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Zoom H1n Fieldrecorder im Test

Zoom H1n Test Review Fieldrecorder(Bild: Dr. Andreas Hau)

Seit Jahren dominiert Zoom den Fieldrecorder-Markt in allen Preislagen. Nun schicken die Japaner ihr Einstiegsmodell H1 in die nächste Runde. Wir haben uns angeschaut, was den H1n vom Vorgänger unterscheidet und was er für rund 100 Euro zu bieten hat.

Sind wirklich schon acht Jahre vergangen, seit der H1 das Licht der Welt erblickte? Ich hätte es selbst kaum für möglich gehalten, aber nach über Hunderten von Testberichten in den letzten 15 Jahren muss ich selbst bisweilen recherchieren, was ich zu einem Vorgängermodell geschrieben habe. Und nun liegt der Testbericht vor mir: S&R Heft 10/2010! Dabei scheint es in meinem Zeitraffer-Kopfkino noch gar nicht so lange her zu sein, dass ich in Paul Austers Hinterhof in Brooklyn saß, topmodern ausgestattet mit einem (geliehenen) Sony DAT-Rekorder und einem PZM-Mikrofon von Radio Shack. Einige Jahre später hätte mein Interview-Equipment locker in die Jackentasche gepasst, denn 2007 erschien der Zoom H2, der neue Maßstäbe setzte: Ein SD-Karten-Rekorder mit eingebauten Mikrofonen, kaum größer als eine Zigarettenschachtel. Ohne Frage eine Revolution! Danach gelang es Zoom für praktisch jeden Anspruch und jede Preislage den richtigen Mobilrekorder anzubieten. Nach erfolgreichen Missionen im professionellen Sektor mit dem F4 und F8 widmet sich Zoom nun wieder den preisbewussten Käuferschichten mit einem Update des Einsteigermodells H1.

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Next Generation

Der H1n kommt in fast unverändertem Format: Das Gehäuse ist wie beim Vorgänger ein schmaler Quader, der sich nach oben etwas weitet, um in eine Art „Überrollbügel“ für die fragilen Mikrofonkapseln überzugehen. Diese arbeiten nach wie vor mit Nierencharakteristik und sind in einer korrekten XY-Konfiguration angeordnet. Mit Maßen von 137 x 50 x 31 mm ist der H1n minimal größer als der Vorgänger, wobei der untere Gehäuseteil mit 20 x 37 mm nun etwas breiter, aber auch flacher ist; das Gewicht von nur 60g ist identisch geblieben.

Fundamental verändert wurde das Bedienkonzept. Während der Vorgänger auf der Oberseite nur einen einzigen Button hatte, den Aufnahmeknopf, dafür aber zahlreiche Bedientaster auf beiden Flanken, ja sogar drei Schiebeschalter auf der Unterseite(!), wirkt der H1n angenehm aufgeräumt. Alle wichtigen Funktionen sind im direkten Zugriff, gut sichtbar auf der Oberseite des Geräts. Unmittelbar unterhalb des 1,25-Zoll-Monochrom-Grafik-Displays befinden sich vier Taster, die mit Audio(-Format), Low Cut, Limiter und Autolevel beschriftet sind. Ihre Betriebszustände lassen sich übersichtlich im Display ablesen. Gleichzeitig dienen die Buttons der Menü-Navigation im Setup, das man aber nur bei der Inbetriebnahme durchlaufen muss. Im Normalbetrieb sind alle Funktionen über dedizierte Taster im direkten Zugriff.

Die wichtigsten sind mitten auf der Gehäuseoberseite: Aufnahme-Button und Transport-Taster – Mancher redet immer noch von „Laufwerksfunktionen“. Anders als ältere Fieldrecorder ist der H1n im eingeschalteten Zustand stets in Aufnahmebereitschaft, folglich wird beim ersten Druck auf Record sofort aufgenommen. Ausgesteuert wird beim H1n nicht mehr wie beim Vorgänger über Wipptaster, sondern über ein Drehpoti unterhalb der Mikrofone. Ein Vorteil ist, dass das Drehpoti geräuschlos funktioniert, wobei man aber sanft zuwerke gehen sollte, denn das Gehäuse des H1n ist recht empfindlich für Handgeräusche. Ebenfalls auf der Oberseite befinden sich die Schallöffnungen für einen winzigen Kontrolllautsprecher, der zwar blechern klingt, aber Orientierung bietet, wenn man keinen Kopfhörer dabei hat.

Auf der linken Gehäuseflanke befindet sich eine 3,5-mm-Kopfhörerbuchse mit Wipptastern zur Lautstärkeregelung. Das Signal der Mikrofone wird, auch wenn nicht aufgenommen wird, zum Kopfhörerausgang durchgeschleift. Das lässt sich nutzen, um den H1n als Mikrofon inklusive Vorverstärker zu verwenden, beispielsweise bei Videoaufnahmen. Denn selbst teure Digitalkameras bieten zwar professionelle Bildqualität, teilweise gar in 4K-Auflösung, aber bescheidenen Ton. Der H1n ist da eine deutliche Verbesserung. Man verbindet einfach den Kopfhörerausgang mit dem Eingang der Digitalkamera. Der H1n bietet hierfür sogar eine Testton-Funktion als Hilfe beim Einpegeln.

 

Auf der rechten Gehäuseflanke befindet sich der Ein/Aus-Schiebeschalter; wie bei Zoom üblich, muss man ihn ein paar Sekunden nach hinten ziehen, sodass ein unabsichtliches Betätigen nahezu ausgeschlossen ist. Daneben befindet sich die Löschtaste zum Entfernen nicht mehr benötigter Aufnahmen. Ebenfalls auf der rechten Gehäuseflanke untergebracht ist ein Mic/Line-Eingang (3,5 mm Miniklinke) inklusive Plug-in-Power (2,5 Volt) für externe Elektret-Kondensatormikrofone.

Direkt daneben liegt der Speicherkartenschacht. Der H1n zeichnet auf microSD bzw. microSDHC-Karten auf; diese sollten mindestens mit Class-4-Geschwindigkeit arbeiten, was kein Problem darstellt, weil praktisch alle heutigen Karten mit Class 10 spezifiziert sind. Wie beim Vorgänger darf die maximale Kapazität 32 GB nicht übersteigen. Ich hab’s ausprobiert: Eine 64-GB-Karte ließ sich nicht in Betrieb nehmen. 32 GB reichen eigentlich locker; das sind 555 Stunden Aufnahmezeit im 128-kbps-MP3-Modus und immer noch knapp 15,5 Stunden bei höchster Auflösung (WAV 96 kHz / 24 Bit, unkomprimiert). Allerdings könnte sich die Beschränkung auf maximal 32 GB langfristig zum Beschaffungsproblem entwickeln, denn schon heute findet man kaum noch Karten unter 16 GB. Zoom legt dem H1n übrigens keine Speicherkarte bei.

Zoom H1n Test Review Fieldrecorder
Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Bedienung stark verbessert. Alle wichtigen Funktionen sind beim H1n über dedizierte Taster im direkten Zugriff. Ausgesteuert wird nicht mehr über Wipptaster, sondern über ein Drehpoti. (Bild: Dr. Andreas Hau)

Ebenfalls auf der rechten Gehäuseflanke ist der USB-Anschluss untergebracht. Wahlweise kann der H1n als Card Reader betrieben werden oder als Audio-Interface (Mac/PC/iOS). Für Windows stellt Zoom sogar einen ASIO-Treiber zur Verfügung; an Mac und iOS-Geräten ist keine Treiberinstallation erforderlich. Ein USB-Kabel liegt leider nicht bei; man kann aber das von einem Android-Smartphone verwenden. An den USB-Port lässt sich ansonsten auch ein handelsübliches USB-Netzteil (5 Volt) anschließen. Normalerweise wird man den H1n natürlich mit Batterien betreiben; der entsprechende Schacht ist auf der Unterseite zugänglich; zwei Alkaline-Batterien im AAA-Format gehören zum Lieferumfang. Der Zoom H1n kann auf Alkaline-, NiMH- oder Lithium-Batterien abgestimmt werden. Oberhalb des Batterieschachts ist ein Stativgewinde eingelassen, wie üblich nicht für Mikrofonständer, sondern mit einem kleineren Gewindedurchmesser für Fotostative. Abgerundet wird die Ausstattung durch Softwarebeigaben: Zoom legt dem H1n Wavelab LE und Cubase LE von Steinberg bei.


Die Mikrofone zeichnen ein klares, höhenreiches Klangbild.

Beim Testmodell waren die Paarabweichungen erfreulich gering, sodass sich ein präzises Stereobild mit guter Ortung ergibt.


Praxis

Die Mikrofone des H1n arbeiten mit Nierencharakteristik und zeichnen ein höhenreiches Klangbild mit subjektiv guter Detailschärfe auf. Der Sound wirkt ein bisschen stärker vorgeformt als beim Vorgängermodell. Die Mikrofonkapseln haben eine deutliche Anhebung bei 5 kHz; werden die Kapseln 45° Off-Axis beschallt – was bei dieser XY-Anordung in der Stereomitte der Fall ist – kommt zu dieser Präsenzanhebung noch eine Höhenanhebung bei 10 kHz. Insgesamt ergibt sich so ein gut ausgeleuchtetes, weitgehend gleichmäßiges Stereopanorama mit guter Lokalisationsschärfe. Natürlich darf man nicht die Klangqualität eines zehnmal so teuren Kleinmembran-Mikrofonsets erwarten, aber der H1n schlägt sich im direkten Vergleich mit einem Paar Neumann KM 184 gar nicht mal so schlecht. Der H1n ist weniger feinzeichnend, aber der Sound wirkt durchaus gefällig. Der offensichtlichste Qualitätsunterschied liegt eigentlich weniger im Klang als im erhöhten Rauschen. Besser geht’s in diesem Format aber kaum, denn bei gerade mal 12 mm Außendurchmesser bieten die kleinen Elektret-Kondensatorkapseln nicht viel Membranfläche, um Schall in ein elektrisches Signal zu wandeln. Gemessen daran, ist das Eigengeräusch von ca. 19 dB-A sogar recht gering.

