Superkompakter, aktiver 2-Wege-Monitor

Studiomonitor ESI nEAR 05 eXperience im Test

Mit acht Litern Bruttovolumen ist der nEAR 05 der mit Abstand kompakteste Monitor im Testfeld. Ebenso überraschend „kompakt” ist der Listenpreis von 299 Euro für das Paar, womit sich der kleine ESI auch für ein Low-Budget-Studio sehr interessant macht. Neben diesem Testmodell bietet der koreanische Hersteller noch 4″- und 6″- Modelle sowie einen 10″-Subwoofer an, mit denen sich dann auch attraktive Surround- Sound-Sets auf kleinstem Raum zusammenstellen lassen.

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(Bild: Dieter Stork)

Technisch verfügt der nEAR05 über eine komplett professionelle Ausstattung mit zwei Endstufen für Hochtöner und Tieftöner, einer aktiven Weiche, symmetrischen Eingängen auf XLR- und Klinkenbuchse sowie einen Pegelsteller zur Anpassung der Empfindlichkeit auf der Rückseite. Der Pegelsteller verfügt über Markierungen für die Standardwerte von +4 dBu und –10 dBV. Was leider fehlt, sind die üblichen Filter zur Ortsanpassung, mit denen sich Bass- und Hochtonpegel an die Aufstellung des Abhörmonitors anpassen lassen. In Anbetracht der Vielzahl von parametrischen EQs, die sich heute in allen nur erdenklichen Geräten wie Surround- Controllern etc. befinden, lässt sich dieser Umstand aber durchaus verschmerzen. Das Blockschaltbild des Monitors in der zwar kurz gefassten, aber vollständigen und verständlichen Anleitung zeigt direkt nach dem Signaleingang ein Hochpassfilter zum Schutz der Lautsprecher vor zu tieffrequenten Anteilen. Danach folgt die Weichenschaltung mit einer Trennfrequenz von 3,2 kHz mit Filtern 2. Ordnung, die zusammen mit dem akustischen Verhalten der Lautsprecher eine Gesamtfunktion 4. Ordnung ergeben. Die Endstufen stellen für den Hochtöner 30 W und für den Tieftöner 40 W zur Verfügung.

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Das hier eingesetzte Tieftonchassis verfügt über eine Kevlarmembran mit Gummisicke. Ersteres ist vor allem unter dem Aspekt wichtig, dass der Tieftöner möglichst sauber bis zur Trennfrequenz und noch darüber hinaus arbeiten sollte. Spezielle Membranmaterialien, wie das hier verwendete Kevlar, sollen sicherstellen, dass die Membran möglichst lange, also bis zu hohen Frequenzen, als eine Einheit schwingt und keine so genannten Partialschwingungen ausbildet. Das Gehäuse der nEAR05 besteht aus mit Kunststoff beschichtetem MDF und macht einen sauber verarbeiteten Eindruck. Die Bassreflexöffnung liegt auf der Rückseite und ist als einfaches Rohr ohne Trompetenöffnungen ausgelegt. Letzteres ist unter dem Aspekt der Vermeidung von Strömungsgeräuschen zwar ungünstiger, dürfte jedoch bei der kompakten Gehäusegröße nicht mehr anders möglich gewesen sein.

Messergebnisse

Kommt man zu den Messergebnissen, dann gilt der erste Blick in der Regel dem Frequenzgang. Hier staunt man nicht schlecht, da der Verlauf bis zur Darstellungsgrenze von 40 kHz völlig ungestört und geradlinig ist. Am unteren Ende liegt der –6 dB-Punkt; dort wo der Pegel auf die Hälfte abgefallen ist bei 66 Hz. Das spricht zwar nicht gerade für dramatische Tiefbässe, ist aber für die Größe der Box als sehr gut zu bezeichnen. Über alles betrachtet gibt es im Frequenzgang nur einen echten Schwachpunkt: Die kleine Nase bei 900 Hz, die sich auch im Spektrogramm als nachschwingende Resonanz zu erkennen gibt. Die Ursache dürfte eine Gehäuseresonanz sein, die über den Bassreflextunnel nach außen gekoppelt wird. Im gesamten übrigen Frequenzbereich fällt das Spektrogramm als Maßstab für das Ausschwingverhalten der Box vorbildlich aus.

In der Maximalpegelmessung kann die Box ebenfalls sehr überzeugen, alles natürlich in Relation zu ihrer Größe betrachtet. Die Schalldruckkurve für maximal 3 % Verzerrungen verläuft sehr schön gleichmäßig und ohne Schwachstellen. Die 10 %-Kurve für den Tieftöner passt sich sauber an und setzt die Kurve im Bassbereich fort. Im Mittel ergibt sich daraus eine maximale Nutzlautstärke von 99,8 dB in 1 m Entfernung für den Frequenzbereich oberhalb von 100 Hz. Zwischen 50 und 100 Hz bringt es die nEAR05 auf mittlere 90,1 dB, die für die Größe der Box durchaus stattlich sind. Wer den Wunsch nach kräftigeren Bässen hat, muss dann bei Bedarf zu einem Subwoofer greifen. Das Abstrahlverhalten fällt in der Horizontalen sehr breit und weitgehend gleichmäßig aus und beginnt sich erst oberhalb von 10 kHz ernsthaft einzuschnüren. In der Vertikalen gibt es einen breiten sich über zwei Oktaven erstreckenden Frequenzbereich, wo kräftige Schwankungen durch Interferenzen zwischen Hoch- und Tieftöner auftreten. Für die Aufstellung der Lautsprecher bedeutet das, auf eine möglichst gute Ausrichtung bei der Höhe der Box auf Ohrhöhe zu achten.

Hörtest

Im Hörtest konnte die nEAR05 mit einer sehr schönen und präzisen räumlichen Abbildung überzeugen. Klanglich fielen eine gewisse Verfärbung in den Mitten und erstaunlicherweise auch eine etwas scharfe Hochtonwiedergabe auf. Die Basswiedergabe war den Umständen entsprechend limitiert und wenig tiefgehend, blieb aber auch bei hohen Pegeln noch ausreichend sauber.


Ergebnisse

Störpegel (A-bew.):
18,8 dBA (Abstand 10 cm)
hor. STABW (Schwankungsbreite):
15 Grad (–6 dB Iso 100 Hz–10 kHz)
ver. STABW (Schwankungsbreite):
41 Grad (–6 dB Iso 100 Hz–10 kHz)
Max. Nutzlautstärke:
99,8 dB (3 % THD 100 Hz–10 kHz)
Basstauglichkeit:
90,1 dB (10 % THD 50–100 Hz)
Paarabweichungen:
0,73 dB (Maxwert 100 Hz–10 kHz)
Abmessungen:
166 × 250 × 200 (B × H × T) in mm
Gewicht: 5 kg
Paarpreis: ca. 299 €


Fazit

Die kompakte Box mit dem klangvollen Namen nEAR05 eXperience bietet eine rundum professionelle Ausstattung mit einer echten aktiven 2-Wege-Elektronik, hochwertigen Chassis und einer ordentlichen Verarbeitung. Messtechnisch und auch im Höreindruck ist die Box bis auf eine kleine durch eine Gehäuseresonanz bedingte Schwachstelle bei 900 Hz sehr schön neutral. Auch alle anderen Messwerte, wie ein Störpegel von 18,8 dBA in 10 cm Entfernung und eine extrem geringe Paarabweichung von nur 0,73 dB genügen gehobenen Ansprüchen.

In Relation zur Größe und vor allem zum Preis ist die nEAR05 ein echter Geheimtipp für beengte Abhörplätze und Projektstudios mit kleinem Budget. Ganz wichtig dabei ist, dass die nEAR05 kein abgewandelter HiFi-Lautsprecher, sondern ein echter professioneller Studiomonitor ist, der sich auch so einsetzen lässt.

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