Großmembran-Kondensatormikrofone

Miktek CV4 & C7 im Test

Im dezemberheft nahmen wir die C5-Kleinmembranmikrofone von Miktek unter die Lupe, nun ist es an der Zeit, die großen Membranen sprechen zu lassen, nämlich das Transistormodell C7 und das CV4 in Röhrentechnik.

c7-und-cv4
(Bild: DIETER STORK, DR. ANDREAS HAU)
c7-und-cv4-2
(Bild: DIETER STORK, DR. ANDREAS HAU)

Beide Testmodelle werden in stabilen Alukoffern geliefert, wobei das Mikrofon selbst zusätzlich von einer schmucken Holzschatulle geschützt ist. Zum Lieferumfang gehört sowohl eine elegante Spinnenhalterung, die das Mikrofon per Schraubverbindung sicher hält, als auch eine einfache Gelenkhalterung, die sich in beengten Situationen als sehr nützlich erweisen könnte. Beim Röhrenmikrofon CV4 liegen zusätzlich noch ein Speisenetzteil und ein siebenpoliges XLR-Kabel im Koffer, um die stromhungrige Elektronik mit Energie zu versorgen. Das genügsame Transistormodell C7 wird wie üblich über P48-Phantomspeisung betrieben.

Anzeige

Beide Modelle kommen mit einem recht ausführlichen Manual inklusive Anwendungstipps und einem individuellen Frequenzschrieb für die Nierenstellung. Letzterer ist allerdings extrem grob über 140 dB skaliert, sodass die Response des Mikrofons zwangsläufig sehr glatt gebügelt wirkt (s. Bild 05). Den von 20 bis 200 Hz als ebenen Strich dargestellten Bassbereich muss man zudem als Fiktion abtun, denn ein Druckgradientenempfänger kann da gar nicht linear sein. Dennoch, zumindest in den oberen Frequenzbereichen kann man sich ein grobes Bild machen, und man weiß, der Hersteller nimmt die Endkontrolle ernst.

En Detail

Das Transistormodell C7 bietet die drei Richtcharakteristiken Kugel, Niere und Acht, welche über einen Schalter auf der Mikrofonfront angewählt werden. Auf der Rückseite befinden sich zwei weitere Schalter für Vorabsenkung (Pad, −10 dB) und Low-Cut. Die Schalter machen allesamt einen hochwertigen Eindruck und zeigen ihren jeweiligen Schaltzustand an. Das Gehäuse ist formschön und windschnittig, mit gewissen Ähnlichkeiten zum Studioklassiker Neumann U87. Ganz so lupenrein verarbeitet wie Mikros der führenden deutschen Mikrofon-Elite sind die beiden Mikteks jedoch nicht; in einzelnen Details offenbart sich doch das niedrigere Preisniveau. Schicker als 08/15-Chinaware sind sie aber allemal.

Das Röhren-Großmembranmikrofon CV4 versprüht mit seinem zylindrischen Gehäuse und verchromten Mikrofonkorb etwas Vintage-Flair, das von einem eingelegten Kunststoffring mit Typenbezeichnung modern aufgebrochen wird. Schalter gibt’s am Mikrofon selber keine; die Pattern-Wahl erfolgt über einen Drehschalter am Netzteil. Neben den Grund-Richtcharakteristiken Kugel, Niere, Acht lassen sich auch sechs Zwischenstufen im Bereich Breitniere und Hyperniere anwählen. Wie das Mikrofon wirkt auch das Netzteil sauber verarbeitet und robust.

Ein Vorbild war den Designern gewiss das Neumann U87: Es gibt nämlich einen internen Schalter, über den sich die Polarisationsspannung von 60 Volt auf 48 Volt umschalten lässt. Dazu muss man wissen, dass das originale Neumann U87 seine Kapselvorspannung direkt von der 48-Volt-Phantomspeisung, ableitete, während das spätere U87A über einen Gleichspannungswandler verfügt, der die für die Kapsel eigentlich optimalen 60 Volt erzeugt. Hintergedanke des Miktek’schen Umschalters scheint demnach, beide U87- Varianten zu emulieren. Ob das wirklich funktioniert, soll der Praxistest zeigen.

Das CV4 ist ein Röhrenmikrofon der alten Schule, ohne jede Spur von Silizium im Signalweg. Als aktives Bauelement kommt eine EF800-Röhre zum Einsatz, und zwar eine originale Telefunkenröhre aus altem Lagerbestand. Bei der EF800 handelt es sich um eine Langlebeversion der EF80, die wiederum mit der im Neumann U67 verwendeten EF86 eng verwandt ist.

