Made in England

Drawmer MC 2.1 Monitor-Controller im Test


Man sollte meinen, es sei eine simple Aufgabe, das DAW-Ausgangssignal unverfälscht auf verschiedene Lautsprecherpaare zu routen und in der Lautstärke zu regeln. Tatsächlich sind aber viele günstige Monitor-Controller alles andere als klangneutral, und hochwertige Geräte sind meist sehr teuer. Der Drawmer MC2.1 schickt sich an, günstigen Preis und hohe Klangtreue miteinander zu vereinen.

Britisch nüchtern präsentiert sich der MC 2.1 Monitor-Controller − nicht unbedingt eine Augenweide, aber robust und sauber ver – arbeitet. Das Gehäuse besteht aus zwei Metallprofilen, von denen das obere großzügig verrundet ist, um den englischen Seewinden wenig Angriffsfläche zu bieten.

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Der Drawmer MC 2.1 verwaltet bis zu drei Boxenpaare sowie einen Subwoofer. Die entsprechenden Anschlüsse sind allesamt als XLR-Buchsen ausgeführt. Ein zusätzlicher Klinkenausgang dient der Talkback-Funktion. Stereoeingänge gibt es ebenfalls drei. Input 1 und 2 (XLR bzw. Combobuchse, symmetrisch, +4 dBu) sind für Profi-Equipment ausgelegt. Input 3 (Cinch und Miniklinke, unsymmetrisch, −10 dBV) dient dem Anschluss von Consumer-Technik wie Smartphone oder CDSpieler. Anders als viele andere Geräte dieser Preisklasse arbeitet der Drawmer MonitorController mit einem internen Netzteil.

Das Bedienfeld ist nahezu selbsterklärend. Drei Drucktaster mit Status-LED wählen die Lautsprecherpaare an, die drei Source Taster darunter bestimmen das Eingangs – signal. Die Buttons deaktivieren sich nicht gegenseitig; es können also jeweils mehr als nur eine Quelle und mehr als nur ein Lautsprecherpaar aktiv sein. Das macht das schnelle Umschalten zwar etwas umständlicher, ermöglicht es aber, mehrere Quellen gleichzeitig zu hören (etwa die DAW und ein Keyboard) bzw. bei Bedarf Regie und Aufnahmeraum gleichzeitig zu beschallen.

Ungewöhnlich, aber sehr sinnvoll ausgestattet sind die beiden Sektionen »Cut« und »Output«. Erstere ermöglicht es, den linken oder rechten Speaker solo zu hören. Der Mute Taster schaltet alle Lautsprecher stumm, nicht aber die Kopfhörer − also genau das, was man braucht, um in der Tonregie bzw. einem Einzimmer-Studio Mikrofonaufnahmen zu machen.

Zur üblichen Grundausstattung gehören die Dim- und Mono-Buttons in der Output Sektion. Dass man seinen Mix regelmäßig auf Monokompatibilität prüfen sollte, hat sich inzwischen herumgesprochen. Vom Küchenradio bis hin zur Großraumdisko wird noch immer viel Musik in mono genossen. Sowieso haben Stereomixes, die mono abgespielt in sich zusammenfallen, meist schwerwiegende Probleme. Und um diese aufzuspüren, nutzt man eine Phasendrehung des linken Stereokanals, was sich mithilfe des Rev-Tasters schalten lässt. Drückt man Rev- und Mono Taster gleichzeitig, lauscht man dem Differenzsignal. Auch das kann nützlich sein, z.B. um Hall-Effekte oder die Klangqualität von MP3-Encodern zu beurteilen.

Auf der Unterseite versteckt sind sieben Trimpotis für die drei Stereoausgänge sowie den Subwoofer-Ausgang. Hier kann (und sollte) der Anwender die Lautstärke und den Kanalversatz der verwendeten Lautsprecher anpassen.

Praxis / Klang

Ein Lob verdient Drawmer für die verständlich geschriebene Bedienungsanleitung, die u.a. umfassend erklärt, wie man seine Abhöre auf Referenzpegel kalibriert. Aufgrund des großen Regelwegs und der sehr leichtgängigen Trimmer gerät das etwas fummelig, aber man muss das ja nur einmal machen.

Das Feature-Set ist sehr praxisgerecht − kein Wunder, denn es orientiert sich grob an den Vorgaben der BBC. Diese sehen u.a. vor, dass Monosignale über nur einen Lautsprecher wiedergegeben werden sollten, was zur Beurteilung gerade der unteren Frequenzen einen deutlichen Unterschied gegenüber der Wiedergabe über zwei Boxen macht. Dazu drückt man einfach Mono und einen der Cut Buttons. Auch der Phasenschalter gehört aus gutem Grund zu den BBC-Anforderungen; in der Praxis lassen sich damit sehr flott Probleme aufspüren. Vermisst habe ich allerdings eine Möglichkeit, den Subwoofer separat ein und auszuschalten; er ist fest dem ersten Boxenpaar zugeordnet.

Der große Lautstärkeregler liegt gut in der Hand und läuft sehr gleichmäßig. Bei meinem Testmodell gab es über den gesamten Regelweg einen Kanalversatz von nur 0,2 dB − wirklich ausgezeichnet! Die Kopfhörerverstärker sind sehr leistungsstark, selbst alte 600-Ohm-Hörer kommen auf mehr als ausreichende Lautstärke.

Über die Klangqualität gibt es nur Gutes zu berichten. Der Frequenzgang bleibt bis weit über den Hörbereich hinaus völlig linear, sodass der Drawmer MC2.1 bedenkenlos auch für Projekte mit höchsten Samplingraten verwendet werden kann. In Verbindung mit dem kürzlich getesteten MOTU 828x blieben Frequenzgang, Rauschen und Verzerrungswerte praktisch unverändert, d. h., der zwischen Ein- und Ausgang gepatchte Drawmer MC2.1 verhielt sich messtechnisch wie eine direkte Kabelverbindung!

Der Frequenzgang reicht von unter 20 Hz bis weit über den menschlichen Hör bereich.

 

Kein Eigenklang: Das Klirrspektrum entspricht dem des zur Messung verwendeten MOTU 828x Audiointerfaces

 

Das Anschlussfeld des Drawmer MC2.1

Fazit

Der Drawmer MC2.1 Monitor-Controller bietet zum Straßenpreis von knapp 500 Euro hochprofessionelle Klangqualität, die selbst manches deutlich teurere Gerät alt aussehen lässt. Diese Performance erreicht der MC2.1 nicht mit esoterischen Bauteilen, sondern mit solidem, hochwertigem Engineering Made in England. Auch die Ausstattung ist »very British« − und das ist gut so, denn die BBC-Vorgaben erweisen sich auch im bundesdeutschen Studio als äußerst praxisgerecht. Ein klasse Gerät zum attraktiven Preis − splendid!


+++ hohe Klangtreue
++ praxisgerechte Features
++ hochwertige Verarbeitung
++ günstiges Preis/Leistungs-Verhältnis
– Subwoofer nicht separat schaltbar

MC2.1

Hersteller/Vertrieb Drawmer / S.E.A. Vertrieb
UvP/Straßenpreis 609,— Euro / ca. 500,— Euro

www.sea-vertrieb.de

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Super Teil – danke für die Beschreibung. Danach habe ich schon lange gesucht – und jetzt gefunden:-)

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