Heavy Metal

Noiseguild 24 Tone Gongs 1: Mallets & Sticks

Ein 24-teiliges Gong-Liveset zu sampeln ist eine umfangreiche Geschichte, daraus ein spielbares Instrument zu machen eine große Herausforderung. In Ermangelung eines geeigneten Software-Instruments haben sich die Jungs von Noiseguild gedacht: „Warum machen wir das nicht einfach selber …?“

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Gesagt − getan, und so präsentiert Noiseguild uns nun eine drei Teile umfassende Library, welche sich demselben, 24-teiligen Gong-Ensemble widmet. Die Teile unterscheiden sich dabei durch ihre unterschiedlichen Spiel – weisen. Wir haben uns die bisher fertiggestellte Version „Mallets & Sticks“ angeschaut, wo die Klangerzeugung eher konventionell herbeigeführt wurde. Teil 2 widmet sich jenen Sounds, die durch Streichen und Reiben erzeugt bzw. aus Gongsounds designt wurden. Im 3. Teil schließlich wird den perkussiven Klängen der 24 Gongs auf den Grund gegangen.

Gong Machine

Ein sehr interessantes Feature der 24 Tone Gongs ist die Möglichkeit, das komplette Gong-Ensemble mithilfe der „Gong Machine“, eines Step-Sequenzers, der auf diverse Parameter Einfluss nimmt, zu spielen. Hierfür liegen verschiedene Patterns in unterschiedlichen (empfohlenen) Tempi vor, die über einen Browser anwählbar und natürlich zum Host-Tempo synchron sind. Sehr schön und nicht nur für Live-Performances von Vorteil ist, dass beim Spielen sehr smooth zwischen den verschiedenen Patterns gewechselt werden kann.

Die Gong Machine entfesselt den Zauber dieser besonderen Instrumente erst richtig und lässt teilweise mystische, rhythmische Figuren entstehen, die einen großen Velocity Bereich abdecken. So entstehen auf Tastendruck schöne, treibende oder hypnotische Grooves, die auch harmonisch mit Akkorden spielbar sind. Besonders den hohen Gongs wohnt hier ein besonderer Zauber inne, denn sie haben einen schon fast sakral anmutenden Klang. Sie eignen sich für die Gong Machine aufgrund der naturgemäß kürzeren Release-Zeiten besonders gut. Allerdings sind die Patterns oftmals nicht unbedingt einfach zu spielen, weil sie, einmal per Klaviatur getriggert, immer als „one shot“ alle Steps bis zum Ende der Sequenz durchlaufen, also auch dann, wenn die Taste vorher wieder losgelassen wird. So ist es vor allem bei längeren Patterns anfangs nicht unbedingt einfach, die beim Spielen entstehenden, rhythmischen Muster dem stoisch im 4/4-Takt klickenden Klick unterzuordnen.

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Der Step-Sequenzer der Gong Machine lässt sich programmieren, oder es können vorgefertigte Patterns aus dem Browser ausgewählt werden. Diese sind zwar beim nächsten Laden des Projekts noch aktiv, aber leider lässt sich im Browser nicht mehr ablesen, welches Pattern eigentlich geladen ist.

Teilweise hört man einzelne, sich wiederholende, markante Elemente des Grooves (meist die Sticks) immer wieder heraus, was das Ganze schnell als Loop entlarvt. Deshalb wäre es schön gewesen, alternierende Versionen eines Patterns zu haben, die zumindest über die doppelte Länge für etwas mehr Abwechslung gesorgt hätten. Abhilfe schafft hier aber der „Mutate“-Modus − wenn auch mehr mit zufälligeren Ergebnissen −, der Lautstärke und Artikulation der Patterns bei jedem Triggern in einstellbaren Grenzen per Random-Funktion variiert. Leider wird der Status des Mutate-Buttons nicht mit dem Song abgespeichert und muss also bei Bedarf nach jedem Laden des Projekts immer wieder neu aktiviert werden.

Gongs selber spielen

Die Gong-Machine lässt sich natürlich auch deaktivieren, wodurch die Sounds einzeln spielbar und somit auch Melodien realisierbar sind. Hierbei fällt sehr schnell auf, dass die verschiedenen Round-Robin-Sounds ein und derselben Taste oftmals recht unterschiedlich klingen. Dadurch entsteht ein sehr lebendiges Klangbild, was zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber auch nicht immer von Vorteil ist. Der Gong-Machine hilft das definitiv zu überzeugen und dem − Achtung Wortspiel − Machine-Gong-Effekt vorzubeugen. Beim Spielen von Melodien oder Figuren aber führt dieser Umstand dann teilweise doch zu einem etwas hölzernen Ergebnis, wenn einzelne Töne untergehen oder herausstechen. Hier kann aber sehr gut Hand angelegt werden, denn dieser Umstand lässt sich bei Bedarf im Nu durch das Justieren des Parameters „Timbral RR Range“ entschärfen.

Insgesamt macht das Spielen der 24 Tone Gongs sehr viel Spaß, und es gibt für diese Instrumentengruppe ungewöhnlich viele Möglichkeiten, den Sound zu beeinflussen. Dies ist einerseits detailliert in den Settings möglich, aber auch live mittels Keyswitches und Controller. So kann z. B. die Artikulation per Keyswitch gewählt werden. Zwischen freiklingendem und festgehaltenem Sound kann übrigens auch jederzeit mittels Sustain-Pedal gewechselt werden, was zusammen mit den Keyswitches ein abwechslungsreiches Spiel und das Konturieren von Linien ermöglicht. Sehr schön!

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Fazit

Mit 24 Tone Gongs ist Noiseguild ein Debüt gelungen, das die charismatische Welt der Gongs in bisher unbekannter Spielbarkeit und mit lebendigem Sound unter die Finger bringt. Dazu trägt nicht nur die Gong Machine bei, wenn es darum geht, tribal-artige oder mystische Grooves zu erzeugen, sondern auch der Gesamtsound sowie die differenzierten Möglichkeiten, diesen zu beeinflussen. Wer also öfter in musikalischen Gefilden unterwegs ist, die auch exotisch oder geheimnisvoll klingen dürfen, sollte sich die Library unbedingt näher anschauen und sich gleichzeitig auch ein wenig Einarbeitungszeit gönnen. Sie wird sich lohnen, um die vielfältigen Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

 

Plus/ minus

+++ detaillierte Klangbearbeitungsmöglichkeiten
++   Gesamtsound
++   Gong Machine

–     Status des Mutate-Buttons wird nicht im Projekt gespeichert
–     GUI teilweise etwas unübersichtlich

 

Audiobeispiele

Die Klangbeispiele auf unserer Website demonstrieren tribal-artige Melodie-Grooves der Gong Machine. www.sound-and-recording.de

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