Das Tor zur dritten Dimension

Zoom H3-VR Ambisonics-Fieldrecorder im Test

Zoom H3-VR (Bild: Dr. Andreas Hau)

Einst hätte man für ein Ambisonics-Recording-Setup sein brandneues Auto verkaufen müssen — das man aber dringend gebraucht hätte, um es zu transportieren: SoundField-Mikrofon, Hardwareprozessor, Vierspur-Bandmaschine, Kabel und Stativ. 40 Jahre später passt der Zoom H3-VR — fast — in die Hosentasche und kostet weniger als ein Jahresticket für den ÖPNV.

Es lag in der Luft: Schon der Zoom H2 von 2006, der den bis heute anhaltenden Fieldrecorder-Boom einleitete, bot rudimentäre Surround-Funktionen. Er hatte nämlich vier Mikrofonkapseln und konnte nach vorne und hinten jeweils stereo aufnehmen. Beide Stereo-Files zusammen ergaben quadrofonischen Rundum-Klang − immerhin! Der neue Zoom H3-VR geht das Thema Surround gezielter an und erschließt zusätzlich die dritte Dimension, die Höhenlokalisation. Ambisonics lautet das Zauberwort.

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Die Menüsteuerung über fünf Taster ist etwas fummeliger als bei anderen ZoomRekordern neueren Datums. Rechts unten im Display wird die Positionierung angezeigt, dank Gyrosensor.
Phones-Out mit Pegelregelung per Wipptaster
Gain-Regler für die Mikrofone, Line-Out — z. B. zur Weiterleitung des Signals an eine Kamera —, dazwischen ein USBAnschluss. Letzterer kann für Datenaustausch, Netzteilbetrieb oder zur Verwendung des H3-VR als Audio-Interface genutzt werden.

Und so funktioniert’s

Ambisonics ist ein von Wiedergabesystemen losgelöstes Surround-Format, welches das Schallfeld dreidimensional beschreibt. Wie die Mikrofone des britischen Herstellers Sound-Field, der dieses Konzept über die Jahrzehnte vorangetrieben hat, verwendet der Zoom H3-VR vier Nierenmikrofonkapseln, die in Tetraeder-Anordnung den gesamten Raum dreidimensional erfassen. Diese vier Mikrofonsignale liefern ein Rohsignal (A-Format), das erst in das eigentliche Ambisonics-Format (B-Format) überführt werden muss, wo – für man einst einen speziellen Hardware-Prozessor benötigte. Der kleine Zoom macht das mal eben intern. Der H3-VR hat darüber hinaus sogar Processing für die Auswertung des Ambisonics-B-Formats mit an Bord: Er kann ohne fremde Hilfe ein Stereo-Ausgangssignal erzeugen. Und − Trommelwirbel − sogar ein binaurales Ausgangssignal, d. h. ein dreidimensionales Kopfhörersignal! Das hilft nicht zuletzt beim Monitoring ungemein. Für die Endauswertung der Aufnahmen hat der Hersteller eine entsprechende Software programmiert, den Zoom Ambisonics Player (Mac/PC, standalone, ab macOS 10.11/Win7). Mit ihr kann man Ambisonics-Aufnahmen in verschiedenen Wiedergabeformaten abhören bzw. ausrendern. Zur Auswahl stehen Stereo, 5.1-Surround und Binaural. Soweit zum Konzept, schauen wir uns den Recorder mal genauer an.

Den kompletten Testbericht findest du in der Sound&Recording 03 2019. Hier versandkostenfrei bestellen.

Frontal beschallt im Stereomodus zeigt der Zoom H3-VR einen ausgewogenen Klang: weitgehend lineare Mitten, moderat angehobene Höhen und sanft abfallende Bässe. Der Windschutz dämpft die Bässe und Höhen ein wenig.
Jeweils 45 Grad außerhalb der Mikrofonachse, quasi auf die virtuellen Mikrofone des Stereomodus gerichtet, zeigt sich ein langsam ansteigender Frequenzgang bis 9 kHz. Darüber sackt die Kurve um ca. 6 dB ab.
Der Zoom H3-VR arbeitet mit der vom britischen Hersteller SoundField entwickelten Mikrofongruppe: Vier Nierenkapseln in Tetraeder-Anordnung erfassen das Schallfeld in allen drei Dimensionen. (Bild: Dr. Andreas Hau)

+++
sehr preisgünstig
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internes Processing A-Format zu B-Format
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On-Board-Monitoring in Stereo und Binaural-Sound
++
guter Klang

etwas höheres Rauschen als bei teureren Lösungen

Hersteller: Zoom

UvP/Straßenpreis: 439,11 Euro / 345,− Euro

www.sound-service.eu

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