Geschlossener Kopfhörer

Ultrasone Performance 880 im Test

Die Bayerische Manufaktur Ultrasone ist bislang primär im Hi-Fi-Segment zu Hause. Das Spitzenmodell der Performance-Serie wendet sich ganz gezielt aber auch an Musiker. Hören wir mal, ob der Edel-Hörer außer für Klanggenuss auch für kritisches Monitoring und Mixing taugt.

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Dr. Andreas Hau

Blankes Metall trifft auf matte Kunststoffoberflächen: Die optische Anmutung ist edel, aber nicht protzig. Der satinierte Look hat den Vorteil, dass keine hässlichen Finger – abdrücke zurückbleiben wie auf den derzeit (mal wieder) populären »Klavierlack«-Oberflächen. Auch die Haptik stimmt; der Performance 880 wirkt stabil und sauber verarbeitet. Zwar lässt er sich nicht zusammenfalten, dank drehbarer Hörermuscheln macht er sich aber sehr flach und lässt sich im beigelegten Neopren-Etui platzsparend im Reisegepäck verstauen. Einen so transportfreundlichen Kopfhörer findet man in der Nobelklasse eher selten.

Das Ultrasone-Sortiment besteht − ungewöhnlich im Hi-Fi-Segment − größtenteils aus geschlossenen Kopfhörern. So auch der Performance 880. Wobei dieser ja auch Musikern gerecht werden soll, die beim Monitoring auf gute Schallisolation angewiesen sind. Die Ohrpolster bestehen aus Memory-Foam mit Kunstlederüberzug und sind ohrumschließend. Zusätzlich liegt ein Paar Polster mit Velours-Überzug bei.

Befestigt werden die Ohrpolster jedoch per Verklebung, was den Austausch erschwert − zumal dafür keine Anleitung beiliegt. In das ebenfalls gepolsterte Kopfband ist ein Stahlbügel integriert, der für einen kräftigen Andruck sorgt. Die linke Muschel verfügt über eine verriegelbare 2,5-mmKlinkenbuchse, in die das Kabel eingesteckt wird. Gleich zwei Kabel liegen bei, nämlich ein drei Meter langes, gerades Standardkabel mit Miniklinkenstecker plus aufgeschraubtem Großklinkenadapter sowie ein dünneres, 1,2 Meter kurzes Kabel mit Mute-Taste speziell für mobile Geräte. Beide Kabel wirken robust und sind gut verarbeitet.

Praxis

Mit einem Kennschalldruckpegel von 94 dB SPL und einer Impedanz von 32 Ohm kommt der Performance 880 an jedem getesteten Kopfhörerausgang von Field-Recorder über Laptop bis zum Profi-Audiointerface auf mehr als ausreichende Lautstärke. Der Kurzzeit-Tragekomfort ist sehr gut. Der recht hohe Andruck wird durch die Memory-Foam-Polster bestens verteilt. Der Langzeit-Tragekomfort reicht jedoch nicht an einen guten offenen Kopfhörer wie den AKG K 702 heran; spätestens nach einer Stunde sehnen sich die Lauscher nach Frischluft. Das ist kein spezifischer Schwachpunkt des Ultrasone Performance 880, sondern eine typische Eigenschaft von geschlossenen Kopfhörern, derer man sich bewusst sein sollte.

Der hohe Andruck und die geschlossene Bauweise ermöglichen andererseits eine hohe Schallisolation − beim Performance 880 fällt diese noch höher aus als bei vielen Konkurrenzmodellen. Insbesondere in den mittleren und oberen Frequenzen werden Außengeräusche stark gedämpft; selbst die eigene Stimme hört man fast nur noch über die Schädelknochen. Umgekehrt schleicht sich bei Gesangsaufnahmen kaum etwas vom Kopfhörer-Monitoring ins Mikrofon.

Trotz der außergewöhnlich hohen Schallisolation wirkt das Klangbild des Performance 880 überraschend luftig und »offen«. Jene etwas »topfige« Mittenverfärbung, die viele geschlossene Kopfhörer plagt, ist beim Ultrasone kaum zu finden. Die Klangbalance wirkt sehr ausgeglichen. Der Bass ist druckvoll und reicht sehr tief, wirkt aber keineswegs überzeichnet. Die Tiefenwiedergabe ist ausgesprochen klar, ohne indifferentes Gewummer; bis in den Basskeller lassen sich Tonhöhen präzise heraushören.

Die Mitten und Höhen klingen angenehm unverfälscht, ohne Überzeichnungen. Das Klangbild ist klar und präzise − gute Voraussetzungen für Mixing-Anwendungen. Aber auch für kritisches Monitoring beim Aufnehmen, denn der Performance 880 reagiert u. a. recht empfindlich auf überscharfe S-Laute. Wo »normale« Hi-Fi-Kopfhörer, aber auch manche Studiokopfhörer dem Wohlklang zuliebe etwas weichzeichnen, offenbart der Ultrasone schonungslos jede Schwäche.

Übrigens auch in kommerziellen Produktionen: Der Opener des neuen »verschenkten« U2-Albums schmerzte mir geradezu in den Ohren. Ich vermute, das soll so sein, denn der Rest des Albums klingt viel angenehmer, aber mögen muss man dieses Gescheppere trotzdem nicht. So oder so, der Ultrasone Performance 880 gibt genaue Rückmeldung, wie »Hi-Fi« oder »Lo-Fi« Produktionen bzw. Einzelspuren klingen.

Bei aller Schonungslosigkeit wirkt das Klangbild dennoch nicht über-analytisch, sondern insgesamt recht stimmig und harmonisch. Die Stereobühne wirkt nicht zu extrem in die Breite gezogen, und auch die Im-Kopf-Lokalisation der Phantommitte scheint etwas abgemildert. Das mag an Ultrasones »S-Logic Plus«-Technologie liegen, bei der die Schallwandler dezentral angeordnet sind, wodurch die menschliche Ohrmuschel in das Hörerlebnis mit einbezogen werden soll.

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Dr. Andreas Hau

Fazit

Mit dem Performance 880 beweist die Bayerische Manufaktur Ultrasone, dass sie weitaus mehr kann als Hi-Fi-Schönklang. Der Performance 880 ist ein gnadenlos ehrlicher Kopfhörer für kritisches Monitoring und Mixing. Ungewöhnlich für einen Edel-Hörer ist die hohe Schallisolation, die allerdings auch einen erhöhten Andruck bedingt und den Langzeit-Tragekomfort einschränkt. Über kürzere Strecken sitzt der Ultrasone dank der Memory-Foam-Polster jedoch recht bequem. Alles in allem gehört der Performance 880 fraglos zu den besten geschlossenen Kopfhörern der gehobenen Preisklasse.


 

Performance 880

Hersteller/Vertrieb

Ultrasone / Synthax GmbH

Preis

379,— Euro

www.synthax.de

+++ ausgewogenes, realistisches Klangbild

+++ hohe Schallisolation

++ sehr gute Ausstattung

++ saubere Verarbeitung

– – hoher Andruck

Ein Kommentar zu “Ultrasone Performance 880 im Test”
  1. Frank Neumann

    Interessanter Kopfhörer, im Studio benutz ich den Beyerdynamic DT770 Pro und Focal Spirit pro den ich zu 90% im Kopfhörer Alltag benutze und ich mag ihn sehr, keine übertriebenen Bässe, schöne Mitten und auch sanfte Höhen aber der Tragekomfort bei denen ist leider nicht ganz so doll, deswegen schaue ich mir gern alternativen an.

    Antworten
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