Röhre für sanfte Töne

Röhre zum Budget-Preis: Fame Vintage T47 im Test

Unter seiner Eigenmarke Fame bietet der Musicstore Köln ein Röhrenmikrofon zum budgetfreundlichen Kurs von 249 Euro an. Was kann man zu diesem Preis erwarten? An der Ausstattung wurde nicht gespart. Das Vintage T47 kommt in einem verschließbaren Koffer, in dem neben dem Mikrofon auch sämtliches Zubehör Platz findet. Dazu gehören eine elastische Aufhängung (Spinne) so- wie das Röhrennetzteil und ein Multipin-Mikrofonkabel.

Das Fame Vintage T47 nimmt mit fester Nierencharakteristik auf; über einen Low-Cut- Schalter lassen sich die Bässe absenken, etwa um die Bassbetonung durch den Nahbesprechungseffekt etwas auszugleichen. Damit die Elektronik von besonders lauten Signalen nicht übersteuert wird, ist über einen weiteren Schalter eine –10-dB-Pegelabsenkung (Pad) verfügbar. Wie fast alle Röhrenmikrofone, kann das T47 nicht über Phantomspeisung betrieben werden, denn für den hohen Energie- bedarf glimmender Glaskolben ist diese nicht ausgelegt. Stattdessen wird das Röhrenmikro über das siebenpolige XLR-Kabel an das mit- gelieferte Netzteil angeschlossen. Das Audiosignal wird dann am dreipoligen XLR-Ausgang des Netzteilkastens abgegriffen.

In der Ausgabe 07-08/2017 haben wir das Chandler REDD Großmembran-Kondensatormikrofon mit Röhren-Preamp für euch unter die Lupe genommen. 

Praxis

Das Vintage T47 liefert einen recht gefälligen, höhenreichen Klang. Die Röhrencharakteristik ist deutlich hörbar; der Sound ist geprägt von funkelnden Obertönen, die insbesondere Stimmen zu gesteigerter Präsenz verhelfen. Im direkten Nahbereich neigt das T47 zum Zischeln; es empfiehlt sich deshalb ein etwas weiterer Lippenabstand von ca. 30 cm. Auch der – ohnehin empfehlenswerte – Einsatz eines Popp-Schirms verrundete im Test die Zischlaute auf angenehme Weise. Trotz der Höhenbetonung wirkt das Klangbild insgesamt ausgewogen.

Der Bass ist rund und wohlproportioniert, und auch die Mitten sind nicht unterbelichtet, wie man es von manchen anderen Fernost-Mikros kennt. Mit seinem satten Sound eignet sich das T47 vor allem für Lead-Gesang. Die röhrig angereicherten Obertöne gefallen besonders bei tiefen und/oder nuscheligen Männerstimmen, die von der gesteigerten Präsenz sehr profitieren. Der Klang wirkt insgesamt eher soulig bis baladesk, für Hardrock-Screamer scheint das Vintage T47 weniger geeignet. Der Grenzschalldruckpegel liegt mit 120 dB SPL auch relativ niedrig, d. h., sehr laute Sänger können es bei kurzem Lippenabstand übersteuern.

Das Eigenrauschen ist mit 20 dB A spezifiziert, was für ein Röhrenmikro okay ist; das Testexemplar performte hörbar rauschärmer mit etwa 17 dB A. Mit einer Empfindlichkeit von 32 mV/Pa ist das Mikro zudem sehr pegelstark, sodass schon einfache Mikrofonvorverstärker ausreichen. Somit ist das Vintage T47 auch für leisere Signale geeignet. Westerngitarre oder gar gezupfte Nylonsaiten-Gitarre stellen überhaupt kein Problem dar. Hier lässt sich auch der Low-Cut sinnvoll nutzen, um Basswummern zu vermeiden.

Fazit

Das Fame Vintage T47 bietet einen guten Gegenwert zum günstigen Kaufpreis. Mit dem in der Namensgebung angedeuteten Neumann U47 hat das Mikro natürlich nichts gemein, es sieht weder so aus noch klingt es ähnlich. Dennoch: Die Bauteilqualität und die interne Verarbeitung lassen nichts zu wünschen übrig, und der Klang ist recht angenehm. Wer ein preiswertes Röhrenmikrofon für eher leise Töne sucht, darf dem Vintage T47 ruhig eine Chance geben.


Hersteller / Vertrieb: Fame / Musicstore Köln

Preis: € 249,–

www.musicstore.de

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