Bodypack

Fieldrecorder Zoom F1-LP im Test

Zoom besitzt inzwischen ein sehr großes Repertoire an Field- und Multitrack-Recordern. Nun wird die F-Serie nach dem F4 und F8 mit einem sehr kompakten Recorder ergänzt, der zudem mit allen vorhandenen Zoom-Kapseln erweiterbar ist.

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Der F1 richtet sich in erster Linie an Podcaster, YouTuber und Video-Dienstleister, die ohne dedizierten Tonmann unterwegs sind. Die Funktechnologie ist häufig eine elegante Methode, den Ton zum Aufnahmegerät oder zur DSLR-Kamera zu übertragen. Für ein vernünftiges System von Sennheiser, Shure oder Lectrosonics − den Industrie-Standards − muss man jedoch etwas tiefer in die Tasche greifen. Insofern kann das direkte Aufzeichnen auf das Gerät selbst von Vorteil sein.

Und hier kommt der F1 ins Spiel. Der Recorder ist mit zwei verschiedenen Ausstattungen verfügbar: Der hier getestete F1-LP wird mit einem Lavalier-Mikrofon ausgeliefert, bei der Variante F1-SP ist hingegen ein Supernieren-Richtmikrofon inklusive Windschutz und einer speziellen Aufhängung dabei. Mit einer der von Zoom erhältlichen Stereokapseln oder XLR/Klinken-Combobuchsen wie der EXH-6 wäre der handliche F1 auch für Sounddesigner oder für Musiker zum Live-Mitschnitt von Konzerten interessant.

Hardware

Das Gehäuse selbst besteht aus schwarzem Kunststoff, jedoch sind an zwei Seiten Aluminiumplatten angeschraubt, die durch zwei Stangen verbunden sind und zum Befestigen der optionalen Kamera-Spinne (F1-SP) dienen. In der Bodenplatte ist ein kleines Gewinde für das Anschrauben des mitgelieferten Gürtel-Clips eingelassen. Allerdings fehlt das typische Gewinde im 3/8″- oder 5/8″-Format, um den Recorder direkt auf ein Mikrofonstativ zu schrauben. Mit Maßen von 64 x 80 x 33 mm (B x T x H) bringt das Gerät 120 Gramm auf die Waage − ohne Batterien. Zum Vergleich: Der weitverbreitete Sennheiser-Bodypack SK 300 G wiegt bei ähnlicher Größe knapp 160 Gramm.

Auf der linken Seite des F1 sind eine Klappe für zwei AAA-Batterien, ein Micro-USB-Port sowie zwei Taster für die Lautstärkeregelung zu finden. Rechts ist ein Einschubfach für eine micro-SD/SDHC-Karte vorhanden. Die Unterseite ist mit je einer Stereobuchse im Miniklinkenformat (2 kOhm) zur Entgegennahme eines Mic-/Line-Signals und für den Anschluss eines Kopfhörers ausgestattet. Oben wird der Recorder von einer fest aufgesteckten Plastikkappe abgeschlossen. Dahinter verbirgt sich die 10-Pin-Buchse für die eigens von Zoom entwickelten Mikrofonsysteme.

Die Frontplatte ziert ein monochromes LC-Display mit 1,25″ Bildschirmdiagonale. Darunter sind vier Taster angebracht: Rec Format, Lo Cut, Limiter und Rec Level. Des Weiteren findet man an der Frontplatte noch Taster für die Aufnahme sowie das Starten und Stoppen der Wiedergabe. Im Allgemeinen ist alles ordentlich und stabil verarbeitet.

Im Lieferumfang fehlt leider das hauseigene USB-Netzteil AD-17 (5V/1A), ebenso wäre ein USB-Kabel nett gewesen. Dafür ist beim F1-LP ein Lavalier-Mikrofon dabei. Das LMF-1 mit Kugel-Richtcharakteristik besitzt ein 160 cm langes Kabel, an dessen anderem Ende ein verschraubbarer Miniklinken-Stecker sitzt. Zoom liefert hier gleich drei schwarze Popfilter mit. Auch ein Clip zur Befestigung des Mikrofons am Revers oder einer Knopfleiste ist dabei.

SD-Speicher

Der F1 schluckt microSD/SDHC-Karten mit bis zu 32 GB Speichervermögen. Zoom empfiehlt eine minimale Schreibgeschwindigkeit der Klasse 4 und stellt zudem ein PDF bereit, das alle getesteten Modelle auflistet. In unserem Fall kam eine kam eine micro-SDHC von Transcend mit 8 GB (Class 10) zum Einsatz. Nach einer schnellen Formatierung verrichtete diese Karte einwandfrei ihren Dienst. Im Gegensatz zu den großen Geschwistern F4 und F8 bietet der F1 keinen zweiten Karten-Slot und somit auch keine Redundanz.

