Edel und günstig

WA-251 – Röhrenmikrofon von Warm Audio im Test

Warm Audio WA-251(Bild: Dr. Andreas Hau)

Das Ela M 251, einst von AKG für Telefunken gefertigt, gehört zu den begehrtesten und am höchsten gehandelten Röhrenmikrofonen überhaupt. Gebrauchte Exemplare in ungewissem Zustand werden inzwischen für fünfstellige Summen gehandelt. Warm Audios Nachbildung jener Mikrofonlegende kostet brandneu deutlich unter 1.000 Euro. Aber wie nah dran ist es?

Das heute so gesuchte Ela M 251, oft nur »Elam« genannt, verdankt seine Entstehung dem Umstand, dass Telefunken Ende der 1950er den Vertrieb der Neumann-Mikrofone verlor. Der Berliner Hersteller hatte sich entschlossen, seine Produkte fortan selbst zu vertreiben bzw. im wichtigen US-Markt mit Gotham Audio zusammenzuarbeiten. Telefunken hatte keinerlei Absicht, sich aus dem aufstrebenden Studiomarkt zu verabschieden, und beauftragte Neumanns Wiener Rivalen AKG mit der Entwicklung eines Großmembranmikrofons, das die Lücke im Portfolio füllen sollte, die das schon damals legendäre Neumann U 47 hinterlassen hatte. Ein ausgezeichnet klingendes Großmembran-Studiomikrofon hatte AKG bereits im Lieferprogramm, das C 12. Telefunken wünschte sich aber ein Mikrofon, das in seinen Proportionen dem U 47 ähnlicher war als das lange, schmale C 12. So wurde auf dessen technischer Basis das Telefunken Ela M 251 entwickelt: gleiche Großmembrankapsel, ähnliche Röhrenelektronik, aber neues Design − etwas breiter, etwas kürzer und mit einem neu gestalteten Mikrofonkorb. Und natürlich mit der weltbekannten Telefunken-Raute auf der Front.

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Send in the Clones

Warm Audios WA-251 wird in einem großen Pappkarton geliefert, der mit Formpolster gefüllt ist. Darin enthalten sind das Netzteil, welches die Betriebsspannungen für die Röhrenelektronik bereitstellt, ein fünf Meter langes Multipin-Kabel und eine elastische Aufhängung; eine einfache Gelenkhalterung ist nicht mit dabei. Das Mikrofon selbst ist zusätzlich in einer hübschen Holzschatulle geschützt.

Beim Öffnen derselben erblicke ich ein Mikrofon, das in seinen Dimensionen eher einem AKG C 12 entspricht als einem Telefunken Ela M 251: lang und schmal. Der Body ist in einem gelbstichigen Eierschalen-Weisston lackiert. Sieht vintage aus, entspricht aber nicht dem Original, das in einem hellen Grau lackiert war. Okay, von der Sonne ausgebleicht und jahrzehntelang im Nikotindunst geräuchert sieht das Grau irgendwann vielleicht dann doch so aus.

Den kompletten Testbericht findest du in der Sound&Recording 4+5 2019. Hier versandkostenfrei bestellen. 

In Nierenstellung ist der Frequenzgang des WA-251 dem eines sehr gut erhaltenen AKG C12 von Echoschall, Berlin, sehr ähnlich.
In der Kugelstellung entspricht die Frequenzdarstellung des WA-251 der des AKG C 12 nur noch grob. In den oberen Mitten und Höhen von 3 bis 10 kHz gibt es hörbare Abweichungen.
Die größten Unterschiede treten in der Achtercharakteristik auf: Während das AKG C 12 weiterhin brillant klingt, wirkt das WA-251 in den Höhen eher zurückhaltend.

+++
angenehmer Sound mit luftigen Höhen
+++
günstiges Preis/LeistungsVerhältnis
+
(relativ) gutes Rauschverhalten
––
mäßige Originaltreue

Hersteller: Warm Audio

Straßenpreis: 899,− Euro

www.megaaudio.de

Beim Telefunken Ela M 251 wurden die Richtcharakteristiken − Kugel, Niere, Acht − am Mikrofon umgeschaltet, bei Warm Audios Clone erfolgt die Umschaltung am Netzteil.
Der Ausgangsübertrager − eine Replika des Hiller T14 von Cinemag − ist deutlich kleiner als bei den meisten Röhrenmikrofonen.
Das WA-251 hat − wie das Original − eine sehr ein - fache Schaltung, bestehend aus einer 6072A Röhre (=12AY7) und nur einer Handvoll weiterer Bauteile.
Als Vergleichsmikrofon diente u. a. ein ausgezeichnet erhaltenes Siemens SM 204 vom Berliner Equipmentverleih Echoschall. Dieses von AKG gefertigte Mikrofon hat den begehrten Henry-Übertrager und ist ansonsten nahezu baugleich mit dem C 12.

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