Im siebten Hall-Himmel

Liquid Sonics Seventh Heaven Professional – Reverb-Plug-in im Test

Seventh Heaven

Dass Liquid Sonics umfangreiche Erfahrung hinsichtlich künstlicher Hall-Erzeugung vorweisen kann, zeigte der Hersteller bereits mit »Reverberate« oder der iOS-App »Mobile Convolution«. Zudem brachten Kollaborationen mit Image Line den »Fruity Convolver« für FL Studio oder das kürzlich vorgestellte Plug-in »Verb Suite Classics« für Slate Digital hervor. Nun wendet sich die Softwareschmiede der Firma Bricasti Design Ltd zu, um eines der meist verehrten Hallgeräte der gegenwärtigen Studioszene, den Bricasti M7, zu emulieren.

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Zwar erhielt Liquid Sonics die Genehmigung, alle Samples zu nutzen und auch mit der Bezeichnung »M7« hausieren zu gehen, auf eine offizielle Emulation der Edelhardware hat man sich jedoch nicht geeinigt. Wie Liquid Sonics selbst verlauten lässt, erhalte man kein M7 als Plug-in, doch komme man dem Hardware-Original näher. Das Plug-in beinhaltet also nicht die originalen Algorithmen, die im 19″- Gerät auf sechs DSPs berechnet werden.

Nichtsdestotrotz verhalte sich Seventh Heaven Professional wie ein algorithmischer Hall. Wie schon ein paar der Vorgänger arbeitet auch die neuste Errungenschaft mit der Technologie namens »Fusion-IR«, welche sehr flexible Parameteränderungen ermöglichen soll.

Installation und Einrichtung

Das Plug-in ist mit den Schnittstellen VST, AU und AAX für 32- sowie 64-Bit-Host verfügbar. Der Installer wird werksseitig mit knapp 3,5 GB an Presets ausgeliefert. Zwei weitere »Preset Expansions«, die etwa 7,5 GB umfassen, gibt es optional zum kostenlosen Download.

Leider lässt sich während der Installation kein eigener Pfad für die Impulsantworten angeben, und so landen auch die »Preset Expansions« erst Mal auf der Systemplatte. Allerdings kann man die Presets im Nachhinein aus dem »Data«-Ordner fischen und beliebig verschieben, sofern man dem Plug-in den neuen Ort mitteilt. Für den Betrieb ist ein iLok notwendig.

GUI und Workflow

Seventh Heaven Professional zeigt sich mit einer sehr übersichtlich gestalteten grafischen Oberfläche. Auf der linken Seite befindet sich ein großzügig dimensionierter Drehknopf für das Einstellen der Nachhallzeit. Flankiert wird dieser von je einem »Mix«- und einem »Gain«-Regler. In der Mitte übernehmen zwei Felder die Programmauswahl. Das obere Feld listet die Kategorien Ambience, Chambers, Halls, Plates, Rooms und Spaces, wobei es die letzten vier Kategorien in zweifacher Ausführung gibt, denn neben der ersten Algorithmus-Version ist hier auch die Revision, mit dem Zusatz »2« gekennzeichnet, vorhanden. Darunter lassen sich die eigentlichen Programme auswählen. Ein Mouse-Over verrät die Einstellungen für Diffusion, Density und Size, allesamt Parameter, die im Plug-in nicht zu finden sind.

Ebenfalls mittig integriert sind zwei Schieberegler. Der Regler VLF, genauer »Very Low Frequency«, ermöglicht das stufenlose Absenken von tiefen Frequenzen unter 200 Hz. Der Regler Early/Late hingegen kümmert sich um das Mischungsverhältnis von Erstreflexionen und Nachhall. Die rechte Seite verfügt über fünf separate Peak-Meter, welche den Pegel für Input, Output, Early, Late und VLF auf ausreichend segmentierten Bargraphen anzeigen. Sehr überschaubar und hübsch also!

Wer den Klang weiter anpassen möchte, kann dies in einem ausklappbaren Tab erledigen. Dort verstecken sich unter »Advanced Controls« weitere Parameter zum Steuern von Pre-Delay, Roll-Off oder der frequenzabhängigen Decay-Time. Auch ein Master-EQ ist in diesem Tab zu finden, der neben einem Hoch- und Tiefpassfilter drei vollparametrische Bänder anbietet.

Im Betrieb

Die Nachhallzeit umfasst eine sehr weite Spanne zwischen 200 Millisekunden und 30 Sekunden. Liquid Sonics arbeitet dazu mit Multisamples, also mit mehreren Impulsantworten des gleichen Programms, allerdings mit verschiedenen Längen.

