3 auf einen Streich

Toontrack The Classic im Test

Die Erweiterungen für das Drumsampler-Plug-in EZdrummer sind sehr beliebt, denn sie klingen klasse, verbrauchen wenig Speicher und kosten nur kleines Geld. Die Library „The Classic“ verhält sich da zumindest in einem Punkt ein wenig anders als sonst …Toontrac-The-Classic

The Classic beinhaltet nämlich nicht nur ein aufwendig gesampeltes, akustisches DrumSet, sondern gleich drei. Und weil das erste der drei Sets gleich mit zwei verschiedenen FellBestückungen aufgenommen wurde, könnte man sogar sagen, dass im Paket vier Sets stecken. Da alle Kits auch noch mit zwei verschiedenen Mikrofon-Konstellationen aufgenommen wurden, fällt die Installation etwas umfangreicher aus als sonst. Der bislang größte Ordner meiner EZdrummer-Sammlung ist etwas größer als 1 GB, The Classic braucht hingegen gleich zwei Ordner, die zusammen ca. 1,8 GB auf der Festplatte belegen. Das ist aber immer noch als sehr kommod zu bezeichnen.

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Die Speicherchips des Rechners werden aber nach wie vor geschont, denn keines der Kits belegt mehr als 333 MB RAM. Und auch die Kosten liegen im gewohnt günstigen Rahmen – das ganze Paket kostet nur sensationelle 69 Euro! Dazu muss man natürlich noch 119 Euro für das EZdrummer-Basis-Plug-in rechnen, aber selbst dann erhält man einen sehr hohen Gegenwert, denn die Basis-Version enthält ja auch noch ein Drum-Kit sowie das kleine, sogenannte Cocktail-Kit.

Ebenso gehören fix und fertige Grooves dazu, die man als MIDI-Files in das Sequenzer-Arrangement ziehen kann, um sich so ein professionell klingendes Drum-Arrangement zusammenzuklicken. Anwender von EZdrummer wissen es schon, wer noch nie damit gearbeitet hat, sollte wissen, dass die Grooves stets ein echtes Highlight dieses Instruments sind.

Die Sets

Die grafische Bedienoberfläche (GUI) ist bei allen drei Sets die gleiche. Daher ist das, was man sieht, nicht auch immer das, was man hört. Toontrack musste hier einen optischen Kompromiss eingehen – die Trommelkessel sind beispielsweise dreifarbig gestreift, und die Trommeln sind in der GUI stets mit den gleichen Fellen bestückt, obwohl sie das bei den verschiedenen Kits nicht sind. Im GUI sind immer eine Kick, eine Snare, drei RackToms, ein Floor-Tom, eine Hi-Hat und vier Cymbals zu sehen, und auch das entspricht nicht immer dem Aufgenommenen. Hier die Sets im Einzelnen:

Set 1 – Noble & Cooley

Das beim ersten Aufrufen von The Classic geladene Kit ist ein Set vom amerikanischen EdelHersteller Noble&Cooley aus der Horizon-Serie, die allerdings nicht mehr hergestellt wird. Eine Besonderheit dieses Sets ist dar- über hinaus, dass sämtliche Toms keine Resonanzfelle besitzen – ein weiteres Detail, dem das GUI nicht entspricht. Toms ohne Resonanzfelle hat man früher gerne benutzt, um einen besser zu kontrollierenden Sound zu bekommen, denn diese Trommeln klingen nicht so lange nach wie Toms mit zwei Fellen und sie erzeugen auch nicht so viele Obertöne, weil eben keine zwei Felle miteinander agieren. Zudem kann man die Sounds mehrerer Toms besser voneinander trennen, indem man sie nicht von oben mikrofoniert, sondern die Mikros einfach von unten in die Trommeln steckt – so bilden die Kessel eine „natürliche” Abschirmung. Welche Mikrofonierung Toontrack genommen hat, bleibt unklar, denn es gibt Bilder von der Produktion, auf denen die Toms dieses Sets (Rack-Toms: 10″ x 8″, 12″ x 9″ und 14″ x 10″; Floor-Tom: 16″ x 14″) sowohl nur von oben als auch nur von unten mikrofoniert werden.

Wer nun aufgrund der einfelligen Toms einen besonders kurzen und pappigen Sound erwartet, wird angenehm enttäuscht: Nicht zuletzt wegen der in den 70ern sehr populären CS-Felle und dem Fehlen jeglicher Dämpfung erklingen die Toms rund, lang und mit klarem Attack – hätte ich es nicht gewusst, wäre ich hier nicht auf die Idee gekommen, dass die Toms keine Resonanzfelle haben.

Eine Angabe zum Fell auf der Bassdrum wird nicht gemacht, im GUI sieht es aber verdächtig nach einem Evans EMAD aus. Dieses Fell besitzt am Rand einen zusätzlichen Fellring, der es kürzer klingen lässt und ebenfalls nicht erwünschte Obertöne dämpft. Die 24″ x 16″ Bassdrum wird beim Standard-Set mit einem Filzschlägel gespielt; es ist aber auch eine mit Plastikschlägel gespielte sowie eine mit geschlossenem Resonanzfell gesampelte Variante vorhanden, die man jeweils schnell laden kann.

Mit dem Filzschlägel gespielt klingt die Bassdrum recht knackig, mit normalem Bass-Anteil und leichtem Nachklang. Mit dem Plastikschlägel wird der Attack erwartungsgemäß deutlicher, der Nachklang hingegen ein wenig kürzer. Mit geschlossenem Frontfell entsteht dann ein völlig anderer Klang: sehr ungewohnt, topfig und sehr lang nachschwingend. Wie bei allen Kits kann man im Mixer den Mix zwischen den beiden Mikros, mit denen die Bassdrums abgenommen wurden, ändern, aber die Tendenz dieses Sounds bleibt „jazzig” – muss ja kein Nachteil sein …

Die Snare des Kits stammt ebenfalls von Noble&Cooley: eine 14″ x 5″ mit Ahornkessel. Zur Fellbestückung der Snare Drums fehlen auch hier die Angaben, aber im GUI ist ebenfalls ein CS-Fell zu sehen, hier allerdings die spezielle Variante mit weiß aufgerautem Fell (auf dem man auch mit Besen spielen kann), bei dem der schwarze CS-Punkt unter das Fell geklebt wurde.

Ruft man als Set das als zweites aufgelistete namens „NC Alt” auf, ändert sich vor allem die Fellbestückung der Toms. Hier sind nun weiß aufgeraute Felle aufgezogen – ebenfalls ein Klassiker. Der Ton aller Toms ist hier kürzer und der Attack weniger stark ausgeprägt – insgesamt klingen die Toms nun etwas gedeckter. Die beiden kleinen Toms sind zudem etwas tiefer gestimmt als die mit den CS-Fellen, was den kompakteren Sound unterstützt.

Die Bassdrum des alternativen Kits wird mit dem Plastikschlägel gespielt, und die Snare wird gleich ganz gegen einen weiteren Klassiker ausgetauscht: eine Ludwig Supraphonic 402 mit Metallkessel und den Maßen 14″ x 6,5″. Sie hat gegenüber der N&C-Snare weniger Kesselton und weniger Mitten, wodurch das feine Rauschen des Snare-Teppichs besser zur Geltung kommt.

Set 2 – Yamaha

Das zweite Set ist ein Yamaha 9000 Recording Custom mit Birkenkesseln und somit das bei Aufnahmen wahrscheinlich am meisten verwendete Drum-Set überhaupt – wenn man damit im Studio auftauchte, konnte man fast nichts mehr falsch machen. Die Größen dieses Sets sind: 22″ x 16″ Bassdrum (mit Plastikschlägel gespielt), 10″ x 8″, 12″ x 9″ und 13″ x 10″ Rack-Toms sowie ein 16″ x 16″ Floor-Tom (alle Toms mit Resonanzfellen).

Dazu hat man bei Toontrack als Snare eine 14″ x 6,5″ Ludwig&Leedy mit Messingkessel gestellt: kein Klassiker – dafür ist sie zu selten –, aber mit dem Prädikat „vintage” ausgestattet, denn sie wurde in den 40er-Jahren hergestellt (endlich mal jemand, der älter ist als ich!). Ihr Sound ist offener als der der Supraphonic, und trotz ihrer hohen Stimmung klingt sie enorm voll.

Die Kick hat genau den Sound, den man sich bei ihr wünscht: voller Bass, dezenter Attack, also in sich völlig neutral und okay und dabei ideal zum Weiterbearbeiten geeignet, sofern man das möchte. Obwohl auch hier auf den Toms weiß aufgeraute Felle aufgezogen wurden, die von sich aus eher etwas matter klingen als CS- oder klare Felle, klingen die Yamaha-Toms eher knackig und schwingen trotzdem lange aus – was einerseits auf das Konto der Birkenkessel und andererseits auf das der Resonanzfelle geht. Heraus kommt ein in sich stimmiger und durchsetzungsfähiger Sound.

Set 3 – Craviotto

Der kalifornische Hersteller ist dafür bekannt, Trommeln nicht aus mehreren, sondern nur aus einer Lage Holz herzustellen. Das Trommel-Set findet seine Entsprechung wiederum nicht ganz im GUI, denn es ist mit nur einem 13″ x 9″ Rack-Tom und dafür mit zwei Floor-Toms in 16″ x 16″ und 18″ x 16″ bestückt. Klickt man im GUI auf das kleinste Tom, wird der Sound automatisch zum zweiten Rack-Tom umgeleitet, und ein Klick auf das dritte Rack-Tom lässt das 16er-Floor-Tom erklingen. Die Toms sind ebenfalls mit weiß aufgerauten Fellen bezogen und mit Resonanzfellen ausgestattet. Ihr Sound ist voll, besitzt einen satten Attack, und sie klingen am längsten von allen drei Sets aus.

Die 22er-Kick ist mit 14″ Tiefe zwar die kürzeste aller enthaltenen Bassdrums, hat aber trotzdem mehr Bässe als die anderen und besitzt einen sehr satten Attack sowie einen längeren Nachklang. Die Snare stammt hier ebenfalls von Craviotto. Sie ist 14″ x 7″ groß – also die mit dem tiefsten Kessel von allen – und besitzt einen Ahornkessel. Ihr Sound ist trotz mittelhoher Stimmung satt und voll mit leichtem Kesselton. Gesamteindruck dieses Sets: fett!

Wer das Set um ein hohes Tom ergänzen möchte, sollte dafür das erste Yamaha-Rack-Tom nehmen, das am ehesten zu den Craviottos passt. Das Schöne an The Classic ist nämlich, dass man nun die verschiedenen Trommeln (und auch Cymbals) innerhalb derselben Instanz miteinander kombinieren kann. Das können auch die Sounds sein, die zwar mitgeliefert, aber nicht in den Standard-Sets verwendet werden, wie etwa die bereits erwähnte N&C-Kick mit dem geschlossenen Frontfell oder die Ludwig Supraphonic-Snare in tiefer Stimmung. Noch stärker gilt das für …

Toontrac-The-Classic-2
Beim einem 4Mic-Set sind im GUI alle Felle weiß. Dies entspricht nicht immer dem tatsächlich geladenen Set (s. Floor-Tom), dient allerdings der besseren optischen Unterscheidung zwischen „The Classic“ und „The Classic 4Mic“.

Die Cymbals

Im Allgemeinen sind die Sets mit recht großen Cymbals – meist von Zildjian – bestückt. Die Crashes sind 18″ bis 20″ groß, und es gibt zwei 22er-Rides. Die Hi-Hats der Standard-Sets stammen ebenfalls von Zildjian und messen 14″ und 15″. Zusätzlich gibt es Modelle, die in keinem der Sets enthalten sind, aber alternativ geladen werden können. Dazu zählen drei Splashes in 6″, 8″ und 10″ sowie ein 16er-Crash von Sabian. Als Goodie gibt es obendrauf eine 14er-Hi-Hat aus der Formula-602-Serie von Paiste.

Die Mikrofon-Settings

Möchte man die frisch installierten Drum-Kits laden, hat man zunächst die Wahl aus zwei Plug-In-Varianten: „The Classic” und „The Classic 4Mic”. Letztere Konstellation stellt eine Mikrofonierung dar, die früher beliebt war, wenn man das komplette Drum-Set mit nur wenigen Mikros aufnehmen wollte. Dazu wurde ein Mikro – aus Sicht des Drummers – links oben über dem Set platziert, ein weiteres rechts in der Mitte neben dem Set, und Kick und Snare wurden mit separaten Stütz-Mikrofonen aufgenommen. Heraus kommt ein Sound, der am ehesten dem entspricht, was der Drummer selber beim Spielen hört, es ist also eine sehr „ehrliche” Abbildung des Sets. Hat man so aufgenommen, gibt es nur wenige Optionen bei der Nachbearbeitung, denn man kann im Nachhinein beispielsweise nicht mehr den Sound oder die Lautstärke eines einzelnen Toms oder Cymbals verändern.

