Studiomöbel auf höchstem Niveau

Sterling Modular Plan D & Versa II im Test

Studio Möbel Sterling Modular
(Bild: Stephan Lembke)

Wenn Tonschaffende untereinander über ihr Monitor-Setup sprechen, geht es in erster Linie um Monitore, Wandler, Controller und vielleicht die Verkabelung der Komponenten, bevor die Raumakustik überhaupt zur Sprache kommt. Doch auch beim Thema Studioakustik werden oft die vorhandenen Studiomöbel außer Acht gelassen. Diese spielen an der Abhörposition jedoch keine unerhebliche Rolle. Nach dem Motto »acoustics matter« entwickelt Sterling Modular die Studiotische und Racks daher so, dass diese möglichst keinen Einfluss auf die Abhörposition in der Regie nehmen. Was dahinter steckt und welchen Eindruck die Möbel machen, erfahrt ihr hier!

In vielen Tonregien kommen Möbel zum Einsatz, die eigentlich für andere Arbeitsumgebungen wie Büros oder für Privaträume konzipiert wurden. Die Tische stammen dabei nicht selten aus dem schwedischen Möbelhaus des Vertrauens oder sind Eigenbauten. Vorhandenes 19-Zoll-Equipment wird entweder gar nicht erst in ein Rack geschraubt, oder es kommen Cases zum Einsatz, die eigentlich für den Bühnenbereich konzipiert wurden. Diese Missstände verfolgte Jim Maher (Begründer von Sterling Modular) in den letzten 20 Jahren und setzte sich deren Beseitigung zum Ziel. Er war einer der ersten Personen aus dem Raumakustikbereich, die sich intensiv mit der Problematik der Studiomöbel auseinandersetzten und Lösungen entwickelten. Mittlerweile bietet Sterling Modular verschiedene Tisch- und Rack-Systeme an, die unterschiedliche Anwendungsgebiete und Arbeitsumgebungen abdecken.

Anzeige

Überblick

Das Ziel der »Plan« Studiotisch-Serie ist es, die störenden Reflexionen an der Abhörposition möglichst zu vermeiden, was jedoch nur mit der kleinsten Variante (Plan A) glückt. Durch die modulare Erweiterung kann das System bis zu einem großen »Plan F«-Studiotisch mit großer Tischplatte und viel Platz für 19-Zoll-Equipment ausgebaut werden. Allerdings müssen hier in Bezug auf die »akustische Transparenz« Kompromisse eingegangen werden. Die Studiotisch-Serie bietet aufgrund des modularen Aufbaus eine hohe Flexibilität, und die Tische können vielen Arbeitsplätzen angepasst werden. Neben der angestrebten akustischen Transparenz und dem flexiblen Aufbau stehen bei Sterling Modular auch die Nachhaltigkeit und der hohe Qualitätsstandard im Fokus, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite ausdrücklich betont.

Im Jahr 2013 wurde die Plan-Serie überarbeitet und verbessert. Dies betrifft in erster Linie die veränderte Kabelführung für Tastatur und Maus an der Hauptplatte, die standardmäßig aus Thermofolie hergestellte Handablage an der vorderen Tischkante und den besseren Zugang zu der Verkabelung der seitlichen Racks. Der Grundaufbau der Tische und die Maße wurden unverändert beibehalten.

Die »Versa II«-Racks von Sterling Modular sind auf die Plan-Serie abgestimmt und weisen die gleichen Grundfeatures auf. Die einfache Ausführung hat 13 Höheneinheiten, die hier getestete »Two Bay«-Version ist doppelt so hoch. Die Racks können wahlweise gerade oder im 45-Grad-Winkel aufgestellt werden.

Individuelle Features

Sowohl für die Tische der Plan-Serie als auch für die Versa-II-Racks gibt es eine ganze Reihe Optionen und Upgrades. Die Seitenteile der Basismodelle werden zum Beispiel mit Thermofolien im gebürsteten Aluminium-Design ausgeliefert, können gegen Aufpreis aber durch diverse Echtholz-Varianten ausgetauscht werden. Zur direkten Befestigung von Studiomonitoren und Computerbildschirmen werden eine Reihe verschiedener Lösungen angeboten, und ein Tastaturauszug ist ebenfalls erhältlich. Wenn die Verwendung eines Mischpultes oder DAW-Controllers geplant ist, bietet Sterling Modular diverse Umbauten an, mit denen die Plan-Serie perfekt auf das jeweilige Equipment abgestimmt werden kann.

Für die Racks sind Rollen, Türen für die Rückseite aus Stoff und zwei Deckeltypen für die Oberseite verfügbar, die für den geraden oder angewinkelten Aufbau infrage kommen.

Der Aufbau

Beim Abholen der neuen Studiomöbel stellte sich zunächst die Frage, welche Transportergröße geeignet sei, um die Pakete unbeschädigt und mit möglichst geschlossenem Kofferraum zum Aufbauort zu transportieren. Erstaunlicherweise sind alle Teile so verpackt, dass sie problemlos in einen Kombi oder Mittelklassewagen passen. Das längste Paket des Plan D misst dabei ungefähr 1,5 Meter. Die Verpackung weist zudem eine stabile und individuelle Polsterung auf, sodass auch der Versand problemlos ist.

Im Studio angekommen, war das Auspacken der Pakete im ersten Moment etwas ernüchternd. Statt der edelsten Echtholz-Garnituren wird bei Sterling Modular mit mitteldichten Holzfaserplatten, besser bekannt unter der Abkürzung »MDF«, gearbeitet. Doch anstelle einer Reduktion der Produktionskosten steckt hinter dieser Entscheidung qualitätsbewusstes Kalkül. Da Voll- oder Sperrholz ein höheres Resonanzverhalten an den Tag legt und nicht durchweg die gleiche Konsistenz und Dichte aufweist, eignen sich MDF-Platten laut Sterling Modular besser für die Verwendung als Studiomobiliar.

Der Aufbau der Möbel gestaltete sich aufgrund der ausführlichen und anschaulichen Dokumentation recht einfach. Nach ungefähr einem halben Tag standen beide Möbel fertig zusammengebaut in der Regie.

Beim Geräteeinbau fiel direkt die Rasterung der Rack-Schienen in einem Abstand von 1/2 HE auf. Dies ermöglicht zum einen die gleichmäßige Positionierung des Equipments auf einfache Art und bietet zum anderen die Option, mit platzsparenden Lüftungsblenden zu arbeiten. Die Verkabelung des Equipments war aufgrund der guten Erreichbarkeit der Geräterückseiten unproblematisch, und es boten sich viele Öffnungen für die Kabelführung an.



Ein schlüssiges Konzept mit stimmigen Details: Die Workstation »Plan D« und das »Versa II«-Rack stellen die Grundlage für einen zeitgemäßen Arbeitsplatz in einer Tonregie dar. Beide Möbel bieten insgesamt 74 HE Platz für 19-Zoll-Equipment, von denen 24 HE direkt vom »Sweet Spot« aus erreichbar sind.



Ergonomisches Arbeiten

Das Arbeitsgefühl an der Plan-D-Workstation macht vom ersten Tag an einen sehr guten Eindruck. Gerade in Kombination mit meinem Herman Miller »Aeron«-Stuhl sind die Höhe der Arbeitsplatte und die Entfernung der Seitenracks optimal abgestimmt. Auf der kleinen Grundfläche kann ich eine massive Anzahl an Equipment unterbringen, ohne mir Sorgen um die ausreichende Belüftung im Betrieb oder eine negative Beeinflussung der Raumakustik machen zu müssen. Die geteilte Arbeitsplatte, die am hinteren Ende eine tiefere Stufe aufweist, eignet sich optimal zur Platzierung eines Bildschirms, sodass die DAW auf Augenhöhe bedient wird. Damit verbessert sich meine Haltung am Arbeitsplatz erheblich.

Der einfache Zusammenbau lässt die Sorgen eines eventuellen Umzugs der Regie komplett verpuffen, und die Langlebigkeit der Möbel wird nach fast einem Jahr Dauertest deutlich. Die Flächen lassen sich gut reinigen, und die Handauflage ist trotz Dauerbelastung sehr beständig und weist noch keine Spuren der Abnutzung auf. Die Möbel sind für mich nicht mehr von meinem Arbeitsplatz wegzudenken. Befreundete Tontechniker, Musiker und Produzenten, die seit dem Umbau der Regie bei mir arbeiteten, erkundigten sich häufig nach dem Studiotisch und waren sichtlich von dem aufgewerteten Arbeitsplatz angetan. Es geht also nicht nur mir so.

Fazit

Der Sterling-Modular-Studiotisch Plan D und das Versa-II-Rack sind hervorragende Studiomöbel, die ihresgleichen suchen. Neben vielen umfunktionierten Schreibtischen und Multiplex-Eigenbauten fand ich an meinen Arbeitsplätzen schon diverse Studiotische von professionellen Herstellern vor. Doch nie fühlte sich ein Tisch für mich so ergonomisch passend und für einen Tonstudio-Arbeitsplatz durchdacht an wie der Plan D. Dazu kommen die quasi unsichtbare Kabelführung und die reduzierte Beeinflussung des Klangs der Monitore, die ich so bisher noch nicht erleben durfte. Das Versa-II-Rack lässt ebenfalls keine negativen Aspekte erkennen und ist eines der wenigen Studioracks, die sowohl gerade als auch angewinkelt aufgebaut werden können. Zudem gibt es nur wenige Hersteller, die überhaupt ein solches »klassisches« Studiorack im Programm haben.

Die Qualität von Sterling Modular macht sich im täglichen Einsatz deutlich bemerkbar, doch Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Die Summe für die beiden Möbel und die kostspieligen Upgrades lässt selbst professionelle Benutzer kurz schlucken oder zumindest tief durchatmen. Werden die Kosten jedoch auf die nächsten Jahre (oder Jahrzehnte) umgelegt, werden die Möbel allerdings zu einer plausiblen Anschaffung.

Des Weiteren bietet Sterling Modular mittlerweile mit der »Multistation«-Serie auch standardisierte Studiotische an, die bezüglich ihrer Features und auch im Preis etwas reduzierter ausfallen. Ein Blick lohnt sich.

Für mich steht nach diesem Test der Studiomöbel von Sterling Modular fest, dass der Tisch und das Rack bis zu meinem Renteneintritt an meinem Arbeitsplatz zum Einsatz kommen werden und sich damit deutlich von ihren Vorgängern absetzen.


Hersteller/Vertrieb: Sterling Modular / Masteringworks
Preis: 4.499,− Euro (Plan D) / 1.449,− (Versa II) Euro
www.masteringworks.de

+++
Ergonomie
+
Verarbeitung
+
Aufbauanleitung & Ersatzteile
+
Design

Anschaffungspreis und kostspielige Optionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: