Weit mehr als nur „virtuelle“ Racks ...

VST/AU Live- & Modular-Hosts im Test

Minimal-Hosts für Plug-ins liegen voll im Trend. Inzwischen sind diese Programme weit mehr als nur „virtuelle“ Racks. Oft bieten sie die Möglichkeit, Plug-ins wie in einem modularen Baukasten zu ungeahnt komplexen Klanggebilden zu verschalten.

Die bekanntesten Plug-in-Hosts sind zunächst Audio/MIDI-Sequenzer wie Apple Logic, Cakewalk Sonar, Steinberg Cubase/ Nuendo usw. Warum aber gleich ein komplettes „virtuelles” Studio einsetzen, um ein paar Instrumente live zu spielen? Reicht nicht ein einfaches „virtuelles” Rack, in das man seine Plug-ins schraubt? So etwas bot Steinberg bereits für den Einsatz mit V-Link. Der Idee, damit einen Sequenzer-Host in Computer A mit einem einfachen, „Sequenzer- losen” VST-Host in Computer B zu verknüpfen, folgten wenige Zeit später eine Vielzahl von Software-Lösungen, und inzwischen ist die Auswahl an VST/AU-Hosts sehr groß – vom einfachen Plug-in-Rack bis zum komplexen Sounddesign-Tool ist eigentlich alles dabei. In der folgenden Übersicht wollen wir Ihnen die aktuelle Marktsituation mit den wichtigsten Vertretern transparent machen.

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Besondere Aufmerksamkeit gebührt hier ohne Frage KORE, mit dem Native Instruments nun einen VST/AU-Host herausbringt, der als Soft-/Hardware-Kombination in puncto Flexibilität und Usability dann keine Wünsche mehr offenlassen soll. Was KORE ist und leistet, lesen Sie daher im Preview ab Seite 64. Zweifelsfrei sind auch Hardware-Hosts wie der Muse Research Receptor in diesem Zusammenhang äußerst interessant. Im Interesse der Vergleichbarkeit haben wir sie in diesem Special allerdings nicht berücksichtigen können. Auch auf zwei Klassiker in diesem Feld gehen wir nicht näher ein, da sie schon sehr lange auf dem Markt sind. Steinbergs V-Stack für Mac und PC ist vor allem für Cubase- und Nuendo-User interessant, weil es diese Programme via System-Link mit zusätzlicher Prozessor-Power weiterer Rechner versorgen kann. Der zweite Klassiker ist der D-Sound RT Player Pro für Mac und PC, der speziell für Live-Anwendungen gedacht ist und sogar um den speziellen Kontroller C-Mexx MIR erweitert werden kann.

Unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Hosts

Allen Hosts gemein ist, dass man ein oder mehrere VST- oder AU-Instrument(e) laden und entweder gleichzeitig oder durch das Zuweisen verschiedener MIDI-Kanäle unabhängig voneinander spielen kann. Es gibt einfache Hosts, die nur das können, und es gibt komplexe Modular-Umgebungen, wo man zusätzlich zu den Instrumenten zahlreiche Möglichkeiten der Verknüpfung und Interaktion zwischen allen Welten hat: zwischen Audio und MIDI sowie zwischen interner Klangerzeugung und externen Audioströmen. Ein solch komplexer Modular-Host kann neben der Ersatzfunktion für einen multitimbralen MIDI-Expander auch andere Aufgaben übernehmen und lädt gerade durch seine modulare Komplexität zum Experimentieren ein. Die folgenden Aufgabenbereiche werden durch die verschiedenen Hosts mehr oder weniger abgedeckt:

– VST/AU-Slave: Um mehr Produktionsmittel zu haben oder um den Hauptrechner, auf dem die Sequenzer-Software läuft, zu entlasten, werden bestimmte Plug-ins auf einen externen, zweiten Rechner ausgelagert und entweder über ein gemeinsames Mischpult oder über eine digitale Rückführung des Slave-Signals in den Master-Rechner abgehört. Die Instrumente können dabei im Slave auch extra mit Effekten versehen werden.

