Midfield-Monitor

HEDD Type 30: 3-Wege-Studiomonitor mit AMT-Hochtöner im Test

HEDD Type 30
(Bild: Dieter Stork)

Unter dem Firmennamen HEDD tritt ein neuer Akteur auf die Berliner Bühne. Der Titel des Stücks: »Studiomonitore der gehobenen Kategorie« mit dem bekannten Star AMT (Air Motion Transformer), Regie: Klaus Heinz. Kenner der Szene fragen sich jetzt: Handelt es sich beim HEDD Type 30 um eine Wiederholung oder eine Neuauflage oder doch was ganz Neues?

Im neuen HEDD-Portfolio finden sich aktuell die Modelle Type 05, Type 07 und Type 30. Die beiden kleineren Monitore sind 2-Wege-Systeme mit 5″- bzw. 7″-Tieftönern. Der zum Test gestellte Type-30-Monitor ist ein 3-Wege-System mit zwei 7″-Tieftönern, einem 4″-Mitteltöner und dem AMT-Hochtöner mit Waveguide, hier als »HEDD AMT« bezeichnet.

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Der erste Eindruck der Type 30 ist schwerwiegend. Mit knappen 23 kg ist der Monitor deutlich schwerer als erwartet. Der Grund liegt in der äußerst massiven Gehäusekonstruktion mit einer 38-mm-Front und 22 bzw. 28 mm starken Seitenwänden mit zusätzlichen Verstrebungen und einem separiertem Volumen auf der Rückseite für die Elektronik. Insbesondere Letzteres ist hervorzuheben, weil sich viele Hersteller die Trennung vom akustisch aktiven Volumen des Tieftöners und dem Raum für die Elektronik sparen, womit sich das Gesamtvolumen verringern und Kosten einsparen lassen. Dem steht jedoch gegenüber, dass einige elektronische Bauteile wie Kondensatoren durchaus auch Mikrofonie-Effekte ausbilden und ganz pragmatisch betrachtet dauerhafte Vibrationen auch zu technischen Problemen und Ausfällen führen können.

Die zweite Frage wäre: Was bringen die massive Frontplatte und das ungewöhnlich schwere Gehäuse? Die massive Konstruktion ist in jedem Fall weniger anfällig gegen Resonanzen, und die schwere Frontplatte entkoppelt die einzelnen Treiber besser voneinander. Wie sehr sich das gegenüber einer vielleicht 10 kg leichteren Konstruktion auswirkt, ist nur schwer einzuschätzen. Da Studiomonitore jedoch typischerweise nur einmal transportiert und aufgestellt werden, bringt das Gewicht in dieser Größenordnung noch keine Probleme mit sich.

HEDD Type 30
Der Monitor im Messraum (Bild: Anselm Goertz)

Bei den Konustreibern setzt man bei HEDD auf Honeycomb-Sandwich-Membranen mit neuen Harzen als Bindematerial, mit denen laut Hersteller die Membransteifigkeit um den Faktor 3 erhöht werden konnte. Selbstverständlich verfügen die Konustreiber auch über Aluminium-Druckgusskörbe und hinterlüftete Schwingspulen. Die Antriebe sind mit Ferritmagneten ausgestattet, die, solange das Gewicht keine Rolle spielt, kleine Vorzüge in puncto Antriebskraft und thermischer Kapazität gegenüber Neodym-Chassis haben. Der AMT ist dagegen mit Neodym-Magneten bestückt, die hinter der Membran liegen und deren magnetsicher Kreis sich über die schmalen Stege vor der Membran schließt. Das Waveguide am AMT passt das Abstrahlverhalten im Übergangsbereich zum Mitteltöner an und steigert gleichzeitig auch noch die Sensitivität ein wenig.

Ein kurzer Blick auf die Rückseite zeigt die üblichen Eingänge symmetrisch auf XLR und unsymmetrisch mit einer Cinch-Buchse, einen Trimmer zu Pegelanpassung sowie zwei weitere Trimmer für die Einstellung von Low-und High-Shelf-Filtern mit jeweils ±4 dB Gain. Der Schacht für die HEDD-Bridge ist durch eine Abdeckplatte erschlossen, in die künftig Module mit digitalen Eingängen für Audionetzwerke (Dante oder AES67) oder im AES3-
Format eingesetzt werden sollen. In der Entwicklung befindet sich zurzeit auch ein USB Modul.

Interessant wird es dann im Innern. Neben der Platine mit den analogen Filterschaltungen gibt es hier vier Endstufenmodule des dänischen Herstellers ICEpower. Je zwei Module werden von einem Netzteil versorgt. Die maximale Leistung der Endstufen wird von ICEpower mit 300 W an 4 Ohm und 150 W an 8 Ohm angegeben. Die beiden Tieftöner werden mit dem gleichen Signal versorgt. Jeder hat jedoch seine eigene Endstufe. Die Trennfrequenzen werden im Datenblatt mit 250 Hz und 2,5 kHz angegeben.



Aus dem Messlabor

…unter reflexionsfreien Bedingungen stammen die folgenden Messungen zum Frequenzgang, zum Abstrahlverhalten und zu den Verzerrungswerten. Der Klasse-1-Messraum erlaubt Messentfernung bis zu 8 m und bietet Freifeldbedingungen ab 100 Hz aufwärts. Alle Messungen erfolgen mit einem B&K 1/4″-4939-Messmikrofon bei 96 kHz Abtastrate und 24 Bit Auflösung mit dem Monkey-Forest Audio-Messsystem. Messungen unterhalb von 100 Hz erfolgen als kombinierte Nahfeld-Fernfeldmessungen.



Messwerte

Mit einer unteren Eckfrequenz von 33 Hz und über 40 kHz am oberen Ende bleiben beim Frequenzgang kaum Wünsche offen. Speziell am oberen Ende zeigt der AMT, welche Fähigkeiten er hat. Auf der anderen Seite erübrigen die 33 Hz wohl für 99 % der Fälle eine mögliche Diskussion über einen unterstützenden Subwoofer. Über alles betrachtet ist der Frequenzgang leicht wellig in einer Größenordnung von ±2,6 dB, jedoch ohne schwerwiegende Tendenzen. Der zugehörige Phasengang weist den minimalphasigen Anteil für ein 3-Wege-System mit X-Over-Filtern 4.Ordnung (2 x 360°), einem Bassreflexgehäuse (360°) und zusätzlichem elektrischen Hochpassfilter (180°) auf. Im Abstrahlverhalten liegen die −6-dB-Mittelwerte bei 122 x 97 Grad (HxV) mit einer tendenziell zu den Höhen hin zunehmenden Bündelung.

Für die Praxis könnte man ±45° horizontal als maximal mögliche Bewegungsfreiheit definieren. Wenn man sich die beiden Messungen aus Abb. 7 und 8 zum Thema Maximalpegel anschaut, dann hat man bei HEDD nicht zu viel versprochen. Die Type 30 ist mit einem Mittlungspegel von 105 dB und 116 dB Peak bei maximal 5% Verzerrungen mächtig laut. Ebenso spricht der mit 108 dB gemessene Maximalpegel zwischen 50 und 100 Hz für sich.

HEDD Type 30
Rückansicht der Type 30 (Bild: Dieter Stork)

Hörtest

Für den Hörtest wurde die Type 30 in einer Entfernung von 2 bis 3 Metern von den Hörplätzen freistehend aufgebaut. Trotz der etwas größeren über das typische Nearfield schon hinausgehenden Entfernung waren jederzeit auch hohe und sehr laute Abhörpegel gut möglich, ohne dass man den Eindruck hatte, dass die Monitore schon an ihrem Limit liefen. Überzeugend stellte sich auch die tief gehende und pegelfeste Basswiedergabe dar. Die Mitten und Höhen lieferten erwartungsgemäß ein exzellentes Ergebnis ab, das am besten mit »klanglich fein aufgelöst« und »präzise in der Ortung« beschrieben werden kann. Der AMT-Hochtöner erfreut sich bestimmt nicht ohne Grund einer so großen Beliebtheit und eines so guten Rufs. Da ausschließlich mit 48 kHz aufgenommenes Material abgehört wurde, kann es nicht an der zusätzlichen Oktave im Spektrum des Hochtöners von 20 bis 40 kHz liegen. Jedoch liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ein Hochtöner, der locker bis über 40 kHz arbeitet, auch den hörbaren Hochtonbereich unter 20 kHz besser verarbeitet als andere Modelle, die schon kurz oberhalb von 20 kHz kollabieren.

Fazit

Das Spitzenmodell Type 30 der ersten Monitorserie des neu gegründeten Berliner Herstellers HEDD bietet zwar ein bekanntes Konzept in der Bestückung als quer liegend zu betreibendes 3-Wege-System mit zwei Tieftönern und einem AMT als Hochtöner, ist aber in vielen, um nicht zu sagen: in nahezu allen Einzelheiten neu entwickelt oder verbessert worden. Das betrifft die Treiber, die Endstufen und auch das Gehäuse. All das spiegelt sich auch in den Messergebnissen und im Höreindruck wider. Als Midfield- oder auch als Nearfield-Monitor macht die Type 30 einen sehr guten und wertigen Eindruck und bietet dem Anwender eine professionelle Abhörmöglichkeit auf hohem Niveau.

+
Messwerte
++
Klangqualität
++
Einsatzmöglichkeiten
+++
Verarbeitung und Wertigkeit
+
Preis/Leistungs-Verhältnis

PROFIL HEDD TYPE 30

Frequenzbereich: 33 Hz − ›40 kHz (−6 dB)
Welligkeit: 5,3 dB (100 Hz − 10 kHz)
hor. Öffnungswinkel: 122 Grad (−6 dB Iso 1 kHz − 10 kHz)
hor. STABW (Standardabweichung): 33 Grad (−6 dB Iso 1 kHz − 10 kHz)
ver. Öffnungswinkel: 97 Grad (−6 dB Iso 1 kHz − 10 kHz)
ver. STABW: 40 Grad (−6 dB Iso 1 kHz − 10 kHz)
max. Nutzlautstärke: 107,4 dB (3 % THD 100 Hz − 10 kHz)
Basstauglichkeit: 108,3 dB (10 % THD 50 − 100 Hz)
Maximalpegel in 1 m (Freifeld) mit EIA-426B Signal bei Vollaussteuerung: 104,8 dB Leq und 116,5 dB Peak
Paarabweichungen: 1,6 dB (Maxwert 100 Hz − 10 kHz) Störpegel (A-bew.): 28 dBA (10 cm)
Maße/Gewicht: 530 x 280 x 338 mm (BxHxT) / 22,8 kg

Type 30 Hersteller HEDD
UvP/Straßenpreis pro Lautsprecher
2.999,− Euro / ca. 2.600,− Euro

www.hedd.audio

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das glaube ich Ihnen sehr gern und kann mir auch gut vorstellen, dass der ehemalige “ADAM Regisseur” sein ganzes Können in dieses “neue” Monitorsystem mit eingegeben hat. Dennoch jetzt als stolzer ADAM S3X-H Besitzer zu wechseln macht keinen Sinn, wenn man schon einen der best klingenden Monitore hat!

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  2. HEDD bietet eine Linearisierung des Phasengangs (sogar in zwei verschiedenen Presets) mit dem “Lineariser” per App oder DAW-Plugin an. Diese Funktionalität stellt eine vielversprechende Innovation dar, welche von anderen Herstellern bisher nicht geboten wird. Daher wäre eine technische sowie perzeptive Betrachtung des Themas aus Sicht des Endanwenders toll gewesen. Kann dies eventuell noch nachgeholt werden, oder vielleicht in einem eigenen Praxis-Artikel? 🙂

    Des weiteren Scheint die aktuelle Angabe für den Straßenpreis von 3000€ pro Paar nicht korrekt.

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    1. Hallo Hannes,
      Der Preis bezog sich natürlich auf einen einzigen Lautsprecher. Danke für den Hinweis.
      Lieben Gruß

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