Im Betrieb

Mit angeschraubtem Metall-Clip lässt sich der Recorder zuverlässig am Gürtel oder Hosenbund befestigen. Die clevere Aufhängung erfolgt dabei »umgekehrt«, sodass die beiden Buchsen nach oben zeigen. Dadurch kann der Moderator oder Protagonist problemlos mit Blick nach unten das Display und die Beschriftung der Buttons ablesen − es sind eben oft die kleinen Dinge! Damit ist auch die rote LED, die während aktiver Aufnahme leuchtet und bei Übersteuerung des Wandlers blinkt, für alle Beteiligten gut sichtbar. Das temporär hintergrundbeleuchtete LC-Display lässt sich bestens ablesen, sowohl im Dunkeln als auch bei direkter Sonnenlichteinstrahlung.

Schiebt man den Power-Schalter in die andere Richtung, tritt die »Hold«-Funktion in Kraft. Diese deaktiviert die Funktionalität aller auf der Deckplatte angebrachten Taster und schützt somit vor Fehlbedienung.

Beim Audio-Eingang handelt es sich um eine Stereobuchse. Da mit dem Lavalier-Mikrofon jedoch nur ein Mono-Signal anliegt, sollte man die Einstellungen im Menü »Rec File« dementsprechend anpassen, um nicht unnötigen Speicherplatz mit einem »leeren« Kanal zu verschwenden. Das Menü erlaubt etwa, nur den linken Kanal auf einer Mono- oder Stereo-Spur aufzunehmen oder beide Kanäle zu einer Mono-Spur zu summieren. Im Gegensatz zum F8 unterstützt der F1 aber leider kein Dual-Channel-Recording. Mit diesem Feature könnte man die zweite Spur als Backup mit geringerem Eingangspegel bespielen.

Für das Festlegen der Eingangsverstärkung bietet der PreAmp neun Stufen zwischen »Lo −« und »Hi ++«. Auch eine automatische Gain-Regelung ist an Bord. Zur optischen Kontrolle wird ein Peak-Meter für beide Kanäle relativ groß über den gesamten horizontalen Bildschirmbereich angezeigt. Dieses repräsentiert den Bereich zwischen −48 und 0 dBFs. Wenn eine Zoom-Kapsel, beispielsweise SSH-6 oder XYH-5, aufgesteckt ist, erfolgt die Vorverstärkung über den dort angebrachten Gain-Poti.

Glücklicherweise lässt sich auch ein Testton zur Kalibrierung von externen Audiogeräten ausgeben, dessen Pegel am F1 mit −6 dBFs angezeigt wird. Bei aktivierten Limiter wird der Pegel auf −6,1 dB eingegrenzt, sehr zuverlässig und klanglich relativ unauffällig. Bei abgeschaltetem Limiter blinkt die LED, sobald der AD-Wandler übersteuert. Es wäre hilfreich, wenn das Lichtlein ebenso signalisiert, wenn der Dynamikprozessor eingreift. Vielleicht kann Zoom das über ein Firmware-Update noch lösen?

Die Wandler arbeiten mit folgenden Abtastraten und Wortbreiten: 44,1 kHz/16 Bit, 48 kHz/16 Bit, 48 kHz/24 Bit, 96 kHz/24 Bit. Ein Hochpassfilter lässt sich mit den Grenzfrequenzen 80, 120 oder 160 Hz zuschalten − oft recht nützlich, um übermäßige Windgeräusche oder Körperschall zu reduzieren.

Im Hauptmenü ist zudem eine Funktion namens »PreRecord« vorhanden. Ist diese aktiviert, landet das Eingangssignal automatisch in einem 2-Sekunden-Puffer. So ist dieses Audiomaterial noch mit auf der Aufnahme, auch wenn man den Rec-Button etwas zu spät gedrückt hat. Der F1 unterstützt zwar keinen Timecode, jedoch das »Broadcast Wave Format« (BWF), welches Metadaten wie beispielsweise »Timestamp« in WAV-Dateien einbettet. Dadurch kann man die einzelnen Audio-Clips später in entsprechenden Workstations, beispielsweise Steinberg Nuendo, auf die »Ursprungszeit« verschieben. Möchte man hingegen Speicherplatz sparen, steht alternativ das Aufnahmeformat MP3 mit Datenraten zwischen 48 und 320 kbps zur Auswahl.