Wie bei fast allen Röhrenmikrofonen ist die Pentode als einfache Triode verschaltet − Trioden gehen weicher und subjektiv angenehmer in die Sättigung als Pentoden. Die Schaltungsphilosophie orientiert sich am Neumann-Klassiker U47: simpler Aufbau aus wenigen, dafür umso hochwertigeren Bauteilen. Auf die einstufige Röhrenschaltung folgt die finale Impedanzwandlung und Symmetrierung durch einen Abwärtsübertrager von AMI. Im Vergleich zum C7 kommt beim CV4 allerdings ein viel massigerer Übertrager zum Einsatz, der einigen Pegel wegstecken dürfte.

Auch beim akustischen Design hat man sich offenbar vom Neumannklassiker U47 inspirieren lassen: Die Kapsel sitzt recht weit oben im Korb, sodass der obere Ring bis auf Kapselhöhe ragt − nach Lehrbuch nicht optimal, aber sicher eine bewusste Entscheidung, denn beim U47 ist’s genauso. Der Body samt Korb ist aber deutlich schmaler als beim Neumann-Klassiker und näher an den Dimensionen des alt-ehrwürdigen Telefunken ELA M251. Wenn man nun noch bedenkt, dass das Kapseldesign sich an dem des Neumann U67 orientiert, erweist sich das Miktek CV4 als interessante Melange aus einer ganzen Reihe von Röhrenmikrofonklassikern.

Technische Werte

Obgleich beide Mikrofone ähnliche (aber laut Typenbezeichnung nicht identische) 1-Zoll-Doppelmembrankapseln verwenden, unterscheiden sich ihre Frequenzgänge recht signifikant. Wie bei S&R üblich, wurde in einem gewöhnlichen Aufnahmeraum bei 33 cm Abstand zur Schallquelle gemessen, um ein praxisnahes Bild der Mikrofon-Response zu erhalten.

Unter Einbeziehung des auf diese Distanz noch wirkenden Nahbesprechungseffekts ist der Frequenzverlauf bis etwa 1.000 Hz nahezu eben. Darüber steigt die Kurve gemächlich an, um bei 12 kHz in eine für diese Kapsel typische Höhenanhebung zu münden. Anders als bei seinem Vorbild, dem Neumann U87, wird diese Höhenanhebung der Kapsel durch die Mikrofonschaltung nicht oder nur in geringem Maße kompensiert.

Neugierig, wie ich bin, habe ich sowohl mit 48 als auch mit 60 Volt Polarisationsspannung gemessen, um zu sehen, ob ein Unterschied sichtbar wird. Immerhin sollte die höhere Vorspannung zu einer etwas stärkeren Anziehung zwischen Membran und Gegenelektrode führen, was Auswirkungen auf das Schwingungsverhalten hätte. Tatsächlich ist aber der Unterschied − zumindest auf Frequenzgang-Ebene − marginal. Deutlicher ist er bei der : In der 60-Volt-Stellung ist das C7 etwa 2 dB »lauter«, weshalb ich diese Einstellung empfehlen würde.

Das CV4 geht in den oberen Frequenzen deutlich sanfter zu Werke. Die Höhenanhebung in Form eines abgeflachten Peaks um 10 kHz fällt mit rund 3 dB recht moderat aus. Gleichzeitig ist der Bass deutlich voller; der Nahbesprechungseffekt lässt eine breite Anhebung unterhalb von 100 Hz hervortreten, die der massige Übertrager in keiner Weise beschneidet. Im wichtigen Mittenbereich bleibt das CV4 dagegen weitgehend linear, was ein gutes Omen für unverfälschte Stimm- und Instrumentenfarben ist.

In Sachen Rauschen geben sich beide Mikteks keine Blöße. Das C7 ist mit einem Eigenrauschen von 13 dB-A in Nierenstellung spezifiziert, die das Testmodell auch locker einhält; gleiches gilt für das CV4, dessen Eigenrauschen im Datenblatt mit 16 dB-A angegeben ist. Beide Mikros liefern ordentlichen Pegel. Das C7 bringt es in der 60-Volt-Stellung auf eine Empfindlichkeit (Sensitivity) von −35,8 dB re 1 V/Pa (entspricht 16,2 mV/Pa), womit das Testexemplar zwar von der Herstellerspezifikation von −29 dB deutlich abweicht, der etwas niedrigere Ausgangspegel erweist sich in der Praxis aber sogar hilfreich, weil der kleine Ausgangsübertrager nicht so rasch über steuert. Positiv ist auf jeden Fall, dass die im Datenblatt angegebene Verschlechterung der Sensitivity beim Pattern-Wechsel um 8 dB ausbleibt: Der Ausgangspegel blieb im Test beinahe konstant.

Das CV4 verhält sich nahezu identisch und kommt auf eine Sensitivity von −35,7 dB re1 V/Pa (entspricht 16,4 mV/Pa) − hier stimmt das Datenblatt.

Technik-Kenner wird nicht verwundern, dass das Röhrenmikro in Sachen dem FET-Mikrofon überlegen ist. Das CV4 kommt auf 133 dB-SPL, während das C7 nur 127 dB-SPL wegstecken kann. Simple FET-Schaltungen gehen eben recht flott in die Sättigung, während Röhren mit ihren hohen Anodenspannungen viel weitere Schwingungsamplituden verzerrungsarm umsetzen können − von verzerrungsfrei mag man nicht reden, denn ein bisschen Obertonfunkeln produzieren sie immer, aber genau dafür lieben wir ja die Röhrentechnik.

Praxis

Wie klingt’s? Beide Mikteks wirken »erwachsen« − die Designer haben sich offensichtlich ihre Gedanken gemacht. Nichtsdestoweniger unterscheiden sich die beiden Mikros recht signifikant im Klangverhalten. Das C7 wirkt im Bass leicht verschlankt und zeigt in den oberen Frequenzen deutlich Kante. Insgesamt versprüht das Klangbild einen gewissen 80’s-Appeal mit klarer Kontur, während der Schmeichelfaktor eher unterrepräsentiert ist. Etwas runder wirkt der Sound in Achterstellung, auf Kugel umgeschaltet kommt dagegen ein recht heller, jedoch nicht körperloser Klang zustande, der sich gut für Background-Vocals eignet, zumal man ja mehrere Sänger um das Mikro gruppieren kann.

Die Poppneigung ist nicht allzu hoch; erfahrene Vokalisten könnten prinzipiell ohne externen Popp-Schirm auskommen. Nur geringe Wirkung zeigt der Low-Cut, denn seine Einsatzfrequenz liegt bei nur 45 Hz und besitzt eine sehr flache Filtercharakteristik. In den Höhen neigt das Miktek C7 weniger zum Zischeln als die üblichen China-Mikros; bei Stimmen mit besonders ausgeprägten S-Lauten dürfte aber eine gewisse Schärfe unvermeidlich sein − das liegt einfach an der recht hellen Klangabstimmung.

Deutlich »schmusiger« und schmeichlerischer gibt sich das CV4 und bestätigt damit das Klischee vom weichen und »warmen« Röhren-Sound − auch wenn die Ursache für das rundere Klangbild wohl eher bei der etwas anderen Kapsel und dem wuchtigeren Ausgangsübertrager zu suchen ist als in der Magie des Glimmkolbens. Das CV4 hat durchaus einen gewissen Vintage-Appeal mit schönen, vollmundigen Mitten, einem satten, aber nicht wummernden Bass und lieblichen Höhen, die es dennoch nicht an »Luft« vermissen zu lassen.

Ohne Frage ist das CV4 das vielseitigere der beiden Miktek-Großmembranmikros, das sich für eine Vielzahl von Stimmen eignet. Selbst an der Akustikgitarre fand ich das CV4 letztlich angenehmer und authentischer als das C7. Das CV4 prägt dem Signal nur wenig Klangfärbung auf, während das C7 eine deutliche Signatur hinterlässt. Wenn das C7 etwas 80er-mäßig daherkommt, wirkt das CV4 nahezu zeitlos.

Fazit

Nachdem Miktek bereits mit seinem C5-Kleinmembranmikrofon punkten konnte, beweist der Hersteller mit seinen beiden Großmembranmikrofonen erneut Sachverstand und Augenmaß. Das Transistormodell C7 und das Röhrenmikrofon CV4 präsentieren sich als kompetente Designs mit Anleihen bei diversen Mikrofonklassikern, ohne aber 1:1 abzukupfern.

Das C7 sei jenen empfohlen, die ein Gesangsmikrofon mit klarer Kontur und einer − heute ja wieder gefragten − 80er-Jahre-Ästhetik suchen. Universeller und insgesamt auch überzeugender scheint mir das CV4, das nicht nur mit dem gewissen Röhrenfunkeln zu gefallen weiß, sondern auch mit einem sehr schön ausgewogenen, vollmundigen Klangbild. Viele Röhrenmikrofone jüngeren Datums sind ja etwas speziell und rein auf Vocals abonniert − nicht so das Miktek CV4, das recht vielseitig einsetzbar ist, zumal mit seiner neunfach umschaltbaren Richtcharakteristik. Mithin ein heißer Tipp für kleine bis mittlere Projektstudios, wo das CV4 eine Menge Anwendungen kompetent abdeckt. Angesichts der hohen Klangleistung und des weiten Aktionsradius, scheint der Ladenpreis von rund 1.400 Euro völlig gerechtfertigt.

Hersteller/Vertrieb

Miktek Audio / sound service

UvP/Straßenpreise

C7:

1.069,81 Euro / ca. 950,− Euro,

CV4:

1.545,81 Euro / ca. 1.400,− Euro

www.miktekaudio.com

C7

+++ ausgewogener Klang

+++ niedriges Eigenrauschen

+++ umfangreiche Ausstattung

CV4

+++ besonders ausgewogener Klang

+++ niedriges Eigenrauschen

+++ umfangreiche Ausstattung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren: