreis von 499 Euro bekommt man auch ein All-In-One-Podcast-Studio, für das man nur noch Mikrofone und Kopfhörer benötigt! Happy Podcasting!


Hersteller/Vertrieb: ZOOM / Soundservice

UvP/Straßenpreise: ca. 499,– Euro

Internet:
www.zoomcorp.com
www.sound-service.eu

Unsere Meinung:
+++ Funktionsumfang
++ intuitive und einfache Bedienung per Touch-Display
– keine integrierte Bluetooth-Schnittstelle

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