Rosewood Finish

Quested S8R: 2-Wege-Monitor im Test

(Bild: © Andrzej Pawelczyk)

Quested ist eine der wenigen traditionsreichen Marken, die ungebrochen schon seit Jahrzehnten erfolgreich auf dem Markt der professionellen Studiomonitore präsent sind. Das 1985 von Roger Quested geründete Unternehmen »Quested Monitor Systems« begann zunächst vor allem mit der Entwicklung großer Monitore und erweiterte dann entsprechend dem Bedarf der Kunden das Portfolio auf alle Größenklassen.

Bis heute setzt man bei Quested auf eine bewährte Kombination aus hochwertigen Treibern mit klassischer Elektronik, was bedeutet analoge Filter, Class-AB-Endstufen und Netzteile mit Ringkerntrafos. DSP-Systeme oder eine zugehörige Software für Filtereinstellungen und Einmessung sucht man bei Quested jedoch vergebens. Warum ist das so, mag man sich fragen. Ist es Verweigerung moderner Technik oder übertriebenes Traditionsbewusstsein? Beides vermutlich eher nicht, sondern die Konzentration auf das Wesentliche, dass ein Monitorlautsprecher ein neutrales Wiedergabewerkzeug ist und sowohl tonal wie auch dynamisch das wiedergibt, was man hineinschickt.

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Die besten Voraussetzungen dafür sind an allererster Stelle gute Treiber, kräftige Endstufen sowie eine dazu passende Abstimmung des Gehäuses und der Filter. Darüber hinaus könnte man dann noch versuchen, mithilfe digitaler Filter an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr herauszuholen. Aus einem schlechten Lautsprecher einen guten zu machen, wird damit aber nicht gelingen.

Die Elektronik im separaten Innengehäuse auf der Rückseite der S8R mit klassischem Trafo-Netzteil, Class-AB-Endstufen und analogen Filtern (Bild: Anselm Goertz)

Bei Quested verzichtet man daher konsequent darauf und konzentriert sich auf die reine Lehre des Lautsprecherbaus. Der vollständig analoge Signalweg wird daher nicht nur die Anhänger analoger Studiotechnik erfreuen, sondern auch Skeptiker allzu perfektionistisch korrigierter Lautsprecher überzeugen können. Manch einer spricht in diesem Zusammenhang auch von »Laborkosmetik«. Hinzu kommen bei Quested der insgesamt hohe Qualitätsstandard und die äußerst solide gebauten Gehäuse, die so ein in sich stimmiges Gesamtbild ergeben.

Das zum Test gestellte Modell entstammt der kleinen Serie von Quested, der S-Serie, die aus drei Nahfeldmonitoren mit 6″-, 7″- oder 8″-Tieftönern und einem 10″-Subwoofer besteht. Der 8″-Monitor S8R wurde jetzt in einer Sonder-Edition »Rosewood« herausgebracht und unterscheidet sich vor allem äußerlich durch das edle Finish mit Palisanderfurnier und einer im dezenten dunkelblau gehaltenen Frontbespannung.

Bestückung und Elektronik

Bestückt ist die S8R mit einem 8″-Tieftöner und einer 1″-Hochtonkalotte mit Gewebemembran und Ferrofluid im Luftspalt. Die beiden Class-AB-Endstufen leisten maximal 220 W für den Tieftöner und 150 W für den Hochtöner. Der Wert für den Hochtöner ist natürlich nur als kurzzeitiger Spitzenwert zu verstehen, denn die leichte Spule eines Hochtöners verträgt solche Leistungen nur für kurze Zeitspannen. Die Dauerbelastbarkeit ist wesentlich geringer und sollte durch einen Limiter überwacht werden. Trotzdem ist die hohe Endstufenleistung sinnvoll, da nur so kurze Signalspitzen unverzerrt übertragen werden können.

Die Filter in der S8R sind analog mit Operationsverstärkern aufgebaut. Die gesamte Elektronik befindet sich auf einer großen Platine, die sich zusammen mit einem Ringkerntrafo die Innenseite der Alu-Rückwand teilt. Diese dient zusammen mit einem außen ausgesetzten Aluprofil auch als Kühlfläche für die Endstufen. Selbstverständlich ist der Teil des Gehäuses für die Elektronik auch durch eine solide Trennwand vom akustischen Volumen des Tieftöners separiert. Als Bedienelemente befinden sich auf der Rückseite ein Drehschalter (kein Poti!) für die Eingangsempfindlichkeit für Werte von –12 dBu bis +6 dBu für 96 dB SPL in 1 m Entfernung und zwei Dip-Switches, die mit LF-EQ und HF-EQ bezeichnet sind und dezente Pegelanpassung (siehe Abb.1) in den Tiefen oder Höhen ermöglichen.


Aus dem Messlabor …

… unter reflexionsfreien Bedingungen stammen die folgenden Messungen zum Frequenzgang, zum Abstrahlverhalten und zu den Verzerrungswerten. Der Klasse-1-Messraum erlaubt Messentfernung bis zu 8 m und bietet Freifeldbedingungen ab 100 Hz aufwärts. Alle Messungen mit Ausnahme der Störpegelmessung erfolgen mit einem G.R.A.S. 1/4″ 46BF-Messmikrofon bei 96 kHz Abtastrate und 24 Bit Auflösung mit dem WinMF Audio-Messsystem. Messungen unterhalb von 100 Hz erfolgen als kombinierte Nahfeld-Fernfeldmessungen. Für die Störpegelmessung wird ein G.R.A.S. 1/2″ 40AF-Messmikrofon mit hoher Sensitivity und geringem Eigenrauschen eingesetzt.

01 Frequenzgang auf Achse gemessen in 4 m Entfernung. Die untere und obere Eckfrequenz (–6 dB) liegen bei 34 Hz und 22,1 kHz. Unten im Bild die HF- und LF-Filterkurven zur Ortsanpassung
02 Phasengang der S8R mit 2 x 540° Phasendrehung. Das kleine Bild zeigt die Sprungantwort. Die blaue Kurve entspricht dem rechnerisch ermittelten minimalphasigen Anteil der Filter.
03 Spektrogramm der S8R mit einigen schmalen Resonanzen
04 Maximalpegel bezogen auf 1 m Entfernung bei höchstens 3 % Verzerrungen (rote Kurve) und bei höchstens 10 % Verzerrung (blaue Kurve) für den Tieftonbereich bis 400 Hz.
05 Powercompression, gemessen mit einem Multitonsignal mit EIA-426B Spektrum, beginnend bei einem Mittelungspegel Leq von 92 dB. Basierend auf dieser Referenzmessung wurde der Eingangspegel zunächst in 2-dB- und dann in 1-dB-Schritten bis auf +12 dB gesteigert, wo die Compression durch den Limiter den 2-dB-Grenzwert (rote Kurve) erreicht. Die Grafik aus Abb.06 wurde aus dieser Messung abgeleitet.
06 Messung der Gesamtverzerrungen (Harmonische und Intermodulation) mit einem Multitonsignal mit EIA-426B-Spektrum und 12 dB Crestfaktor für maximal 2 dB Powercompression oder maximal –20 dB Verzerrungen. Auf 1 m im Freifeld bezogen wird dabei ein Pegel von 102,5 dB als Leq und von 15 dB als Lpk erreicht.
07 Horizontales Abstrahlverhalten in der Isobarendarstellung; der Pegel ist beim Übergang von Gelb auf Hellgrün um 6 dB gegenüber der Mittelachse abgefallen. Der mittlere Öffnungswinkel liegt bei ca. 120°.
08 Vertikales Abstrahlverhalten in der Isobarendarstellung; der mittlere Öffnungswinkel liegt bei ca. 120°.
09 Spinorama-Grafik der S8R. Die obere rote Kurve zeigt den schon bekannten Frequenzgang auf Achse, die blaue Kurve den gemittelten Verlauf im typischen Winkelbereich der Hörposition, die grüne Kurve den gemittelten Verlauf im Winkelbereich der frühen Reflexionen und die rosa Kurve den über die gesamte Hüllfläche des Lautsprechers gemittelten Verlauf.

 


Messwerte

Bei den Messwerten gilt wie immer der erste Blick dem Frequenzgang, der bei der S8R nicht ganz so perfekt daherkommt, wie man es von manch einem anderen Modell kennt. Über alles betrachtet erkennt man ein leichtes Gefälle zu den Höhen hin, das sich jedoch, so viel sei vorweggenommen, im Höreindruck nicht bemerkbar macht. Möchte man das leichte Gefälle trotzdem kompensieren, dann wäre das mit dem HF-EQ in der +2-dB-Einstellung leicht möglich. Die untere und obere Eckfrequenzen mit einem Pegelabfall von 6 dB (grüne Linie) gegenüber dem Mittelwert von 100 Hz bis 10 kHz liegen bei 34 Hz und bei 22,1 kHz, womit die S8R auch mit deutlich größeren Monitoren gut mithalten kann. Am oberen Ende jenseits der 20 kHz fällt die Kurve typisch für eine Gewebekalotte mit Ferrofluid ohne Resonanzen gleichmäßig ab. Die Welligkeit im Frequenzgang beträgt ca. ±4 dB. Kompensiert man das leichte Hochtongefälle mit dem HF-EQ, dann reduziert sich der Wert auf ±3 dB. Optisch ist das sicherlich nicht perfekt, klanglich jedoch völlig unkritisch. Der LF-EQ greift relativ schmalbandig bei 42 Hz und reduziert den Pegel um 2 oder 4 dB. Zur Kompensation einer Aufstellung nahe an einer Grenzfläche hätte man sich ein etwas breiteres Bell-Filter oder ein Low-Shelf gewünscht. Ein Blick auf das Spektrogramm aus Abb.3 weist als Ursache für die Welligkeit knapp unterhalb von 1 kHz zwei schmale Resonanzen bei 685 Hz und bei 875 Hz aus, die über die Bassreflexports nach außen dringen. Dabei handelt es sich um ein prinzipielles Problem, das alle 2-Wege-Monitore betrifft, wo der Tieftöner im Frequenzbereich der Gehäusemoden noch aktiv ist.

Der zugehörige Phasengang aus Abb.2 ist etwas schwierig zu interpretieren. Wie auch die Sprungantwort (kleines Bild in Abb.2) zeigt, ist der Hochtöner invertiert, was auf ein X-Over-Filter 6.Ordnung hindeutet. Hinzu kommt für das Gesamtsystem noch ein akustischer Hochpass 4.Ordnung und ein elektrischer Hochpass 2.Ordnung am unteren Ende des Übertragungsbereiches. Alles zusammen ergibt die »2 x 540°«-Phasendrehung, jeweils 540° für das X-Over-Filter und für die Hochpassfilter. Der rechnerisch für diese Funktionen ermittelte Phasengang ist in Abb.2 als blaue Kurve eingezeichnet. Weitere Messwerte ohne eigene Grafiken sind die Paarabweichung von 0,44 dB und der Störpegel von 19,4 dBA in 10 cm Abstand. Beide Werte sind als sehr gut zu bewerten.

Bei der Maximalpegelmessung wurde zunächst die Sinusburst Messung durchgeführt. Abb.4 zeigt die 3 %-THD-Kurve (rot), gemessen mit 170 ms langen Burst für den gesamten Frequenzbereich. Eine zweite Messung mit 680 ms langen Burst und THD Grenzwerten von 3 % (grün) und 10 % (blau) erfolgte für den Frequenzbereich bis 400 Hz. Die längeren Bursts wurden hier verwendet, um eine bessere Auflösung bei tiefen Frequenzen zu erreichen. Durch die unterschiedliche Länge der Bursts kommt es jedoch zu einem messtechnischen Artefakt. Oberhalb von 120 Hz liegt die 10 %-THD-Kurve unterhalb der mit den kürzeren Burst gemessen 3 %-Kurve. Die Ursache findet sich in den Limitern, die bei länger anstehenden Sinussignal völlig korrekt schon beginnen zu begrenzen. Unabhängig davon erkennt man, dass mit knappen 110 dB über weite Bereiche viel Potenzial in der S8R steckt. Eine kleine Schwäche gibt es lediglich im Umfeld der schon bekannten Resonanz. Die zweite Messung mit dem Multitonsignal überschreitet bei einem Eingangspegel von +3 dBu und einem 12 dB höheren Peak-Wert erstmalig breitbandig den Grenzwert von 2-dB-Abweichung gegenüber dem linearen Verhalten (rote Kurve in Abb.5). Der dabei gemessene Schalldruck betrug 102,5 dB als Mittelungspegel Leq und 115 dB Spitzenpegel Lpk. Der Verzerrungsanteil für harmonische und Intermodulationsverzerrungen lag bei –26,7 dB, entsprechend 4,6 %. Was hier sehr technisch ausgedrückt wird, bedeutet in der Praxis: Der S8R erreicht auch auf größerer Abhördistanzen noch hohe Pegelwerte, ohne dabei schwerwiegende Verzerrungen zu erzeugen. Ein Abstand zum Hörplatz von 4 m (–12 dB zu 1 m) ist somit kein Problem.

