Im Westen was Neues

Miktek PMD4 Drum-Mikrofon-Set im Test

Der US-amerikanische Mikrofonhersteller Miktek gehört zu den jüngeren Unternehmen seiner Zunft. In Nashville, TN werden nicht nur edle Kondensator-Mikros gefertigt, sondern auch die uns zum Test bereitgestellten dynamischen Typen PM10 und PM11, die speziell für Drums gedacht sind.

MIKTEK-PMD4
(Bild: Dieter Stork)

Miktek hat drei der Snare/Tom-Mikrofone PM10 und ein Bassdrum-Mikrofon PM11 zusammen mit drei Trommelhaltern in einen stabilen, mit Schaumstoff gut gepolsterten Alukoffer gepackt und bietet das Ganze unter der Bezeichnung PMD4 als Mikrofon-Set an. Damit ist man für den Anfang schon mal gut gerüstet und kann so bequem die Trommeln eines kleinen Drum-Sets abnehmen. Wenn man bereit dazu ist, auch mal zwei nebeneinanderliegende Toms mit nur einem Mikro abzunehmen, reicht das Set sogar für Snare, Kick und vier Toms. Passende Mikros für Hi-Hat und Cymbals sollte man sich natürlich nach Bedarf dazustellen − um bei der Marke zu blieben z. B. das Miktek C5 (auch als matched Pair erhältlich) das wir in SOUND & RECORDING 12.2011 getestet haben. Den Testbericht kannst du kostenlos als PDF von der S&R-Website herunterladen.

Anzeige

Wer nun gleich im Profil nachsieht und nachrechnet, wird merken, dass das Set nicht billiger ist als die Summe der Einzelteile, sondern sogar rund 60 Euro teurer. Miktek schenkt einem also nicht unbedingt den Koffer und die Trommelhalter, und Letztere sind nicht einzeln im Portfolio gelistet, aber dieser eingerechnete Aufpreis ist völlig im Rahmen und daher nicht negativ zu werten.

Die Mikrofone werden, wie Miktek betont, in Nashville von Hand zusammengebaut. Das Geheimnis der angesichts dieser Tatsache günstigen Preise liegt in den Komponenten, die nicht nur aus den USA und Europa, sondern auch aus Asien stammen. Hier wird also sehr aufwendig, aber eben auch so günstig wie möglich produziert.

Den Mikrofonen liegen keine individuellen Frequenzschriebe bei, sondern nur zwei »Bedienungsanleitungen« (leider nur in Englisch), die nicht nur sinnvolle Hinweise zur Platzierung der Mikros und einige technische Daten enthalten, sondern auch noch Tipps dazu, wie man den Nahbesprechungseffekt sinnvoll zur Soundgestaltung nutzen kann − sehr schön. Nicht so schön, aber auch nicht schlimm ist der Umstand, dass für beide Mikro-Typen auch die gleichen Maße angegeben wurden, deshalb hier die Ergebnisse unserer »Messungen«: Das PM-11 misst ca. 15 cm in der Länge und hat einen Durchmesser von ca. 6 cm bei ca. 410 g Gewicht, und das kleinere PM10 ist ca. 14 cm lang, sein Durchmesser beträgt ca. 4,2 cm, und es wiegt ca. 270 g.

Praxis

PM10 und PM11 sind also nicht gerade Leichtgewichte und liegen satt in der Hand. Trotzdem sind sie schmal und kurz genug, um sie optisch elegant ins Drum-Set integrieren zu können. Das PM11 passt auch durch sehr kleine Resonanzfell-Öffnungen und kann also problemlos in einer Kick platziert werden.

Die Trommelhalter können anstelle von Mikrostativen verwendet werden, was die Optik eines Drum-Sets noch aufgeräumter macht. Sie werden dazu mit einer justierbaren Schnappvorrichtung an die Spannreifen der Trommeln angebracht. Optimal passt diese allerdings nur auf Spannreifen, deren oberer Rand nach außen gebogen ist. Ist ihr oberer Rand nach innen gebogen, sitzt der ganze Halter leicht schief und neigt sich zur Innenseite der Trommel, was den Abstand zum Fell verkürzt − ein PM10 könnte so u. U. zu weit in die Trommel hineinragen und beim Spielen stören. Im Haltebügel lässt sich die Befestigungsschraube in einem Bereich von knapp 6 cm verschieben. In Verbindung mit der leichten Wölbung des Bügels ergeben sich verschiedene Positionen für das Mikro. Trotzdem hat man hier eher nur die Wahl zwischen »nah« und »sau-nah«; möchte man den Klang der Trommel aus einer etwas größeren Entfernung abbilden, bleibt nur wieder der Griff zum gesonderten Mikrostativ.

Andererseits entspricht die Fell-nahe Positionierung der Mikros der Philosophie des Hauses, denn sie wurden gezielt so konstruiert, dass man mit ihnen den Sound einer einzelnen Trommel ohne viele Übersprechungen anderer Instrumente einfangen kann. Daher besitzen sie auch die Richtcharakteristik Superniere, die stärker gebündelt ist als die sonst bei vielen dynamischen Mikrofonen übliche Niere.

Die Abbildung des allgemeinen Frequenzgangs der Mikrofone in der Bedienungsanleitung weist folgende Werte auf: Das PM10 reicht von 50 Hz bis 16 kHz, wobei von 50 bis 100 Hz eher wenig los ist; einigermaßen linear verläuft das Ganze erst ab 100 Hz, wobei im Bereich zwischen 3 bis 8 kHz eine deutlicher Buckel ausgeprägt ist. Bei 9 kHz gibt’s einen kleinen Einbruch, und oberhalb von 13 kHz geht’s deutlich abwärts.

Ebenso speziell sieht die Kurve des PM11 aus: von 20 bis 200 Hz geht es recht linear zu, wobei hier ein leichter Buckel zwischen 50 und 60 Hz zu sehen ist; es folgt eine kleine, aber breite Senke, die sich mit leichtem Aufwärtstrend bis zu 1,3 kHz zieht; danach geht’s zugig in einen steilen Buckel , dessen Peak knapp oberhalb von 5 kHz liegt, um von dort aus rasch in der Versenkung abzutauchen − was überhaupt nicht schlimm ist, denn so weit oben befinden sich bei einer Bassdrum keine relevanten Klanganteile mehr.

Sound

Ich schaue mir bewusst niemals die Frequenzgänge eines Mikros an, bevor ich es ausprobiere, denn mir ist es herzlich egal, wie das Mikrofon »theoretisch« klingt. Wichtig ist mir, wie es wirklich klingt und für welchen Zweck es geeignet ist.

Fangen wir mit dem PM11 an. In der Bassdrum platziert, ergibt sich ein stark gefärbter Sound, der allerdings auf Anhieb absolut zu gebrauchen ist. Die Bässe und Tiefbässe der Kick werden sehr schön herausgearbeitet, wobei auch der Tiefbassbereich beeindruckte, denn den habe ich bis dato nur selten so plastisch von einem Mikro gehört. Bei entsprechender Nachbearbeitung ist es ein Leichtes, Subbässe hörbar zu machen, die ansonsten nur ein riesiges Subbass-Mikro einzufangen vermag. Alle Dröhnfrequenzen in den Mitten werden wirkungsvoll abgemildert, und oben folgt ein sehr knackiger Attack. Dieser ist so stark ausgeprägt, dass es sich unbearbeitet sofort für alle Metal-Spielarten eignet. Möchte man diesen Sound etwas weicher haben, sollte man beherzt bei 5 kHz absenken, und je nach Stärke der Absenkung eignet sich der Sound dann auch für alles von Pop bis Rock.

Diese Art der Bearbeitung ist mir völlig neu, denn bisher war ich nur gewohnt, den Attack herauszuarbeiten. Dass ich ihn nun gezielt unterdrücken muss, um ihn zu zähmen, finde ich aber viel praktischer, denn so ziehe ich nicht noch irgendwelchen anderen Murks mit hoch, sondern habe beim Absenken ein viel saubereres Signal.

Weiter geht’s mit dem PM10, zunächst an der Snare Drum. Auch hier ist eine leichte Färbung im Attack-Bereich zu hören, die den Sound eine wenig knallen lässt. Zudem wirkt der Sound leicht komprimiert, in etwa so, wie es ein Shure SM57 machen würde, allerdings lange nicht so deutlich wie bei diesem. Der Bassbereich wird neutral wiedergegeben. Die Höhen sind leicht unterbelichtet − hier müsste man ein wenig anheben, damit der Snareteppich anfängt, fein zu rascheln.

An den Toms macht sich bei den PM10 nun bemerkbar, was die Frequenzkurve aus der Bedienungsanleitung andeutet: Sie klingen relativ linear, und der Attack ist angenehm ausgeprägt. Leider lassen sie ein wenig Druck in den Bässen vermissen, vor allem bei größeren Toms, die ihre Grundfrequenz durchaus bei 80 Hz oder tiefer haben können. Dies lässt sich aber ebenfalls ohne Nebenwirkungen mit einem Griff zum Equalizer ausgleichen.

Möchte man die Bässe bei großen Toms mithilfe des Nahbesprechungseffekts verstärken, wird man ein wenig enttäuscht, denn er arbeitet zwar, hebt aber eher die Dröhn- als die Grundfrequenzen an. Der Sound wird zwar voller, klingt dann aber nicht mehr schön.

Zusammenfassend kann man sagen, dass auch die PM10 sowohl an den Toms als auch an der Snare den Sound in Richtung Rock färben − bei der Snare nicht ganz so deutlich wie bei den Toms.

MIKTEK-PMD4-2
(Bild: Dieter Stork)

Fazit

Unterm Strich muss man den Drum-Mikrofonen von Miktek einen guten Einstand bescheinigen. Das Konzept mit SupernierenRichtcharakteristik und angestrebtem Close-Miking bei Snare und Toms geht auf. Das Mikrofon-Set ist für alle Pop- und Rock-Spielarten gut geeignet, und alle Mikros bringen eine Färbung mit, die sie für diesen Einsatzzweck prädestiniert.

Das Bassdrum-Mikrofon PM11 färbt so – gar sehr deutlich, aber dies auf höchst angenehme Weise. Die PM10-Mikrofone für Toms und Snare machen ebenfalls einen schönen Sound, wenn auch hier und da nachbearbeitet werden sollte.

Ob sich der Kauf des PMD4-Sets im Koffer inkl. Halterungen lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden, denn einen Preisvorteil gegenüber dem Einzelkauf bietet es eigentlich nicht. Und wer die Trommelhalterungen nicht braucht, weil im Studio sowieso genug Stative stehen, kauft sich stattdessen vielleicht lieber ein weiteres PM10, um auch für größere Drum-Sets gerüstet zu sein. Live allerdings machen die Halterungen extrem viel Sinn, weil der Aufbau so einfach schneller geht und schicker aussieht.

Sieht man sich die Einzelpreise an, sticht das PM11 etwas hervor, aber gerade hier lohnt sich jeder ausgegebene Cent.

Hersteller / Vertrieb:

Miktek / Sound Service

UvP/Straßenpreis:

950,81 Euro / ca. 930,− Euro (einzeln: PM10: 177,31 Euro / ca. 170,− Euro, PM11: 355,81 Euro / ca. 340,− Euro)

www.sound-service.eu

+++ mächtiger und bei Bedarf bequem formbarer Kick-Sound (PM11)

++ praktische Ausmaße

+++ hervorragende Verarbeitung

++ Preis/Leistungs-Verhältnis

– ein Hauch zu wenig Bässe bei tiefen Toms (PM10)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: