Opto-Kompressor auf Röhrenbasis

Tube-Tech CL 1B im Test

(Bild: Dieter Stork)

Vielen Produzenten gilt der Teletronix LA-2A als Nonplusultra für bestimmte Anwendungen – mit einem kleinen Wermutstropfen: Wenn er nur nicht so unflexibel wäre. Doch es gibt Abhilfe, und das ebenfalls seit geraumer Zeit.

Die dänische Firma Lydkraft wurde 1977 gegründet, also vor exakt 30 Jahren. Zunächst konzentrierte man sich auf die Herstellung von PA-Equipment. In den frühen 80er-Jahren jedoch, nach personellen Veränderungen, wandelte sich das Erscheinungsbild des Unternehmens. Nach einer Entwicklungsphase brachte Lydkraft im Jahre 1985 unter dem Label Tube-Tech sein erstes Röhrengerät für Studioanwendungen auf den Markt: den PE 1A, eine Kopie des legendären Pultec-Entzerrers.

Anzeige

Die damalige Situation ist mit der heutigen nicht vergleichbar: Synthesizer wurden gerade digitalisiert, in analogen Schaltungen regierten Op-Amp-ICs, man aalte sich in Gated-Reverbs und nutzte Exciter für brachiale Höhen im Klangbild. Kein Vintage-Boom weit und breit! Gemeinsam mit Manley und Summit Audio – abgesehen von einigen wenigen „Boutique”-Herstellern, die schon damals aktiv waren – gebührt Lydkraft bzw. Tube-Tech also als einziger europäischer Firma in diesem Dreierbund durchaus etwas Respekt für die weitsichtige Pionierrolle. Seit diesen Tagen ist die Produktpalette von Tube-Tech stetig auf aktuell etwa 15 Geräte gewachsen. Allen gemein ist ein rein mit Röhren und Übertragern realisierter Signalweg, verpackt in robuste Gehäuse im typischen klassischen Blau. Der CL 1A, Vorläufer des hier vorgestellten CL 1B, ist seit 1987 erhältlich. Beide Modelle verfügen über die gleiche Schaltung, lediglich deren mechanischer Aufbau ist unterschiedlich – der CL 1A ist frei verdrahtet, beim Nachfolger liegen sämtliche Bauteile auf zwei Platinen.

Konzept des Tube-Tech CL 1B

Als klassischer Opto-Kompressor verfügt der CL 1B über einen sehr simplen Audiosignalweg. Das Opto-Element liegt direkt hinter dem Eingangsübertrager, und die Aufholverstärkung wird von einer Push-Pull-Ausgangsstufe besorgt, in der jeweils eine 12AX7 und 12AU7 von Sovtek bzw. Electro Harmonix sowie ein Ausgangsübertrager ihren Dienst verrichten. Der mechanische Aufbau des Gerätes ist absolut hervorragend – so ist die Hauptplatine, auf der die wichtigen und schweren Bauteile wie die Übertrager liegen, rundum mit Blechprofilen am Gehäuse befestigt. Das sehr aufgeräumte Innenleben nimmt nicht viel Platz ein, und so kommt das Gehäuse mit vergleichsweise geringer Einbautiefe aus. Bei drei Höheneinheiten bietet es reichlich Platz für Bedienelemente: Die Potenziometer sind mit wuchtigen Kunststoffkappen versehen und erstaunlich leichtgängig.

Als Optokompressor mit Röhrenausgangsstufe macht der CL 1B keinen Hehl aus seiner Verwandtschaft mit dem „großen Urahnen” Teletronix LA-2A. Doch während dieser nur über minimale Einstellmöglichkeiten verfügt, bietet der Tube-Tech eine Reihe von stufenlos durchstimmbaren Parametern und somit feinsten Zugriff auf die Kompressionsrate und die Zeitkonstanten. Die Ausgangsstufe liefert eine Aufholverstärkung von bis zu 30 dB.

Während der Signalweg selbst in reiner Röhrentechnik realisiert wurde, wird das Detektorsignal mittels zweier Schaltungen aus integrierten Operationsverstärkern verarbeitet. Einer dieser Schaltkreise ermöglicht eine programmadaptive Kompression, der andere die manuelle Einstellung der Parameter Attack und Release. Mittels entsprechender Schalterstellung auf der Frontplatte können beide Detektorsignale auch kombiniert werden.

Ein weiteres ungebräuchliches Feature des CL 1B ist das Sidechain-Bus-System: Bis zu 10 (!) Kompressoren können zur Kopplung der Pegelreduktion auf zwei Bussen verkettet werden. Wenn also jemand seine 7.1- Surroundsumme mit Röhrenoptos veredeln möchte, dem sind bei entsprechendem Budget keine technischen Grenzen gesetzt …

Schlussendlich erwähnenswert sind das hintergrundbeleuchtete VU-Meter, das Pegelreduktion, Ein- und Ausgangspegel abbilden kann, sowie der Bypass-Schalter – entgegen der Aussage im Handbuch arbeitet er bei unserem Testgerät eben nicht völlig knackfrei.

Im Betrieb

Ein Monokompressor dieser Bauart bietet sich grundsätzlich für ein breites Signalspektrum an, und zwar sowohl bei der Aufnahme selbst als auch beim Mixdown. Klassisches Anwendungsgebiet sind sicherlich Vocals, aber auch Bässe, Bläsersoli und Gitarren fallen in den Zuständigkeitsbereich eines solchen Kompressors. Messen lassen muss er sich natürlich am LA-2A, Urahn und Platzhirsch dieser Gerätegattung. Also haben wir den Tube-Tech im Test unter anderem auch dem Direktvergleich mit dem Teletronix unterzogen. Ein klanglich interessantes, aber in der Praxis mit einem Körnchen Salz zu betrachtendes Unterfangen, sind beide Geräte doch so unterschiedlich, dass es hier niemals um ein unreflektiertes „besser” oder „schlechter” gehen kann. Und der Tube-Tech ist auf jeden Fall gut genug, um auch jenseits dieser Referenz auf eigenen Beinen stehen zu können.

Mit einem luftigen und geschmeidigen Grundklang deckt der CL 1B ein breites Spektrum ab, von Lead-Vocals bis zum Kontrabass kann er viele unterschiedliche Signale veredeln. Hilfreich sind die über einen weiten Bereich variablen Zeitkonstanten, die den Charakter der Pegelreduktion ziemlich stark verbiegen können – was nicht passt, kann hier passend gemacht werden. Jedoch funktioniert bereits die programmadaptive „Fixed”-Einstellung hervorragend. In vielen Fällen kann man den Tube-Tech einfach wie den LA-2A auf „Autopilot” stellen und sich entspannt zurücklehnen.

Dabei eignet sich der CL 1B sowohl für Anwendungen, in denen es um ein gleichmäßigeres, ausgewogeneres Klangbild geht, wie auch als Druckmacher. Letzteres belegt das Kontrabass-Klangbeispiel auf der Heft-CD – das Instrument klingt nach der Bearbeitung subjektiv und auch objektiv lauter, kräftiger und kompakter. Zum „laut machen” eignet sich der Tube-Tech aber, speziell bei sehr perkussiven Signalen, nur bedingt. Dies ist jedoch für einen Opto-Kompressor nicht ungewöhnlich, hier sollte man dann eher auf ein entsprechendes FET- oder VCA-Gerät zurückgreifen.

Im Direktvergleich mit dem LA-2A offenbart der CL 1B seinen entspannt modernen Touch. Er klingt offener, mehr „Hi-Fi”, bringt Tiefbässe und vor allem die hohen Höhen schöner zur Geltung. Der LA-2A hingegen weiß mit dichteren Mitten und einem – oh Wunder – ein wenig altmodischen Klangideal zu gefallen. Um es plakativ zu sagen: Der eine macht Pop, der andere Jazz.

(Bild: Dieter Stork)

Fazit

Bei annähernd ähnlichem Verkaufspreis, je nach Anbieter ist der LA-2A in der Wiederauflage von Universal Audio gegebenenfalls einen Hauch teurer, treten hier also zwei der besten Optokompressoren aller Zeiten gegeneinander an – und eine Entscheidung zwischen beiden Kandidaten ist reine Geschmackssache. Auf vergleichbarem Qualitätsniveau muss man sich entscheiden, ob man die modernere (obwohl auch schon 20 Jahre alte …), flexiblere Variante mit leichtem Hi-Fi-Touch bevorzugt, oder ob es weiterhin nur den Einen geben kann.

Natürlich handelt es sich hier in jedem Fall um stolze Summen, aber eben auch um eine Anschaffung fürs Leben. Den „ultimativen Vocal-Kompressor” kauft man sich eben nur einmal, um dann im Idealfall jahrzehntelang glücklich mit seiner Wahl zu sein. Und natürlich fängt das Anwendungsgebiet bei Vocals lediglich an, viele andere Einsatzmöglichkeiten sind ebenfalls vorstellbar. Im Englischen gibt es einen schönen Spruch: „Quality exists, when the price is long forgotten.”


Hersteller / Vertrieb: Tube-Tech / Mega Audio

Internet: www.tube-tech.com, www.mega-audio.de

Bedienelemente:

Threshold: +20 bis –40 dBu

Ratio: 2:1 bis 10:1

Attack: 0,5 bis 300 ms

Release: 0,05 bis 10 Sekunden

Gain: –∞ bis +30 dB

Unverbindliche Preisempfehlung: ca. € 2.860,–

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: