3-Wege-Studiomonitor als Top-Modell der nuPro-Serie

Studiomonitor Nubert nuPro A-600 im Test

(Bild: Petia Chtarkowa)

Der schwäbische Hersteller und Direktvermarkter Nubert stellt mit der A-600 einen weiteren Lautsprecher in seiner aktiven nuPro-Serie vor. Wie das »Pro« im Namen schon andeutet, ist die Serie auch für die Anwendung beim Home-Recording oder im kleinen Projektstudio gedacht. Andere typische Einsatzmöglichkeiten, vor allem auch der kompakteren Modelle, sind Home Cinema oder eine Ergänzung für die Fernsehlautsprecher.

Aktuelle TV-Geräte legen zwar bei der Bildgröße und Qualität in großen Schritten von Generation zu Generation immer weiter zu, machen jedoch unter dem Aspekt der möglichst flachen und randlosen Bauform in Sachen Audioqualität einige Kompromisse, die den anspruchsvollen Zuschauer und Zuhörer nicht immer zufrieden stellen. Zusätzliche Lautsprecher oder auch die sogenannten Soundbars sind daher ein ständig wachsender Markt. In der nuPro-Serie findet sich dafür alles vom kompakten A-100 für den Arbeitsplatz am PC über die größeren Modelle A-500, A-600 und A-700 als vollwertige Stereoabhören auch für größere Räume bis hin zu kompletten X.1-Sets für diverse Filmton-Formate und – ganz neu – auch zwei Soundbars. Die Soundbars dürften dabei primär auf die klassische Consumer-Anwendung zielen, wenngleich heute auch in jedem modernen Konferenz- oder Demoraum große Bildschirme zu finden sind, die dann gerne mit einer entsprechenden Unterstützung im Audiobereich ausgestattet werden.

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Gegenstand dieses Testberichtes ist der A-600, ein voll aktiver Lautsprecher mit DSP-System, drei Endstufen und einer Bestückung mit einem 10″-Tieftöner, einem 5″-KonusMitteltöner und einer 1″-Hochtonkalotte.

Die beiden Konusmembranen sind aus Polypropylen gefertigt und mit großzügigen Rollsicken an den Aludruckgusskörben aufgehängt. Die Kalotte ist mit einer Gewebemembran bestückt und verfügt über einen mit Ferrofluid gefüllten Luftspalt. Speziell bei Hochtönern ist die Schwingspule zur Reduzierung der bewegten Masse mit einem extrem dünnen Draht gewickelt. Entsprechend gering ist die Wärmekapazität, was zu einem schnellen Aufheizen der Spule und im Extremfall dann auch zum Durchbrennen führt. Mit der thermisch gut leitenden Ferrofluid-Füllung wird die Ableitung der Verlustwärme merklich verbessert und die Betriebssicherheit somit erhöht. Als weiterer Vorteil kommt noch eine verbesserte Bedämpfung der Treiberresonanz hinzu. Die Ferrofluid-Füllung hat jedoch ihre zwei Seiten.

Das Ferrofluid kann, abhängig von der Temperatur oder auch durch Alterung oder Überhitzung, seine Konsistenz und damit auch die Eigenschaften des Treibers verändern. Letztendlich ist es eine Sache der Abwägung des Entwicklers für oder gegen Ferrofluid, da man weder das eine noch das andere als besser oder schlechter bezeichnen kann.