Bezüglich der Directivity erkennt man in den Isobaren für beide Ebenen einen recht breiten Abstrahlwinkel von fast 180° im Arbeitsbereich des Hochtöners oberhalb von 1,4 kHz. Eine nur 1″ messende Membran strahlt hier ohne Waveguide in voller Breite ab. Erst ab 8 kHz aufwärts schnüren sich die –6-dB-Isobaren dann auf ca. 90° ein. Über alles betrachtet fällt die vertikale Ebene konstruktiv bedingt etwas unruhiger aus, da es hier im Übernahmebereich zu winkelabhängigen Laufzeitunterschieden zwischen Hoch- und Tieftöner kommt und der Aufbau keine Symmetrie zur Mittelachse aufweist. Das etwas unruhige Verhalten spiegelt sich so auch in der Spinorama-Grafik aus Abb.9 wider.

(Bild: © Andrzej Pawelczyk)

Praxis

Der Hörtest erfolgte mit einem Stereo-Setup bei ca. 3 m Abstand der Monitore zum Hörplatz. Gehört wurde einmal im reflexionsarmen Raum und in einem akustisch gutmütigen Büroraum. Wie bereits erwähnt, machte sich das leichte Gefälle im Frequenzgang von den Tiefen zu den Höhen keinesfalls störend bemerkbar. Die Wiedergabe war absolut neutral ohne Lücken und voll umfassend von tiefen Bässen bis zu den höchsten Lagen. Exzellent gelang den S8R auch die räumliche Abbildung, bei der einzelne Quellen präzise und stabil in der Ortung waren. Unabhängig von diesen Eigenschaften fiel vor allem die Dynamik in der Wiedergabe auf. Dort, wo manche Lautsprecher sonst eher etwas träge wirken, brachte der Quested die volle Dynamik zum Zuhörer und schaffte es auch bei hohen Pegeln noch, Signalspitzen authentisch zu reproduzieren. Ob das jetzt der hohen Endstufenleistung, den guten Treibern, dem soliden Gehäuse oder dem Gesamtkonzept zu verdanken ist, lässt sich von dieser Stelle aus jedoch nur schwer sagen.

(Bild: © Andrzej Pawelczyk)

Fazit

Mit der S8R Rosewood Edition bringt der englische Hersteller Quested einen exzellenten Near- bis Midfield-Monitor auf den Markt, der, handgefertigt in England, eine rundum edle Ausstrahlung und hohe Wertigkeit zu vermitteln mag. Dieser Eindruck setzt sich bei den klanglichen Qualitäten uneingeschränkt fort. Quested tritt damit den Beweis an, dass man mit durchgängig guten Komponenten und einem soliden Wissen im Lautsprecherbau, trotz eines nicht mehr so ganz dem Zeitgeist entsprechenden Konzeptes, zu sehr guten Ergebnissen kommen kann. Auch wenn es die eine oder andere kleine messtechnische Schwäche gibt, vergisst man diese spätestens bei der Hörprobe wieder. Eine etwas provokante These zum Schluss: Die App zur automatischen Einmessung, das DSP-System mit unendlichen Filtermöglichkeiten, das große Farbdisplay – braucht man das alles für einen guten Monitor? Letztendlich muss sich jeder diese Frage selbst beantworten. Wer aber einfach nur ein professionelles Abhörwerkzeug benötigt und dabei auch noch etwas Wert auf ein schönes Design legt, der liegt mit dem S8R Rosewood richtig.

Profil Quested S8R – Rosewood Edition

Frequenzbereich: 34 Hz – 22 kHz (–6 dB)
Welligkeit: 7,9 dB (100 Hz – 10 kHz)
hor. Öffnungswinkel: 120 Grad (–6 dB Iso 1 kHz – 10 kHz)
ver. Öffnungswinkel: 120 Grad (–6 dB Iso 1 kHz – 10 kHz)
max. Nutzlautstärke: 107 dB (3 % THD 100 Hz – 10 kHz)
Basstauglichkeit: 106 dB (10 % THD 50 – 100 Hz)
Maximalpegel in 1 m (Freifeld) mit EIA-426B Signal bei Vollaussteuerung: 102,5 dB Leq und 115 dB Lpk
Paarabweichungen: 0,44 dB (Maxwert 100 Hz – 10 kHz)
Störpegel (A-bew.): 19,4 dBA (10 cm)
Maße/Gewicht: 300 × 428 × 334 mm (B×H×T) / 17,6 kg


Hersteller/Vertrieb: Quested Monitoring Systems Ltd / Hyperactive Audiotechnik GmbH

UvP/Straßenpreis pro Paar: 4.380,– Euro

Internet: www.quested.com

Unsere Meinung
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