Aktiv, passiv und ein bisschen mehr

Radial Pro RMP, X-Amp & EXTC-500 ReAmping-Tools im Test

(Bild: JÖRG »WARTHY« WARTMANN)

Den kanadischen Hersteller Radial kennt man für seine kleinen aber feinen Helferlein schon seit vielen Jahren. ReAmping ist zwar kein ganz neues Thema, aber heute populärer den je. Denn in Zeiten, wo nicht jeder Künstler seine Gitarrenspuren aus Budgetgründen im Studio aufnehmen kann, kann er seine im Wohnzimmer eingespielten DI-Files mit ins Studio nehmen & dort eine ReAmping-Session durchziehen, was eine ungeheure Zeit- und somit Geldersparnis mit sich bringt. So werden wir heute mal ein paar ReAmping-Tools unter die Lupe nehmen …

Die Gehäuse von Pro RMP und X-Amp sind ultrarobust gebaut. Es hat etwas von einem zugeklappten Buch, welches komplett aus Metall ist! Bei der passiven ReAmping-Box ist auf der einen Seite nur eine XLR-Buchse und ein Groundlift-Schalter. Beim aktiven Pedant kommt noch der Netzteilanschluss dazu. Das Netzteil ist übrigens inklusive! Auf der anderen Seite befinden sich die Klinkenausgänge, die das Signal zum Amp weiterleiten. Beim X-Amp kommt noch ein zweiter, isolierter Ausgang hinzu, um beispielsweise noch einen zweiten Verstärker ansteuern zu können. Das Praktische dabei ist, dass man bei einem Ausgang die Phase drehen kann, was in der Praxis äußerst sinnvoll ist, da z. B. manche Amps intern die Phase drehen! Beide Kistchen haben ein Level-Poti, um die Lautstärke entsprechend anzupassen.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist der entkoppelte Übertrager, der u. a. Brummschleifen vermeidet, die durch mehrfache Erdung gern mal auftreten können. Die X-Amp hat vor dem Übertrager noch einen Buffer, was den Sound natürlich ein wenig ändert. Der passive Pro RMP ist, nebenbei gesagt, etwas kleiner, was an der spartanischeren Anschlussbelegung liegt.
Der Schaumstoff auf der Unterseite gibt den Gehäusen einen rutschfesten Halt. Das EXTC gibt es als die hier gesehene »Buch«-Version, aber auch im 500er API-Rackformat ist das gute Stück zu haben, welches sich auch heute dem Test unterziehen muss. Es sei erwähnt, dass es den X-Amp auch als 500er-Version gibt. Die EXTC 500er-Kassette ist, wie soll es anders sein, absolut solide verarbeitet! Die Anschluss- und Bedienelemente sind sehr übersichtlich angeordnet. Oben haben wir den Blend-Regler, welcher den Effektanteil stufenlos von 0−100 Prozent reguliert. Darunter befinden sich zwei Schalter. Der obere dreht die Phase, und der untere namens »Omni Instert« aktiviert einen zweiten Effektweg, der aber nur im Zusammenhang mit den von Radial erhältlichen 500er-Housings funktioniert. Diese haben nämlich eine Stereoklinkenbuchse mit der Bezeichnung »Omniport«. Dort kann man mit einem Insert-Kabel andere Effekte seiner Wahl anschließen und mit Betätigung des Schalters selbige aktivieren. Die beiden Potis Send und Receive stellen die Pegel der ein- und ausgehenden Effektsignale ein. Ganz unten tummeln sich die dazugehörigen Klinkenbuchsen.

 

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PRO RMP UND X-AMP IN DER PRAXIS

Für den Test habe ich meinen Apogee Symphony MKII TB 8×8 über einen iMac mit Logic X als DAW benutzt. Als DI-Box verwendete ich eine Avalon U5. Es ist in meinen Augen unmöglich, ein direkt gespieltes DI-Signal mit einem gereampten DI-Signal zu vergleichen, was man aber rein theoretisch machen müsste, um zu hören, wie die ReAmping-Boxen eigentlich klingen. Aber abgesehen von den zusätzlichen zweifachen Wandlungen (In/Out) kommt ja noch die Tatsache der quasi doppelten DI-Box nachdem ReAmpen dazu. Das Einzige, was nun übrig bleibt, sind die gespielten Amp-Signale mit den gereampten Amp-Signalen zu vergleichen, obwohl da die Out-Wandlung beim Rausspielen eigentlich auch wieder eine Rolle spielt. Letzen Endes kann man nur hören, ob es einem gefällt oder eben nicht. Wenn es nachher toll klingt, war alles richtig! 😉

Also hab ich verschiedene Signale durch die beiden ReAmping-Tools gejagt und die Ohren aufgesperrt. Als Erstes sei gesagt, dass man mit beiden Boxen wunderbar arbeiten kann! Ich hab bei cleaneren Gitarrensounds den Eindruck, dass die aktive X-Amp etwas offener klingt, was wohl an dem Buffer liegt.

Bei stärkerer Zerre nimmt dieser subtile Eindruck aber immer mehr ab. Die Level-Potis funktionieren wunderbar, obwohl ich die Lautstärkeanpassung lieber in der DAW reguliere, weil ich so alles jederzeit im »Total recall« habe. Im Übrigen vergleiche ich die Pegel immer mit dem vorher aufgenommenen DI-Signal, damit der Amp beim Reampen exakt den Pegel bekommt, den ich schon beim Aufnehmen verwendet habe.

Der Test der X-Amp mit einem zweiten Verstärker verlief wunderbar! Kein Brummen, der Phase-Schalter verrichtet bei Bedarf seinen Dienst, und auch hier ist Brummen ein Fremdwort. Alles bestens!!!

EXTC-500 DAS  ETWAS ANDERE TOOL

Dieses Gerät ist schon etwas Besonderes! Man kann es einfach nur benutzen, um zum Beispiel ein Delay- oder Reverb-Pedal nach der kompletten Signalkette dazuzumischen. Aber viel interessanter finde ich es, Gesänge, Cellos oder was auch immer über ein Fuzz- und ein Chorus-Pedal zu schicken. So kann man intuitiv an echten Knöpfen drehen und der Fantasie einfach freien Lauf lassen. Und darum geht es ja unter anderem in der Musik: neue Sounds zu bauen und damit einem Song etwas Besonderes zu verleihen. Mit den beiden Send- und Receive- Potentiometern kann man wunderbar die Pegel anpassen, und der Blend-Regler erledigt seinen Job auch so, wie man es sich vor- stellt! Insgesamt fühlen sich alle Regler sehr wertig an. Sie haben für mein Empfinden genau die richtige »Schwere«.

Zum Glück habe ich mir irgendwann mal für Auswärts-Sessions einen Radial Workhorse Cube gekauft und konnte somit die »Omni Insert«-Option ziehen. Obwohl der Pegel nicht extra reguliert werden kann, gibt es in dieser Hinsicht nicht ansatzweise irgendwelche Probleme in der Kombination mit 19-Zoll-Geräten. Ich habe es mit verschiedenen Geräten wie dem G Force und dem G Major von TC Electronic oder der Pro Linie von Line6 (Echo Pro usw.) probiert, und es war, abgesehen davon, dass alles funktionierte, soundlich sehr  interessant!!! Dieses Tool wird mein Studio wohl nicht mehr verlassen, denn es ist eine schlichtweg wunderbare Erfindung!!!

FAZIT

Alle drei Geräte kann man je nach Bedarf wunderbar für den jeweiligen Einsatzzweck verwenden! Wenn man nur einen Amp benutzen möchte, reicht die passive Pro RMP völlig aus. Die X-Amp ist perfekt für den Anschluss von zwei Verstärkern. Der praxisnahe Bonus, den diese Box mit der Möglichkeit, die Phase zu drehen, mitbringt, zeugt davon, dass im Hause Radial mitgedacht wird! Der EXTC-500 ist etwas spezieller und lädt abgesehen von den praktischen und normalen Anwendungen vor allem zum Experimentieren ein. Wann sonst kann man schon mal auf den Gesang einen echtes Wah oder einen Uni Vibe legen? Und das auch noch stufenlos im Mischverhältnis regelbar? Oder warum nicht die Kombi: Touch-Wah-Pedal und 19-Zoll- Slapback-Delay leicht angezerrt auf eine Snare packen? Mit einem Radial Housing kein Problem! Oder man greift auf das EXTC- SA zurück, dann geht’s auch so. Man kann das alles schnell und intuitiv ohne ewiges Mausklicken erledigen. Für mich persönlich das spannenteste Teil, was den Wert der anderen beiden Teil nicht ansatzweise schmälern soll. Klar ist der beste Weg immer noch, gleich alles so aufzunehmen, wie man es sich vorstellt. Aber wenn man, aus welchem Grund auch immer, keine andere Möglichkeit hat, machen diese Tools von Radial definitiv einen Bombenjob!

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sehr robuste Bauweise
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schnelles einfaches Arbeiten
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Sound
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drehbare Phase vom zweiten Ausgang bei X-Amp
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innovatives Werkzeug (EXTC)

 

Hersteller/Vertrieb: Radial / Mega Audio

UvP/Straßenpreise Pro RMP: 128,52 Euro / ca. 110,− Euro,

X-Amp: 245,14 Euro / ca. 180,− Euro,

EXTC-500: 389,13 Euro / ca. 380,− Euro

www.megaaudio.de

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