Portabler 4-Kanal-Recorder mit Wave-Editor

Edirol R-4 im Test

R-1 x 4 + 40 GB = R-4? Auf den ersten Blick sieht die Formel doch recht gut aus: Der R-4 ist in etwa so groß wie vier R-1 zusammen und hat im Gegensatz zu diesem eine 40-GB-Festplatte integriert, außerdem ist der Verkaufspreis ca. viermal so hoch. Trotzdem: So richtig wird die Rechnung keinem der beiden Geräte gerecht, dazu sind die Unterschiede trotz der engen Verwandtschaft einfach zu groß …

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(Bild: Dieter Stork)

Der R-4 ist ein portabler 4-Kanal-Recorder, der als Aufzeichnungsmedium eine interne 40-GB-Festplatte benutzt und damit sehr lange Aufnahme-Sessions von hoher, unkomprimierter Qualität ermöglicht. Es können bis zu vier Signale gleichzeitig mit 16 oder 24 Bit und einer Sampling-Frequenz von 44.1, 48 oder 96 kHz aufgezeichnet werden. Die maximale Aufnahmedauer bei „CD-Qualität” beträgt stolze 58 Stunden. Die Aufnahmen können schon im Gerät bearbeitet werden, da der R-4 über einen Wave-Editor sowie einige Effekte verfügt. Dank integrierter USB-2.0-Schnittstelle können die erstellten Audio-Files schnell zu einem Computer übertragen werden; alternativ ist auch ein Datenaustausch über Compact-Flash- Cards möglich.

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Äußerlichkeiten

Natürlich ist der R-4 um einiges größer und schwerer als sein kleiner Bruder R-1; irgendwo muss die Festplatte ja unterkommen. Trotzdem kann man das Gerät noch ruhigen Gewissens als transportabel bezeichnen. Für das Netzteil war im Gerät kein Platz mehr, daher wurde es ausgelagert. Beim mobilen Einsatz spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle, da man den R-4 auch mit acht Batterien betreiben kann.

Das Bedienfeld wirkt durchdacht: An der angewinkelten Front befinden sich die Regler für GAIN und MONITORING, die Laufwerkstasten sowie das große grafikfähige Display, während die übrigen Bedienelemente inkl. dem großen Jog-Shuttle-Wheel auf der Geräteoberfläche verteilt sind. Sämtliche Anschlüsse wurden an den Seiten des Recorders untergebracht, als da wären: vier symmetrische Mic/Line-Eingänge (XLR/Klinke), Line-Ausgang (Cinch), Digital-I/O, USB, LANC-Connector zum Anschluss von Video-Equipment sowie ein Kopfhörerausgang. Außerdem versteckt sich hinter einer Klappe das Einschubfach für die bereits erwähnten CF-Cards.

Was kann er denn?

Wie der R-1 lässt sich auch der R-4 als Standalone-Gerät einsetzen: Dank zweier integrierter Kondensatormikrofone mit Kugel- Charakteristik sind (Stereo-)Aufnahmen in ordentlicher Qualität auch ohne externes Equipment möglich. Gleiches gilt für die Wiedergabe, denn zwei kleine Lautsprecher sind ebenfalls eingebaut. Interessant wird es ja aber meist erst, wenn man hochwertige Mikrofone verwendet, und hier bietet der R-4 erfreulicherweise die Möglichkeit, die vier XLR-Eingänge paarweise mit Phantomspannung zu versorgen – unverzichtbar für den Einsatz von Kondensatormikrofonen. Hat man die Mikrofone angeschlossen, sollte man zuerst festlegen, wie die erzeugten Audio-Files aussehen sollen. Bei vier aufzunehmenden Signalen kann man sich entscheiden zwischen MONOx4 (vier Monofiles werden erzeugt), STEREOx2 (zwei Stereospuren) und 4CHx1 (ein File mit vier Kanälen wird erzeugt). Die erste Option steht bei Projekten mit 96 kHz leider nicht zur Verfügung.

Sehr nützlich für alle Trantüten ist die einstellbare PRE RECORDING TIME, also die Zeitdauer, während der schon vor dem Drücken der REC-Taste aufgenommen wird – die maximale Größe dieses Puffers schwankt abhängig von Kanalzahl, Bit-Tiefe und Sampling- Frequenz zwischen 4 und 59 Sekunden. Bei der Aufnahme ist man gegen unvorhergesehene Signalspitzen gleich doppelt gut gewappnet, denn erstens befindet sich ein zuschaltbarer Limiter mit an Bord – der natürlich vor dem Wandler sitzt – und zweitens hat Edirol noch vorsichtshalber einen Headroom von 12 dB eingerichtet. Wer trotzdem noch Clippings fabriziert, sollte lieber die Finger von roten Buttons lassen.

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(Bild: Dieter Stork)

Schon während der Aufnahme kann man Marker setzen, um gewisse Stellen später schnell wieder zu finden und sie evtl. im Wave-Editor zu bearbeiten. Die Bearbeitung beschränkt sich auf das Schneiden, Trennen und Kombinieren von Audio-Files. Diese Aufgaben erfüllt der R-4 dafür vorzüglich, bei entsprechender Vergrößerung ist sogar Samplegenaues Schneiden möglich. Die MERGEFunktion zum Zusammenmischen mehrerer Spuren erreicht man ebenfalls über den Wave-Editor; somit stellen auch Overdub- Aufnahmen kein Problem dar. Als kleines Bonbon hat Edirol sogar noch eine Effektsektion eingebaut, die fünf verschiedene Effekttypen vorzuweisen hat: 3-BAND EQ, GRAPHIC EQ, NOISE GATE, ENHANCER und COMPRESSOR & DEESSER. Es kann immer nur ein Effekt-Typ aktiv sein, dafür kann man diesen aber gezielt auf einzelne Spuren anwenden. Über die LANC-Schnittstelle ist es möglich, den R-4 mit Video-Equipment wie beispielsweise einer Kamera zu verbinden. Beide Geräte sollen in diesem Fall synchron laufen.

Fazit

Stundenlange unkomprimierte Aufzeichnungen von bis zu vier Mikrofonsignalen sind sicherlich für diverse Anwender interessant, und so darf der R-4 auf viele potenzielle Kunden hoffen. Bei der Ton-Aufzeichnung am Filmset macht der R-4 natürlich auch wegen der integrierten LANC-Schnittstelle eine gute Figur. Allerdings sollte man dort gut auf ihn aufpassen, denn obwohl die Verarbeitung einen guten Eindruck macht, dürfte das Plastikgehäuse Stürze nicht besonders gut verkraften.

Wer grundsätzlich mit zwei Signalen und komprimierten Aufnahmen auskommt, dem reicht sicher auch ein CF-Card-Recorder wie der R-1 oder der M-Audio Microtrack. Wer es jedoch kompromisslos und komprimierlos mag, der greift zum R-4 – und damit auch tiefer in die Tasche.


Profil

Konzept: Mobiler 4-Kanal HD-Recorder mit Wave-Editor

Hersteller / Vertrieb:

Edirol Deutschland

www.edirol.de

Maße / Gewicht:

25,4 (B) × 22,18 (T) × 7,22 (H) cm / 1,7 kg

UvP / Straßenpreis:

€ 1.590,– / ca. € 1.390,–


+ unkomprimierte 24Bit/96kHz-Aufzeichnungen von hoher Länge möglich

+ Phantomspeisung für alle vier Eingänge

+ Wave-Editor

+ Limiter

+ LANC-Schnittstelle

+ komfortable Bedienung

– bei 96 kHz keine Aufnahme von vier Monospuren möglich

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