– Live-Expander: Statt Unmengen an Outboard- Equipment mitzuschleppen, wie es noch bis weit in die 90er-Jahre üblich war, kann sich der rückengeschädigte Keyboarder einen Laptop mit einem geeigneten Live- Host unter den Arm klemmen.

– Spielwiese und Klangforschung: Mit den komplex aufgebauten Modular-Hosts erreicht man spielend und experimentierend reichhaltige Klangtexturen, indem man verschiedene VST-Instrumente schichtet und mit Effekten versieht. Zusätzlich sind hier oftmals einzelne Step-Sequenzer, Audio-Live- Inputs oder logische Operationsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Elementen vorhanden, sodass der eigenen Klangfantasie nur durch den Prozessor oder durch das Ende der Übersichtlichkeit bei so viel virtuellem Kabelwirrwarr Schranken gesetzt werden. Das offene System eines solchen Hosts lässt dabei ganz neue Herangehensweisen an die Komposition elektronischer Musik zu, die nicht vom Diktat des linearen Zeitstrahls abhängen müssen.

Waren die Hosts am Anfang meist Standalone- Applikationen, so gibt es bei einigen Fabrikaten mittlerweile die Möglichkeit, zwischen drei Modi zu wählen:

– Standalone: Der Host funktioniert als eigenständiges Programm und kann von anderen Programmen oder von einem Masterkeyboard per Rewire oder per MIDI angesprochen werden.

– Instrument: Der Host kann in einem anderen Host als VST/AU-Instrument aufgerufen werden. Das ist praktisch, wenn man im Host geschichtete Klänge beispielsweise in der Kompositions-Software als einzelnes VST/AU-Instrument aufrufen möchte.

– Effekt: Der Host kann im Effektkanal eines Sequenzer-Mischpults mit seinen multiplexen Möglichkeiten zur Bearbeitung von Audioströmen eingesetzt werden und so auch als normales Effektgerät in einem analogen Mischpult eingeschleift werden.

Trick 17

Es kann übrigens sehr gut sein, dass das, was Ihnen bei einem Host fehlt – etwa die offen modulare Bauweise –, bei einem anderen Host zu finden ist. Die Lösung könnte sein: man kauft einfach beide Programme und benutzt einen Host als Hauptprogramm – dazu wären alle hier getesteten Hosts in der Lage. Den zweiten nutzt man als Zusatz- Host, der auch als Plug-in, sei es als Instrument oder als Effekt, aufzurufen ist und somit als „Host im Host” das Beste beider Programme möglich macht.

MIDI Over Lan

Als praktischer Helfer während der Host- Tests auf einem zweiten Rechner hat sich die unscheinbare Software MIDI Over Lan von MusicLab bewährt. Sie ersetzt ein vollwertiges MIDI-Interface, das heißt eigentlich ersetzt sie gleich zwei davon – und die Unmengen von MIDI-Kabeln obendrein. Und das zuckersüße Sahnehäubchen ist: Das Ganze funktioniert auch zwischen Mac und PC.

Voraussetzung ist ein einigermaßen zeitgemäßer Rechner und ein funktionierendes TCP/IP-Netzwerk, also Vorsicht mit Firewalls und Viren-Scannern. Steht die Verbindung einmal, kann man blitzschnell, schneller und mehr Kanäle, als es Hardware jemals könnte, zwischen 16 (Standard Edition; 129 Dollar) und 64 MIDI-Ports (Platinum Edition; 169 Dollar) hin und her schicken. Bei der Platinum Edition wären das also 1.024 MIDI-Kanäle, das entspricht 8 Achtfach- Hardware-Interfaces!

Diese Lösung ist übrigens auch ideal für Gigastudio-User oder wenn Sie Sequenzer verschiedener Hersteller auf mehreren Computern miteinander synchronisieren wollen.

Martin Gerke

Plasq

RAX (Mac)

RAX präsentiert sich als übersichtlicher Mischer mit Effekt- und Instrumenten-Slots. Jeder der 16 Kanalzüge beherbergt ein Insert- Rack, in das bis zu fünf AU-Effekte eingesetzt werden können. Außerdem gibt es acht Send- Racks für wiederum je fünf Effekte. Für jedes Instrument gibt es einen Controls- Dialog, in dem sich Tastatur- und Velocity- Zone, Transposition und eine lernfähige MIDI- Map für Hardware-Controller festlegen lassen (ohne Feedback).

