Universal Sound Plattform

Native Instruments Kore

Eine Vorstellung, die trotz Globalisierung auf unserer freundlich blauen Kugel leider immer Utopie bleiben dürfte, verspricht Native Instruments blumig angekündigte Host-Software Kore zumindest für die Welt der Audiorechenknechte: Jeder versteht jeden und kann mit allen …

Komponenten gehört seit jeher zu den komplexesten und leider auch oftmals nervigsten Themen im Produktions- und Bühnenalltag. So wachsen etwa Sound-Libraries auf derart unüberschaubare Größe an, dass sich ein großer Teil des Produktionsablaufs auf die Suche nach geeigneten Presets beschränkt. Einen großen Schritt in Richtung Integration verschiedener Software-Komponenten und musikergerechtem Soundzugriff vor allem im Live-Kontext verspricht nun Native Instruments Kore.

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Konzept

Kore bietet die zentrale Verwaltung und Kontrolle sämtlicher auf einem Rechner installierter VST- und AU-Plug-ins mit Hilfe eines eigenen, plattformübergreifenden Formats und einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Die Key-Features von Kore lesen sich vielversprechend:

  • Ein Browser ermöglicht das schnelle Auffinden von Plug-in-Presets anhand von Klangattributen.
  • Die wichtigsten Klangparameter aller Plug-ins werden sich nach einem einheitlichen Schema, also mit weitgehend identischen Zuordnungen, von Kore aus editieren lassen. Ein spezieller Hardware-Controller soll Kore komplett fernsteuern.
  • Komplexe Klangkombinationen lassen sich aus mehreren Plug-ins erzeugen und zusammen mit Mapping- und Controller- Daten sowie MIDI-Files als Kore-Sounds speichern. Übergeordnet können Performance-Presets, bestehend aus mehreren Kore-Sounds, komplette Band-Setups für den Bühnengebrauch beinhalten.
  • Kore selbst kann als Standalone-Host oder als Standard-Plug-in in einem Sequenzer eingesetzt werden und soll die problemlose Portierung von Setups zwischen verschiedenen Songs sowie VST-, AU- und RTAS-Sequenzer- Plattformen ermöglichen. Kore kann also selbst keine RTAS-Plug-ins verwalten, aber als Plug-in in Pro Tools LE eingesetzt werden.

Browser

Um Ordnung in die Sound-Library zu bringen und Klänge gezielt auswählen zu können, bietet Kore eine umfangreiche Datenbank. Sounds lassen sich nach mehreren Kategorien klassifizieren. Selektiert man eines oder mehrere der zugehörigen Attribute, werden entsprechende Plug-in-Presets ausgewählt und gelistet. Mehrfachselektionen verkleinern und präzisieren die Auswahl. Voraussetzung ist natürlich, dass sämtliche zur Verfügung stehenden Presets möglichst sorgfältig mit den notwendigen Attributen versehen werden. Die gesamte NI-Komplete- Library soll sich bei Auslieferung von Kore über den Browser verwalten lassen. Plug-ins anderer Hersteller werden laut NI folgen.

Alternativ hat man selber die Möglichkeit, seine Drittanbieter-Library entsprechend zu kategorisieren und als Kore-Sounds zu speichern, um sie für Kores Suchfunktionen erfassbar zu machen. Schon in unserer Beta- Version zeigte sich schnell die enorme Zeitersparnis gegenüber der Suche in dutzenden verschiedener Plug-ins.

Parameterzugriff

Kores zweiter Schwerpunkt ist das Schaffen einer einheitlichen Benutzeroberfläche für verschiedene Instrument- und Effekt-Plug-ins. Die wichtigsten Klangparameter aller Plug-ins werden in Kores Benutzeroberfläche immer an der gleichen Stelle bedient. Mehrere Pages bieten einheitlichen Zugriff auf Einstellungen von z. B. Klangfarbe, Modulation oder Effekten. Somit können viele Funktionen eines Instruments editiert werden, ohne notwendigerweise den entsprechenden Editor öffnen zu müssen.

Plug-ins lassen sich übersichtlich als Rack darstellen.

Auch hier sollen bei Kores Auslieferung die wichtigsten Parameter fast aller NI-Komplete- Instrumente inklusive aller Reaktor- Ensembles den Bedienelementen der Kore- Oberfläche zugeordnet sein. Plug-ins von Drittanbietern sollen sich problemlos per Controller-Zuweisung in die Kore-Oberfläche integrieren lassen.

Hardware-Controller

Der Kore-Hardware-Controller soll in der Lage sein, über den Klangparameterzugriff hinaus Kore komplett zu steuern und sämtliche wichtigen Informationen wie Preset- Listen oder Parameterbelegungen im Display darzustellen. Laut NI kann man Rechner und Bildschirm problemlos hinter der Bühne verschwinden lassen. Der Kore-Controller kommuniziert nicht via MIDI, sondern über ein leistungsfähigeres Protokoll. Er verwendet hochauflösende und berührungssensitive Endlosregler mit einer Auflösung von 500 Steps pro Umdrehung. Komplettiert wird der Controller durch ein USB-Stereo-Audio- Interface.

Der speziell für Kore entwickelte Hardware- Controller mit hochauflösenden, berührungsempfindlichen Encodern und Audio-Interface (Bild: Archiv)

Layer-Sounds

Auch im Bereich Sound-Design hat Kore einiges zu bieten: „Mega”-Sounds, bestehend aus komplexen Signal-Routings, Effekten und Controller-Zuweisungen, lassen sich recht schnell und einfach erstellen und verwalten. Kores Benutzeroberfläche zeigt dazu Slots, die mit verschiedenen Channels belegt werden können. Ein Instrument-Channel bietet einen Slot zur Aufnahme einer Soundquelle sowie vier Insert-Slots für Effekte. Mehrere Instrument-Channels können parallel betrieben werden. Zusätzlich kann man Group- und FX-Channels mit weiteren Plug-ins anlegen. Ein Mapping-Fenster ermöglicht eine übersichtliche Tastaturbereichszuordnung sowie das Erzeugen von Velocity-Crossfades und – Switches.

Das Ganze ist in der Praxis noch einfacher, als es sich liest und macht großen Spaß: Man erzielt im Handumdrehen sehr spektakuläre und komplexe Klänge, vorausgesetzt, der verwendete Computer hat genügend Leistung unter der Haube.

In der Slot-Darstellung können Signal- Routings angelegt werden.

Auf gleiche Weise lässt sich Kore als Mega- Effekt-Plug-in verwenden. Sobald man dem Instrument-Channel einen externen Signal- Eingang spendiert, arbeitet Kore als Effekt- schleuder mit enormem Potenzial – man fühlt sich schnell an harte Kollegen wie etwa T.C. Fireworx oder Eventide Eclipse erinnert.

Fragen an Martin Jann – Sound-Design Leiter

Welche neuen Möglichkeiten bietet Kore für das Sound-Design?

Vor allem die Möglichkeit, die Engines verschiedener Software-Instrumente innerhalb eines Sounds miteinander zu kombinieren, bietet sehr viel Potenzial für innovatives Sound-Design. Ich kann zum Beispiel klangliche Elemente aus FM7, Absynth und Kontakt problemlos zu einem Instrument verschmelzen und dieses dann wie ein normales Preset spielen, abspeichern und in beliebige Arrangements laden. Der Mapping-Editor erlaubt sehr einfache Key-Split- und Layer- Konfigurationen, was natürlich auch für Live-Auftritte sehr wichtig ist. Genauso wie Instrumente kann man auch verschiedene Effekte zu Multi-Effekten kombinieren, beispielsweise ein Guitar-Rig-Setup mit einem Grain-Effekt aus Reaktor und einem Sonalksis-Kompressor, und diesen dann quasi als Custom- Effekt jederzeit wieder aufrufen, und zwar quer über verschiedene Plattformen und Sequenzer.

(Bild: Archiv)

Kore wird mit einer Bank an Kombinationsklängen ausgeliefert. Welche Prioritäten wurden beim Sound-Design gesetzt?

Die Kore-Library für Komplete-3-Besitzer besteht einerseits aus Kombinationen von bestehenden Presets, aber auch aus vielen komplett neu programmierten Sounds. Neben fetten Lead-Synths und Bässen bietet die Library sehr schöne Pads und Atmosphären, die durch die Kombination von verschiedenen Synth-Engines eine zusätzliche Tiefe und Komplexität bekommen, aber auch orchestrale Kombinationen klassischer Instrumente sind enthalten. Wichtig bei der Library war vor uns allem, dass sie die Möglichkeiten von Kore aufzeigt und wirklich neue, interessante Klänge bietet. Nicht nur Komponisten, sondern auch Produzenten oder Live-Performer dürften hier inspirierendes Material finden.

Jedes Plug-in kann von einer standardisierten Oberfläche aus editiert werden.

Performance-Presets

Das möglicherweise interessanteste Einsatzgebiet von Kore könnte die Bühne werden, denn es soll speziell darauf ausgerichtet sein, komplette Band-Setups erstellen und verwalten zu können. Die Performance-Ebene wird dazu eine Kombination mehrerer Layer- Sounds und deren flexible Adressierung in einem Performance-Preset ermöglichen. Man könnte sich ein Bühnen-Setup aus mehreren Masterkeyboards, Drum-Pads usw. vorstellen, die auf einen zentralen Rechner mit Kore zugreifen. Die Performance-Presets sollen sich in Play-Listen organisieren lassen, deren Ablauf wiederum vielseitig steuer- und programmierbar sein wird. Die Möglichkeiten, die sich hier zeigen, sind momentan noch schwer abzuschätzen; man kann sich allerdings gut vorstellen, dass sie ein rechnergestütztes Bühnen-Setup revolutionieren werden.

Einer für alle

NIs Vorgabe, Instrumentalisten und Produzenten ein Tool zu liefern, welches die ohnehin schon gewaltigen Klangmöglichkeiten moderner Software noch einmal potenziert und gleichzeitig das Handling deutlich vereinfacht, dürfte voll und ganz aufgehen: Integration verschiedener Plug-ins und deren systemübergreifender Einsatz, standardisierte Bedienung mit speziellem Controller, umfassende Live-Host-Features für komplette Bühnen-Setups sowie eine komfortable Verwaltung von Presets sind Features, die nicht nur NI-Komplete-Usern die Adrenalinschleusen öffnen dürften.

Der Mapping-Editor

Die uns zum Preview zur Verfügung stehende Beta- Version wies noch diverse Unvollständigkeiten auf, konnte aber bezüglich der Layer- Programmierung und den wichtigsten Datenbankfunktionen schon sehr überzeugende Ergebnisse liefern. Sobald Kore serienreif ist, wird ein ausführlicher Test folgen.

Der Browser ermöglicht attributbezogene Sound- und Effekt-Auswahl.

Profil

Konzept: plattformübergreifende Host-Applikation für VST- und AU-Plug-ins, spezieller Hardware- Controller mit Audio-Interface

Hersteller / Vertrieb: Native Instruments

Internet: www.native-instruments.de

UvP: € 499,–

Fragen an Stephan Schmitt – NI-Gründer

Was war der grundlegende Gedanke hinter dem Konzept von Kore?

Kore ist die Antwort auf zwei Herausforderungen, für die wir schon lange eine Lösung bieten wollten: Einerseits die Idee, mit Sounds flexibel und losgelöst von einzelnen Instrumenten beziehungsweise Plug-ins umgehen zu können, und andererseits das Schaffen einer für die Live-Anwendung und für Instrumentalisten optimierten Umgebung für Software- Instrumente. Bei der Konzeption eines Live-orientierten Hosts wurde uns klar, dass wir damit auch die Basis für das Sound-orientierte Arbeiten im Studio schaffen konnten. Deshalb arbeitet Kore sowohl als Host wie auch als Plug-in.

(Bild: Archiv)

Wie lange dauerte die Entwicklung?

Kore basiert zum Teil auf Technologien, deren Entwicklung schon vor mehreren Jahren begonnen wurde. Vor ungefähr zwei Jahren stand das Konzept fest, und wir begannen mit der konkreten Produktentwicklung. Da Kore zurzeit unser zentrales Thema ist, arbeitet seit Monaten ein sehr großes Team von Entwicklern daran. Bei der Entwicklung eines Controllers für Kore konnten wir außerdem auf die mit Guitar Rig gesammelte Erfahrung in der Entwicklung von Controller-Hardware und Audio-Interfaces zurückgreifen.

Wo liegen die Stärken des Konzepts bezüglich der musikalischen Anwendbarkeit?

Durch den Sound-orientierten Ansatz geben wir Musikern die Möglichkeit, stärker als bisher in musikalischen, statt in technischen Aspekten zu denken. Ich bin sicher, dass das Verwenden von Kore-Sounds in vielen Fällen den bisherigen Umgang mit Instrumenten und ihren Presets ablösen wird. Man hat immer einen direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter jedes Sounds und muss nicht mehr den detaillierten Umgang mit jedem einzelnen Plug-in lernen. In der Live-Anwendung hat Kore mit den Performance-Presets eine Lösung zu bieten, die sich viele Musiker schon lange gewünscht haben, was wir in jahrelangem Austausch mit unseren Usern immer wieder festgestellt haben.

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