Eine weitere Funktion, welche die Arbeit beim späteren Anlegen erleichtern soll, nennt sich »Sound Marker«. Hier wird ein Signalton mit einer Dauer von 0,5 Sekunden in das Audiomaterial eingefügt, wenn eine Aufnahme startet oder endet. Das ist recht hilfreich, um Bild und Ton im Nachhinein zu synchronisieren, allerdings nur, wenn dieser Sound Marker simultan auch auf der Kamera aufgezeichnet wird.

Während der Wiedergabe einer Datei wechselt die Ansicht im Display bzw. die Funktionalität der unteren vier Buttons. So übernimmt der »Lo Cut« das Anzeigen der Info, und »Limiter« erlaubt nun das Löschen der aktuellen Aufnahme. »Rec Format« und »Rec Level« hingegen dienen zum Durchschalten bzw. zum Vor- und Zurückspulen der Aufnahmen.

Dateien werden entweder numerisch von »ZOOM0001« bis »ZOOM9999« oder chronologisch mit Angabe von Tag und Uhrzeit im Format »YYMMDD-HHMMSS« benannt.

Der Kopfhörerausgang erfüllt seine Aufgabe sehr gut und ist bei Bedarf zudem ziemlich pegelstark. So kann man die Aufnahme entweder direkt abhören oder das Signal weiter zu einem zweiten Recorder durchschleifen.

Einige Recorder, beispielsweise die 6er-Serie von SoundDevices oder der F8 von Zoom, erlauben eine Fernsteuerung per Bluetooth und einer entsprechenden App. Das Metering der Eingangspegel oder eine Anzeige des Batteriestatus und der verbleibenden Aufnahmezeit per Smartphone wären sicherlich auch beim F1 eine praktische Hilfe gewesen. Weil aber ohnehin nur eine Mono- bzw. Stereo-Quelle aufgenommen werden kann, ist die Handhabung auch ohne ControlApp sehr übersichtlich.

Stromversorgung

Wir testen den Recorder mit zwei neuen AAA-Batterien des weitverbreiteten Typs Eneloop von Panasonic. Um das zugehörige Lavalier-Mikrofon mit Spannung zu versorgen, wird am F1 die sogenannte »PlugIn-Power« mit 2,5 Volt aktiviert. Am Kopfhörerausgang ist während des Tests ein Sennheiser HD-25 mit einer Impedanz von 70 Ohm angeschlossen.

Nach vier Stunden sind immer noch zwei von drei Strichen zu sehen. Nach 6 Stunden und 9 Minuten geht dem F1 in diesem Setup die Puste aus. Das ist auf jeden Fall eine gute Leistung! Doch sind die Daten auf der SD-Karte nach solch einem »Absturz« noch lesbar? Ja!

Am Rechner

Verbinden wir den F1 über die USB-2.0-Schnittstelle mit einem Computer, erscheint sofort ein Dialog auf dem kleinen Screen, der zur Auswahl zwischen Kartenleser-Modus oder Interface-Betrieb auffordert. Im Kartenleser-Modus hat man sofortigen Zugriff auf die Ordner und kann das Material übertragen. Die Ordner sind nummeriert, beispielsweise mit »Folder01«. Der F1 trennt die Aufnahmen automatisch, wenn eine Datei größer als 2 GB ist.

Für die Mac-Variante ist ein »Lightning to USB Camera Adapter« nötig.

Für Windows steht ein ASIO-Treiber für die H/F-Serie zum Download bereit. Der Treiber wird einwandfrei erkannt und bietet grundlegende Einstellungsmöglichkeiten für die Puffergröße zwischen 64 und 2.048 Samples. Die Abtastrate lässt sich unter Windows allerdings nur ändern, wenn die DAW geschlossen ist.

Unabhängig vom Betriebssystem fehlt im Interface-Betrieb allerdings die Abtastrate 96 kHz, und es wird mit einer fixen Wortbreite von 16 Bit (!) gewandelt. Nun gut, sehen wir das Interface also eher als Schmankerl an.

Fazit

Der Zoom F1 überzeugt in erster Linie durch seine kompakte Bauweise und sehr einfache Bedienung. Konzeptionell erinnert der Recorder etwas an den DR-10L von Tascam, obwohl sich der F1 durch die mögliche Nachrüstung mit verschiedenen Zoom-Kapseln, etwa einem Richtmikrofon, flexibler zeigt. Zwar gibt es keine Überwachung per App, jedoch können die Hold-Funktion und die rote LED mit Übersteuerungsanzeige die Nerven etwas beruhigen.

+++
kompakte, leichte Bauweise

+++
einfache Handhabung

++
Lavalier-Mikrofon inbegriffen (bei F1-LP)


kein Gewinde zur direkten Befestigung auf einem Mikrofonstativ

Hersteller/Vertrieb: Zoom / Sound Service
Straßenpreis: ca. 200,− Euro

www.sound-service.eu

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