Thunderbolt-Audio-Interface

Universal Audio Apollo Twin MK II – Audio Interface im Test

(Bild: Dr. Andreas Hau)

Eines der erfolgreichsten Audio-Interfaces der letzten Jahre geht in die nächste Runde: Das Apollo Twin MK II kommt im neuen Look und etlichen Detailverbesserungen. Was neu und was besser ist – wir haben’s getestet!

Wie gehabt wird auch das Apollo Twin MK II in einem schmucken, gepolsterten Karton geliefert. An der Hardware hat sich auf den ersten Blick wenig geändert: Die Maße von 160 x 148 x 66 mm sind identisch mit denen des Vorgängermodells. Warum sollte man auch etwas daran ändern: (fast) quadratisch, praktisch, gut!

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Auch beim Anschlussfeld gibt’s keine Neuerungen: Auf der Rückseite befinden sich zwei Mic/Line-Eingänge in Form von Combobuchsen, d. h., mit einem XLR-Stecker landet man im Mikrofoneingang, mit einem Klinkenstecker im Line-Eingang. Dazu gesellt sich ein Instrumenteneingang auf der Gerätefront, der dem ersten Eingangskanal zugeordnet ist. Analoge Ausgänge gibt es vier: Das erste Paar dient dem Anschluss von Studiomonitoren, das zweite Paar Line-Outs lässt sich für allerlei Zwecke verwenden, beispielsweise als Monitorweg für den Aufnahmeraum oder aber um ein zweites Paar Monitore anzuschließen. Der frontseitige Kopfhörerausgang verfügt über eigene Wandler und lässt sich somit separat adressieren.

Das Apollo Twin MK II lässt sich Eingangsseitig über einen TOSLINK-Input erweitern (ADAT inklusive S/MUX oder S/PDIF). Einen optischen Digital-Ausgang gibt es weiterhin nicht. Mit Strom versorgt wird das Apollo Twin MK II über ein Steckernetzteil. Sehr sinnvoll ist der Verriegelungsmechanismus, der ein Herausrutschen des Steckers verhindert. Schade nur, dass die Zuleitung mit ca. 120 cm etwas kurz ausfällt.

Klasse statt Masse: nur wenige Anschlüsse, aber ein sehr hochwertiges Innenleben mit hochwertigen Wandlern, Unison-Technologie und DSP-Power (Bild: Dr. Andreas Hau)

What’s new, George Clooney?

Die auffälligste Veränderung gegenüber dem Vorgängermodell ist das Finish: grau, aber sexy. Das Apollo Twin MK II ist quasi der George Clooney unter den Audio-Interfaces! Aufgrund seiner Metallic-Oberfläche wirkt das Grau je nach Lichteinstrahlung mal dunkler und mal heller; es ist auf jeden Fall ein attraktiver, edler Look. Dieser Farbton passt außerdem prima zu Apples neuen MacBook-Pro-Modellen, die ja nun in mehreren Farben erhältlich sind, standardmäßig aber in „Space Gray“ in den Läden stehen. Auf die neue Thunderbolt-3-Schnittstelle, die mit USB 3.1 Type C Steckverbindern arbeitet, wollte sich Universal Audio indes (noch) nicht einlassen. Das Apollo Twin MK II kommt mit den bekannten Thunderbolt-Buchsen für Thunderbolt 1 und 2; die höhere Bandbreite von Thunderbolt 3 wäre für Audioanwendungen auch irrelevant; dafür genügt bereits Thunderbolt 1 vollauf. Das rund 40 Euro teure Kabel muss man sich separat besorgen; wie bei nahezu allen Thunderbolt-Audio-Interfaces gehört es nicht zum Lieferumfang.

Neu ist, dass Universal Audio für die Apollo-Interfaces mit Thunderbolt-Anschluss nun auch Windows-Treiber zur Verfügung stellt. Dazu bedarf es natürlich eines Rechners mit entsprechender Schnittstelle, und das ist leider immer noch der Knackpunkt: Windows-Rechner mit Thunderbolt-Anschluss sind nach wie vor selten. Gegenwärtig scheint sich im Zuge von Thunderbolt 3 jedoch wieder etwas zu tun; insbesondere im Bereich der etwas höherpreisigen Notebooks. Offiziell unterstützt Universal Audio auch nur Windows-Rechner mit Thunderbolt-3-Anschluss – vermutlich, um die Zahl der in Frage kommenden Chipsätze einzugrenzen; Voraussetzung ist außerdem Windows 10.

Neu ist auch, dass Apollo-Interfaces mit Thunderbolt sich nun ganz einfach kaskadieren lassen – bis zu vier Interfaces und sechs UAD-2-Devices! Das bietet in der Praxis eine Menge Vorteile. So kann man beispielsweise ein bestehendes Apollo-Twin-Setup durch Zukaufen eines 19-Zoll-Apollo-Interfaces erweitern. Das Apollo Twin lässt sich dann weiterhin sinnvoll nutzen, sowohl als DSP-Hardware wie auch als praktische Monitoring-Zentrale.

In diesem Zusammenhang hoch interessant sind die Neuerungen bei der Hardware des Apollo Twin MK II: Beim Vorgängermodell hatten das Display und die darunter liegenden Tasten nur für die Preamp-Sektion Relevanz; beim Drücken der Monitor-Taste blieb das Display schwarz, und die Funktionstasten lagen brach. Das Mark-II-Modell hat ein leicht vergrößertes, zweizeiliges Display bekommen, sodass die Tastenreihe nun in beiden Modi aktiv ist. Beim Drücken der Preamp-Taste bleibt alles beim Alten: Mic/Line-Umschaltung, Low-Cut, Phantomspeisung, Pad, Phasenumkehr und Kanalverkoppelung (Link). Beim Drücken der Monitor-Taste schalten die Funktionstasten nun: Talkback, Dim, Umschaltung auf ein alternatives Speaker-Paar (Alt), Mono und Mute. Dazu kommt eine Funktionstaste (FCN), die sich mit verschiedenen Funktionen belegen lässt; u. a. kann man in einem größeren Setup mit mehreren Apollo-Interfaces auf ein drittes Speaker-Paar umschalten. Zur Talkback-Funktion sei angemerkt, dass beim MK II ein Talkback-Mikrofon ins Gehäuse eingebaut ist; es befindet sich unmittelbar unter dem großen Einstellrad. Es verfügt im Console-Mixer über einen eigenen Kanal, der wie die übrigen Kanäle vier Inserts bietet. So kann man z. B. einen kräftig zupackenden Kompressor/Limiter einfügen, damit das Gesprochene immer laut und deutlich bei den Musikern ankommen.

Der Kopfhörerausgang wird wie gewohnt angewählt, indem man die Monitor-Taste ein zweites Mal drückt. Weggefallen ist die Drucktastenfunktion des Einstellrads, dessen Funktionen ja nun übersichtlicher von der Tastenzeile wahrgenommen werden. Neu ist auch, dass es das Apollo Twin MK II nun auch mit vier DSPs angeboten wird, also in insgesamt drei Varianten: Solo, Duo und Quad.

Praxis

Installiert wird das Apollo Twin MK II wie alle Apollo Interfaces über das Aufspielen der entsprechenden UAD-Software. Im vorliegenden Fall war dies die Version 9.0.2. Testen konnte ich leider nur auf meinem MacBook Pro 13 (2x 2,4 GHz, 16 GB RAM, OS X 10.5.5), da mein Windows-Studiorechner über keinen Thunderbolt-Anschluss verfügt. Das wird bei 95 % der Windows-PCs nicht anders sein, und deshalb wird das Apollo Twin weiterhin auch in einer USB-3.0-Variante für Windows-PCs angeboten (s. S&R 4.2016).

Die Niedriglatenz-Performance habe ich unter Cubase Pro 9.0.10 getestet. In der niedrigsten Puffereinstellung von 32 Samples (plus interne Puffer, die MacOS traditionell verschweigt) erreicht das Apollo Twin MK II eine Ausgangslatenz von 1,63 ms. Ein sehr guter Wert; allerdings kommt es bei leicht erhöhter Systembelastung bald zu Knacksern. Um die Systembelastung praxisgerecht und wiederholbar zu quantifizieren, benutze ich seit Jahren den leistungshungrigen Softsynth DIVA von U-He (Patch „Beauty Pad“ im Divine-Modus bei aktivierter Multi-CPU-Option); die Systembelastung erhöht sich mit der Anzahl der gespielten Stimmen (maximal 16). In der 32-Samples-Einstellung sind 3–4 Stimmen ohne Knackser spielbar; im 64-Samples-Setting (Ausgangslatenz 2,36 ms) sind es bereits 9–10 Stimmen. Alle 16 Stimmen erklingen knackfrei ab dem 192-Samples-Setting (5,26 ms); bei leistungsfähigeren Macs dürfte bereits eine kleinere Puffereinstellung genügen.

Die Eingangslatenz beträgt im niedrigsten Setting 2,6 ms; sie ist nur relevant für Anwendungen wie NI Guitar Rig, wo ein Audio-Eingangssignal sofort und in Echtzeit mit Plug-ins bearbeitet werden muss. Die Eingangslatenz erhöht sich auf 4,8 ms, wenn man die man die Latenzkompensation des Console-Mixers aktiviert (im Short-Setting, das meist ausreicht).

Die Apollo-Interfaces bieten die überaus attraktive Möglichkeit, Eingangssignale bereits im Console-Mixer mit UAD-Plug-ins zu bearbeiten; wahlweise nur fürs Monitoring oder um das Ergebnis gleich in der Aufnahme festzuhalten. Eine hübsche Auswahl von UAD-Plug-ins liegt dem Apollo Twin MK II bei in Form des „Realtime Analog Classics Bundle“ (s. Kasten). Damit kann man schon ganz nett arbeiten. Zum Lieferumfang gehören UA 610B-Preamp mit Shelving-EQ, das RAW Distortion-Pedal (eine Emulation des Pro Co Rat), Softube Amp Room Essentials (Marshall Gitarrenverstärker und Ampeg Bass-Amp), die Universal Audio Klassiker 1176, LA-2A und der Fairchild 670, jeweils in der älteren „Legacy“-Version, die Precision Rack Collection mit einem Channelstrip, Chorus/Delay und Hall sowie das RealVerb-Pro-Plug-in. Für weitere Erwerbungen erhält man nach der Registrierung einen 50-Euro-Begrüßungsgutschein für den UAD Plug-in Store.

Die Preamps des Apollo Twin MK II arbeiten wie gehabt sehr rauscharm (Eingangsrauschen: –127 dBu) und unterstützen Universal Audios Unison-Technologie, d. h., die bewusst recht hoch gewählte Eingangsimpedanz der Mikrofoneingänge von 5,4 kOhm kann seitens der Preamp-Emulation im Unison-Plug-in-Slot abgesenkt werden, um das Verhalten der originalen Hardware nachzubilden. Unison-Plug-ins können auch die Gain-Steuerung übernehmen, was den Realismus weiter erhöht. Denn ein analoger Vintage-Preamp verändert sein Klangverhalten je nachdem, wie viel Verstärkung er leisten muss. Für eine realistische Nachbildung des Klangverhaltens muss ein Plug-in daher den Verstärkungsfaktor kennen. Das geschieht hier vollautomatisch, indem die Plug-ins im Unison-Slot mit der Hardware kommunizieren.

Das MK-II-Modell hat außerdem neue Wandler bekommen, die noch etwas besser klingen und noch etwas bessere Messwerte liefern sollen. Das ist gar nicht so einfach, weil die bisherigen Modelle bereits ein erstaunlich hohes Niveau erreichten. Ein subjektiver Klangvergleich ist auf diesem Niveau schwierig; ich kenne auch ehrlich gesagt niemanden, der am Vorgängermodell etwas auszusetzen gehabt hätte. Aber die Messwerte sind tatsächlich ein wenig besser. Nennenswert aber nur für die Line-Outs 3+4, die nun mit einer Dynamik von 121 dB-A spezifiziert sind; die Monitor-Outs bleiben unverändert bei 115 dB-A, vermutlich wegen der nachgeschalteten Pegelregelung, die, digital gesteuert, auf analoger Ebene abläuft. Bei meinen eigenen Messungen erreichte das MK II im Loop-Test (Line-Outs 3+4 auf Line Ins, d. h. AD+DA-Wandlung) eine Gesamtdynamik von 118 dB-A. Das ist ein ausgezeichneter Wert und knapp 2 dB besser als beim Vorgängermodell. Gleichzeitig wurden die Gesamtverzerrungen von 0,0008 % auf 0,0003 % THD verringert. Mit diesen Werten ist das Apollo Twin MK II im Prinzip Mastering-tauglich.


Nochmals verbesserte Audio-Performance: Das Apollo Twin MK II hat neue Wandlerbausteine bekommen, die dem Interface einen noch höheren Dynamikumfang bescheren. Mit 118 dB-A ist die Gesamtdynamik (AD+DA-Wandlung im Loop-Test) rund 2 dB höher als beim bereits sehr guten Vorgängermodell.


Fazit

Mit dem Apollo Twin MK II hat Universal Audio eines der beliebtesten Audio-Interfaces der letzten Jahre noch ein bisschen besser gemacht. Die Unterschiede zum Vorgängermodell sind im Einzelnen nicht riesig, in der Summe ist es aber ein durchaus nennenswerter Mehrwert – und das bei unveränderter Preisgestaltung. Neben leicht verbesserten Audiowerten sind es vor allem die erweiterten Monitoring-Funktionen, die das MK-II-Modell attraktiv machen. Zumal die Thunderbolt-Apollos nun kaskadierbar sind: So wird aus dem kleinen Standalone-Audio-Interface durch Hinzufügen eines 19-Zoll-Apollos ein ergonomisch günstiger Monitoring-Controller fürs ausgewachsene Studio, inklusive Talkback-Funktion.

Das Apollo Twin MK II ist ein tadelloses, durchdachtes Produkt, das man jedem Mac-Anwender empfehlen kann. Bleibt zu hoffen, dass sich die schnelle Thunderbolt-Schnittstelle doch noch auf Windows-Ebene durchsetzt; Universal Audio hat jedenfalls seine Hausaufgaben gemacht: Treiber wären bereits vorhanden!


Hersteller/Vertrieb: Universal Audio

UvP/Straßenpreis: Solo: 832,– Euro / ca. 700,– Euro; Duo: 1.070,– Euro / ca. 900,– Euro; Quad: 1.546,– Euro / ca. 1.300,– Euro

www.uaudio.com

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nochmals verbesserte Klangqualität

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DSP-Power (jetzt auch Quad-Version erhältlich)

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hochwertige Grundausstattung an Plug-ins

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bis zu vier TB-Apollo-Interfaces kaskadierbar

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Monitor-Controller-Funktionen

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