Die Messdaten

Røde NT-SF1 − Ambisonics-Mikrofon im Test

Rode NT-SF1 (Bild: Dr. Andreas Hau)

Immer wieder hat die Menschheit versucht, über Stereofonie hinaus zu gehen. Gescheitert sind diese Versuche bislang vor allem an den Kosten, sowohl der Wiedergabesysteme als auch der Aufnahmetechnik. Zumindest in letzterem Punkt ist nun Besserung in Sicht: Mit dem NT-SF1 präsentiert der australische Hersteller Røde ein waschechtes SoundField-Mikrofon zum Knallerpreis knapp über 1.000 Euro!

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit: Vor etwas über zwei Jahren wurde die Firma SoundField, Vorreiter in Sachen Ambisionics-Aufnahmetechnik, von der australischen Freedman Group übernommen, zu der auch Røde gehört. Gleichzeitig haben VR-Games und der anhaltende Kopfhörer-Boom das Thema 3D-Sound neu befeuert. Schließlich ist binaurale, d. h. kopfbezogene Wiedergabe eine preisgünstige Möglichkeit, dem Konsumenten ein immersives Rundum-Klangerlebnis zu bescheren. Das haben auch andere erkannt, u. a. die Firma Sennheiser, die Ende 2016 mit dem AMBEO VR-Mic (Test in S&R 02.2017) ein Ambisonics-Mikrofon unter der magischen 2.000-Euro-Marke präsentierte − eine Sensation! Die Australier setzen noch einen drauf: Das Røde NT-SF1 wird derzeit zu einem Ladenpreis von 1.099 Euro angeboten. Damit ist dieses Ambisonics-Mikrofon günstiger als so manches Stereo-Mikrofon!

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Das Plug-in SoundField by Røde kann aus Ambisonics-Aufnahmen eine Vielzahl von Ausgabeformaten generieren, von Mono über Stereo bis hin zu 7.1.4 Surround mit Höhenebene.
Direkte binaurale Ausgabe beherrscht das SoundField-Plug-in nicht. Man kann sich aber mit externen Lösungen behelfen, z. B. AmbiHead von Noisemakers.

Was ist eigentlich Ambisonics?

Der Begriff Ambisonics beschreibt ein von Wiedergabesystemen losgelöstes Surround-Format, das das Schallfeld beschreibt. Im Prinzip ist es eine dreidimensionale Erweiterung der Mitte/Seite-Stereofonie. Schallereignisse werden über vier Mikrofonkanäle erfasst: Der W-Kanal entspricht einem Druckempfänger mit Kugelcharakteristik, die Kanäle X, Y und Z entsprechen Druckgradientenempfängern mit Achtercharakteristik, die die Richtungsvektoren links-rechts, vorne-hinten und oben-unten liefern. Mit diesen vier Kanälen ist das Schallfeld in allen drei Dimensionen beschrieben.

Allerdings kommt nur in den seltensten Fällen die oben beschriebene Mikrofonanordnung tatsächlich zum Einsatz. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, weil es schwierig bis unmöglich ist, eine Kugel und drei Achtermikrofone koinzident, d. h. möglichst dicht beieinander zu positionieren, ohne dass die Mikrofone sich gegenseitig akustisch wie mechanisch in die Quere kommen. In der Praxis arbeitet man daher mit anderen Kapselanordnungen, deren Signale in das Ambisonics-Format überführt werden. Die gängigste, weil einfachste und preisgünstigste Anordnung besteht aus vier Nierenmikrofonkapseln in Form eines Tetraeders. Deren Ausgangssignal nennt man A-Format; dieses wird mittels eines Konverters − früher in Form eines Hardware-Prozessors, heute meist als Software − in das eigentliche Ambisonics-Signal (B-Format) überführt. Für das B-Format gibt es mehrere File-Formate; gängig sind FuMa und das (etwas modernere) AmbiX.

Den kompletten Testbericht findest du in der Sound&Recording 03 2019. Hier versandkostenfrei bestellen.

Die Frequenzverläufe der beiden oberen Kapseln sind nahezu deckungsgleich. Bis 5 kHz arbeiten sie weitgehend linear; darüber sorgt eine moderate Höhenanhebung für zusätzliche Brillanz.
Die beiden unteren Kapseln zeigen eine leichte Welligkeit in den oberen Frequenzen aufgrund der Schallbeugung durch den Mikrofonbody. Ansonsten weichen sie kaum von den oberen Kapseln ab.
Das Plug-in erlaubt es, virtuelle Mikrofone anzulegen. Hier ein nach vorne ausgerichtetes Nierenmikrofon.
Windschutzkorb und Fellüberzug beeinträchtigen den Frequenzverlauf etwas, aber in vertretbarem Maß.
Auch ein per Plug-in erzeugtes virtuelles Kugelmikrofon kann sich hören und sehen lassen.
Windschutzkorb und Fellüberzug beeinträchtigen auch die virtuelle Kugel ein wenig, aber der für Außenaufnahmen genügt die Klangqualität immer noch locker.

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dreidimensionale Abbildung

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hohe Klangqualität

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Plug-in mit umfassenden Möglichkeiten und vielen Ausgabeformaten

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sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis


hoher Strombedarf

Hersteller: Røde

Preis: 1.099,– Euro

de.rode.com

Rode NT-SF1
Rode NT-SF1
Rode NT-SF1

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