Doppelpack

Sennheiser Drum Mic’a Mikrofonvergleichs-Tool mit Drum-Library

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Sennheiser präsentiert mit Dum Mic’a eine Erweiterung für Kontakt und den Kontakt Player von Native Instruments, die eine virtuelle Auswahl von Mikrofonen aus den Häusern Sennheiser und Neumann speziell für die Drum-Aufnahme ermöglicht. Damit man sich von den Qualitäten dieser Mikrofone zu Hause einen Eindruck verschaffen kann, ohne das nächste Musikgeschäft oder ein Studio aufsuchen zu müssen, hat man die Mikros an einem Drum-Set gestellt und alles gesampelt. Das Ergebnis: eine Drum-Library. Der Clou: ist komplett kostenlos!

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In erster Linie ist Drum Mic’a zwar ein Tool, das die (unbestrittenen) Qualitäten der für Drums geeigneten Mikrofone von Sennheiser und Neumann (die ja mittlerweile auch unter dem Dach von Sennheiser wohnen) in Szene setzen soll, aber weil das eben am besten mit einem Drum-Set geht, ist dabei auch gleich eine ganze Library herausgekommen. Gesam – pelt wurde ein Drum-Set mit Acryl-Kesseln von Wahan, bestückt mit Cymbals von Sabian, an dessen Instrumenten man virtuell verschiedene Mikrofone platzieren kann. Geboten werden bis zu 25 Velocity-Stufen pro Instrument, und aufgenommen wurde ohne jegliche Nachbearbeitung mit 24 Bit. Wie gesagt: alles kostenlos zum Download unter www.DrumMica.de, inklusive umfangreicher und schick gemachter Website mit ausführ – licher FAQ-Sektion. Auf dieser Website gibt auch einen Link, der zu NI führt, wo man sich den kostenlosen Kontakt Player herunterladen kann. Natürlich läuft Drum Mic’a auch in der KontaktVollversion. Somit kann Drum Mic’a also standalone oder als Plug-in auf dem Rechner laufen. Drum Mic’a läuft dabei zunächst 15 Minuten lang völlig ohne Einschränkungen und stellt dann den Betrieb ein − wer damit weiterarbeiten möchte, muss sich bei Sennheiser registrieren und bekommt im Gegenzug einen Freischalt-Code. Fairer geht’s eigentlich nicht. Nach der Installation belegt der DrumMic’a-Ordner gute 9 GB auf der Festplatte. Startet man anschließend Kontakt oder den Player, kann man Drum Mic’a über den »Add Library«-Button ruck zuck zur Library hinzufügen und loslegen.

Die Mikrofone

Auch Sennheiser hat das dürftige Platzangebot in Kontakt mithilfe von mehreren Reitern (Tabs) umschifft, die sich oben rechts im GUI befinden. Um nun ein Mikrofon auszuwählen, klickt man auf das Tab »Drums«, das ein Foto des gesampelten Drum-Kits zeigt. Klickt man hier auf eines der Mikros, wechselt man automatisch zum Tab »Mic Sel«, wo man eines der bis zu vier Mikrofone (bzw. Mikro-Sets für die Overheads) auswählen kann. Auf dieser Seite stehen dann auch Infos zu den einzelnen Mikros − natürlich mit einem guten Schuss Werbung. Zur Auswahl stehen alle (modernen) Klassiker aus beiden Häusern, die für Drums geeignet sind, vom bewährten Sennheiser MD 421-II für Toms oder Kick über Neumann KM 184 für Snare, Hi-Hat und Overheads bis hin zur Sennheiser-Grenzfläche e 901 oder Sounds und Videos mit dem iPhone abspielen. Infos auf Seite 3! Neumann TLM 170R für die Kick. Natürlich gibt es nicht nur zwei Snare-Mikros für Topund Bottom-Abnahme, sondern auch zwei, die in bzw. vor der Kick platziert sind.

GUI

Möchte man beim Ausprobieren der verschiedenen Mikrofone nicht ständig auf der angeschlossenen MIDI-Tastatur herumklopfen, bietet sich an, zuvor das Tab »Beats« anzu – klicken, in dem sich der interne Player verbirgt. Über eine Ordnerstruktur wählt man aus den zahlreichen Grooves und Fills aus, um sie hier abspielen zu lassen. Selbstverständlich können diese auch per Drag&Drop ins Arrangement-Fenster gezogen und editiert oder zu einem Song zusammengestellt werden, sofern Kontakt nicht standalone läuft. Die Grooves und Fills eignen sich für verschiedenste Stilrichtungen und sind entsprechend benannt und nach Tempi ausgezeichnet, sodass man hier meist schnell das Gewünschte findet. Im »Mixer«-Tab laufen die Mikrofonsignale schließlich zusammen und können komfortabel nachbearbeitet werden. Denn es wäre doch schade, wenn man, sobald man die gewünschten Mikros gefunden hat, nicht weitermachen könnte. Also bietet der Mixer nicht nur die üblichen Lautstärke- und Panorama-Funktionen, sondern noch einige weitere, für die Drum-Bearbeitung wichtige Tools.

