Die Messdaten

Ehrlund EHR-T Twin-Kondensatormikrofon mit dreieckiger Membran im Test

Ehrlund-EHR-T-Aufmacher(Bild: Dr. Andreas Hau)

Immer wenn man denkt, die Mikrofontechnik sei weitestgehend ausentwickelt, kommt ein Hersteller, der das Gegenteil beweist. Zum Beispiel das EHR-T des schwedischen Herstellers Ehrlund: ein Doppelmembran-Kondensatormikrofon mit dreieckigen Membranen und separat herausgeführten Ausgängen für beide Kapselhälften.

Beim Stichwort »Schweden« denkt der Deutsche zunächst mal an ein bekanntes Möbelhaus und die dort erhältlichen Hackfleischbällchen. Ob bewusst oder unbewusst, bedient auch Ehrlund gängige Schweden-Klischees: Das EHR-T wird in einem Holzkistchen aus unbehandeltem Birkenmultiplex geliefert, das in jedem IKEA-Einrichtungshaus stehen könnte ohne aufzufallen. Auf dem Deckel ist das Ehrlund-Logo mit der stilisierten Dreiecksmembran eingebrannt. Darunter in serifenloser Type: »Made in Sweden«.

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Das Innere der Kiste ist mit Schaumstoff ausgekleidet, in dessen Mitte das Mikrofon in einer kardinalsroten »Schlafmütze« aus einem samtigen Gewebe schlummert. Die Spannung steigt: Wie klingt ein Mikrofon mit dreieckiger Membran?

Entdecke die Möglichkeiten

Mit Dreiecken verbinde ich vorwiegend positive Erinnerungen: leckere Nussecken, das berühmte Plumpudding Castle … Aber was treibt einen Mann dazu, Mikrofonkapseln mit dreieckigen Membranen zu konstruieren? Irgendwie scheint es kein Zufall zu sein, dass ausgerechnet ein Schwede auf diese Idee kam, denn viereckige Membranen wurden ebenfalls in Schweden entwickelt, nämlich von den (seit Kurzem wiedervereinten) Firmen Pearl und Milab. Tatsächlich gibt es Gründe, von der kreisrunden Form abzuweichen: Aufgrund ihrer Geometrie und der Membranspannung weisen übliche Kondensatormikrofone eine Resonanz an einer bestimmten Frequenz auf. Bei rechteckigen Kapseln verteilt sich diese Resonanz auf zwei Frequenzen, da es eine lange und eine kurze Seite gibt. Bei dreieckigen Kapseln liegt der Vorteil darin, dass sich die Seiten winklig gegenüberliegen, sodass Membranschwingungen nicht hin und her reflektiert werden (ähnlich wie Flatterechos in einem rechtwinkligen Raum). Durch das winklige Auftreffen verebben die Nachschwingungen etwa vier Mal schneller als bei einer runden Konstruktion. Theoretisch hat eine dreieckige Membran daher eine höhere Impulstreue als eine runde …

Den kompletten Testbericht findest du in der Sound&Recording Ausgabe 06/2018. Hier versandkostenfrei bestellen. 


Gute bis sehr gute technische Werte:

Das Ehrlund EHR-T hat ein sehr niedriges Eigenrauschen von nur 7 dB-A und eine hohe Empfindlichkeit von ca. 33 mV/Pa. Der Grenzschalldruckpegel ist mit 125 dB sPL angegeben — für laute Instrumente würde man sich mehr wünschen.


 

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eigenständiges Konzept
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separate Ausgänge für beide Kapselhälften
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detailreicher Sound mit hoher Impulstreue
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extrem rauscharm
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kein Manual, kein Zubehör

Hersteller/Vertrieb: Ehrlund / Thomann
Preis: 2.895,− Euro

www.thomann.de

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke für den Test. Für bassbetonte Aufzeichnungen könnte das Teil interessant sein. Aber der Höcker ab 6 kHz und der Abfall bei geschätzten 18 kHz um 6 dB, mmh na ja. Wers mag. Wer rauscharmes Mikro will dafür bietet sich der LEWITT LCT-540S mit noch besserem Wert für ein drittel des Preises:-)

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