Der kompakte Monitor aus Finnland

Studiomonitor: Genelec 8050A im Test

Die 8000er-Serie von Genelec umfasst vier Modelle: 8020, 8030, 8040 und 8050. Alle Monitore sind als voll aktive 2-Wege- Systeme mit einem 4″-, 5″-, 6,5″- bzw. 8″- Tieftöner und einer Hochtonkalotte von 19 oder 25 mm ausgestattet. Das primäre Anwendungsgebiet ist das Nearfield-Monitoring als Stereo- oder Surround-Setup mit oder ohne zusätzlichen Subwoofer aus der 7000er-Serie.

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(Bild: Dieter Stork)

Eine der ersten auffälligen Besonderheiten stellt das aufwändige Aluminium-Druckgussgehäuse der 8000er-Modelle dar, das sich aus zwei Halbschalen zusammensetzt. Beide Halbschalen sind kräftig mit eingearbeiteten Stegen verstrebt und komplett mit allen Gewinden und Halterungen für die Montage der Lautsprecher und Elektronik versehen. Die beiden Chassis werden von innen an der Frontseite verschraubt und sind mit zusätzlichen Magneten und einer Haube beim Tieftöner zur magnetischen Schirmung ausgestattet.

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In das Gehäuse ist der Wave-Guide für den Hochtöner eingearbeitet, der das Abstrahlverhalten optimiert und gleichzeitig zu einer deutlichen höheren Sensitivity des Hochtöners im Mitteltonbereich führt. Ohne den Wave- Guide wäre es sonst gar nicht möglich, zwei so unterschiedliche große Chassis, wie sie in einer 2-Wege-Kombination zwangsläufig vorkommen, im Abstrahlverhalten aneinander anzugleichen.

In der Formgebung ist das Gehäuse auf allen Ebenen insgesamt stark gerundet und mit verrundeten Kanten versehen. Genelec bezeichnet diese Gehäuseform als „Minimum Diffraction Enclosure”. Mit großzügig gerundeten Kanten und gekrümmten Oberflächen wird die Entstehung von Phantomquellen am Rand der Frontplatte wirksam verhindert.

Die Elektronik innerhalb der Box setzt sich grob aus drei Einheiten zusammen: dem Netzteil, dem Endstufenmodul und den Filtern. Die Endstufen in einem STK-Modul leisten laut Datenblatt der 8050A 150 Watt und 120 Watt.

Alle Bedienelemente an der 8050 sind auf der Rückseite der Box eingelassen. Die Netzbuchse und der symmetrische Eingang sind so angeordnet, dass die Kabel nach unten weggehen und möglichst wenig bei der Aufstellung stören. Die Eingangsempfindlichkeit kann über ein versenktes Potentiometer zwischen –6 und +6 dBu für einen Pegel von 100 dB in 1 m Entfernung eingestellt werden.

Messergebnisse

Oberhalb der Eingangsbuchse gibt es drei Dip-Switches mit je vier Schaltern für die reichhaltige Ortsanpassung. Je ein Viererblock dient den Funktionen Bass- und Treble-Tilt, indem der Pegel für den Tieftonbzw. Hochtonbereich in 2-dB-Schritten angepasst werden kann. Der dritte Schalterblock enthält drei Stellungen (–2 dB, –4 dB und –6 dB) für den Bass Roll-Off (rosa Kurven in unserer Messung) und einen Schalter benannt mit „Desktop Low Frequency” (gelbe Kurve), der den Pegel bei 160 Hz um ca. 3 dB absenkt. Mit diesem Filter kann die typischerweise bei der Aufstellung direkt oberhalb der Pultoberfläche auf der Meterbridge entstehende Überhöhung durch die Reflexion auf der Oberfläche wieder kompensiert werden.

Bei der Bewertung der Messwerte der 8050A kommt dann wahre Freude auf. Der Frequenzgang reicht von 30 Hz (!!) bis 32,8 kHz (–6 dB), und die Welligkeiten belaufen sich auf gerade mal 2,7 dB vom tiefsten Einbruch bis zum höchsten Peak im Frequenzbereich von 100 Hz bis 10 kHz. Bei ca. 26,5 kHz ist eine extrem ausgeprägte Resonanz der Hochtonmembran zu erkennen, die zum Glück außerhalb des Hörbereiches liegt und bestenfalls von Programmmaterial angeregt werden kann, das mit 96 oder 192 kHz Samplerate aufgenommen wurde. Die Paarabweichung der 8050A liegt mit 1,3 dB im Mittelfeld, ebenso der Störpegel von 24,8 dB in 10 cm Abstand.

Die beiden Kurven für den Maximalpegel im Bassbereich bei 10 % THD (blau) und 3 % THD im gesamten Frequenzbereich (rot) verlaufen ohne erkennbare Schwachstellen und gehören mit zu den besten im ganzen Testfeld. Die maximale Nutzlautstärke liegt bei 105,7 dB für den Bereich von 100 Hz bis 10 kHz und bei 103,2 dB im Bassbereich. Wie sich ein gut gestalteter Hornansatz auswirken kann, zeigen die Directivity Plots der 8050A eindrucksvoll: in beiden Ebenen verlaufen die Isobaren schlichtweg mustergültig. Der Interferenzbereich in der Vertikalen fällt dank einer steilen Trennung zwischen Hoch- und Tieftöner zudem sehr schmal aus. Andererseits erkauft man sich diesen Vorteil mit den ausgeprägten Phasendrehungen der steilflankigen Filter. Ebenfalls nahezu perfekt stellt sich das Spektrogramm der 8050A dar, in dem keine einzige ernsthafte Resonanz auszumachen ist.

Hörtest

Im Hörtest, so kann man es kurz zusammenfassen, erfüllt die 8050A alle Erwartungen, die man nach den Messergebnissen haben kann, voll und ganz. Der Genelec-Monitor erreichte in allen Disziplinen beste Noten und bietet dem Hörer ein Höchstmaß an Präzision und Abbildungstreue bei einer gleichzeitig vorbildlichen Neutralität!


Ergebnisse

Störpegel (A-bew.):

24,8 dBA (Abstand 10 cm)

hor. STABW (Schwankungsbreite):

7 Grad (–6 dB Iso 100 Hz–10 kHz)

ver. STABW (Schwankungsbreite):

21 Grad (–6 dB Iso 100 Hz–10 kHz)

Max. Nutzlautstärke:

105,7 dB (3 % THD 100 Hz–10 kHz)

Basstauglichkeit:

103,2 dB (10 % THD 50–100 Hz)

Paarabweichungen:

1,3 dB (Maxwert 100 Hz–10 kHz)

Abmessungen:

286 × 452 × 278 (B × H × T) in mm

Gewicht: 12,7 kg

Paarpreis: ca. 2.625 €


Fazit

Aus klanglicher und messtechnischer Sicht erfüllt die 8050A auch höchste Ansprüche und entspricht allen professionellen Anforderungen. Der einzige Wermutstropfen an diesem Monitor dürfte für viele Interessenten der Preis von immerhin 2.650 Euro für das Paar sein, für den sie ohne Frage einen adäquaten Gegenwert erhalten. Wer dieses Geld investiert, darf sich einer guten Wertanlage sicher sein, da der 8050A mit Sicherheit kein Modeartikel unter den Studiomonitoren ist.

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