Klangvergleich

Der „1176“ Sound – Hardware und Software im Klangvergleich

Beim 1176 handelt es sich um den legendären Feld-Effekt-Transistor Kompressor aus dem Hause UREI (United Recording Electronics Industries), der 1967 von Bill Putnam veröffentlicht wurde. Mittlerweile sind viele Revisionen und Klone dieses Kult-Kompressors auf dem Markt verfügbar, die sich nicht nur in der Bedienung, sondern auch klanglich unterscheiden. Wie groß diese Unterschiede sind, könnt ihr in diesem Klangvergleich selbst erfahren.

Um den Klang des Kompressor-Klassikers zu erfahren, wurden Mono-Signale von einer männlichen Gesangsstimme, einem E-Bass und einer Schlagzeug-Raumaufnahme gewählt. Diese wurden mit den gleichen Einstellungen durch die 1176-Modelle geschickt und entsprechend komprimiert. Zur Orientierung diente in erster Linie das VU-Meter, das die Kompressionsstärke vergleichbar einstellen ließ. Es handelt sich demnach bei diesem Klangvergleich natürlich nicht um einen wissenschaftlich-korrekten Vergleich der verschiedenen Modelle. Vielmehr ist es ein Ausprobieren unter den Bedingungen, die wir bei der täglichen Arbeit im Tonstudio vorfinden. Zur Durchführung des Klangvergleichs kam ein Pro Tools HD Native System mit einem HD I/O Interface zum Einsatz.

Kompression von Gesang

Für die Kompression des Gesangs kamen zwei grundsätzlich verschiedene Einstellungen zum Einsatz. Die „Vocals 1“ Beispiele nutzen das sogenannte „Dr. Pepper“-Setting. Dabei wird die Attackzeit auf 3 und die Releasezeit auf 5 eingestellt, das Kompressionsverhältnis beträgt 4:1. Für die Beispiele wurden ungefähr 5dB Kompression erreicht.

Der IK Multimedia „Black 76“ in der „Dr. Pepper“ Einstellung

Für „Vocals 2“ wurde eine aggressivere Einstellung gewählt, um den „in your face“-Sound zu erreichen. Die Ratio ist mit 8:1, die Attackzeit mit 5 und Release mit 7 gewählt. Die Gainreduction beträgt rund  7dB.

Die schnelle Releasezeit und Ratio von 8:1 sorgen bei „Vocals 2“ für den sehr direkten Sound.

Die Beispiele 3 und 4 der Vocals wurden exklusiv mit der Sonderedition „1176 AE“ (Hardware und Software) erstellt, da diese mit den anderen Modellen nicht möglich waren. Die Beispiele zu „Vocals 3“ nutzen das Kompressionsverhältnis von 2:1 bei Attackzeit 4 und Releasezeit 7, was in ungefähr 5dB Kompression resultiert. „Vocals 3“ bedient sich der langsamen Attackzeit-Einstellung „Slo“ (10ms), während Release auf 7 und die Ratio auf 4:1 stehen. Hier wird mit 10dB Gainreduction ordentlich zugepackt.

Beim 1176 AE wurden auch die langsame Attackzeit sowie die besondere 2:1 Ration ausprobiert.

 


E-Bass Kompression 

Der Bass wurde mit folgenden Einstellungen komprimiert: Attackzeit auf 2, Release auf 7 und das bei einer Ratio von 4:1. Als Gainreduktion waren ungefähr 5dB vom VU-Meter abzulesen.

Die zusätzlichen Optionen wie parallele Kompression und der Sidechain-Filter des Softube „FET Compressor“ kamen aufgrund der Vergleichbarkeit zu den anderen Modellen des Klangvergleichs nicht zum Einsatz.

Schlagzeug-Raum Kompression

Beim den Beispielen sollte das Raumsignal durch den 1176 deutlich „gefärbt“ werden. Für „Drums 1“ wurde daher ein Kompressionsverhältnis von 12:1 gewählt, die Attackzeit war auf 4 und Release auf 7 eingestellt, was zu einer Verdichtung des Signals von ungefähr 7dB führte. Die Beispiele des „1176 AE“ mussten für „Drums 1“ allerdings etwas variieren, da keine 12:1 Ratio zur Verfügung steht. Stattdessen wurde auf starkes Limiting mit einem Verhältnis von 20:1 zurückgegriffen.

„Drums 2“ ist ein Beispiel für die legendäre „All Buttons In“-Einstellung. Hierfür werden alle Ratio-Drucktaster gleichzeitig eingerastet, was zu einer anderen Kompressionskurve und mehr Verzerrungen führt. Die Attackzeit war auf 7 eingestellt, die Releasezeit mit 5 gewählt. Die Gainreduction bewegte sich im Bereich von ungefähr 12dB.

Bei „Drums 2“ wurden alle Ratio-Drucktaster eingerastet, um das Verhalten des 1176 stark zu verändern.

Fazit 

Auch wenn es beim 1176 um ein ganz spezielles Gerät geht, so sind nicht nur bei den Revisionen des Originals deutliche Klangunterschiede auszumachen. Was nun als „besser“ oder „schlechter“ erachtet wird, hängt sowohl vom Anwendungsbereich, als auch von der persönlichen Präferenz ab. So sind für mich beispielsweise die Modelle interessant, die im „All Buttons In“-Modus den Schlagzeugraum ordentlich aufblasen können, auch wenn dies zum Teil mit reichlich Verzerrung verbunden ist. Wenn es dagegen um Gesangsstimmen geht, präferiere ich eher die „cleane“ Variante, die nicht so deutlich zupackt. Natürlich hängen diese pauschalen Aussagen jedoch ganz klar von der Art der Produktion ab. Sehr gelungen finde ich die Jubiläumsversion „1176 AE“, die 2008 in limitierte Auflage von Universal Audio veröffentlicht wurde. Das Kompressionsverhältnis von 2:1 und die Attackzeit von 10 Millisekunden bringen deutlich mehr Flexibilität ins Spiel. Bleibt nur zu hoffen, dass 2018 vielleicht wieder eine solche Edition auf den Markt gebracht wird.

Egal ob Hardware oder Software – der 1176 bleibt ein fester Bestandteil vieler Signalketten und wird uns vermutlich noch in vielen zukünftigen Produktionen begleiten.

Wer durch diesen Klangvergleich mehr Interesse an Informationen zum 1176 bekommen hat, dem bleibt das 1176 Special in der Ausgabe 12/2017 von Sound & Recording. Dort wird unter anderem beschrieben, wie es zur Entwicklung dieses Kompressors kam und welche Besonderheiten das Gerät aufweist.

An dieser Stelle möchte ich Florian Richter (Sound & More), Lennart Damann (High Tide Studio), Philipp Janzen (von Spar) und Benny Breuning (Universal Audio) für die jeweiligen Leihgaben danken. Außerdem danke ich Andreas März von der Band „Steorrah“ für seine Gesangsperformance.

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