Gehäuse und Aufstellung

Das 60 cm hohe Gehäuse der A-600 ist aus MDF gefertigt und mit einer edlen Schleiflack-Oberfläche in Schwarz oder Weiß erhältlich. Das Tieftonsystem ist als Bassreflexgehäuse mit zwei hinten liegenden Öffnungen mit großzügig gerundeten Trompetenöffnungen zur Vermeidung von Strömungsgeräuschen aufgebaut. Der Mitteltöner verfügt auf der Rückseite über eine eigene geschlossene Kammer. Die drei Wege sind in einer Linie übereinander angeordnet, was sich positiv auf das horizontale Abstrahlverhalten auswirkt, aber auch die etwas ungewöhnliche Bauhöhe von 60 cm bedingt, die für eine übliche Aufstellung im Studio problematisch sein kann. Für die klassische Meterbridge Position ist die A-600 definitiv nicht geeignet. Ein quer liegender Betrieb ist auch unter allen Umständen zu vermeiden, sodass nur ein passender Sockel mit ca. 70 cm Höhe oder der bündige Wandeinbau bleiben. Für eine Kombination mit einem großen Bildschirm bietet sich auch das Lowboard zur Aufstellung der A-600 an, wobei eine direkt dahinterliegende Wand in jedem Fall bei der Einstellung der Lautsprecher zu bedenken ist. Die tiefen Bässe werden durch die Wand verstärkt, und etwas höher auf der Frequenzachse kommt es durch Interferenzen mit der Rückwandreflexion zu Einbrüchen im Verlauf.

Elektronik und Bedienung

Jeder der drei Wege im A-600 verfügt über einen eigenen Class-D-Verstärkerzweig, deren Leistung mit 200/70/70 W im Datenblatt angegeben wird. Die komplette Signalverarbeitung, ebenso wie alle Filter, wird in einem schon von den kleineren Modellen bekannten DSP-System bearbeitet. Die Trennung zwischen den Wegen erfolgt bei ca. 250 Hz und 2 kHz. Auf ein Waveguide an der Hochtonkalotte wurde verzichtet, da der Übergang zum Mitteltöner, der bei 2 kHz noch recht breit abstrahlt, auch so gelingt. Generell war es ein Entwicklungsziel, eine breite horizontale Abstrahlung zu erreichen, um dem Anwender möglichst viel Bewegungsfreiheit zu geben. Die Bedienung erfolgt über ein gut lesbares großes Display an der Front mit vier Cursor-Tasten und einem Menü-Taster. Noch komfortabler geht es über die mitgelieferte kleine Fernbedienung, mit der man Zugriff auf Mute, Volume, Bass, mid/high und die Eingangswahl hat.

Die Bedienung, egal ob direkt an der Box oder über die Fernbedienung, erfolgt immer an einer Box, die als Master definiert ist. Die zweite Box wird über ein Link-Kabel am Master angeschlossen und bekommt so alle Steuersignale sowie das Audiosignal in digitaler Form. D. h., alle Quellen werden für links und rechts an der Master-Box angeschlossen. Von hier wird alles Weitere intern zwischen den beiden Monitoren organisiert.

Das Anschlussfeld auf der Rückseite bietet analoge, digitale (S/PDIF und Toslink) und einen USB-Eingang. Für die zweite Box im Stereo-Set gibt es einen digitalen Link. Ein Ausgang für einen optionalen Subwoofer ist ebenfalls vorhanden. (Bild: Petia Chtarkowa)

Für den Anwender ist das natürlich praktisch, da er seine Zuspielung immer nur an einer Box anschließen muss. Die Master-Box greift bei digitalen Datenströmen auf den linken Kanal zu, die Slave-Box auf den rechten, was schon bei der Verkabelung zu bedenken ist. Im »Single-Modus« lässt sich die Kanalzuordnung über das Bedienmenu ändern und alternativ auch auf Mono schalten. Ohnehin verfügt jeder Monitor über die komplette Ausstattung. Seitens der Hardware gibt es also keine festen Vorgaben für Master und Slave. Das Audiosignal kann analog über Cinchbuchsen oder bevorzugt digital via S/PDIF oder Toslink zugespielt werden.

Zusätzlich gibt es auch noch einen USB-B-Anschluss zum direkten Anschluss an einen PC oder ein anderes Mobilgerät mit USB Interface.

Vermissen könnte man die sonst üblichen XLR-Eingänge sowohl für symmetrisches analoges Signal wie auch für digitale Verbindungen im AES/EBU-Format. Andererseits erfolgt die Zuspielung heute meist digital, und dazu finden sich an fast allen Quellgeräten, sei es ein PC-Frontend oder ein digitales Mischpult, digitale Ausgänge im S/PDIF-Format.

Messwerte

Im reflexionsarmen Raum unseres Akustiklabors haben wir einen Frequenzgang von beachtlichen 32 Hz bis 22,4 kHz ermittelt (s. Abb.1). Die Welligkeit mit 5,6 dB zwischen dem höchsten und niedrigsten Punkt zwischen 100 Hz und 10 kHz liegt im Rahmen des Üblichen. Etwas unruhig ist der Verlauf vor allem unterhalb von 500 Hz. Über alles betrachtet gibt es einen leichten Anstieg zu den tiefen Frequenzen hin. Die 32 Hz als untere Eckfrequenz in Kombination mit einem 10″-Chassis qualifizieren die A-600 auch für gehobene Ansprüche im Bassbereich, ohne dass ein Subwoofer bemüht werden müsste. Am oberen Ende wird der Übertragungsbereich durch die Samplerate des internen DSPs von 48 kHz begrenzt, was nicht als Nachteil zu sehen ist, da mit Ausnahme weniger spezieller Hochtöner kaum ein Lautsprecher in der Lage ist, oberhalb von 20 kHz noch kontrolliert Schall abzustrahlen. Ganz im Gegenteil, eine unnötige Anregung der Membran mit sehr hochfrequenten Signalen kann sogar zu Resonanzen und folglich zu Intermodulationsverzerrungen im hörbaren Frequenzbereich führen. Unabhängig davon nimmt der digitale S/PDIF-Eingang natürlich auch Signale mit 96 kHz entgegen. Der Phasengang zeigt den erwarteten Verlauf für eine in der Laufzeit angepasste 3-Wege-Box mit X-Over-Filtern 4.Ordnung. Es gibt 2x 360° Phasendrehung durch die Übergänge vom Tief- zum Mitteltöner und vom Mittel- zum Hochtöner sowie 360° am untersten Ende durch das Bassreflexgehäuse. Dazu kommen noch weitere 180° durch ein elektrisches Hochpassfilter. In der Maximalpegelmessung mit Sinusburst-Signalen aus Abb.3 pendelt die Kurve um 103 dB für maximal 3 % Verzerrungen. Lässt man 10 % Verzerrungen zu, dann legt der Tieftöner nochmals um 4 bis 5 dB zu. Geht man von einer Sensitivity des Tieftöners von ca. 85 dB und einer Verstärkerleistung von 200 W (+23 dB) aus, passt dieser Wert gut. Das Spektrogramm aus Abb.4 weist bei 150 Hz und 365 Hz kleine Resonanzen auf, die sich auch im Frequenzgang als Einbrüche mit 2−3 dB bemerkbar machen. Oberhalb von 400 Hz stellt sich das Spektrogramm dann perfekt dar.


Aus dem Messlabor unter reflexionsfreien Bedingungen stammen die folgenden Messungen zum Frequenzgang, zum Abstrahlverhalten und zu den Verzerrungswerten. Der Klasse-1-Messraum erlaubt Messentfernung bis zu 8 m und bietet Freifeldbedingungen ab 100 Hz aufwärts. Alle Messungen erfolgen mit einem B&K 1/4″-4939-Messmikrofon bei 96 kHz Abtastrate und 24 Bit Auflösung mit dem Monkey-Forest Audio-Messsystem. Messungen unterhalb von 100 Hz erfolgen als kombinierte Nahfeld-Fernfeldmessungen.


Der Abstrahlwinkel des A-600 ist horizontal mit mittleren 153° sehr breit. Erst oberhalb von 8 kHz schnüren sich die Isobaren ein wenig ein. Dem Anwender wird damit viel Bewegungsfreiheit zugestanden. Auf der anderen Seite sollte man jedoch darauf achten, keine stark reflektierenden Gegenstände seitlich der Monitore zu platzieren. In der Vertikalen ist die Abstrahlung ähnlich breit. Es kommt jedoch durch die Anordnung der Wege bedingt unweigerlich zu einer Einschnürung im Bereich der Trennfrequenz von 2 kHz. Hier sollte man daher schon auf eine passende Ausrichtung der Achse zwischen Mittel- und Hochtöner auf Ohrhöhe achten. Die Pegelmessung mit einem Multisinussignal, womit alle Verzerrungsanteile erfasst werden, liefert einen Wert von 101 dBA (104 dBZ) als Mittlungspegel und 116 dB Spitzenpegel bezogen auf 1 m Entfernung im Freifeld. Der A-600 hat somit auch bei größeren Entfernungen noch Reserven. Geht man von 4 m Abstand zum Hörplatz aus, dann wird dort noch ein Spitzenpegel von 104 dB erreicht. Selbst für ein Signal mit 18 dB Crestfaktor sind das dann immer noch 86 dBZ bzw. 83 dBA Mittelungspegel. Der Referenzwert für einen Lautsprecher eines Stereo-Sets liegt bei 82 dBA.

Der gemessene Störpegel der A-600 in 10 cm Entfernung beträgt sehr gute 19 dBA. Schon in 1 m Entfernung liegt der Störpegel damit an der Hörschwelle und ist quasi nicht mehr wahrnehmbar. Die Paarabweichung mit maximal 0,6 dB fällt ebenfalls sehr gut aus.

Etwas ungewöhnlich sind die Filtereinstellungen der A-600. Bass- und Mid-High-Filter haben einen extrem großen Einstellbereich von ±18 dB, wo es schwerfällt, sich eine mögliche Anwendung vorzustellen, wo solche Pegelveränderungen notwendig sind. Evtl. könnten bis zu −12 dB Bassabsenkung bei extremen Aufstellungen in einer Raumecke erforderlich werden. Die Bassanhebung und die Hochtoneinstellung wären mit ±3 dB jedoch schon hinreichend ausgeführt. Dass hier wesentlich mehr geht, ist zwar weder falsch noch störend, könnte jedoch missbräuchlich zu unsinnigen Einstellungen führen.

Hörtest

Der A-600 stellte sich im Hörtest von allen bislang getesteten nuProMonitoren als der beste heraus. Er ist ein äußerlich großer Monitor und erfüllt auch die damit einhergehenden Erwartungen voll und ganz. Der Bass reicht sehr tief ohne Schwächen bei hohen Pegeln, und die Wiedergabe ist hoch dynamisch und kräftig. Es fehlt dabei aber trotzdem nicht an Feingefühl, sodass unabhängig vom Pegel eine gute Auflösung und präzise Quelleortung erhalten bleiben. Positiv fiel bei der Einmessung (Abb.08) auf, dass mit Ausnahme der EQs für die Raummoden unterhalb von 100 Hz kaum Korrekturen erforderlich waren. Möchte man unbedingt auch noch einen Kritikpunkt anbringen, dann wäre das die zu einer leichten Schärfe neigende Hochtonwiedergabe bei hohen Pegeln.

Fazit

Nubert wagt sich mit dem nuPro A-600 in das Marksegment der großen 3-Wege-Studiomonitore, das heute nur noch von ganz wenigen Herstellern in dieser Form bedient wird. Das Kalkül könnte trotzdem aufgehen, da man gleichzeitig auch den Hi-Fi-Consumer-Markt im Auge hat, sodass es zu durchaus passablen Stückzahlen kommen könnte. Der Paarpreis von unter 2.000,− Euro macht den A-600 zusätzlich attraktiv. Dafür bekommt man ein gut gearbeitetes, schickes Gehäuse, ordentliche Messwerte und einen klanglich auch für die Anwendung im Studio geeigneten neutralen und soliden Monitor. Die Consumer-typischen Anschlüsse betreffend mag der eine oder andere mit den nuPro-Monitoren etwas fremdeln. Andererseits spricht bei den typischen Leitungslängen von einigen Metern auch nichts gegen eine gute S/PDIF-Verbindung. Kurz zusammengefasst bekommt man mit der A-600 einen großen und dynamischen Monitor in guter Qualität für einen sehr, sehr guten Preis.


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Messwerte
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Klangqualität
+
Einsatzmöglichkeiten
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Verarbeitung und Wertigkeit
+++
Preis/Leistungs-Verhältnis

Hersteller/Vertrieb: Nubert electronic GmbH / Nubert Direktvertrieb

Preis pro Paar: 1.970,− Euro

www.nubert.de

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