Ein Rechtsklick auf Decay-Time zeigt ein Popup-Menü mit allen abgesampelten Nachhallzeiten. Wird einer dieser Werte ausgewählt, liegt die höchstmögliche Klangqualität vor, während Werte dazwischen interpoliert werden. Bei kontinuierlicher Änderung der Decay-Zeit wird die Hallfahne nur selten hörbar abgeschnitten, jedoch blitzschnell mit der neuen ersetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Faltungshallprozessoren sind hier keine langen Unterbrechungen bzw. Ladezeiten zu erkennen. Die Reaktionszeit nach Parameteränderungen ist also extrem gering oder teils gar nicht wahrnehmbar.

Die Presets liegen in einem speziellen Format vor, daher ist es leider nicht möglich, eigene Impulsantworten zu importieren. Zu – dem sind die Presets der etwas günstigeren Version nicht kompatibel mit Seventh Heaven Professional − und umgekehrt.

Ein Feature, das leider viel zu wenige Reverb-Prozessoren anbieten, ist die Möglichkeit, das Pre-Delay zum Host-Tempo zu synchronisieren. Glücklicherweise lässt sich diese Funktion bei Seventh Heaven optional hinzuschalten, wodurch der Reverb rhythmisch erst nach einer Taktdauer zwischen 1/64T und 1/4D einsetzt.

In diesem Zusammenhang sollte man auch das integrierte Delay ansprechen, welches das Hallsignal mit ein paar weiteren Rückwürfen noch prägnanter gestalten kann. Dazu wird das trockene Signal erneut in den Late-Pfad eingespeist. Alleine schon wegen diesen beiden Gimmicks gibt es noch mal einen Daumen nach oben.

Das virtuelle »M7« ist übersichtlich parametrisiert.

Der Sound

Die Klangqualität ist hervorragend. Auffällig ist die hohe Dichte und Klarheit des Halls, der sich ohne störende Resonanzen sehr gut in die Mischung einbetten lässt. Ein »Large Hall« auf den Lead-Vocals oder eine kurze Ambience auf der Percussion − für jedes Signal findet man eine Vielzahl von passenden Settings.

Für einen geschmackvollen Retro-Vibe ist das Plug-in allerdings weniger geeignet. Wer auf deutliche Färbungen oder einen leicht metallischen Charakter Wert legt, sollte besser auf Emulation von einem Platten- oder Federhall zurückgreifen. Da gibt es auf dem Markt viel im Angebot, wenn man sich beispielsweise UAD EMT 140, Valhalla VintageVerb, Softube Spring Reverb oder PSP Spring-Box ins Gedächtnis ruft.

10 Instanzen von Seventh Heaven Professional schlagen in Cubase 9 mit etwa 12 Prozent auf der internen CPU-Anzeige aus − unabhängig von der Nachhallzeit. Die gleiche Anzahl von Steinberg Reverence oder Waves True-Verb verlangt zwar deutlich weniger Prozessorleistung, jedoch kann man Seventh Heaven in Anbetracht der hervorragenden Klangqualität nicht wirklich als CPU-hungrig abstempeln. Falls es doch mal eng wird, lässt sich das Plug-in auf den Modus »Low CPU« umschalten, der nur knapp die Hälfte der Ressourcen beansprucht. Allerdings muss die Instanz dann neu geladen werden. Das können die meisten Mitstreiter besser.

Fazit

Liquid Sonics hat es geschafft, erstklassige Klangqualität mit intuitiver Bedienung zu kombinieren. Auch wenn im Plug-in mit Impulsantworten gearbeitet wird, fühlt es sich dank extrem schneller Ansprechzeit und weitreichender Parametrisierung wie ein algorithmischer Hall an.

Mit dem umfangreichen Preset-Angebot ist man bestens für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche gerüstet, und mit den Advanced Controls bleiben eigentlich keine Wünsche zur Klanganpassung mehr offen.

Der Preis von umgerechnet ca. 270,− Euro ist absolut gerechtfertigt. Ob man tatsächlich die Professional- oder doch die etwas günstigere und abgespeckte Version erwirbt, sollte man selbst nach einer 14-tägigen Probefahrt entscheiden. Auch hier gilt: nur mit iLok!

 

+++ sehr gute Klangqualität

+++ übersichtliche Bedienoberfläche

+++ umfangreiche Preset-Sammlung

++ Temposynchronisation von Pre-Delay

– Der Modus »Low CPU« erfordert einen Neustart.

 

Hersteller: Liquid Sonics

Downloadpreis: ca. 299,− Dollar

www.liquidsonics.com

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Vermisse ich als einziger die Angabe für welche OS Plattform dieses Plug in zu haben und zu nutzen ist? Es gibt ja bekanntlich Apple, Windows und Linux:-)

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    1. Hey Robert, du kannst Seventh Heaven mit Windows 7 oder höher und OS X / macOS 10.9 und höher betreiben! 🙂

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