Modulare Kontrolle

iCON Platform M und Platform D DAW-Controller mit Display

(Bild: Axel Latta)


Nach dem »QCOn Pro X« legt der Hersteller iCON mit einem stark abgespeckten Controller nach. Es wird kompakt und modular. Sieht man sich den großen Bruder »QCON Pro X« genauer an, hat iCON großzügig den Rotstift angesetzt. So fallen bei »Platform M« die Meter-Bridge, Timecode-Anzeige und so manch anderes Feature weg. Allerdings wirkt sich das sehr positiv auf den Preis aus.

Die Rückseite von »Platform M« ist mit den üblichen Anschlüssen für Kensington-Lock und USB-Kabel ausgestattet. Auch ein Netzschalter ist vorhanden. Die Stromversorgung erfolgt über das mitgelieferte 12-Volt-Netzteil. Außergewöhnlich hingegen ist die FireWire-Buchse. Diese dient zum Anschluss des LC-Displays »Platform D«, welches separat erhältlich ist und mit knapp 150 Euro zu Buche schlägt. Eine Buchse zum Anschluss eines Footswitch fehlt leider. Das Gehäuse mit Maßen von 396 x 195 x 56 mm (BxTxH) besteht aus schwarzem Kunststoff, die Deckplatte hingegen aus Aluminium. Die Verarbeitung ist gut, und der Controller steht mit seinen fast zwei Kilogramm Gewicht stabil auf dem Tisch. Die Deckplatte ist mit insgesamt neun Fadern bestückt, von denen einer fest als Master-Fader dient.

Die anderen acht Fader werden von je vier Buttons begleitet: Select, Mute, Solo und Record Arm. Gegenüber dem Vorgänger QCon Pro X spart der Hersteller viel Platz ein, indem diese Buttons nicht über den Fadern, sondern dazwischen platziert wurden. Ob das den Work – flow verbessert oder verschlechtert, hängt vom eigenen Nutzerverhalten ab. Die Kanalzüge sind nicht mit einer Skalierung bedruckt − eigentlich weniger schlimm, da es bei einigen universell einsetzbaren Controllern je nach DAW zu einem Versatz kommen kann. Allerdings wäre eine Markierung der Position »Unity Gain« schon hilfreich gewesen − egal mit welcher DAW. Der Platform M verfügt über acht dedizierte Endlos-Encoder mit Push-Funktion. Auf der rechten Seite findet man eine Transport-Sektion inklusive Jog-Wheel und ZoomFunktion. Auch die gängigen Bedienelemente zum Umschalten der Kanäle bzw. Bänke sind hier vorhanden.

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Installation und Einrichtung

Ein gedruckter Quickstart-Guide sowie eine DVD mit Tools und PDFs sind mit dabei. Um jedoch stets auf dem neusten Stand hinsichtlich Treibern und Firmware zu bleiben, sollte man sich auf der Homepage des Herstellers umsehen. iCON liefert außerdem noch Codes mit, die zu einem Download von Samplitude 11 Silver und Cubase LE berechtigen. Für die Einrichtung unter Windows ist lediglich die Installation der Software »iMap« notwendig. Diese stellt einen Editor bereit, der eine individuelle Belegung aller Bedienelemente ermöglicht. Auch Firmware-Updates werden hier vollzogen. Seltsamerweise gibt es iMap nicht für OS X, somit müssen Mac-Nutzer auf die freie Konfiguration des Controllers vorerst verzichten. Platform M arbeitet mit dem Protokoll »Mackie Control«, das von fast allen gängigen DAWs unterstützt wird. So erfolgte auch die Einrichtung in Cubase und Ableton Live ohne Probleme.

Im Betrieb

Nach dem Einschalten kann man per Tastenkombination in einen von elf Betriebsmodi wechseln. Zur Auswahl stehen Nuendo, Cubase, Logic Pro, Samplitude, Live, Pro Tools, Reaper, StudioOne, Reason, Bitwig sowie ein User-Modus. In welchem Modus sich Platform M nun befindet, lässt sich ohne das zusätzliche Display mithilfe der LEDs über den Fadern ablesen. Diese LEDs signalisieren ebenso die Touch-Bereitschaft eines jeden Faders, sobald der Finger nur leicht aufge – legt wird. Die Haptik der Fader ist gut, und mit dem großzügigen Regelbereich von 10 cm lassen sich detaillierte Lautstärkeänderungen vornehmen. Allerdings ist die Geräuschentwicklung der Fader im Vergleich zum drei Mal so teuren Avid Artist Mix höher.

Beim Bankwechsel sind die Motoren deutlich hörbar, bei automatisierten Fader-Fahrten mit langsamer Bewegung kommt hin und wieder sogar ein leichtes Knarzen hinzu. Die acht Encoder übernehmen von Haus aus die Steuerung des Panoramas. Auch das klappt gut. Die Bedienung erfolgt mithilfe einer Drehbeschleunigung, d. h., eine lang – same Drehung bewirkt geringere Wertänderungen. Ein Druck auf den Encoder hingegen setzt das Panorama in einigen DAWs zurück in die Mitte. Die drei Buttons am Master-Fader übernehmen je nach DAW unterschiedliche Funktionen, die nur bedingt der Beschriftung entsprechen. Während in Cubase noch alles übereinstimmt, klappt der Buttton »Mixer« in Ableton Live die Detail-Ansicht ein und aus, »Read« wechselt zwischen Arrangement- und Session-Fenster. »Write« hingegen vertauscht die Clip- und Geräte-Ansicht.

Gut, das ist zum Teil aber auch dem eigenen Konzept des Live-Sequenzers geschuldet. Recht praktisch kann die Lock-Funktion sein, welche alle Fader vor versehentlichem Verschieben bewahrt. Die Bedienung von Platform M ist sehr einfach, allerdings wird man in größeren Sessions, die mehrfaches Banking erfordern, vor fast jedem Griff auf den Computer-Bildschirm blicken, denn ein Scribble-Strip, der stets die aktuelle Kanalbenennung anzeigt, fehlt wohlgemerkt. Zusammen mit Platform D sieht die Sache jedoch schon anders aus.

Display

Ist das zusätzlich erhältliche Platform D angeschraubt und verkabelt, zeigt das blau leuchtende Display auf zwei Zeilen den Spurnamen und die Panoramaposition an. Hat man einen Fader unter dem Finger, wechselt die obere Zeile zu einer Dezibel-Anzeige um. Neigungswinkel und Kontrast des Displays lassen sich je nach Sitzposition und Lichtverhältnissen variieren. Leider gibt es auch mit angeschlossenem Platform D keine Möglichkeit, die aktuellen Pegel anhand von Bargraphen im Stile einer Meter-Bridge abzulesen. Vielleicht kommt das mit einem Firmware-Update? Mackie Control Universal, Avid Artist Mix und andere Controller-Systeme bieten die Möglichkeit, das Hauptmodul mit weiteren Geräten zu erweitern, um mehr Fader gleichzeitig nutzen zu können. Wie läuft das bei iCON? »Platform X« nennt sich das optional erhältliche Erweiterungsmodul, welches acht weitere Fader, diesmal ohne Transport-Sektion, bietet. Laut Hersteller ist es möglich, bis zu drei dieser Expansion-Controller mit Plat – form M zu betreiben und somit insgesamt 32 Kanäle gleichzeitig zu steuern.

Fazit

iCON ist mit Platform M ein kompakter DAW Controller gelungen, der sich gut für Einsteiger- und Projektstudios eignet. Klar, das zusätzlich erhältliche LC-Display gehört zum modularen Konzept und gibt mehr Kontrolle über die tatsächlichen Kosten. Allerdings wird die Bedienungsfreundlichkeit ohne Scribble-Strip stark eingeschränkt, da keine visuelle Rückmeldung für Kanalbenennung und Panoramaposition geboten ist. Dennoch sind die wichtigsten Funktionen gut integriert, und die bidirektionale Kommunikation zwischen DAW und Controller verläuft einwandfrei.


Das Steuerprotokoll »Mackie Control« ist auch bei iCON im Einsatz.

 


++ gute Verarbeitung
++ erweiterbar auf bis zu 32 Fader mit »Platform X«
– iMap nicht für Mac OS X verfügbar
– LC-Display »Platform D« nur separat erhältlich

Platform M
Hersteller iCON
Straßenpreis ca. 300,− Euro

www.iconproaudio.com

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