Im Gegensatz zur normalen The-Classic-Version, die mit einzelnen Mikros für jede Trommel und die Hi-Hat sowie mit zwei Overhead-Mikros für die Cymbals aufgenommen wurde, klingen die 4Mic-Sets etwas offener, und die Übersprecher – vor allem des Snare-Teppichs – sind stärker.

Die Mixer

Die Mixer bieten Fader für die Lautstärken und Panorama sowie Solo- und Mute-Buttons. Als Besonderheit gibt es in der obersten Reihe Schalter für die „Bleed Control”. Im Mixer eines The-Classic-Sets sind diese im Kanal vom Snare-Bottom-Mikro sowie der Ambience vorhanden. Sind sie aktiviert, werden auch Sounds wiedergegeben, die beim Aufnehmen auf diese Mikros übersprechen. Bei den Overheads sind das alle Trommeln sowie die Hi-Hat, beim Snare-Bottom-Mikro sind das alle Toms und die Kick. Sind die Bleed-Schalter ausgeschaltet, werden die Signale sauber getrennt, und der Snare-Teppich rauscht dann beispielsweise nicht mehr leise mit, wenn auf den Toms gespielt wird.

Der 4Mic-Mixer besitzt gleich vier Bleed-Schalter für alle Kanäle außer der Ambience. Er hat aber auch einen kleinen Bug, denn wenn man die Bleed-Control beim Mikro für die linke Kit-Seite ausschaltet, wird gleich der ganze Kanal stummgeschaltet und nicht nur das Übersprechen. Der Witz der 4MicMikrofonierung sind aber gerade diese Übersprecher, daher sollte man hier einfach alle Bleeds in Stellung „On” belassen. Wer das Mitrascheln der Snares allerdings als zu stark empfindet, kann es etwas abschwächen, wenn Bleed im Snare-Kanal ausgeschaltet wird.

Der EZdrummer besitzt ansonsten keine eigenen Effekte wie Equalizer oder Kompressoren. Möchte man solche einbringen, kann man die Signale auf die bis zu acht StereoEinzelausgänge routen, um sie in der HostSoftware weiterzubearbeiten. Oder man lädt das Ganze in Toontracks Superior Drummer 2.1, der viele interne Effekte mitbringt …

Fazit

Mit The Classic hat Toontrack den Nagel auf den Kopf getroffen: Geboten werden drei Drum-Sets in klassischer Zusammenstellung, die mit einer Mischung aus moderner und alt bewährter Technik aufgenommen wurden. Dabei klingen die Sets in keiner Weise antiquiert, sondern passen hervorragend in die Moderne und können mit den Ambience-Mics weiter aufgemotzt werden. Die 4MicVarianten der Sets zeigen überdies eindrucksvoll, dass schon leicht in Vergessenheit geratene Aufnahmetechniken auch heute noch ihre Berechtigung haben können,wenn Drums und Raum optimal abgestimmt sind. Das Preis/Leistungs-Verhältnis geht mehr als in Ordnung, denn woanders bekommt man dafür in der Regel höchstens ein Set. Insgesamt ein Must-Have – nicht nur für EZdrummer-Fans.

Profil

Systemvoraussetzungen: 512 MB RAM, 2 GB Platz auf der Festplatte, DVD-Laufwerk, EZdrummer ab 1.2.0 oder Superior Drummer ab 2.1 PC: Windows XP, PIII/Athlon 1,8 GHz Mac: Mac OS X 10.4, G5 1 GHz

Formate: VST, AU, RTAS

Hersteller / Vertrieb: Toontrack

 Internet: www.toontrack.com

Unverbindliche Preisempfehlung: € 69,–

+ drei Sets mit sehr guten Sounds

+ zusätzliche Samples

+ zwei Mikrofon-Setups

+ zahlreiche brauchbare Grooves und Fills

– Instrumente können nicht verstimmt werden

– kleiner Bug im 4Mic-Mixer (s. Text)

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