Diese finden sich meist oben rechts in einem Fenster des GUI, wo wahlweise ein Equalizer, ein »Trans Designer« und ein Compressor angezeigt werden können, die aber gleichzeitig und in genau dieser Reihenfolge aktiv sind. Der parametrische 4-Band-EQ bietet zwei Besonderheiten: Zum einen kann die Charakteristik der Bass- und Treble-Filter von Shelve auf Peak (»Bell«) umgestellt werden, und zum anderen arbeitet der Q-Faktor der beiden Mittenbändern anders als gewohnt − hier wird das bearbeitete Band mit höherem Wert breiter, was das Poti wunderschön visua – lisiert. Der »Trans Designer« ist ebenfalls ein beliebtes Tools zur Drums-Bearbeitung. Da – mit lassen sich die Attacks betonen oder abschwächen und das Ausklingen der Instrumente verlängern oder kürzen. Die Parameter vom »Compressor« wurden so ausgelegt, dass sie für Drums Sinn machen, d. h., es gibt hier keine zu langen Attack- oder zu kurzen Release-Werte. Außerdem ist hier mit dem »Mix«-Regler die wichtige Möglichkeit implementiert, Original- und Effekt-Signal miteinander zu mischen, um so auch eine Parallel-Kompression zu ermöglichen.

Die drei letztgenannten Tools stehen auch für die Summe von Drum Mic’a zur Verfügung; an sie kommt man mit einem Klick auf den Button neben »Master Select« heran. Außerdem hat Sennheiser noch weitere Schmankerl integriert, die Leben in eine DrumAufnahme zaubern. In (fast) jedem Kanal gibt es einen »OV«-Regler, der die Mikrofonsignale auch in die Overheads leitet − nur beim unteren Snare- und Front-BassdrumMikro hat man darauf verzichtet, weil dies aufgrund der Entfernung zu den Overhead Mikros auch gar keinen rechten Sinn macht. Zudem gibt es noch einen Reverb-Send, der die Signale in den internen Hall leitet, für den etliche Presets parat stehen. Dessen Klang ist meist gut bis sehr gut − manchmal scheppert es ein wenig, aber das kann durchaus gewollt sein, denn es sind auch Effekt-Presets vorhanden. Stichwort Presets: Mitgeliefert werden auch viele Mix-Presets, die einen guten Eindruck davon liefern, was mit Drum Mic’a alles möglich ist. Hier und da passen sie vielleicht nicht zum gewählten Beat, und da kann es schon mal gehörig im einen oder anderen Kanalzug knallen, aber bei dem »Preis« lasse ich gerne Fünfe gerade sein. 😉 Eigene Presets lassen sich ebenfalls speichern und laden.  Direkt über dem Lautstärke-Fader gibt es noch weitere sinnvolle Buttons: In einem wird angezeigt, welches Mikrofon sich im Kanal befindet; ein Klick darauf führt sofort zur Mic-Sel-Seite, wo man ein anderes Mikrofon auswählen kann. Das Option-Tab rundet schließlich den Bedienkomfort ab. Hier lassen sich individuelle Velocity-Kurven erstellen, verschiedene Mappings für womöglich angeschlossene EDrums laden, das Bleeding (Übersprechen) des Snare-Teppichs dosieren und die Mixerkanäle den Einzelausgängen von Kontakt zuweisen.

Drums

Acryl-Kessel sind bei Drum-Sets mittlerweile wieder angesagt, denn aufgrund moderner Fertigungsmethoden stehen sie dem Klang von Holz- oder Metall-Kesseln in nichts nach − sie klingen halt eben anders, mit schönem Attack, viel Bauch und kontrollierten Mitten. Die beiden Stand-Toms liegen tonal recht nahe zusammen, wobei das ganz tiefe auch eine kleine Schwäche im unteren Mitten – bereich zeigt, egal welches Mikrofon man dranstellt. Dies lässt sich aber mit dem Equalizer gut ausgleichen. Mit dem geringen Tonunterschied muss man aber leben, denn die Instrumente lassen sich nicht stimmen. Ich denke, dass dies von Sennheiser bewusst ausgeklammert wurde, um den Natursound zu erhalten, denn eigentlich geht es bei Drum Mic’a ja um die Mikrofone. Wär trotzdem schön gewesen … Auf der MIDI-Tastatur angespielt, erklingen in den unteren Oktaven im GM-Standard angeordnet die üblichen Verdächtigen, aber da, wo dann bei GM die Percussion anfängt, gibt’s hier weitere Leckerbissen, wie SnareFlams und -Rolls, Profil- und Kuppen-Sounds der Crash- Cymbals oder verschieden stark geöffnete Hi-Hats, die Snare wurde sogar mit aufgelegtem Badetuch und »abgeschaltetem« Teppich gesampelt − Hut ab! Das ganze Set klingt weder zahm noch über-aggressiv und eignet sich meines Erachtens für alle modernen Spielarten; für VintageSounds oder oldschool Jazz wäre es nicht unbedingt meine erste Wahl. Mit dem Mixer lässt sich aber viel machen, und natürlich spielt die Wahl der Mikros eine nicht unerhebliche Rolle bei der Soundfindung.

Fazit

Sennheiser ist mit Drum Mic’a ein großer Wurf gelungen, nicht nur für Musiker, die nun kostenlos an eine gute Drum-Library kommen, sondern auch für alle Interessierten, die sich hier in aller Ruhe die Unterschiede zwischen den hochwertigen Sennheiserund Neumann-Mikrofonen anhören können. Wobei es hier nicht um »besser« oder »schlech – ter« geht, sondern eher um »klasse« und »auch klasse«. Nicht nur die Drum-Mic’a-Website ist toll gemacht, sondern auch die Bedienungsanleitung als PDF. Die Ausführungen auf der Website legen obendrein den Schluss nahe, dass dieses Plug-in nicht das Ende der Entwicklung darstellt − man darf also weiter gespannt sein, ob und welche Updates es für Drum Mic’a geben wird. Unser Tipp: Unbedingt herunterladen oder gleich von der beiliegenden DVD installieren!

 

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