So ist man mit einfachen Splits und Layers schnell dabei, verliert aber bei vielen Instrumenten leicht die Übersicht, weil es keine tabellarische Liste gibt. Auch auf MIDI-Filter, Transformer oder Arpeggiatoren müssen Sie verzichten, ebenso auf die direkte Anbindung von Controllern (Mackie Control etc.). MIDI-Clock- Input ist drin, und Ihre Performance können Sie direkt in ein AIFF-File schreiben lassen. Testen konnte ich RAX auf G4 Desktop und auf einem iBook. Dabei gab es keine Abstürze oder Auffälligkeiten, weder mit der Hammerfall DSP, noch mit Built-in-Audio. Außer den NI-Kompakt-Playern funktionierten die hier installierten Plug-ins. VirSyn-Synths ließen sich nicht editieren.

Unter www.grantedsw.com/rax finden Sie eine Liste mit problematischen Plugs und Audio-Hardware. RAX spielte auch mit dem Virus Powercore und den Effekten der UAD- 1 zusammen, legte aber eine praxisuntaugliche Latenz an den Tag. Vermisst habe ich die Unterstützung für Einzelausgänge bei den Plugs und beim Audio-Interface.

Live-Inputs lassen sich z. B. für Gesang einschleifen und mit Effekten versehen. Allerdings ging das iBook dabei recht schnell in die Knie. Für die neuen Macs wäre daher eine Universal Binary schön. MIDI wird leider nicht an die Ausgänge weitergeleitet. So lässt sich RAX nicht als Mixer für Live- Hardware verwenden, wenn Sie Ihr MIDI-Interface gleichzeitig als Router nutzen wollen – eine Unterlassungssünde!

Fazit: Wer nicht viel Geld ausgeben möchte, bekommt mit RAX ein gutes Plug-in-Rack mit den wichtigsten Funktionen, muss aber auf einigen MIDI- und Audio-Luxus verzichten. Dennoch: Für die meisten Live- und Studioanwendungen ist RAX eine Empfehlung mit exzellentem Preis-/Leistungs- Verhältnis.

Hersteller / Vertrieb: Plasq

Internet: www.plasq.com

Preis: $ 29,95 (nur Download)

Christian Baum

ArtTechnika

Console (PC)

Console kann standalone oder als Plug-in in den Varianten VST, VSTi, DXi und DirectX genutzt werden und so ziemlich alle Plug-ins, miteinander verknüpfen, verschalten und kreuz und quer modulieren, bis der Notarzt kommt. So habe ich in einem der Testszenarien eine Reaktor 4 FX-VST-Instanz eines Live-Ensembles in einen PSP Master-Compressor (DirectX) geschickt. Anschließend habe ich die VST-Freeware „Ruby Tube” an diesen Stream geknüpft, das Ganze dann durch jeweils eine DSP-gestützte VST-Instanz des UAD Dimension und UAD Precision Limiters gejagt und abschließend zur Pegelkontrolle noch ein VB-Audio VU-Meter- Plug-in (DirectX) hinterher gesteckt, was ohne irgendwelche Probleme auf Anhieb klappte.

Die CC- und MIDI-Ins und MIDI-Outs der eingebundenden Plug-ins sind sehr schnell abzulesen. Im oben genannten Szenario einfach noch einen externen MIDI-Controller ranhängen, der die Potis in Reaktor steuert? Kein Problem. Vorbildlich sind die individuell definierbaren Controller-Parameter über ein rechts am Plug-in-Interface ausklappbares Fenster. Glücklicherweise darf man Plug-ins nicht nur seriell, sondern auch parallel verknüpfen. Man kann also einen Stereo-Stream zwei Mal oder öfter an mehrere andere Audio-Plug-ins schicken, um sie so z. B. über die verschiedenen Audiokarten-Outs auszuspielen. Unendliche Weiten! Leider Gottes erzwingt Console beim ersten Programmstart im Rahmen der VST-Plug-in-Initialisierung eine Neuregistrierung einiger Plug-ins.

Fazit: Console bietet fantastische Möglichkeiten und vereint sämtliche relevanten Plug-in-Formate unter einem Dach. Trotzdem ist das Programm zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fehlerfrei genug programmiert, um es ruhigen Gewissens auf professionelle User loszulassen (z. B. erzeugte jedes zweite „Ausschalten” der Audio-Engine ein gelooptes Audiofragment, welches sich allerdings durch erneutes Aus/Einschalten wieder beheben ließ), und einen Bypass- Button pro Modulinstanz habe ich ebenfalls schmerzhaft vermisst. Für User aber, die gerne unter der Flagge der Freiheit vor allem an komplexem Sound-Design mit Hilfe ihres Plug-in-Arsenals interessiert sind, führt allerdings kaum ein Weg an Console vorbei.

Hersteller / Vertrieb: ArtTeknika

Internet: www.console.jp

Preis: $ 54,–

Bob Humid

Spinaudio

Virtual Mixing Console (PC)

Die Virtual Mixing Console verwandelt Ihren PC in einen Digital-Mixer mit Total Recall und einfachen MIDI-Automationsmöglichkeiten. Dabei unterstützt die Software VST-Plug-ins und -Instrumente und kombiniert viele Elemente, die Sie auch aus Ihrem gewohnten Sequenzer kennen. Der Erstkontakt ist daher einfach, und genau das macht die Software so sympathisch.

Das simple Konzept hat allerdings professionelle Features unter der Haube: So unterstützt die Software ohne Probleme gängige DSP-Karten wie etwa Powercore und UAD1. Auch komplexere Plug-in-Konfigurationen, etwa aus unterschiedlichen Waveshell-Versionen der Waves-Plug-ins, sind kein Problem. Und auch das Tempo der Plug-ins stimmt dank automatischer MIDI-Clock-Synchronisation. Die Grundkonfiguration bietet eine typische Mixer-Oberfläche mit zwei Kanälen, zwei Gruppen, zwei Sends und ein Master-Kanalzug. Vier Inserts stehen pro Kanal zur Verfügung, neben VST-Plug-ins können Sie hier außerdem einen vollparametrischen 4- oder 10-Band-EQ anwählen. Den 4-Band-EQ gibt es außerdem noch einmal vor den Inserts. Möchten Sie mehr, ändern Sie die Grundkonfiguration des Mixers auf bis zu acht Inserts und Sends. Kanäle und Gruppen fügen Sie je nach Bedarf einzeln hinzu. Einmal eingestellte Kanalzug-Konfigurationen können Sie komplett speichern und jederzeit wiederherstellen. Selbst das Speichern von mehreren Kanälen auf einmal ist möglich!

Der Clou ist nun, dass dieser Mixer auch in Kombination mit bis zu 16 VST-Instrumenten genutzt werden kann. Die Summen- und Einzelausgänge der Instrumente lassen sich dann im Mixer als neues Eingangssignal anwählen und dort wie gewohnt bearbeiten. Damit Sie die 16 Instrumente auf Ihrem Master-Keyboard spielend erreichen, müssen Sie Tastatur-Splits und Kanalzuweisungen einstellen. Außerdem werden Sie sicher Controller- Zuweisungen programmieren wollen, um bestimmte Parameter fernzusteuern. Die Bedienung all dieser Funktionen ist elegant und sehr einfach gelöst: Sie klicken einen beliebigen Knopf auf der Oberfläche eines Instruments an und bewegen einen MIDI-Controller – fertig. Splits und Kanalzuweisungen werden über eine kleine Leiste schnell per Maus eingestellt, wobei Splits nur in Oktavabständen möglich sind. Auf der anderen Seite kommt es durch diese Oktav- Einschränkung aber auch nur sehr selten zu leeren Tasten, etwa weil ein Übergang falsch programmiert ist.

Fazit: Sei es auf dem Notebook als VST-Host im Live-Einsatz oder um mal eben ein paar Sounds zu spielen – die Software kann’s. Die ganze Sache ist eben einfach – und doch komplex.

Hersteller / Vertrieb: SpinAudio

Internet: www.spinaudio.com

Preis: $ 59,–

Björn Bojahr

XT-HQ

Energy XT (PC)

Energy XT ist das Werk von Jørgen Aase aus Schweden, der auch schon einige Sample-Player und einen Phase-Distortion- Synthesizer programmiert und veröffentlicht hat. In Energy XT lassen sich Audio und MIDI-Signale einführen. Das macht das Programm für zwei Gebiete einsatzbereit: entweder als VST-Host, der Synthesizer über ein externes MIDI-Keyboard spielbar macht, oder als Effektgerät, das eingehende Audiodaten bei vollem Latenzausgleich veredelt. Eine Kombination aus beidem ist natürlich auch möglich. Mittlerweile werden intern auch Plug-ins mit mehreren Ausgängen unterstützt.

Mit dem MIDI-Patcher und dem MIDI-Channel- Splitter lassen sich bequem eingehende MIDI-Daten auf die einzelnen VST-Synths sowohl horizontal (über Key-Range) als auch vertikal (per Velocity-Switch) verteilen. Der Audiomischer lässt sich genau auf die Anzahl von Kanälen einstellen, die man benötigt und kann auch mit beliebig vielen Effekt-Sends bestückt werden. In der dazugehörigen Controller-Map lassen sich dann den einzelnen Mischerfunktionen MIDI-Controller zur Fernsteuerung per externer Hardware zuweisen. Bis hierhin ist alles wunderbar unkompliziert und funktional. Es gibt auch noch einen Mehrspursequenzer an Bord, der sowohl Audio- als auch MIDI-Spuren aufnehmen und abspielen kann. Das Nötigste ist dabei: Quantisierung, ein passabler Matrix-Editor und sogar Automationsfunktionen. Falls man sich als Einsteiger nicht gleich einen der großen Sequenzer leisten möchte, hat man sicherlich erstmal eine gute Zeit damit.

Fazit: Für 39 Euro bekommt man eine unkomplizierte VST-Oberfläche, mit der sich schnell und zuverlässig die wichtigsten Aufgaben eines Hosts bewältigen lassen. Der Onboard-Sequenzer bietet gegenüber den „großen” Sequenzern (Logic, Cubase & Co.) keinen nennenswerten Vorteil, ist es aber allemal wert, ausprobiert zu werden. Ein großes Plus stellt die Möglichkeit dar, Energy XT sowohl standalone als auch als VST-Instrument oder VST-Effekt betreiben zu können. Man kann also im eigenen Sequenzer auf einfachste Weise in einem Kanal Klangerzeuger und Effekte stapeln – allein dafür ist das Geld gut angelegt. Energy XT 2 steht schon in den Startlöchern, man darf gespannt darauf sein, was da noch auf uns zukommt.

Hersteller / Vertrieb: XT-HQ

Preis: 39,– (nur Download)

Martin Gerke

Dual-Core und DSP

Vor dem Hintergrund der großen Beliebtheit von DSP-Plug-ins und dem Aufkommen von Dual- Core-Rechnern haben wir die VST-Hosts auch daraufhin getestet. Das PC-Testsystem war dabei ein Athlon 64 X2 3800+, ausgerüstet mit einer UAD- 1-Karte und einer TC Powercore.

Das Verhalten eines Hosts auf einem Dual-Core- System kann dabei verschiedene Ausprägungen haben. Die erste Frage ist dabei, ob ein Host überhaupt mit zwei Prozessoren – als solche stellt sich ein Dual-Core-System ja dar – lauffähig ist, oder ob er sich bei den permanenten Registerwechseln verheddert. Ist diese Hürde genommen, schließt sich die Frage an, ob ein Host beide Kerne gleichmäßig auslastet und damit die Rechenleistung eines solchen Systems auch ausnutzt. Auch in dieser Disziplin ist das Verhalten durchaus unterschiedlich.

Virtual Mixing Console

Dieser Host hat leider ein massives Problem mit dem Dual-Core-Testsystem. Die Audiowiedergabe knistert und stottert, das Programm ist auf einem Mehrprozessor-System schlicht unbrauchbar. Es gibt allerdings auch einen Workaround: Der Windows Task-Manager lässt zu, einen Task an einen einzelnen Prozessor (bzw. Kern) fest zu binden. Wenn man das tut, läuft Virtual Mixing Console auch auf einem Dual-System. Dieser Workaround ist aber nicht von Dauer und muss nach jedem Programmstart angewendet werden. Wir konnten allerdings so die Tauglichkeit für DSP-Plug- ins testen, bei der es keine Probleme gab.

Chainer, Forte und Bidule

DSP-Plug-ins liefen unter diesen Hosts ohne Probleme. Es gab auch keine grundsätzlichen Probleme mit Dual-Core. Allerdings benutzten alle nur jeweils einen der beiden Kerne, der andere lag brach.

V-Stack

V-Stack profitiert ganz eindeutig von der Audio- Engine, die es von den großen Brüdern Cubase und Nuendo geerbt hat. Es hat auch einen speziellen „Multi-Prozessor-Modus”. Beide CPU-Kerne werden dabei gleichermaßen ausgelastet. Da ist es fast schon müßig zu erwähnen, dass V-Stack auch automatisch das Vorhandensein von zwei CPUs oder Kernen erkennt. DSP-Plug-ins werden ebenso problemlos unterstützt.

Rainer Hain

Brainspawn

forte (PC)

Das hauptsächlich für die Live-Situation konzipierte virtuelle Rack von Brainspawn gibt es in zwei Größen: „Ensemble” für 129,99 Dollar unterstützt bis zu 32 Soft-Synths mit bis zu 32 Soundkarten-Ausgängen; „Quartet” für 69 Dollar stellt bis zu vier Soft-Synths auf einem Stereoausgang bereit. Die Struktur des Programms ist nicht modular und orientiert sich vom Design her an einem Hardware-Rack. Die Front des virtuellen Racks ist mit großen Knöpfen betont einfach gehalten. Es gibt drei Spalten mit Slots für virtuelle Klangerzeuger, Effekte und den Bus für den Audioausgang. Im Effekt-Slot können auch mehrere Effekte in Reihe geschaltet werden, wobei aber immer nur einer sichtbar ist. Übersichtlich ist das beim Programmieren nicht, aber in einer Konzertsituation fummelt man eh nicht mehr an den Effekten herum.

Die Velocity- und Key-Range-Splits werden direkt auf einzelnen Karteikarten in den Slots der einzelnen Instrumente verwaltet. Dort lassen sich auch Controller-Daten zuweisen und MIDI-Kanäle filtern. Braucht man externe Audiodaten, so lassen sich diese hier ein- oder ausschalten. Die Hierarchie von Setups, die mehrere Songs enthalten, welche sich wiederum aus verschiedenen Scenes zusammensetzen können, macht das Rack über nur einen Programmwechselbefehl während eines Konzertes vom Masterkeyboard aus bedienbar. Ein Snapshot bzw. eine Scene beinhaltet alle geladenen Synths, mit MIDI-Filtern, Tastaturzonen plus deren Soundnummer mit individueller Anpassung, die gar nicht im Synth als eigenes Preset gespeichert werden muss. Auf diese Weise kann man dann zum Beispiel einem Song-Abschnitt eine Scene mit gelayerten Streichern und einem anderen Song-Abschnitt das Moog-Solo mit Digitalfläche in der linken Hand zuordnen. forte bietet einen Modus, der nach dem Hochfahren des Rechners mit dem letzten Setup startet, wodurch das Programm auch ohne Bildschirm eingesetzt werden kann.

Fazit: Brainspawns forte ist der Spezialist für den Live-Betrieb und ist auch in Grenzsituationen stressfrei und einfach zu bedienen. Im Studio ist forte aber keineswegs uninteressant, um sich unkompliziert einen individuellen Katalog fettester Sounds anzusammeln, die auf Knopfdruck schnell einsatzbereit sind.

Hersteller / Vertrieb: brainspawn

Internet: www.brainspawn.com

Preise: Quartett: $ 69,–

Ensemble: $ 129,99

Martin Gerke

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