Bei der Neugestaltung des Gehäuses hat Zoom darauf geachtet, den „Überrollbügel“ aus der direkten Aufnahmeachse der Kapseln zu nehmen. Das zahlt sich aus: Die von uns gemessenen Frequenzgänge des H1n sind insgesamt glatter als die des Vorgängermodells. Gegenüber diesem wurde auch der Bassbereich etwas verschlankt, vermutlich um die Windempfindlichkeit zu verringern. Mit wenig Erfolg, denn auch der H1n reagiert schon auf laue Lüftchen mit Nebengeräuschen. Nutzt man den H1n für Sprachaufnahmen bzw. als Diktiergerät, treten im Nahbereich rasch Poppgeräusche auf. Helfen würde ein Schaumstoff-Windschutz, der leider nicht beiliegt. Zoom bietet aber für 25 Euro (Straßenpreis) das Zubehör-Kit APH-1n an, das neben einem Windschutz einen Tischständer, ein Haltegriff (zur Montage auf Mikrofonständer), eine Tasche und ein USB-Netzteil samt Kabel beinhaltet.

Zoom H1n Test Review Fieldrecorder
Der „Überrollbügel“ wurde neu gestaltet, sodass er nun nicht mehr in der direkten „Schusslinie“ der Mikrofonkapseln ist. (Bild: Dr. Andreas Hau)

Wie viel Spaß man an einem Fieldrecorder hat, hängt in nicht unwesentlichem Maß mit dem Batterieverbrauch zusammen. Zehn Betriebsstunden verspricht der Hersteller. Das ist ein ordentlicher Wert – und sogar tiefgestapelt: Im Praxistest genügte eine frische Batterieladung für eine Daueraufnahme (44 kHz/16Bit) von satten elf Stunden und drei Minuten. Verwendet habe ich dazu Eneloop-Akkubatterien (früher Sanyo, jetzt Panasonic), die ich für Mobilrekorder unbedingt empfehle, denn aufgrund ihrer geringen Selbstentladung halten sie Rekorder über Monate einsatzbereit. Normale NiMH-Akkus sind dann längst leer.

Bedientechnisch ist der H1n sehr gelungen. Alle üblichen Funktionen findet man auf Anhieb, auch ohne je ins Manual geschaut zu haben. Übersehen könnte man aber nette Extras wie den Overdub-Modus, der wertvolle Dienste leistet, wenn man auf die Schnelle ein Songdemo anfertigen möchte. Clever ist auch die Self-Timer-Funktion, d. h. ein Selbstauslöser mit wählbarer Verzögerung um 3, 5 oder 10 Sekunden – genug um sich z. B. mit der Gitarre in die optimale Aufnahmeposition zu bringen. Zu monieren sind ein paar Kleinigkeiten: Wer mit 44,1 kHz aufnehmen möchte, kann dies nur mit 16 Bit Wortbreite. 24 Bit gibt’s nur in den Abtastraten 48 und 96 kHz.

Zoom H1n Test Review Fieldrecorder(Bild: Dr. Andreas Hau)

Fazit

Der H1n ist ein durchweg gelungenes Update von Zooms Einstiegsrekorder. Glücklicherweise hat der Hersteller der Versuchung widerstanden, das Gerät mit unnötigen neuen Funktionen zu überfrachten, die ohnehin kaum jemand nutzt. Vielmehr hat Zoom die Bedienung weiter vereinfacht. Selbst Neulingen erschließen sich die Grundfunktionen ohne einen Blick ins Manual binnen weniger Minuten. Neu sind einige sinnvolle Extras wie Overdub-Recording und der Self-Timer. Auch das Design wurde überarbeitet, insbesondere der „Überrollbügel“, der die akustischen Eigenschaften der Kapseln nun weniger behindert.

Auch klanglich kann der kleine Zoom überzeugen. Die Mikrofonkapseln zeichnen ein brillantes Klangbild mit präziser Stereoortung; einen qualitativen Abstand zu richtigen Studiomikrofonen bemerkt man am ehesten im etwas höheren Eigenrauschen. Für ein Mobilgerät, zumal dieser Preisklasse, sind die Klangleistungen aber sehr gut. Insofern gibt es wenig, was gegen den H1n spricht, außer vielleicht die hohe Windempfindlichkeit. Und dass die Gerätebezeichnung nach Grippevirus klingt. Scherz beiseite, was der H1n für rund 100 Euro leistet, ist absolut beachtlich.

++ sauberer, brillanter Klang

++ sehr gutes Preisleistungsverhältnis

++ auch als USB-Mikrofon/Audio-Interface verwendbar

++ Steinberg Cubase LE und Wavelab LE als Bundle-Software

– Hohe Windempfindlichkeit

Hersteller/Vertrieb: Zoom/Sound Service
UvP/Straßenpreis: 141,61 Euro / ca. 99,– Euro

www.soundservice.de

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