Erfolgsmodell

SE Electronics SE2200a IIC Großmembran-Kondensatormikrofon im Test

Das SE2200a gehört(e) zu den weltweit meistverkauften Großmembran-Kondensatormikrofonen der Einstiegsklasse. Nun hat SE Electronics das Erfolgsmodell einer Runderneuerung unterzogen. Herausgekommen ist das SE2200a IIC im mattschwarzen Profilook.

SE2200A-IIC
(Bild: Dr. Andreas Hau)

Die Modellbezeichnung ist kompliziert, aber durchaus logisch. Als die chinesische Mikrofonmanufaktur SE Electronics vor rund zehn Jahren von Siwei Zou aus der Taufe gehoben wurde, gehörte das Ur-2200 bereits zum Portfolio. Ein paar Jahre später wurde es vom SE2200a abgelöst, das optisch etwas schicker daher kam und dank verbesserter Produktionsbedingungen präziser gefertigt werden konnte. 2009 kam eine Röhrenvariante hinzu, das SE2200T. Bis dahin arbeiteten alle 2200er mit fester Nierencharakteristik. Letztes Jahr wurde das beliebte SE2200a vom SE2200a II abgelöst, das außer Niere zusätzlich die Richtcharakteristiken Kugel und Acht bietet. Als Multipattern-Mikrofon war es natürlich etwas teurer als der Vorgänger.

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Dem Ruf nach einer preisgünstigeren Variante folgend, erscheint nun das neue SE2200a IIC − das C steht für Cardiod, d. h. feste Nierencharakteristik. Somit ist es nach etlichen Umwegen und Schlenkern der eigentliche Nachfolger von SEs Erfolgsmodell 2200a, mit dem die zu früh verstorbene Amy Winehouse ihr Album Back to Black eingesungen haben soll. Trägt das neue Modell deshalb Trauerflor?

Was ist neu?

Die Auffälligste Veränderung gegenüber dem »alten« SE2200a ist die Farbe. Statt nickel-matt ist das Mikro nun schwarz. Die Oberfläche ist matt und wirkt wie gummiert, rutschfest und … gefühlsecht. Die Maße von 218 x 52 mm sind unverändert; mit einem Abtropfgewicht von 537 g wirkt das SE2200a IIC recht massiv. Neu ist auch die Spinnenhalterung, die nun etwas weniger ausladend ausfällt, was die Positionierung vereinfacht. Außerdem wird das Mikrofon nicht mehr umständlich mit der Halterung verschraubt, sondern gleitet in eine gewindelose Aufnahme, wo es SE2200a IIC Hersteller/Vertrieb SE Electronics/Mega Audio UvP/Straßenpreis 262,99 Euro / ca. 235,− Euro r www.megaaudio.de ++ gute Verarbeitung ++ gefälliger Klang + günstiger Preis – – Zischelneigung durch eine seitliche Schraube gesichert wird. Auf- und Abbau des Mikrofons werden deutlich beschleunigt.

Etwas schmäler fällt das Zubehör aus: Statt im Alukoffer wird das neue Modell im Pappkarton ausgeliefert, der sich dank gepolsterter Formeinlage aber dennoch bestens als Aufbewahrungsbox eignet. Bei der Dokumentation knausert SE immer noch: Nach wie vor gibt es nur ein allgemeines »Microphone Manual«; rudimentäre Daten gibt’s im Internet.

Die Schalterausstattung ist geblieben: Vordämpfung (−10 dB) und Bassabsenkung. Laut Hersteller wurde gegenüber dem Vorgänger die Empfindlichkeit von 14 mV/Pa auf 25 mV/Pa erhöht und gleichzeitig das Eigenrauschen um drei Dezibel auf 14 dB-A gesenkt. Im Innern konnte ich indes keine wesentlichen Veränderungen feststellen. Es handelt sich um eine recht simple Schaltung mit FET-Eingangsstufe plus Emitterfolger (d. h. Impedanzwandlerstufe) und Übertragerausgang. Die 1-Zoll-Großmembrankapsel wird direkt über die Phantomspeisung versorgt; einen Spannungswandler zur Erhöhung der Polarisationsspannung gibt es nicht. Besagter Schallwandler arbeitet mit fester Nierencharakteristik, denn nur die vordere Membran ist mit Gold bedampft und elektrisch aktiv.

Technisch

Kondensatormikrofone von SE Electronics sind als höhenreich, bisweilen auch stark höhenlastig bekannt. Unsere Messungen zeigen, dass das grundsätzlich auch für das SE2200a IIC gilt. An eine leichte Präsenzanhebung bei 4,5 kHz schließt sich eine deutliche Höhenanhebung von fast 6 dB bei etwa 13 kHz an. In den unteren Frequenzen führt der Nahbesprechungseffekt auch beim Messabstand von 33 cm noch zu einer leichten Bassbetonung bei 50 Hz. Die schaltbare Bassabsenkung (ca. 60 Hz mit 12 dB/Okt) ist sehr praxisgerecht ausgelegt, sie beseitigt Trittschall und Tiefenmulm, ohne das Nutzsignal nennenswert zu beschneiden.

Unser Testexemplar erwies sich mit einem Übertragungsfaktor von 18 mV/Pa als etwa 3 dB »leiser« als vom Hersteller angegeben; der (wichtigere) Wert fürs Eigenrauschen stimmt aber mit der Spezifikation überein. 14 dB-A ist für ein modernes Großmembranmikro zwar kein Traumwert, für die Praxis reicht er aber völlig aus. Der Grenzschalldruckpegel ist mit 135 dB SPL angegeben, ob dabei das −10-dB-Pad schon eingerechnet ist, lässt sich den Spezifikationen nicht entnehmen. In unseren Tests konnte das SE2200a IIC jedenfalls etwas höhere Signalpegel auch ohne Vordämpfung verarbeiten. Die Hauptanwendungen liegen aber ohnehin eher im Bereich Sprache und Gesang.

Praktisch

Da sich das tatsächliche Klangverhalten eines Mikrofons nur unzureichend anhand von Messungen beurteilen lässt, lade ich zu einem weiteren Tanz auf dem glatten Parkett der Subjektivität. Als Vergleichsmodelle habe Neumanns 1.000-Euro-Standard TLM 103 sowie die Einsteiger-Referenz Sennheiser MK 4 (ca. 350 Euro) zurate gezogen.

Das SE2200a IIC zeigt eine gewisse Hi-Fi-Charakteristik: Satte Tiefen und luftige Höhen verleihen der Stimme diese begehrte Hauchigkeit. Dafür neigt es in den S-Lauten aber auch stärker zum Zischeln als die beiden Vergleichskandidaten, insbesondere bei sehr naher Besprechung unter 30 cm. Die Mittenwiedergabe ist erfreulich verfärbungsarm − nicht ganz so wie beim teureren TLM103, aber ohne den leichten Hang zur Nasalität, der sich beim MK4 mitunter bemerkbar macht. Woran es jedoch ein wenig mangelt, ist der Fokus; die Stimme wirkt beim SE2200a IIC subjektiv ein wenig distanzierter, weniger intim als mit den Mikros von Neumann und Sennheiser.

Auch an der Akustikgitarre zeigt sich dieses Phänomen: Das SE2200a IIC nimmt mehr Raumanteile auf als die Vergleichskandidaten, was auf eine weniger konsistente Nierencharakteristik schließen lässt. Das Klangbild aus strahlenden Höhen, satten Bässen und etwas zurückgenommenen Mitten weiß aber durchaus zu gefallen, vorausgesetzt, man strebt einen eher Pop-orientierten Sound an.

SE2200A-IIC-2
(Bild: Dr. Andreas Hau)

Fazit

Das SE2200a IIC ist ein solides Großmembranmikrofon zum einsteigerfreundlichen Preis. Klang und technische Performance wurden gegenüber dem Vorgängermodell verbessert; die neue Spinne erleichtert das Handling. Klar, die Abbildungsqualität eines vielfach teureren Studiomikrofons darf man natürlich nicht erwarten. Wer aber einen höhenreichen, betont hauchigen Sound bevorzugt, der findet in SEs Einstiegsmodell ein Mikrofon, das den gängigen No-Name-Steckrüben überlegen ist, ohne das Budget zu sprengen.

Hersteller/Vertrieb

SE Electronics/Mega Audio

UvP/Straßenpreis

262,99 Euro / ca. 235,− Euro

www.megaaudio.de

++ gute Verarbeitung

++ gefälliger Klang

+ günstiger Preis

– – Zischelneigung

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